Thema des Tages

10-09-2026 13:20


Wetter aktuell

Stark- und Dauerregen von Mittelitalien bis nach Österreich



Tiefdruckeinfluss sorgt aktuell von Mittelitalien bis nach Österreich
für kräftige Regenfälle. Im heutigen Thema des Tages finden sich u.
a. Informationen darüber, wie sich die Wettersituation dort aktuell
gestaltet und was bis in den morgigen Freitag an Regen insgesamt noch
zu erwarten ist.



Während in Deutschland, wie gestern schon im Thema des Tages gesagt,
sehr verbreitet ruhiges Spätsommerwetter vorherrscht, sieht das
Wetter von Mittelitalien bis nach Österreich überhaupt nicht nach
Sommer aus. Dort fällt aktuell kräftiger Regen, und diese Regenfälle
sollen auch noch bis weit in den morgigen Freitag anhalten.

Eingesetzt haben die Niederschläge dabei schon am gestrigen Mittwoch.
Bis zum heutigen Donnerstagmorgen um 08 MESZ meldeten einzelne
Stationen in den betroffenen Regionen schon 24-stündige Regensummen
von über 50 l/m2, so beispielsweise auch die slowenische Hauptstadt
Ljubljana mit 55 l/m2. Getriggert werden die Starkniederschläge
einerseits von einem mehrkernigen und etwas diffusen Tiefdrucksumpf,
der sich vom westlichen Mittelmeer bis zum Balkan und in den
Ostalpenraum erstreckt. Andererseits zieht ein Höhentief von
Frankreich kommend über Oberitalien und Österreich in Richtung Polen.



Die Abbildung 1 zeigt das Geopotential, also salopp gesagt die
Druckverteilung in 500 hPa (etwa 5,5 km Höhe), am heutigen
Donnerstagabend um 20 MESZ. Das Höhentief soll sich zu diesem
Zeitpunkt etwa im Bereich von Turin befinden, auf seiner Ostflanke
bzw. der Vorderseite stellt sich, wie durch die blauen Pfeile
angedeutet, eine südwestliche Höhenströmung ein. Ebenfalls in
Abbildung 1 erkennbar sind rot markierte Flächen, die die Regionen
mit der stärksten Vertikalbewegen darstellen. Es ist deutlich zu
erkennen, dass diese Gebiete von Mittelitalien, mit Schwerpunkten
u.a. in der Region um Rom sowie östlich an die nördliche Adria
anschließend, bis in den Süden Österreichs hineinreichen.

Dass in dieser Region einiges an Wolken unterwegs ist, verdeutlicht
der Blick auf die linke Seite der Abbildung 2. Über dem Tyrrhenischen
Meer war dabei heute Vormittag um 11 MESZ ebenso eine Superzelle
unterwegs wie in der Region Rom (dort hatten auch die Hebungsfelder
der Abbildung 1 ein deutliches Maximum) und in der Poebene östlich
von Mailand. Dies erkennt man unter anderem am hohen Eisanteil in den
Wolken, die dadurch etwas ausgefranst bzw. faserig wirken. Viele
Wolken zeigen sich auch von der nördlichen Adria bis nach Österreich
hinein, und dort insbesondere nach Kärnten und in die Steiermark.


Auf die letztgenannten Regionen fokussiert sich der rechte Teil der
Abbildung 2 (ebenfalls um 11 MESZ). Die gemessenen
Radarreflektivitäten sind dabei als Fläche dargestellt, dazu kommt
die Blitzaktivität (rote, gelbe und grüne Kreuze). Die Blitzrate ist
dabei an der kroatischen Küste zum dargestellten Zeitpunkt besonders
hoch, schwächer fällt sie im Bereich der Ostalpen bzw. des östlichen
und südöstlichen Alpenrandes aus. Dass der südöstliche Alpenrand
dennoch, zumindest bezüglich des Niederschlages, das Hauptaugenmerk
verdient, lässt sich wiederum aus der Abbildung 1 ableiten. Denn die
dort angedeutete südwestliche Strömung auf der Vorderseite des
Höhentiefs findet sich, in ähnlicher Form, auch in tieferen
Luftschichten. Natürlich hat dies Stauniederschläge zur Folge, und
diese fallen insbesondere in Slowenien und Italien besonders stark
aus.


Die Abbildung 3 zeigt die akkumulierten Niederschläge der Modelle
ICON (in diesem Fall ICON-EU, links) sowie des Modells IFS des
Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersagen (rechts).
Bei beiden Modellläufe handelt es sich um die 00 UTC-Läufe, die
dargestellten Regensummen beziehen sich also auf das Zeitfenster von
02 MESZ in der zurückliegenden Nacht bis um 20 MESZ am morgigen
Freitag. Das Modell IFS bringt es in der Spitze in Slowenien dabei
auf 228 l/m2, ICON-EU im Dreiländereck Italien-Österreich-Slowenien
dagegen "nur" auf 183 l/m2. Bedenkt man, dass, wie oben erwähnt, in
der Region ja auch schon einiges an Regen gefallen ist, so sind
zumindest regional 200 bis 250 l/m2 über das gesamte Ereignis
durchaus im Bereich des Möglichen. Ganz vereinzelt kann auch noch
etwas mehr zusammenkommen. Genau wissen wird man das aber erst, wenn
der Regen abgeklungen ist.


Dipl.-Met. Martin Jonas

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 10.09.2026

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