Thema des Tages
06-10-2026 12:20
Wetter aktuell
Niederschlagsdefizit - Was bringt der Wetterwechsel
Seit dem Frühling gibt es in der Mitte und im Süden des Landes ein
enormes Niederschlagsdefizit. Der bevorstehende unbeständige
Wetterabschnitt ist allenfalls der erste Schritt zu einer möglichen
Normalisierung.
Das derzeitige Niederschlagsdefizit im Süden und Südwesten des Landes
ist immens. Bereits seit dem Frühling fehlen dort Monat für Monat
Niederschläge. Gleichzeitig war die Verdunstung in dem heißen und
sonnigen Sommer überdurchschnittlich hoch. Die Karten der
?Klimatischen Wasserbilanz? zeigen das Defizit für den Frühling und
den Sommer. Im Süden und Südwesten betrug das Defizit im Frühling
verbreitet 50 bis 250 mm. Im Sommer fehlten verbreitet 125 bis 250
mm, am Alpenrand und im Schwarzwald war das Defizit sogar noch
größer. Summiert beträgt das Defizit gebietsweise 200 bis 500 mm oder
anders ausgedrückt: Es fehlen mehrere Monate Niederschlag.
Die Folgen zeigen sich an vielen Stellen. Wenig überraschend herrscht
seit Längerem in großen Teilen des Südens, aber auch in anderen
Regionen Deutschlands Trockenstress für die Vegetation. Die Böden
sind teils bis in große Tiefe ausgetrocknet. Vor allem im Saarland,
in Rheinland-Pfalz, Südhessen und Baden-Württemberg sowie in Bayern
ist der Trockenstress teilweise extrem. Anschaulich zeigt dies die
Flächendarstellung der Bodenfeuchte unter Gras in 20 bis 30 cm Tiefe
in Abbildung 2.
Exemplarisch zeigt Abbildung 3 die Entwicklung der Bodenfeuchte unter
Gras für Lahr im Oberrheingraben und Augsburg in Bayern. Die Kurve
seit Jahresbeginn zeigt für beide Stationen einen ähnlichen Verlauf.
Zuletzt wurde im März eine überdurchschnittliche Feuchte gemessen.
Seitdem ist der Boden trockener als im Mittel. Häufig bewegte sich
die Feuchte nahe am Minimum für den Vergleichszeitraum von 1991?2020.
Aktuell wird erneut bzw. immer noch eine sehr niedrige Feuchte
verzeichnet.
Eine weitere Folge der ausbleibenden Niederschläge sind tiefe
Grundwasserstände. Die Grundwasserstände sinken seit dem Frühjahr ?
abgesehen von kurzen Unterbrechungen durch Schauer oder Gewitter ?
meist kontinuierlich und haben in den besonders trockenen Regionen
teils neue Tiefststände erreicht. Ein Beispiel hierfür ist Riedheim
nahe der Donau zwischen Ulm und Donauwörth in Bayern (siehe Abbildung
4).
Auch führen die großen Flüsse in Deutschland weiterhin Niedrigwasser,
teils werden neue Rekordtiefststände für die Jahreszeit gemessen. Auf
dem Bodensee musste wegen des tiefen Pegels gebietsweise die
Schifffahrt eingestellt werden. Etwa einen Meter niedriger als zu
dieser Jahreszeit üblich liegt der Seespiegel. Den niedrigsten Stand
erreicht der Bodensee normalerweise erst im Februar oder März, kurz
vor Beginn der Schneeschmelze in den Alpen.
Der Blick auf die zukünftigen Wetteraussichten zeigt eine Umstellung
zur Wochenmitte. Statt Hochdruckeinfluss setzt sich von Westen
zunehmend Tiefdruckeinfluss durch. Ein kräftiges Tief zieht von
Frankreich nach Schweden und bringt landesweit unbeständiges Wetter.
Beginnend ab Mittwochabend breiten sich im Westen Regen und auch
einzelne Gewitter ostwärts aus. Bis Ende der Woche bleibt es
unbeständig und zudem deutlich kälter als aktuell. Die Niederschläge
werden aber wenig überraschend nicht gleichmäßig verteilt sein.
Besonders nass wird es im Nordseeumfeld, wo das vergleichsweise warme
Wasser die Konvektion verstärkt. Ein weiterer Schwerpunkt wird sehr
wahrscheinlich der Alpenrand sein; dort verhilft der Anstau zu
höheren Niederschlagsmengen. Ansonsten gilt als grobe Regel: Je
weiter westlich, desto mehr Niederschlag.
Bis Ende der Woche simulieren die verschiedenen Modelle an Nordsee
und Alpenrand 40 bis 60 l/qm, lokal um 80 l/qm, ansonsten im Westen
15 bis 40 l/qm und im Osten 3 bis 20 l/qm. Das vorhandene Defizit
wird dadurch bei Weitem nicht ausgeglichen. Zumindest ein erster
Schritt ist damit aber getan.
M.Sc. Met. Thore Hansen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 06.10.2026
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