Thema des Tages

18-08-2026 12:50


Wissenschaft kompakt

Von laut bis leise: Der Donner


Seit jeher sind Menschen fasziniert, oder manchmal auch in Angst,
wenn es am Himmel blitzt und anschließend laut kracht. Was es mit dem
Phänomen "Donner" auf sich hat und wie laut er mitunter sein kann,
soll heute das Thema des Tages sein.


Es ist dunkel, es flackert kurz und wenige Sekunden später wird man
spätestens vom lauten Schlag aus dem Bett geworfen. So könnte es sich
in den letzten Tagen durchaus mancherorts zugetragen haben, wenn
Gewitter nachts über Deutschland hinwegzogen und dabei einen
natürlichen Wecker darstellten, der leider nicht immer zur
gewünschten Zeit losging. Weniger vom Blitz, aber vielmehr vom Donner
wird man des nachts nämlich häufiger geweckt, wenn sich die Energie
der Luftmasse am Himmel entlädt. Aber natürlich sind die
Donnerschläge tagsüber genauso einprägsam oder angsteinflößend.

Doch was geschieht bei einem Donner eigentlich? Nun, vereinfacht
gesagt ist der Donner das Ergebnis eines physikalischen Prozesses.
Bei einer Blitzentladung wird die Luft im Blitzkanal binnen
Sekundenbruchteilen auf Temperaturen von über 30.000 Grad Celsius
erhitzt, in Ausnahmefällen sind sogar über 50.000 Grad möglich. Zum
Vergleich, unsere Sonne besitzt in ihrer leuchtenden Schicht "nur"
eine Oberflächentemperatur von etwa 5.500 bis 6.000 Grad Celsius.

Aufgrund dieses enormen Temperatursprunges ist die Luft gezwungen,
sich in ebenso kurzer Zeit rasant auszudehnen, was eigentlich kaum
möglich ist. Es entsteht hierdurch ein kurzzeitig unglaublich hoher
Druck. Damit läuft vom Blitz in der Folge eine Schockwelle in alle
Richtungen weg, die sich zunächst sogar mit Überschallgeschwindigkeit
entfernt, bevor sie sich als Druckwelle mit "normaler"
Schallgeschwindigkeit von etwa 343 m/s fortbewegt.

Je weiter sich diese Druckwelle, die als akustische Welle (Donner)
für uns Menschen hörbar ist, vom Blitz bzw. dem Gewitter entfernt,
umso leiser wird sie mit der zunehmenden Entfernung, da die
Druckwelle rasch an Stärke verliert. Nun wird aus einem eigentlichen
Knall ein längeres Grollen, was damit zusammenhängt, dass die
Schwallwellen bei einem nahen Blitz mit senkrechter Neigung nahezu
gleichzeitig, bei einem entfernten Blitz (und im "besten" Fall mit
Neigung) jedoch versetzt beim Beobachter ankommen. Damit zieht sich
der Donner in die Länge. Stark gegliederte Orographie kann diesen
Prozess durch Schallreflexionen noch verstärken, sodass ein typisches
"Rumpeln" entsteht.

Der Zeitpunkt des eintretenden Donners ist übrigens gut geeignet, um
die Entfernung zum Gewitter abzuschätzen, wenn man den dazugehörigen
Blitz beobachten konnte. Wie wir wissen, breitet sich der Schall mit
rund 343 m/s in alle Richtungen aus. Zählt man nun die Sekunden, die
zwischen dem Blitz und dem ersten Hören des Donners liegen und teilt
diese durch drei, bekommt man eine gute Größenordnung der Entfernung
in Kilometern heraus. Zum Beispiel liegen zwischen Blitz und Donner 9
Sekunden, dann ist das Gewitter (oder besser der Blitz) rund 3 km
entfernt. Man muss dabei jedoch beachten, dass Blitze teils weit
entfernt vom Niederschlag außerhalb der Gewitterwolke einschlagen
können, weshalb 3 km recht nah und gefährlich wären. Übrigens sind
Donner für uns Menschen nur ca. 20 bis 25 km (selten mehr) entfernt
hörbar, was unter anderem an der Absorption der Schallwellen und
störenden Umweltgeräuschen liegt.

Zu guter Letzt soll noch die Frage beantwortet werden, wie laut ein
Donner eigentlich ist. Da die Lautstärke mit zunehmender Entfernung
immer weiter abnimmt, ist eine genaue Festlegung gar nicht möglich.
Nach oben hin gibt es in der Fachliteratur aber durchaus Richtwerte,
welche bei etwa 130 Dezibel liegen, was für einen sehr nahen Blitz
mit einem Donnerschlag, besser -knall, gilt. Dies wäre ungefähr mit
einem Düsenjet während der Startphase vergleichbar.

(Das Bild zum heutigen Thema des Tages finden Sie wie immer im
Internet unter www.dwd.de/tagesthema.)

M.Sc.-Met. Oliver Reuter

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 18.08.2026

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