Thema des Tages
10-08-2026 10:50
Wetter aktuell
Ätna: Feuer, Asche und Gewitter
Der Ätna ist erneut ausgebrochen. Während die Eruption für
spektakuläre Bilder sorgt, beeinträchtigt Vulkanasche den Flugverkehr
rund um Catania. Gleichzeitig spielt das Wetter eine entscheidende
Rolle für die Ausbreitung der Asche und sogar für die Entstehung von
Gewittern über den Lavaströmen.
Seit dem 6. August steht der Ätna auf Sizilien erneut im Fokus.
Europas größter und aktivster Vulkan ist ausgebrochen und sorgt nicht
nur für ein beeindruckendes Naturschauspiel, sondern auch für
erhebliche Einschränkungen im Flugverkehr. Immer wieder musste der
Luftraum über dem Flughafen Catania aus Sicherheitsgründen teilweise
gesperrt werden, da Vulkanasche ein erhebliches Risiko für Flugzeuge
darstellt. Zahlreiche Flüge wurden gestrichen oder auf andere
Flughäfen umgeleitet.
Dabei sind Ausbrüche des Ätna nichts Ungewöhnliches. Der Vulkan
gehört zu den aktivsten der Erde und zeigt jedes Jahr mehrere
Eruptionsphasen. Der aktuelle Ausbruch geht vom Hauptkrater aus und
stellt für die umliegenden Ortschaften derzeit keine unmittelbare
Gefahr dar. Gewaltige Lavafontänen schleudern glühendes Material
hunderte Meter in die Höhe, während eine Aschewolke weit über den
Gipfel hinaus aufsteigt. Gleichzeitig fließt an der Ostflanke Lava in
das unbewohnte Valle del Bove - ein mehrere Kilometer breites
Einbruchstal, das seit Jahrhunderten als natürlicher Auffangraum für
Lavaströme dient.
Gerade deshalb zieht der Ätna derzeit zahlreiche Besucher an.
Besonders spektakulär ist das Schauspiel nach Sonnenuntergang. Dann
leuchten die Lavafontänen und glühenden Gesteinsbrocken weithin
sichtbar vor dem dunklen Nachthimmel. Auch der Lavastrom lässt sich
aus sicherer Entfernung gut beobachten.
Über den heißen Lavafeldern entstehen zudem häufig sogenannte
Staubteufel - kleine rotierende Wirbel, die Asche und vulkanisches
Material aufwirbeln. Tagsüber kommt ein weiteres Wetterphänomen
hinzu: Die intensive Erwärmung über den Lavaströmen fördert zusammen
mit der labil geschichteten Luft die Bildung von Quellwolken. Im
Tagesverlauf können daraus örtliche Schauer und Gewitter entstehen.
Wer den Ausbruch beobachten möchte, sollte daher möglichst die
Abend-, Nacht- oder frühen Morgenstunden wählen. Dann sind die
Sichtverhältnisse meist besser und das Gewitterrisiko deutlich
geringer.
Trotz der derzeit vergleichsweise ungefährlichen Eruptionsform gilt:
Ein Vulkanausbruch sollte niemals auf eigene Faust erkundet werden.
Das Gelände ist steil, unübersichtlich und kann sich innerhalb kurzer
Zeit verändern. Wer die Lava aus sicherer Entfernung beobachten
möchte, sollte ausschließlich markierte Wege nutzen und sich einer
geführten Exkursion anschließen. Ein beliebter Ausgangspunkt ist das
Rifugio Citelli an der Ostseite des Vulkans. Von dort führt ein
Wanderweg auf rund 2200 Meter Höhe bis an den Rand des Valle del
Bove, von wo aus sich der Lavastrom häufig besonders gut beobachten
lässt.
Auch in den kommenden Tagen dürfte die Situation am Flughafen Catania
angespannt bleiben. Solange der Ausbruch anhält und der Wind die
Asche in Richtung Süden beziehungsweise Südosten verfrachtet, kann
der Flugbetrieb jederzeit erneut eingeschränkt werden. Da sowohl die
Intensität der Eruption als auch die Windrichtung kurzfristigen
Änderungen unterliegen, lässt sich eine Sperrung des Luftraums oft
nur wenige Stunden im Voraus abschätzen.
Der Ätna zeigt damit einmal mehr eindrucksvoll, wie eng Meteorologie
und Vulkanologie miteinander verbunden sind: Nicht allein die Stärke
eines Ausbruchs entscheidet über seine Auswirkungen, sondern häufig
auch das Wetter - insbesondere die Windrichtung und die Stabilität
der Atmosphäre.
Dipl.-Met Marco Manitta
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 10.08.2026
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