DWD Synoptische Übersicht Mittelfrist
16-08-2026 10:01
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Sonntag, den 16.08.2026 um 10.30 UTC
Unbeständiger, zu Regen und Schauern neigender und teils windiger
Witterungsabschnitt, mäßig warm bis warm.
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Synoptische Entwicklung bis zum Sonntag, den 23.08.2026
Der Blick auf das IFS-EPS vom gestrigen 12 und des heutigen 00 UTC-Laufes
zeigen, dass die Mehrheit der EPS-Member von der dominante Wetterlage Nordwest
zyklonal am Dienstag über die Wetterlage West zyklonal am Mittwoch und
Donnerstag zu Trog Westeuropa von Freitag bis Sonntag schwenken. Vor allem von
Dienstag bis Freitag werden im IFS-EPS fast ausschließlich zyklonale Bedingungen
bevorzugt. Erst ab Samstag können sich einige Member wieder unter den
Wetterlagen Brücke Mitteleuropa und Hoch Britische Inseln vereinen und dem EPS
einen kleinen antizyklonalen Touch mitgeben. Am Sonntag gwinnt die Wetterlage
Brücke Mitteleuropa an Stärke und setzt die dominierende Wetterlage Trog
Westeuropa unter Druck. Für das Wetter hierzulande würde dies im mittelfristigen
Zeitraum für einen unbeständigen Witterungsabschnitt sprechen, der zum Ende des
Zeitraum zunehmend wieder von hohem Luftdruck beeinflusst wäre.
Im Detail startet der mittelfristige Zeitraum am Mittwoch mit einer ausgeprägten
Zone von tiefem Geopotential vom Nordatlantik bis nach Skandinavien und einem
breiten Rücken vom westlichen und zentralen Mittelmeerraum bis ins östliche
Mitteleuropa. Resultierend ist über Europa eine westliche bis südwestliche
Grundströmung zu verzeichnen, die nach Westen eher zyklonal nach Osten zu
antizyklonal gekrümmt ist. Korrelierend zum niedrigen Geopotential tummeln sich
zahlreich Tiefdruckgebiete vom Seegebiet westlich von Irland über Skandinavien
bis nach Nordwestrussland. In die westliche Höhenströmung auf der Südflanke ist
zudem eine Randtief eingebettet, welches über Deutschland ostwärts hinweg zieht
und eine Luftmassengrenze im Schlepptau hat. Diese trennt kühle Luft polaren
Ursprungs von der warmen Subtropikluft. Im Verlauf verlagert sich der Frontenzug
langsam südwärts. Während im Norden und Westen im Umfeld des Tiefs sowie dessen
Front verbreitet etwas Regen fallen soll, beschränken sich die Niederschläge im
Verlauf unter Intensivierung auf das direkte Umfeld der Front. Gleichzeitig sind
im Warmsektor konvektive Umlagerungen aktiv.
Am Donnerstag kann sich der Trog über Westeuropa südwärts amplifizieren und die
Grundströmung über Mitteleuropa aufsteilen. Nachfolgend sorgt de südwestliche
Strömung dazu, dass die Luftmassengrenze nicht weiter nach Süden vorankommt,
sondern über der südlichen Mitte vorübergehend verharrt. Resultierend ergeben
sich in Deutschland drei Wetterzonen. In der Warmluft im Süden sind erneut
konvektive Umlagerungen mit Schauern und Gewittern aktiv. Zudem kommt es im
Umfeld der wellenden Front zu teils schauerartig verstärkten Regenfällen. Im
Nordwesten und Norden ist durch die Annäherung des hochreichenden Tiefs und PVA
Unterstützung mit Schauern, evtl. auch kurzen Gewittern zu rechnen.
Am Freitag triggert der südwärts amplifizierte Trog über Westeuropa auf dessen
Vorderseite eine Tiefdruckzone über Mittel- und Nordwesteuropa. In diese
eingelagert ist weiter die Luftmassengrenze zu finden, wobei die Warmluft vor
allem noch im Südosten und Teilen des Ostens Deutschlands sitzt. Durch PVA auf
der Vorderseite des Troges, frontogenetischen Prozessen sowie den Bodentiefs ist
ausreichend Hebung vorhanden, sodass verbreitet mit teils schauerartigen, lokal
auch gewittrigen Regenfällen zu rechnen wäre.
