DWD Synoptische Übersicht Mittelfrist

06-09-2026 10:01

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Sonntag, den 06.09.2026 um 10.30 UTC



Nach Durchzug einer Kaltfront mit kräftigen Stauniederschlägen an den Alpen
unbeständiges und frühherbstliches Wetter mit Niederschlägen und trockenen
Abschnitten im Wechsel.
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Synoptische Entwicklung bis zum Sonntag, den 13.09.2026


Zu Beginn der Mittelfrist am kommenden Mittwoch befinden wir uns auf der
Vorderseite eines Trogs, dessen Achse sich von Spitzbergen bis zur Nordsee
erstreckt. Am Boden liegt ein Tief über der westlichen Nordsee, das unter
Auffüllung zu den Niederlanden zieht. Eine Kaltfront, die zu einem weiteren Tief
über Nordskandinavien gehört, verdrängt im Laufe des Tages auch im Südosten die
feuchtwarme Luft, sodass ganz Deutschland mit kühlerer Meeresluft geflutet wird.
Mit nur noch 18 bis 22 Grad wird es deutlich kühler als zuvor. In Verbindung mit
dem Stau an den Alpen muss mit teils kräftigem Regen gerechnet werden, der vom
südlichen Alpenvorland bis zu den Alpen wohl warnwürdig werden wird. In
Nordseenähe sind im Umfeld des erwähnten Tiefs Schauer und Gewitter mit
Sturmböen zu erwarten.

Am Donnerstag schwenkt die Trogachse über Deutschland hinweg und nachfolgend
steigt von Westen her das Geopotential wieder an. Am Boden schiebt sich ein
Ableger des Azorenhochs zu uns herein. Somit kommt es zu einer Wetterberuhigung.
In der Nordhälfte sind zwar noch ein paar Schauer unterwegs, im Süden ist es
hingegen nach Abzug des Dauerregens an den Alpen trocken und es scheint
landesweit wieder häufiger die Sonne. In der kühlen Meeresluft werden allerdings
nur Höchstwerte zwischen 17 und 22 Grad erreicht.

Am Freitag dominiert zunächst noch schwacher Hochdruckeinfluss. Am Nachmittag
greift dann allerdings das Frontensystem eines Tiefs bei Island auf den Westen
mit neuen Niederschlägen über. Sie liegt sowohl am Boden in einer Tiefdruckrinne
als auch im Bereich eines Randtrogs in der Höhe, sodass genug Hebung für
großflächige Niederschläge gegeben sind. An den Temperaturen ändert sich wenig.

In der Nacht zum und am Samstag ziehen Front, Boden- und Höhentrog allmählich
über Deutschland hinweg. Nachfolgend steigt von Westen her erneut das
Geopotential an und ein weiterer Ableger den Höhenhochs erreicht Mitteleuropa.
Dieser Zwischenhocheinfluss ist nach dem aktuellen IFS-Lauf aber nur von kurzer
Dauer, denn schon in der Nacht zum Sonntag zieht ein Tief nach Großbritannien.
Ob das so kommt, muss abgewartet werden. Auffällig ist aber ein umfangreicher
Tiefkomplex, der sich von Grönland über den nördlichen Nordatlantik bis nach
Fennoskandien erstreckt und mehrere Tiefzentren beinhaltet. Dadurch bleibt uns
mit der dadurch bedingten Westwinddrift der Zustrom kühler Meeresluft erhalten.

Am Sonntag sollen wir dann im Einfluss des Tiefs liegen, das weiter zur Nordsee
ziehen soll. Allerdings ist die Vorhersage eines solch kleinen Tiefs am Ende der
Mittelfrist mit Vorsicht zu genießen. Doch auch wenn es anders kommt, macht der
beschriebene umfangreiche Tiefkomplex wenig Hoffnung auf stabiles Wetter, denn
die etwas nach Norden verschobene Westwinddrift mit Tiefs und Kurzwellentrögen
ist weiterhin recht agil. Zudem wird von den meisten Modellen ein Trogresiduum
über Mitteleuropa simuliert, das seinen Ursprung im angesprochenen Tief hat.
Somit ist auch am Sonntag mit wechselhaftem und eher frühherbstlich kühlem
Wetter zu rechnen.
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Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs


