DWD Synoptische Übersicht Mittelfrist
10-10-2026 10:01
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Samstag, den 10.10.2026 um 10.30 UTC
Mild und teils golden, ab Freitag bei steigender Unsicherheit wechselhafter und
kühler
__________________________________________________________
Synoptische Entwicklung bis zum Samstag, den 17.10.2026
Ein Höhentrog, der nur mit mäßiger Kaltluft gefüllt ist und Deutschland am
Sonntag und Montag überquert, tropft zu Beginn der Mittelfrist am Dienstag über
Polen ab. Das resultierende Höhentief zieht im Tagesverlauf weiter über den
Balkan und erreicht am Mittwochfrüh die Ägäis. Das Trogresiduum zieht nach
Russland ab. Rückseitig schwenkt ein Höhenrücken über Deutschland hinweg, dessen
Achse sich von Frankreich bis nach Skandinavien erstreckt. Bereits im
Tagesverlauf nähert sich der Randtrog eines sich allmählich abschwächenden Tiefs
nahe Island.
Am Boden verlagert sich ein Hoch, dessen Zentrum am Montag noch über Deutschland
zu finden war, nach Polen. Somit ist der Weg frei für den nur schwach
ausgeprägten Ausläufer eines Nordmeertiefs, der jedoch nur wenig Niederschlag
für die Nordhälfte bringt. Dazu kann der Wind an den Küsten stark böig
auffrischen. Mit dem Frontensystem gelangt auch ein Schwall milder Atlantikluft
nach Deutschland. Die 850 hPa-Temperatur steigt auf Werte von 6 bis 10 Grad an.
Bei guter Einstrahlung sind so Höchstwerte von 20 Grad am Oberrhein durchaus
plausibel. Während es in der vorangegangenen Nacht zum Dienstag im Süden und
Osten noch leichten Frost gab, bleibt es aufgrund der aufziehenden Bewölkung in
der Nacht zum Mittwoch weitgehend frostfrei.
Am Mittwoch schwenkt der Randtrog ostwärts durch und der Azorenrücken kann sich
regenerieren. Die Achse zeigt dabei von Frankreich über die Südhälfte
Deutschlands nach Belarus.
Am Boden baut sich eine Hochdruckbrücke auf, die von den Azoren über Deutschland
und Österreich bis nach Russland reicht. Unter weiterer Abschwächung zieht der
Tiefausläufer ostwärts ab, wobei die Südhälfte Deutschlands voraussichtlich noch
etwas Regen sieht. Die 850 hPa-Temperatur geht vorübergehend etwas zurück auf 5
bis 8 Grad, bevor von Westen erneut die 10 Grad-Isotherme aufzieht. Aufgrund der
Bewölkung ist die nächtliche Ausstrahlung eingeschränkt, sodass es bodennah mild
bleibt. Bei ausreichender Sonneneinstrahlung können am Mittwoch am Oberrhein
Höchstwerte von bis zu 22 Grad erreicht werden.
Unter Hochdruckeinfluss ist am Donnerstag verbreitet trockenes Wetter zu
erwarten. Vor allem in den Niederungen kann sich örtlich zäher Nebel oder
Hochnebel halten. Abseits davon zeigt sich der Oktober bei viel Sonnenschein
golden.
Zum Freitag nähert sich vom Atlantik dann ein weiterer Trog, der am Freitag über
Benelux und Frankreich abtropfen soll. Während das abgetropfte Tief südwestwärts
in Richtung Spanien weiterzieht, verlagert sich der Resttrog langsam ostwärts
nach Skandinavien. Auch bei dieser Passage mangelt es an kalter Höhenluft und
kräftiger Hebung. Entsprechend bringt der sich wellende Ausläufer eines weiteren
Nordmeertiefs, der zum Freitag sogar ein eigenständiges Bodentief über
Großbritannien und der Nordsee entwickelt, nur etwas Regen. Zudem frischt der
Wind in Küstennähe in Böen zeitweise stürmisch auf. Während die 850
hPa-Temperatur am Donnerstag noch bis zu 14 Grad beträgt, kommt mit Aufzug des
Tiefausläufers am Freitag ein Schwall kühlerer Meeresluft zu uns. Im äußersten
Norden zeigt sich dann sogar die 0 Grad-Isotherme. Während also bodennah am
Donnerstag und Freitag am Oberrhein ohne Nebel, aber mit Sonnenunterstützung bis
zu 24 Grad erreicht werden könnten, sinken die Höchstwerte am Samstag wieder
unter 20 Grad ab.
