Thema des Tages

18-10-2026 11:50


Wetter aktuell

Mission impossible


Meistens lässt sich das Wetter für 4 Tage im Voraus gut vorhersagen.
Es gibt aber auch Situationen, da ist eine genaue Vorhersage
unmöglich, so wie für kommenden Dienstag.


Die Aufgabe von uns Vorhersagemeteorologen ist simpel beschrieben:
Fertige eine Prognose für Bewölkung, Temperatur, Niederschlag und
Wind für die kommenden Stunden und Tage. Unterstützt werden wir dabei
neben Messungen von Radaren und Satelliten von einer Vielzahl an
Vorhersagemodellen, die teils beim Deutschen Wetterdienst selbst
entwickelt werden, die wir aber auch von anderen Quellen beziehen wie
zum Beispiel vom Europäischen Zentrum für mittelfristige
Wettervorhersage (EZMW).

In aller Regel lassen sich von den Modellen Vorhersagen gut ableiten.
Die Aussagen gehen meistens ab Tag 4 auseinander, es lässt sich aber
ein wahrscheinliches Szenario herausfiltern, das oft auch zwischen
den Modelllösungen liegt. Die größten Probleme in der Vorhersage
bereiten Tiefdruckgebiete in der Höhe sogenannte Kaltlufttropfen.
Deren Vorhersage gestaltet sich meist schwierig. Sie werden von den
Modellen zwar erfasst, ihre Verlagerung wird aber oft unterschiedlich
simuliert.

Das Problem mit einem Höhentief haben wir auch aktuell. Auf der
Vorhersage der Bodenwetterkarte für den heutigen Sonntag aus dem
DWD-Modell ICON sehen wir ein umfangreiches Hochdruckgebiet namens
GERHARD, das von den Britischen Inseln bis nach Skandinavien reicht.
Südlich daran schließt sich eine Zone tieferen Luftdrucks an, in die
einzelne kleine Tiefdruckgebiete eingelagert sind. Über dem Schwarzen
Meer befindet sich ein Tiefdruckgebiet, das Verbindung zu einem
großen Tiefdruckgebiet über der Barentssee hält.

Betrachtet man die Höhenwetterkarte mit den Linien gleichen
Geopotentials, so finden wir zwei Tiefdruckgebiete sowohl auf 500 hPa
(ca. 5500 Meter über dem Meer), als auch auf 300 hPa (ca. 9000 Meter
über dem Meer, etwa auf Jet-Niveau). Ein Tiefdruckgebiet liegt über
Frankreich, ein weiteres stützt das Bodentief über dem Schwarzen
Meer. Wir sehen auch einen Höhentrog über dem Baltikum, der vom Tief
über der Barentssee ausgeht.

In der Prognose für Montag sind sich die drei großen Modelle ICON
(vom DWD), GFS (aus den USA) und IFS (vom EZMW) einig. Aus dem Trog
tropft ein Höhentief über dem Baltikum ab und zieht südwestwärts nach
Polen. Von dort verlagert es sich westwärts in den Osten
Deutschlands.

Am Dienstag divergieren die Modelle dann stark. Während ICON und GFS
das Höhentief samt kalter Luft weiter west-/nordwestwärts propagieren
lassen, lässt IFS das Tief über dem Osten Deutschlands liegen.

Für eine Prognose ist das eine sehr schlechte Ausgangslage. Die Lage
des Höhentiefs hat nicht nur Auswirkungen auf die Temperatur, sondern
auch auf Bewölkung und Niederschlag. Bleibt das Tief im Osten liegen
(Lösung des IFS), so bleibt dort auch die Bewölkung dominant.
Zeitgleich wird eine neue Störung im Westen ausgebremst, was dort zu
mehr Sonne führen kann. In höhenkalter Luft sind zudem bevorzugt am
Nordrand des Tiefs Schauer wahrscheinlich, die dann den Osten bzw.
Nordosten beträfen.

Zieht das Tief hingegen in den Nordwesten Deutschlands (Lösung
ICON/GFS), verlagern sich auch die Schauer nord-nordwestwärts. Damit
wäre die Chance auf Auflockerungen und trockene Phasen im Osten
gegeben. Zeitgleich würde die Störung aus Frankreich nicht mehr
gebremst und der Westen und Südwesten sähen mehr Wolken und im
Tagesverlauf auch aufkommenden Regen.

Bei der Temperatur ergeben sich im Dreieck Sachsen - Thüringen -
Sachsen-Anhalt je nach Modell +10 oder -2 Grad in 850 hPa (ca. 1400
Meter über Meer). Das hat auch Auswirkungen auf die Temperatur am
Boden, die in diesem Bereich je nach Modell zwischen 7 und 13 Grad
schwankt.

Die Vorhersage für Tag 2 (von heute an gesehen) ist demnach alles
andere als leicht und schon gar nicht sicher. Auch die Vorläufe der
Modelle ergeben kein klareres Bild. Alle halten an ihrer Vorhersage
mehr oder minder fest. Die Unterschiede bleiben. Schauen wir wie lang
und wer am Ende recht behält.

Dipl.-Met. Jacqueline Kernn

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 18.10.2026

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