Die Konsistenz kann über den gesamten Zeitraum hinweg als recht gut eingestuft
werden. Der Übergang zu frühherbstlichem und unbeständigem Wetter scheint sicher
zu sein. Zwar gibt es bei den Randtrögen und Tiefs noch Phasenunterschiede und
Unsicherheiten in Ausprägung und Zugbahnen. Das liegt aber alles im Bereich
normaler Prognoseunsicherheiten. Grundlegend andere Strömungskonfigurationen
sind nicht zu erkennen.
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Vergleich mit anderen globalen Modellen


Auch die anderen Modelle simulieren den Umstieg der Wetterlage konsistent. Am
herbstlich kühlen und wechselhaften Wetter gibt es also wenig zu rütteln.
Größere Unsicherheiten gibt es aber noch bei den Stauniederschlägen am Mittwoch
(und in der Nacht zum Donnerstag) im Süden. Während das ICON ordentlich auf den
Putz haut mit großflächig unwetterartigen Mengen über 50 l/qm im südlichen
Alpenvorland, werden von den anderen Modellen in den Hauptläufen deutlich
geringere Mengen simuliert. Die Wahrscheinlichkeiten für markanten Dauerregen
sind aber sowohl bei ICON als auch bei IFS nicht zu vernachlässigen.
Zum Ende der Vorhersage wird die Westwinddrift bei GFS noch klarer simuliert als
bei IFS und ICON, da das Trogresiduum dort fehlt.
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Bewertung der Ensemblevorhersagen


Die IFS-Rauchfahnen liegen zum Ausgabezeitpunkt nicht vor.

Bei den Clusteranalysen werden im Zeitraum t_120h-168h zwei Cluster angeboten
mit 28 Members in Cluster 1 und 23 Members (inklusive Kontrolllauf) in Cluster
2. Während bei Cluster 1 zu Beginn das Regime einer positiven NAO vorherrscht,
wird bei Cluster 2 das Blocking-Regime bemüht. Allerdings handelt es sich auch
hier um kein klassisches Blocking, da auch hier eine rege Tiefdrucktätigkeit
über dem nördlichen Nordatlantik gezeigt wird.

In der erweiterten Mittelfrist (t_192h-240h) werden sogar fünf Cluster
angezeigt, die entweder dem Blocking-Regime oder dem Atlantic-Ridge zugeordnet
sind. Allzu kräftig ist der atlantische Rücken bzw. das Blocking aber weiterhin
nicht.
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Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen


GEWITTER:
Am Mittwoch kommt es in Küstennähe und später im Nordwesten auch etwas
landeinwärts einzelne Gewitter, die vor allem wegen stürmischen Böen oder
Sturmböen markant ausfallen könnten. Starkregen oder Hagel sind weniger ein
Thema.

DAUERREGEN:
Die Kaltfront erreicht in der Nacht zum Dienstag die Alpen und kommt am Mittwoch
ins Schleifen. Durch Staueffekte kommt es zu länger anhaltenden und teils
kräftigen Regenfällen, die erst in der Nacht zum Donnerstag von Westen her
abklingen. Wie bereits erwähnt, werden die Mengen noch recht unterschiedlich
simuliert. Vor allem ICON simuliert im 00UTC-Lauf unwetterartige Mengen (>50
l/qm/24h) im südlichen Alpenvorland und an den Alpen, während die Hauptläufe von
IFS, GFS und UK10 deutlich defensiver ausfallen, teils mit nicht einmal
markanten Mengen. Da die Wahrscheinlichkeiten bei ICON für markanten Dauerregen
bei 40 bis 70% und bei IFS immerhin bei 20 bis 40% liegen, werden gebietsweise
warnwürdige Mengen aus heutiger Sicht als wahrscheinlich angesehen. Ob diese
(zumindest bezüglich der DWD-Warnschwellen) auch unwetterartig werden, muss
abgewartet werden. Allzu hoch sind hierfür die Wahrscheinlichkeiten nicht (<15%
bei ICON, <10% bei IFS). Vom Impact her werden sie wohl ohnehin nicht
unwetterartig sein.
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Basis für Mittelfristvorhersage
ICON, ICON-EPS, IFS, MOSMIX
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VBZ Offenbach / Dr. rer. nat. Markus Übel