Thema des Tages
01-10-2026 13:20
Wissenschaft kompakt
Regen nach Trockenheit - warum Böden das Wasser nur schlecht
aufnehmen
Endlich ist der langersehnte Regen da. Doch wie gut können die
vielerorts ausgetrockneten Böden das Niederschlagswasser überhaupt
verarbeiten?
Nach einem trockenen Sommer und einem ebenfalls niederschlagsarmen
September 2026 dürsten unsere Böden nach Wasser. Besonders im
Südwesten sind die Böden, vor allem die oberen Bodenhorizonte
ausgetrocknet. Da trifft es sich gut, dass am heutigen Donnerstag
eine Kaltfront von Westen her endlich langersehnte, flächendeckende
Niederschläge mit sich bringt. Bis Freitagfrüh sind in der Westhälfte
Deutschlands verbreitet Mengen um 10 Liter auf den Quadratmeter zu
erwarten. Lokal kann sogar Starkregen mit Mengen zwischen 20 bis
vereinzelt 40 l/qm auftreten.
Doch schaffen solche kurzen Regenereignisse überhaupt Abhilfe gegen
die derart ausgetrockneten Böden?
Um diese Frage zu beantworten, muss man sich erst einmal anschauen,
wie der Boden aufgebaut ist. Wenn man sich vorstellt, ein Stück Boden
auszugraben, besteht dieser zusammengefasst aus drei Teilen: festem
Material, Wasser und Luft. Das feste Material wird Bodensubstanz
genannt, es besteht aus Körnern und Partikeln von verwittertem
Gestein und zersetzen Pflanzenresten. Wenn man diese Körner und
Partikel in ein Behältnis werfen würde, entstehen Lücken zwischen
ihnen. Das kann man sich vorstellen, als wenn man verschieden
geformte Bauklötze in eine Kiste wirft: Sie verkanten sich und
zwischen ihnen entstehen Hohlräume. Diese Hohlräume im Boden werden
Poren genannt und haben Größen von wenigen Mikrometern bis mehrere
Zentimeter. Dort können sich dann die beiden anderen Bodenzutaten
sammeln, Wasser und Luft. Dabei wirken zwei verschiedene Kräfte. Zum
einen die Adhäsionskraft, die die Anziehung zwischen Wasser und
Bodenteilchen beschreibt und zum anderen die Kohäsionskraft, die die
Anziehungskraft zwischen Wassermolekülen ausdrückt.
Bei langanhaltender Trockenheit trocknen die Poren aber nach und nach
aus, bis am Ende kaum noch Wasser im Boden vorhanden ist. Dabei
trocknen die großen Poren zuerst aus, denn hier sind die
Anziehungskräfte an den Boden am geringsten. Am Ende sind die großen
Poren alle nur noch mit Luft gefüllt und nur in ganz kleinen Poren
befindet sich noch etwas Restwasser.
Das was jetzt passiert, wenn Regen auf diesen ausgetrockneten Boden
fällt, kann man am besten damit vergleichen, wenn man beim Backen
Milch auf trockenes Mehl schüttet. Die Milch sammelt sich an der
Oberfläche und versickert nur schlecht. Genauso verhält es sich mit
dem Wasser. Wenn der Wassertropfen auf den Boden trifft, überwiegt
die Kohäsionskraft, also die Oberflächenspannung des Wassers
gegenüber der Adhäsionskraft. Er bleibt also wie die Milch an der
Oberfläche und dringt nur sehr schlecht in den Boden ein. Wenn man
dagegen Milch auf bereits feuchtes Mehl gibt, kann diese problemlos
eindringen und auch das Wasser kann in bereits feuchtem Boden besser
versickern. Denn Wasserteilchen werden besser von anderen
Wasserteilchen angezogen als von Bodenpartikeln. Die Kohäsionskraft
überwiegt und der bereits vorhandene Wasserfilm zwischen den
Bodenpartikeln sorgt dafür, dass immer mehr Wasser in den Boden
transportiert wird. Wie gut das Wasser in und durch den Boden fließen
kann, wird durch die sogenannte hydraulische Leitfähigkeit
beschrieben. Diese nimmt mit höherem Wassergehalt im Boden zu. Das
bedeutet, je feuchter der Boden wird, desto besser kann er neues
Wasser aufnehmen.
Ein Starkregenereignis bringt dem Boden für ein langfristiges
Auffüllen der Wasservorräte somit kaum etwas. Über einen kurzen
Zeitraum erreicht zwar viel Wasser den Boden, aber durch die
vorhergegangene Trockenheit kann es nur langsam versickern und
erreicht keine tieferen Bodenhorizonte. Ein großer Anteil des Regens
fließt einfach oberirdisch ab und der Boden bleibt trotz Regens
weitestgehend trocken. Damit er Wasser gut aufnehmen kann, bräuchte
es langanhaltenden Landregen. Dieser würde den Boden erst befeuchten
und das Wasser kann dann langsam und mit der Zeit immer besser im
Boden versickern.
Genau ein solcher Landregen, am besten über einen längeren Zeitraum
wiederholt auftretend, ist bei der aktuellen Wetterlage allerdings
nicht in Sicht. Bereits ab dem morgigen Freitag lösen sich die
Ausläufer des Sturmtiefs EVA über dem Osten und Süden Deutschlands
allmählich auf und bei steigendem Luftdruck sind zumindest absehbar
bis weit in die kommende Woche hinein kaum nennenswerte Niederschläge
zu erwarten.
Dipl.-Met. Robert Hausen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 01.10.2026
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