In der erweiterten Mittelfrist zieht das abgetropfte Tief von Südfrankreich über
Nordspanien hinweg südwestwärts. Westlich der Britischen Inseln etabliert sich
hingegen ein Hochdruckgebiet. Deutschland gelangt dabei in eine nordwestliche
bis nördliche Strömung, mit der kältere Polarluft zu uns gelangt. Dabei bleibt
der Nordosthälfte Deutschlands anfällig für durchziehende Randtröge.
__________________________________________________________
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Zu Beginn der Mittelfrist ist die Konsistenz zwischen dem aktuellen Lauf und den
beiden Vorläufen hoch.
Bereits im Laufe des Mittwochs gibt es kleinere Unterschiede bei der Passage des
Randtrogs nördlich von uns. Dieser ist in den Vorläufen am Donnerstag nicht über
Polen abgetropft, die Achse des Höhenrückens wurde stärker betont. Größere
Auswirkungen auf das Wettergeschehen in Deutschland hat dies jedoch derzeit
nicht.
Ab Freitag divergieren die Lösungen dann deutlich. Während der gestrige 00
UTC-Lauf die Passage des Trogs und des Ausläufers schneller (bis Samstagfrüh
sind beide abgezogen) und nachfolgend ein Hoch über Deutschland rechnet, bietet
der gestrige 12 UTC-Lauf eine langsamere Passage an, jedoch ohne Abtropftendenz
des Höhentroges.
In der erweiterten Mittelfrist ist die Konsistenz schlecht. Der gestrige 00
UTC-Lauf lässt einen Höhenrücken über Deutschland ostwärts passieren und deutet
zum Montag eine weitere Frontpassage an. Der gestrige 12 UTC-Lauf ist eher in
der Spur des aktuellen Laufs, wenngleich die nordwestliche Strömung über
Deutschland zyklonaler geprägt ist.
__________________________________________________________
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Ähnliches Bild zeigt sich auch beim Vergleich des aktuellen IFS-Laufs mit
anderen Mittelfristmodellen. Anfangs ist die Konsistenz recht hoch, ab Mittwoch
werden kleinere Unterschiede gerechnet, die jedoch auf das Wettergeschehen in
Deutschland keine signifikanten Auswirkungen haben sollten.
Ab Freitag nehmen dann die Unterschiede deutlich zu. Während GFS den Trog
ebenfalls über Westeuropa abtropfen lässt und somit der IFS-Lösung ähnlich
wirkt, lässt ICON den weniger stark betonten Trog ostwärts durchschwenken.
Nachfolgend rechnet ICON dann hohen Luftdruck vom westlichen Mittelmeer bis
Großbritannien, womit wir uns in einer antizyklonal geprägten, nordwestlichen
Strömung befinden würden. UK10 rechnet ebenfalls mit einer Trogpassage, wobei
der Trog selbst etwas stärker als bei ICON betont wird.
Das chinesische CMA stützt die Lösungen von IFS und GFS, wenngleich der
Abtropfprozess über Mitteleuropa stattfinden soll. Das japanische JMA rechnet
wie ICON und UK10 mit einer Trogpassage. Das kanadische Modell zeigt hingegen
nach der Frontpassage am Freitag verstärkt Hochdruckeinfluss und bietet somit
eine weitere Lösung an. Entsprechend zeigen sich auch hier die großen
Unsicherheiten, die ab Freitag bestehen.
__________________________________________________________
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Rauchfahnen unterstützen die bisherigen Beobachtungen. Während die
Konsistenz zu Beginn der Mittelfrist noch hoch ist, nimmt der Spread der 850
hPa-Temperatur am Donnerstag etwas zu. Entsprechend ist derzeit noch nicht ganz
klar, wie hoch die Temperatur im Laufe der Woche steigen wird. Ab Freitag sieht
man einen starken Abfall der Temperatur, wobei das Timing noch unsicher ist. Der
Kontrolllauf zeigt den Temperaturrückgang vergleichswese spät. Im weiteren
Verlauf liegen einige Ensemblelösungen um 0 Grad in 850 hPa, der Kontrolllauf
geht im Norden und Osten sogar bis -6 Grad zurück. Insgesamt ist der Spread
jedoch sehr groß und es zeigen sich auch einige wärmere Ausreißer.
Das Geopotenzial in 500 hPa bleibt bis Donnerstag recht hoch bei meist guter
Konsistenz. Zum Freitag nimmt auch hier der Spread deutlich zu, das Geopotenzial
etwas ab. In der erweiterten Mittelfrist scheint das Mittel der Verteilung
wieder etwas anzusteigen, wenngleich der Spread insgesamt sehr groß ist.
Beim Niederschlag zeigt sich zu Beginn der Mittelfrist etwas Regen, wobei die
verschiedenen Läufe im Großen und Ganzen miteinander übereinstimmen.
Unterschiede gibt es meist nur bei der Niederschlagsmenge. Im Anschluss gibt es
eine trockene Phase. Auch dies scheint in "trockenen Tüchern". Wie weit diese in
den Freitag reicht, wird dann aber unsicher. In der erweiterten Mittelfrist gibt
es weiterhin einige Niederschlagssignale, was auf wechselhaftes Wetter
hindeutet.
Die Clusteranalyse zeigt im Zeitschritt +120-+168 h fünf verschiedene Cluster
(Mitgliederverteilung: 14/10/9/9/9). Zu Beginn weisen diese eine ähnliche
großräumige Geopotenzialverteilung auf. Die Unterschiede nehmen jedoch im
Verlauf zu, die Differenzen verstärken sich hinsichtlich der
Trog-Rücken-Konfiguration und der Lage möglicher Höhentiefs deutlich. Cluster 1,
der den Kontrolllauf beinhaltet, und Cluster 4 werden im Zeitschritt +168 h dem
klimatologischen Regime Atlantischer Rücken zugeordnet, während die restlichen
Cluster blockierende Strömungsmuster aufweisen. Insgesamt stützt die
Clusteranalyse damit die zunehmende Prognoseunsicherheit ab Freitag, wobei
unterschiedliche Entwicklungen der großräumigen Strömung möglich sind.
Die Clusteranalyse zeigt im Zeitschritt +192 bis +240 h drei Cluster mit einer
Mitgliederverteilung von 21/18/12. Die Cluster weisen weiterhin eine ausgeprägte
Variabilität hinsichtlich der Lage und Ausprägung der Höhentröge und -rücken
über Europa auf. Cluster 1, der den Kontrolllauf enthält, und Cluster 2 zeigen
dabei tendenziell eine stärker meridional geprägte Strömung, während Cluster 3
eine weniger stark ausgeprägte Trog-Rücken-Konfiguration aufweist. Insgesamt
bleibt die Prognoseunsicherheit in der erweiterten Mittelfrist erhöht, wobei die
großräumige Zirkulation weiterhin von blockierenden Strukturen geprägt ist.
FAZIT:
Zu Beginn der Mittelfrist herrscht unter Hochdruckeinfluss überwiegend ruhiges
und mildes Wetter, nur unterbrochen von schwachen Niederschlägen im Zusammenhang
mit durchziehenden Tiefausläufern. Ab Freitag wird die Wetterküche dann
turbulenter. Die Modelle sind sich über die weitere Trogentwicklung uneinig,
eine Abkühlung zeichnet sich jedoch ab. In der erweiterten Mittelfrist bleibt
der Blick in die Glaskugel entsprechend trüb. Kurz gesagt: Vorne Hui, hinten
pfui - zumindest bei der Prognosesicherheit.
_________________________________________________________
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
WIND/STURM:
Am Dienstag sind an der Nordseeküste sowie auf dem Brocken stürmische Böen oder
Sturmböen (Bft 8-9) gering wahrscheinlich. Am Mittwoch kommt es vorübergehende
zu einer Windabschwächung, bevor am Donnerstag und Freitag insbesondere an Nord-
und Ostseeküste sowie auf dem Brocken wieder zeitweise stürmische Böen oder
Sturmböen (Bft 8-9) auftreten können.
________________________________________________________
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-ENS, MOSMIX
________________________________________________________
VBZ Offenbach / MSc.- Met. Sebastian Schappert