Am Samstag verbleibt Deutschland bei weiterer Amplifizierung des Troges in
südwestliche Richtung zu den Kanaren in einer südwestlichen Grundströmung. Das
Höhentief über den Britischen Inseln bzw. der Nordsee korreliert dabei mit
Bodentiefs über der Nordsee und Südschweden, dessen Einflussbereich auch weite
Teile Deutschlands umfasst. Zudem ist in einem markanten Bodentrog eine teils
okkludierte Kaltfront eingebunden, die von der Nordsee auf den Nordwesten des
Landes übergreift, sich aber unter deutlicher Abschwächung nur langsam und
südostwärts verlagert. Gleichzeitig schleift der Frontenzug von den Vortagen
noch an den Alpen und sorgt dort für konvektiv geprägte Regenfälle.
Am Sonntag kann ein Rücken über dem Nordostatlantik ein Hoch über den
Ostatlantik bis zu den Britischen Inseln stützen. Deutschland würde demnach bei
schwachen Luftdruckgegensätzen auf der Ostflanke im Zustrom kühlerer Luft
polaren Ursprungs liegen. Im Süden wäre zudem weiter ein Frontenzug aktiv.
Resultierend stände im Norden und Westen Schauerwetter auf der Tagesordnung,
während im Süden die Front teils kräftige Schauer und Gewitter induziert.
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Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die großskaligen Geopotential- und Luftdruckverteilungen werden von den
vergangenen IFs-Läufen vergleichbar simuliert. Im Detail ergeben sich aber schon
zu Beginn des mittelfristigen Zeitraums am Dienstag Abweichungen, die auch das
Wetter hierzulande beeinflussen.
Demnach wird die Amplitude des Rückens, der sich von der Iberischen Halbinsel
nordostwärts über Frankreich und Deutschland hinweg Richtung Südnorwegen
erstreckt etwas unterschiedlich simuliert. Der aktuelle 00 UTC-Lauf liegt dabei
zwischen den gestrigen Läufen, wobei dessen Achse sich geringfügig langsamer
verlagert. Entsprechend kommen die WLA basierten Niederschläge auf der Trog
Vorderseite etwas später.
Auch am Mittwoch bleiben die beschriebenen Abweichungen bestehen. Der neuste
Lauf weist eine etwas größere Amplitude zum gestrigen 12 UTC-Lauf und eine etwas
geringere als beim gestrigen 00 UTC-Lauf auf. Dies wiederum macht sich auch bei
der Verlagerung und der südlichen Ausdehnung frontaler Niederschläge bemerkbar,
welche der 12 UTC-Lauf noch über die südliche Mitte legte, der neuste Lauf nun
aber über der nördlichen Mitte und den Nordosten zeigt, während im gestrigen 00
UTC-Lauf nur der Norden im Fokus stand.
Am Donnerstag und Freitag weisen die neusten beiden IFS-Läufe im Vergleich zum
gestrigen 00 UTC-Lauf über West- und Südwesteuropa eine stärke Amplifizierung
aus. Während die 00 UTC-Lauf etwa die gleiche Lage der Achse zeigen,
prognostizierte der gestrige 12 UTC-Lauf eine raschere ostwärtige
Phasenverschiebung. Auch diese Abweichungen haben schließlich Einfluss auf die
Lage und Intensität potentieller Niederschläge. Insgesamt wird durch die
Amplifizierung über Westeuropa aber wieder wärmere Luft aus Südwesteuropa nach
Deutschland advehiert.
Am Samstag kann sich der aktuelle 00 UTC-Lauf entgegen der gestrigen Läufe noch
weiter südwestwärts amplifizieren und auch bei der Phase den anderen Lösungen
etwas vorwegeilen. Resultierend ist die Strömung im Vergleich etwas steiler,
sodass die 10 Grad Isotherme vor allem im Osten deutlich weiter nordwärts
vorankommt.
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Vergleich mit anderen globalen Modellen
Auch andere Globalmodelle (ICON, UK10, GFS) simulieren die großsklaigen
Geopotential- und Luftdruckstrukturen vergleichbar zum IFS. Im Detail weisen
aber alle anderen Modelle einheitlich bei etwa gleicher Amplitude eine raschere
Phasenverschiebung zum IFS auf. Resultierend würde die potentiellen
Niederschläge im Vergleich zum IFS schneller Übergreifen und über Deutschland
hinwegziehen. Vor allem ICON zeigt im Verlauf zudem ein stärkere Amplifizierung
bis nach Nordafrika. Das GFS hängt dagegen zunehmend zurück und produziert ein
Höhentief über der Iberischen Halbinsel. Insgesamt sorgen die Abweichungen für
eine unterschiedliche Lage der Luftmassengrenze über Deutschland. Am Mittwoch
verfrachten ICON, UK10 und GFS die Regenfälle schneller südwärts. Am Donnerstag
liegt die Luftmassengrenze nach GFS an den Alpen, nach UK10 zwischen Donau und
Alpenvorland, nach ICON von den Vogesen bis nach Nordostbayern und beim IFS wie
beschrieben etwa vom Saarland bis nach Sachsen. Am Freitag weisen vor allem GFS,
UK10 und IFS ähnliche Niederschlagsverteilungen auf, während das ICON ein
Vb-Tiefs mit heftigen Niederschlägen über Österreich hinweg bis nach Polen
aufweist, welches Deutschland nur im Südosten tangiert. Im Vergleich zu den
anderen Modellen simuliert ICON auch durch kompensierendem Absinken hierzulande
in einem breiten streifen vom Südwesten in den Nordosten nur eine geringe
Niederschlagsneigung. Auch am Wochenende bleiben Unterschiede in der Amplitude
und Phase zwischen den Modellen bestehen, sodass zwar weiter modellübergreifend
von einem (leicht) unbeständigen Witterungsabschnitt ausgegangen werden kann,
die räumliche Einordnung der Niederschläge aufgrund der Unsicherheiten aber
derzeit noch nicht möglich sind.
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Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Rauchfahnen verschiedener Städte in Deutschland zeigen schon zu Beginn des
mittelfristigen Zeitraums aufgrund von einigen Außreißern hin zu wärmeren
Temperaturen sowie höherem Geopotential einen veritablen Spread von 8-10 Grad
bzw. 15 bis 20 hPa. Da von Mittwoch bis Freitag aber gleichzeitig noch ein recht
definierter Bereich hoher Auftrittswahrscheinlichkeit vorliegt, ist trotz des
signifikanten Spread zunächst noch von einer recht ordentlichen Vorhersagegüte
auszugehen. Ab dem Wochenende spreizt sich das IFS-EPS aber weiter und auch der
Bereich höherer Auftrittswahrscheinlichkeiten kommt weniger deutlich daher.
Resultierend ist eine seriöse Vorhersage ab dem Wochenende nicht mehr möglich.
Trotz vergleichbarer, übergeordneter Strukturen zeigt auch ein Blick in die
Clusteranalyse, dass im Detail größere Unterschiede zu verzeichnen sind. Demnach
sind im Zeitraum von +72 bis +96h sechs Lösungen nötig, um alle Unsicherheiten
ausreichend zu beschreiben. Während Cluster 1, 2 und 5 durchgehen im Schema
einer neg. NAO verbleiben, starten die restlichen Lösungen im Schema eines
atlantischen Rückens, um dann aber ebenfalls rasch in das Schema einer neg. NAO
zu wechseln. Der Kontrolllauf ist dem ersten Cluster zugeordnet, der insgesamt
13 Member umfasst. Auch wenn die Abweichungen zwischen den Lösungen vor allem
über Mitteleuropa nur gering sind, so lassen sich geringe Unterschiede bei der
Krümmung und Ausrichtung der Strömung erkennen. Die Anomalien wiederum haben
Einfluss auf die Verlagerung und Intensität potentieller Niederschläge.
Im Zeitraum von +120 bis +168h erklären weiter fünf Cluster die Unsicherheiten
im EPS-Raum. Alle Lösungen werden dabei anfangs komplett dem Schema einer neg.
NAO zugeschrieben. Zum Ende wechseln die Cluster 1 bis 3 zum atlantischen Rücken
und das Cluster 5 zum Blocking. Der Kontrolllauf befindet sich weiter im ersten
Cluster. Vor allem die ersten beiden Lösungen zeigen vergleichbare Strukturen,
wobei die zweite Lösung den Trog noch etwas stärker als Cluster 1 im Programm
hat. Beide zusammen vereinen mit 29 Membern die Mehrheit. Die vierte Lösung
kommt den ersten beiden Clustern nahe, wenngleich diese den Trog stärker
amplifiziert über Mitteleuropa sieht. Grundsätzlich würden diese drei Strukturen
aber weiter für eine unbeständige Witterung sprechen. Bei den Lösungen 3 und 5
zeigt sich dagegen eine markante Austrogung über West- bzw. Südwesteuropa teils
mit Cut-Off-Bildung. Hierzulande wäre dann zunehmend ein Rücken aktiv und würde
durch antizyklonalen Bedingungen das Wetter eher beruhigen.
