DWD Synoptische Übersicht Kurzfrist

15-08-2026 08:01
SXEU31 DWAV 150800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Samstag, den 15.08.2026 um 08 UTC


GWL und markante Wettererscheinungen:
Vorübergehend Wz

Von Nordwesten her Ende der Hitze. Heute vereinzelt Gewitter mit teils schweren
Sturmböen. Am Sonntag über der Mitte und dem Süden häufiger, teils starke
Gewitter, lokal Unwetter. Montag in den Südosten verlagernd.

Synoptische Entwicklung bis Montag 24 UTC
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Samstag... hat die Strömung in der Höhe auf West gedreht, da der Höhenrücken
nunmehr vom Mittelmeer über Polen bis Finnland reicht und weiter nach Osten
abkippt. Die zunächst antizyklonale Strömung wird ablaufen eines Troges über die
Nordsee nach Osten von Nordwesten zyklonaler und der Bodendruck über Deutschland
fällt weiter. Das hat schon zur Bildung einer flachen, etwas diffusen
Tiefdruckrinne vom Westen nach Norddeutschland geführt, die sich im Tagesverlauf
weiter südostwärts verlagert und abends über Süddeutschland ankommt.

Rückseitig davon sickert mit Winddrehung auf nordwestliche bis nördliche
Richtungen sukzessive feuchtere und weniger heiße Luft ein. Davor lagert noch
die seit Tagen dominierende sehr trockene, heiße Luftmasse. Abends greift dann
eine wenig aktive, da von KLA und Druckanstieg überlaufene Kaltfront von der
Nordsee und Dänemark auf Deutschland über.

In der feuchteren Luft sind schon am Morgen über Benelux Schauer und Gewitter
unterwegs, die sich am Vormittag auf Nordwestdeutschland ausbreiten. Dabei
schwächen sie sich aber zunächst ab, sodass es bei lokalen, eher schwächeren
Entwicklungen bleibt. Ansonsten startet der Tag wie gewohnt sonnig mit sehr
heterogenen Frühwerten von 7 bis 25°C.
In der feuchteren Luft, die tagsüber zunehmend die Mitte, den Südwesten und auch
den Nordosten erfasst, baut sich stark gedeckelt etwas Cape auf.
Die Scherung nimmt nur zögernd zu, während die gut durchmischte Grundschicht
sehr trocken bleibt. Obwohl die Zutaten nicht berauschend sind, und die Hebung
eher gering bleibt, können sich ausgehend vom Bergland einzelne Schauer und
Gewitter bilden, deren Hauptbegleiterscheinung, wohl der Wind mit Sturmböen sein
dürfte. Ausgeprägtes D Cape und Signale aus den ENS deuten die Möglichkeit von
einzelnen schweren Sturmböen an. Vereinzelt ist aber auch Starkregen nicht
ausgeschlossen ist (PPW teils über 30 mm) oder kleinkörniger Hagel. Die Gefahr
von Unwetter ist nicht groß, ausgeschlossen sind sie aber auch nicht.
Auch ganz im Süden besteht ein geringes Gewitterrisiko, vom Hochrhein,
Südschwarzwald bis zum Alpenrand.

In größeren Landesteilen vom Süden über die Mitte bis zum Osten ist es nach wie
vor trocken-heiß und sonnig mit dem Höhepunkt der Hitze bei 31 bis 39°C. Die
etwas moderatere Luftmasse und mehr Bewölkung lassen an der Nordsee knapp über
20°C zu, sonst im Nordwesten 23 bis 29°C.

In der Nacht zum Sonntag führen langsamer Geopotentialabbau und eine zyklonalere
Höhenströmung mit einer Kurzwelle zu einer Aktivierung der zur Landesmitte
ziehenden Kaltfront. So kommt es nach vorübergehender Beruhigung etwa von NRW,
Rheinland-Pfalz und Baden bis in den Nordosten zu Schauern, etwas Regen, sowie
einzelnen Gewittern. Mit Anfeuchtung der unteren Luftschichten nimmt die Gefahr
von Sturmböen ab und Starkregen wird wahrscheinlicher.
Postfrontal passiert weiter nordwestlich nichts mehr in einer stabileren Luft,
hier schiebt sich rasch ein neuer Keil vor und auch der Südosten ist weitgehend
außen vor, in der noch trockenen Luft. Die Luft kühlt ab auf ca. 20°C im
Südwesten und 10°C bei Aufklaren im Norden, vor allem S-H.


Sonntag... liegen wir unter einer zyklonalen westlichen Strömung. Dem KW Trog
aus der Nacht folgt tagsüber ein weiterer von Westen her. Im Norden ist der
Luftmassenwechsel aber dann schon vollzogen, hin zu einer moderateren und
stabileren Luftmasse, in der sich ein Keil des Azorenhochs vorgearbeitet hat.
Die Temperaturen liegen dort meist bei 20 bis 27°C mit einigen flacheren
Quellwolken oder Wolkenfeldern im mittleren Niveau und ohne hochreichende
Konvektion.

Die Kaltfront schleift dagegen in einer Tiefdruckrinne über dem Süden, bzw. der
südlichen Mitte. Die Anfeuchtung der Luftmasse daran und präfrontal macht
Fortschritte. PPW liegt dann teilweise um 40 mm, der Deckel auf der Laibiltät
von an die 1000 J/kg lockert sich zusehends und später kommt mit dem Trog auch
etwas dynamische Hebung hinzu. Alles in allem bessern sich die Voraussetzungen
für kräftige Gewitter etwa südlich einer Linie Eifel, Nordhessen, Westsachsen.

Die Reste der nächtlichen Konvektion und der Regenfälle ziehen über dem Süden
und die Mitte ostwärts und schwächen sich zunächst ab. Im Tagesverlauf bilden
sich dann vom Südwesten über die Mitte neue teils kräftige Schauer und Gewitter,
die dann häufiger mit Starkregen, eventuell größerem Hagel und nach wie vor mit
Sturmböen verbunden sein können. Besonders am Trog ist abends von Westen auch
Scherung im Spiel mit der Gefahr organsierterer Strukturen. Eine großräumige
Unwetterlage wird das zwar eher nicht, einzelne Unwetter stehen aber auf der
Karte.

Über der Mitte und dem Süden wird es wieder (gebietsweise) heiß und teilweise
schwül. Die Maxima liegen bei 28 bis 33°C.

In der Nacht zum Montag weitet sich der Trog über Deutschland durch den Randtrog
auch insgesamt nach Süden aus, wobei die Kaltfront nach Südostdeutschland
gedrückt wird. Der Gewitterschwerpunkt verlagert sich in die östliche Mitte und
den Süden, zunächst abschwächend, ganz beruhigen wird es sich aber nicht.
Vorübergehend kann sich sogar am Tiefausläufer die Gewitteraktivität im Laufe
der Nacht noch mal verstärken, wie es von einigen hochauflösenden Modellen
(S-HD) angedeutet wird. Zu den Alpen hin sind in der zweiten Nachthälfte
markante Starkregenfälle mit/ohne Gewitter nicht ausgeschlossen. Auch im Norden
kommen wieder, dort aber leichtere schauerartige Regenfälle auf.

Montag... liegen wir am Rand eines Tiefs über Finnland und eines nur zögernd
abziehenden Troges unter einer insgesamt nordwestlichen Strömung in der
kurzwellige Tröge ablaufen.

Im Südosten hält sich noch die instabilere und sehr warme Luft, da die Kaltfront
nur langsam abgedrängt wird, entsprechend wird die Luftmasse dort nur zögernd
ersetzt. So halten die Regenfälle, durchsetzt mit lokalen Gewittern zunächst an,
im Tagesverlauf lebt die Gewitteraktivität im Süden und der östlichen Mitte
sogar nochmal auf. Erneut sind markante Entwicklungen und vereinzelte Unwetter
möglich. Auch mehrstündiger Starkregen mit/ohne Gewitter ist möglich.

Vom Norden bis in den Nordosten ist die gemäßigte einströmende Luftmasse durch
den Trog ebenfalls leicht instabil geschichtet und es kommt dort zu Schauern und
vereinzelten Gewittern, die aber bei nicht sehr hoch reichender Labilitätsfläche
nicht sonderlich intensiv ausfallen.

Im Westen und in Teilen der Mitte wirkt sich vorübergehend stärkeres Absinken
aus und es trocknet dort ab. Die Hitze ist überall vorbei. In warmer Meeresluft
werden bei wechselnder Bewölkung meist 21 bis 27°C erwartet.

Der West- bis Nordwestwind frischt besonders an den Küsten kräftiger auf mit
einzelnen steifen Böen.

In der Nacht zum Dienstag zieht ein Zwischenhoch über uns hinweg mit kurzer
Wetterberuhigung. Die Schauer und Gewitter im Osten und Südosten klingen oder
ziehen ab, bevor zum Morgen Tiefausläufer mit Regen den Westen erreichen.
Dazwischen ist es gebietsweise gering bewölkt.

Modellvergleich und -einschätzung
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Die Modelle simulieren ähnlich. Die Umstellung der Wetterlage und das Ende der
Hitze sind unstrittig.

Die Gewitter am Samstag halten sich wegen der teils suboptimalen Zutaten
(rocken, kaum Hebung) sehr in Grenzen. Die Sturmböen sind im Focus. Am Sonntag
werden die Rahmenbedingungen für starke Gewitter besser (siehe Text). Der
Schwerpunkt verschiebt sich zu Starkregen und Hagel. Eine überregionale
Unwetterlage gibt es nicht.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Bernd Zeuschner