DWD Synoptische Übersicht Kurzfrist
01-10-2026 17:01
SXEU31 DWAV 011800
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Donnerstag, den 01.10.2026 um 18 UTC
SCHLAGZEILE:
Schleifende Kaltfront mit konvektiv verstärkten Regenfällen, zum Freitag hin
deutlich nachlassend. Danach (also zum Wochenende) Hochdruckbrücke, nicht mehr
so warm, aber weiterhin (sehr) mild.
Synoptische Entwicklung bis Samstag 06 UTC
----------------------------------------------------------------
Aktuell ... hat erwartungsgemäß die Kaltfront des ehemaligen, inzwischen
deutlich downgegradeten Sturmtiefs EVA (heute Abend knapp nordwestlich von
Island mit "nur noch" etwas unter 980 hPa im Tank) den Weg zu uns gefunden.
Eingebettet in einen recht scharfen rinnenartigen Bodentrog (SE- vs. W-Wind) hat
sie Teile Westdeutschlands bereits hinter sich gelassen, wo jetzt eine erwärmte
Subpolarluft (mPs: T850 etwas unter 10°C) einströmt respektive einsickert (allzu
weit her ist es nicht mit der Luftbewegung). Das weitere Vorankommen nach Osten
in den nächsten Stunden bereitet der Front aber erhebliche Schwierigkeiten, was
Gründe hat: Erstens biegt der bis dato schubgebende KW-Trog in der Höhe nach
Norden in Richtung Nordsee und Kimbrische Halbinsel ab. Zweitens hält das
blockierende Hoch BORCHERT mit 1035+X-hPa-Zentrum über Belarus mächtig dagegen.
Zurück geht's aber auch nicht, weil dort der Druck schon wieder steigt, indem
sich ein Keil des Azorenhochs über Frankreich selbstständig macht (CORTE, 1030+X
hPa). Immerhin, es hat heute endlich mal wieder geregnet, wenn auch nur in der
Westhälfte. Am frühen Abend (16 UTC) lagen die Tagesmengen in einem vom
Saarland/RP bis hoch nach SH reichenden Korridor zwischen etwas unter 5 und nahe
30 l/m². Die heterogene Verteilung zeigt, dass - auch das war erwartet worden -
einige Starkregenhotspots bzw. konvektive Verstärkungen mit Stundensummen bis zu
20 l/m² am Start waren, von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen (eigentlich gab´s
bisher nur ein Gewitter im Bereich der Schwäbischen Alb) in nicht-elektrischer
Form.
In der nun bevorstehenden Nacht zum Freitag kommen Kaltfront und Regenfälle
trotz der genannten Widrigkeiten noch etwas nach Osten voran, so dass auch
Mecklenburg, ST, Thüringen und Teile Bayerns was vom Regenkuchen abbekommen.
Nicht ausgeschlossen, dass gerade im Süden ein, zwei kurze Gewitter eingelagert
sind oder aber ungewittriger Starkregen auftritt. Prädestiniert dafür scheinen
vor allem Schwaben und das westliche Oberbayern, wohingegen in den anderen
Landesteilen die ohnehin nur räumlich eng begrenzte Starkregengefahr
kontinuierlich abnimmt.
Weitgehend unberührt vom Niederschlag bleiben die östlichsten Landstriche von
Vorpommern im Norden über Berlin/BB und Sachsen bis hinunter nach Ostbayern im
Süden. Und auch im postfrontalen Westen lassen die Regenfälle mehr und mehr nach
bzw. hören ganz auf. Teilweise lockert die Bewölkung sogar auf, so dass sich in
der frisch angefeuchteten Grundschicht Nebel bilden kann. Nebelaffine
Vorhersagetools wie z.B. WARN-MOS zeigen aber nur geringe Wahrscheinlichkeiten
für das Unterschreiten der neuralgischen, weil warnrelevanten
Sichtweitenschwelle von 150 m.
Tiefsttemperatur 16 bis 10°C, im äußersten Osten und Südosten sowie in der Eifel
etwas unter 10°C.
Freitag ... füllt sich das Tief EVA über der Irminger See immer weiter auf. Zwar
tritt zum Wochenende in Form einer Kap-Farvel-Zyklogenese ein veritables
Nachfolgetief auf den Plan, welches für uns aber keine Rolle spielt. Hier stehen
die Zeichen auf Druckanstieg, indem sich Kollege CORTE dem weiterhin über
Belarus positionierten BORCHERT anschließt und somit eine Brücke zum nach Osten
versetzen Azorenhoch schlägt (GWL-Muster BM Brücke Mitteleuropa). Und da in der
Höhe noch immer der knapp östlich und südlich von uns platzierte Höhenrücken
(verläuft von NW-Afrika bis Fennoskandien) den Ton angibt, wird es für die
Kaltfront vor Ort immer schwerer zu überleben. Oder etwas professioneller
ausgedrückt, Frontolyse setzt ein und löst die Front von Süden her auf, während
sich gleichzeitig die Bodenrinne (in die die Front eingebettet ist) auffüllt.
Es ist evident angesichts dieser Rahmenbedingungen, dass damit auch der frontale
Impact mächtig leidet. Mit anderen Worten, die zugehörigen Regenfälle schwächen
sich alsbald ab bzw. hören ganz auf. Am ehesten fällt am Vormittag noch etwas
Regen in einem vergleichsweise schmalen Korridor, der etwa vom Allgäu und dem
Werdenfelser Land über Oberfranken und Westsachsen bis hoch zum Darß und nach
Rügen reicht. Darüber hinaus gilt es zu konstatieren, dass im Westen und
Nordwesten im Gegensatz zu heute nach Nebelauflösung trotz einiger Wolken auch
die Sonne wieder einige Auftritte bekommt. Landesweit pendelt sich die
Höchsttemperatur zwischen 17 und 23°C ein, was Anfang Oktober als sehr mild
betitelt werden kann.
In der Nacht zum Samstag (Tag der Deutschen Einheit) halten sich vom Süden in
den Osten noch Wolkenreste, die nur zum Teil getilgt werden. Ansonsten geht es
vielerorts gering bewölkt oder klar in die Nacht, bevor sich teils dichter Nebel
bildet. Je nach Bewölkung und Zeitpunkt der Nebelbildung kühlt es auf 12 bis 5°C
ab.
----------------------------------------------------------------
Synoptische Entwicklung bis Sonntag 06 UTC
Samstag ... ist Feiertag in Deutschland, was die Atmosphäre auch zu würdigen
weiß. Inmitten der brückenartigen Hochdruckzone stellen sich nach allerdings
teils nur zäher Nebelauflösung heiter bis wolkige Verhältnisse ein bei
gleichzeitig geringer Schauerneigung (an den Alpen allerdings ist sogar ein
Gewitter nicht ganz ausgeschlossen) und Tageshöchsttemperaturen zwischen 18 und
24°C. Mehr Details entweder in der heutigen oder - taufrisch - der morgigen
Frühübersicht. Habe fertig...
Modellvergleich und -einschätzung
----------------------------------------------------------------
... noch nicht ganz. Allerdings gibt es an dieser Stelle nichts mehr hinzuzufügen,
was von Interesse wäre. Der Plan steht.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann