Thema des Tages

14-09-2026 12:50


Wissenschaft kompakt

Magdeburger Halbkugeln - Auf der Suche nach dem Nichts


Otto Guericke, geboren 1602, setzte sich zum Ziel, das Nichts
herzustellen. Bei diesen Experimenten gelang ihm ein noch viel
größerer Durchbruch, der unter anderem den Grundstein der heutigen
Wettervorhersage lieferte.


In einer sehr religiösen Welt, in der die Vorstellung eines Raumes
mit absoluter Leere auf Erden nicht in das Glaubensbild der Menschen
passte, wollte der Magdeburger Bürgermeister Otto Guericke genau dies
erzeugen. 1656 startete er seine Experimentenreihe mit einem
Holzfass. Seine Theorie: Wenn zuerst Wasser in das Fass gefüllt wird
und er dieses dann ablasse, müsste in dem Fass die gesuchte Leere
herrschen. Sein Problem jedoch: Das verwendete Holzfass war nicht
komplett dicht und es gelangte Luft hinein. Dies hörte er an den
Blasen, die durch das Eindringen der Luft entstanden. Er brauchte ein
stabiles und dichtes Gefäß und ließ sich schließlich von einem
Kupferschmied zwei Halbkugeln anfertigen. Außerdem verwendete er eine
bessere Pumpe, mit der er direkt die Luft aus den zusammengesetzten
Halbkugeln absaugen konnte. Nach kräftigem Ziehen und Zerren war
schließlich all die Luft aus der Kupferkugel herausgepumpt und
Guericke hatte sein Ziel erreicht. In dem Gefäß befand sich absolut
nichts.

Doch bei dem Versuch, die beiden Halbkugeln wieder
auseinanderzunehmen stellte er etwas Überraschendes fest. Egal wie
viele starke Männer er an den beiden Hälften ziehen ließ, sie wollten
sich einfach nicht trennen, obwohl sie von außen nicht
aneinandergeschraubt waren. Darum besorgte er 16 Pferde und spannte
je 8 vor eine Halbkugel. Auch diesen gelang das Auseinanderziehen
nicht. Die Luft in der Umgebung schien so stark zu sein, dass sie die
beiden Teile so zusammendrückte, dass sie nicht trennbar waren.

Mit diesem spektakulären Trick trat Guericke unter anderem bei
Fürsten auf. Doch die Frage, wie stark nun die Luft genau sei, ließ
ihn nicht los. Um dies herauszufinden, befestigte er die obere
Halbkugel an einem Galgen und hängte an die untere Hälfte eine Waage,
auf die er nach und nach Gewichte stellte. Gewicht um Gewicht fügte
er hinzu, doch die Kugel blieb als Ganzes. Schließlich nach 275 kg
trennten sich die beiden Teile. Dass die Luft einem solch hohen
Gewicht entgegenwirken konnte, beeindruckte Guericke und er fragte
sich, was er noch alles mithilfe dieser Kraft machen könne.

So kam er auf die Idee, eine luftleere Röhre in Wasser zu halten.
Nach seiner Vorstellung müsse das Wasser nun in der Röhre nach oben
steigen. Dies geschah auch, sogar bis in eine Höhe von 12,7 Metern.
Um zu schauen, wie und ob sich der Wasserstand verändere, markierte
Guericke die Höhe des Pegels. Nach einer Weile sank dieser. Guericke
vermutete zunächst, dass das Rohr nicht mehr dicht sei. Doch an einem
anderen Tag stieg die Wasserhöhe erneut. Das ist wirklich seltsam,
oder? Nun ein kleiner Tipp, um des Rätsels Lösung näherzukommen: Der
Wasserpegel stieg an Tagen mit gutem Wetter und fiel bei schlechtem
Wetter. Guericke entwickelte mit diesen einfachen Mitteln also eine
Methode, um festzustellen, ob gerade Hochdruck ("schönes" Wetter)
oder Tiefdruck ("schlechteres" Wetter) vorliegt. Bei hohem Außendruck
wird das Wasser mehr in das Rohr gepresst und steigt höher,
andersherum bei niedrigerem Außendruck. Durch das Studieren dieses
Zusammenhangs gelang es ihm, vereinfachte Vorhersagen über das
Wettergeschehen zu tätigen. Damit wurde Guericke dann berühmt und
durfte sich fortan Otto von Guericke nennen.

Er wies mit seinen Versuchen nicht nur die Existenz des Vakuums nach,
sondern entdeckte schon im 17. Jahrhundert eine der Grundlagen der
Wettervorhersage.

(Die Bilder zum heutigen Thema des Tages finden Sie wie immer im
Internet unter www.dwd.de/tagesthema.)

Meteorologin Anna-Lena Dötsch / Dipl.-Met. Tobias Reinartz

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 14.09.2026

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