Thema des Tages
04-10-2026 13:50
Wissenschaft kompakt
Der dritte im Bunde - MTG-I2
Vor etwas mehr als einem Monat wurde MTG-I2, der zweite sogenannte
Imager der dritten Generation von Meteosat Satelliten (MTG), in
seinen Orbit gebracht. Damit ist mit zwei Imagern und einem
Sounder-Satelliten die vorgesehene Konstellation aus drei sich
ergänzenden MTG Satelliten vollständig.
Am Abend des 27. August 2026 um 22:10 Uhr mitteleuropäischer
Sommerzeit startete die europäische Ariane 6 Rakete vom
Raumfahrtzentrum in Französisch-Guayana, an Bord der zweite
sogenannte Imager Satellit MTG-I2 und damit der dritte und letzte
Satellit im aktuellen MTG Satellitenverbund. Nach erfolgreichem Start
der Ariane 6 Trägerrakete wurde MTG-I2 bei rund 2800 km Höhe in seine
stark elliptische Transferumlaufbahn entlassen, um in den
darauffolgenden Tagen mit eigenständigen Orbitalmanövern seinen
geostationären Orbit bei knapp 36.000 km Höhe zu erreichen.
MTG-I2 folgt damit zum einen MTG-I1, welcher bereits im Dezember 2022
in Orbit gebracht wurde und zwei Jahre später vollständigen
operationellen Betrieb aufnahm, einhergehend mit einer Umbenennung
von MTG-I1 zu Meteosat-12. Zum anderen erfolgte der Start von MTG-I2
etwas mehr als ein Jahr nach dem erfolgreichen MTG-S1-Launch, von dem
an dieser Stelle auch berichtet wurde (link1). MTG-S1 hat vor zwei
Monaten seine Inbetriebnahmephase abgeschlossen und befindet sich in
seinem operationellen Orbit bei 2° Ost über dem Äquator, erste
präoperationelle Datensätze sind bereits verfügbar. Mit seinem auf
Interferometrie basierenden Hyperspektral-Infrarotsensor erfasst
MTG-S1 vertikale Informationen über Temperatur und Feuchte sowie
weitere atmosphärische Parameter und generiert so durch das Abtasten
seines Blickfeldes dreidimensionale Scans der Atmosphäre. Ergänzt
wird dies durch das Sentinel-4 UVN-Spektrometer, wobei UVN für
Ultraviolett, sichtbares Licht (visible) und nahes Infrarot steht.
Sentinel-4 liefert hochaufgelöste stündliche Messungen von wichtigen
Spurengasen und Aerosolen und ermöglicht damit unter anderem eine
detaillierte Beobachtung der Luftqualität und ihrer zeitlichen
Entwicklung.
Sowohl Meteosat-12 als auch MTG-I2 befinden sich auf einer
geostationären Umlaufbahn über dem Äquator. Meteosat-12 ist dabei auf
dem Nullmeridian bei 0° Länge positioniert, während MTG-I2 im
operationellen Betrieb bei 9,5° östlicher Länge stationiert sein
wird. Das erste der beiden zentralen Messinstrumente an Bord von
Meteosat-12 und MTG-I2 ist der ?Flexible Combined Imager? (FCI), eine
Art Kamera, die in 16 Spektralkanälen Aufnahmen der ihr zugewandten
Erdhemisphäre macht. Der FCI tastet sein Blickfeld dabei in einem
alternierenden West-Ost und Ost-West-Muster ab und erfasst so
innerhalb von 10 Minuten die gesamte Erdscheibe in allen 16
Spektralkanälen ? vom sichtbaren Licht bis ins Infrarot.
Aus den einzelnen Spektralkanälen sowie aus geschickten Kombinationen
mehrerer Kanäle lassen sich vielfältige Informationen insbesondere
über Wolken, deren Struktur, Temperatur, Höhe und Zusammensetzung
ableiten. Meteosat-12 liefert diese 10-minütigen Scans (?Full Scan
Disc Service ? FSDS?) bereits seit 2024. Der FCI von MTG-I2 wird
komplementär dazu im sogenannten ?Rapid Scanning Service? (RSS) alle
2,5 Minuten den europäischen Raum und angrenzende Gebiete abtasten
(etwa das nördliche Drittel der Animation in Abbildung 2), in manchen
spektralen Kanälen auch mit einer höheren räumlichen Auflösung.
Dadurch lassen sich beispielsweise Gewitterzellen in frühen
Entwicklungsstadien detaillierter verfolgen und deren Lebenszyklen
nahezu lückenlos aus dem Weltraum beobachten. Das zweite zentrale
Messinstrument an Bord der beiden Satelliten ist der ?Lightning
Imager? (LI), der mit seinen 4 Kameras quasi kontinuierlich die
optischen Signale von Blitzentladungen registriert. Der FCI liefert
somit Informationen über die physikalische Entwicklung der
Gewitterwolke, während die vom LI gemessene Blitzaktivität Hinweise
auf die Stärke und Entwicklung der darin ablaufenden Konvektion gibt.
Selbstverständlich gibt es abgesehen von diesem Fokus auf das
konvektive Wettergeschehen eine Vielzahl weiterer
Anwendungsmöglichkeiten der umfangreichen Messungen der beiden
Satelliten.
Dipl.-Met. Thorsten Kaluza
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 04.10.2026
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