In der erweiterten Mittelfrist beschreiben schließlich nur noch zwei Cluster die
Unsicherheiten im IFS-EPS. Die erste Lösung startet im Blocking und wechselt
zurück zum Schema einer neg. NAO. Das zweite Cluster wird dagegen komplett dem
Schema einer pos. NAO zugeschrieben. Vor allem die erste Lösung mit einem
breiten Trog über weiten Teilen Europas würde für anhaltendes, unbeständiges
Wetter sprechen. Bei der zweiten Lösung wäre dies nicht so einfach, da dort
Rücken und Kurwellentröge zusammen im Spiel sind.
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Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Am Mittwoch treten im Tagesverlauf voraussichtlich im Südwesten, an den Alpen
sowie deren Vorland einzelne Gewitter auf. Bei leicht labilen Verhältnissen,
geringem Cape bis 300 J/kg, PPWs von 25 bis 35 mm und recht guter Scherung steht
dort der Starkregen im Vordergrund. Aufgrund der Scherung sind linienhaft
organisierte Anordnungen möglich, die auch mehrstündig zu Buche schlagen können.
Bei kräftigeren Entwicklungen muss zudem mit stürmischen Böen, je nach
Organisation auch mit Sturmböen gerechnet werden. Zudem sind im Nordseeumfeld
einzelne Gewitter möglich, die aufgrund der Höhenwinde (Jet) bei leicht labilen
Bedingungen bevorzugt mit Sturmböen einhergehen können. Je nach Modell sind auch
im Umfeld einer schleifenden Front über der südlichen Mitte länger anhaltende,
schauerartig verstärkte Regenfälle nicht auszuschließen, die über einen Zeitraum
von 6-18 Stunden die markante Stark-/Dauerregenschwelle erreichen, evtl. auch
überschreiten können.
Am Donnerstag ist vor allem von den Vogesen und dem Schwarzwald bis nach Südost-
und Ostbayern mit schauerartigen, teils gewittrigen Regenfällen zu rechnen. Bei
PPWs von 25 bis 35, lokal 40 mm besteht ein erhöhtes Starkregenpotential, an den
Alpen können gebietsweise auch die markanten Schwellen im 12 bis 24 stündigen
Zeitraum überschritten werden. Eng begrenzt gibt es von der Probabilistik auch
Hinweise für heftigen Starkregen/ergiebigen Dauerregen. Zusätzlich weisen
Cape-Werte von 250 bis 750 J/kg auf kleinkörnigen Hagel hin. Eine veritable
Scherung lässt auch
organisierte Strukturen zu. Vor allem dann kann auch der Wind in Sturmstärke
wehen. Im Küstenumfeld und im Nordosten steht bei leicht labiler Schichtung und
kräftigeren Höhenwinden dagegen der Wind im Vordergrund, der bei einzelnen
Gewittern mit Sturmböen einhergehen kann.
Am Freitag sind die Modellunterschiede bei der räumlichen Einordnung markanter
Wetterereignisse noch recht groß. Während IFS an den Alpen gebietsweise
Dauerregen im Programm hat, lässt das ICON aufgrund des Vb-Tiefs markante
Regenmengen bevorzugt vom Berchtesgadener Land bis zum Bayerischen Land zu. Im
Küstenumfeld sind derweil weitere Gewitter mit Sturmböen möglich, Starkregen ist
aufgrund des Feuchtegehalts eher gering wahrscheinlich.
Am Samstag ist direkt an den Alpen mit weiteren länger anhaltenden Regenfällen
zu rechnen, Dauerregen nicht ausgeschlossen. Ansonsten sind im Nordseeumfeld und
dem angrenzenden Binnenland einzelne Gewitter mit Sturmböen, örtlich auch
Starkregen möglich.
Am Sonntag vor allem im Süden weitere, teils kräftige Gewitter mit Starkregen,
kleinkörnigem Hagel und stürmischen Böen. Regional ist auch mehrstündiger
Starkregen möglich.
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Basis für Mittelfristvorhersage
IFS-EPS, ICON-EPS, für TT auch MosMix, det. Modelle nur bedingt nutzbar
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VBZ Offenbach / Dipl. Met. Lars Kirchhübel