DWD Synoptische Übersicht Mittelfrist

10-08-2026 10:01

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Montag, den 10.08.2026 um 10.30 UTC



Hochsommerlich heiß, zum Wochenende teils kräftige Gewitter und lokal
Unwettergefahr
__________________________________________________________

Synoptische Entwicklung bis zum Montag, den 17.08.2026


Die Mittelfrist startet am Donnerstag mit ruhigem Hochdruckwetter, wobei sich
das Bodenhochzentrum allmählich ostwärts verlagert. Gestützt wird das Hoch von
einem Keil, dessen Achse von Südwest nach Nordost geneigt über Deutschland
liegt. In 850 hPa fließen 16 bis 20 Grad ins Land. Bei kaum Feuchte und dadurch
viel Sonne steigt die Temperatur verbreitet auf 30 bis 36 Grad, nur an den
Küsten und im Nordosten ist es kühler.

Am Freitag schiebt sich die Keilachse langsam gen Osten und zwischen dem
Bodenhoch über Osteuropa und einen Bodenhoch über Westeuropa bildet sich eine
schwach ausgeprägte Tiefdruckrinne. Da in der Höhe kaum Feuchte advehiert werden
kann, bleibt es meist bei ein paar Wolken. Vereinzelt lassen sich über dem
südlichen Bergland sowie im Nordwesten und Norden spät am Tag Schauer oder
Gewitter nicht vollkommen ausschließen. Durch die anhaltende Zufuhr warmer bis
heißer Luft (18 Grad in 850 hPa im Norden und 23 Grad im Süden) wird es
verbreitet hochsommerlich bei 32 bis 38 Grad. Nur im äußersten Norden und bei
auflandigem Wind an den Küsten ist es kühler.

In der Nacht zum Samstag geraten wir auf die Vorderseite eines Langwellentroges
über Westeuropa, der über Hochdruck am Boden liegt und daher nur schwach
wetterwirksam ist. Es kann aber nun feuchte Luft zu uns fließen, die sich im
Tagesverlauf vom Nordwesten über die Nordwesthälfte Deutschlands legt und in der
Nacht zum Sonntag sehr langsam in die Südosthälfte verlagert. An die Feuchte
koppeln sich Schauer und Gewitter, die bei ppw um 30 mm, MU-Cape bis 2000 J/kg
und inversem V kräftig ausfallen können, lokal lässt sich Unwetter nicht
ausschließen. Auf der Vorderseite des Hochs über Westeuropa wird etwas kühlere
Luft advehiert, die sich aber vorerst nur im Norden und Nordwesten bemerkbar
machen kann, in allen anderen Regionen gibt es erneut einen heißen Tag mit
Maxima über 30 Grad.

Am Sonntag wird das Bodenhoch südwärts abgedrängt. Statt seiner übernimmt nun
ein Tief die Regie im Westen, das allmählich Unterstützung eines neuen
Höhentroges bekommt. Bei uns ist die Druckverteilung eher flach, die
feucht-warme Luft schiebt sich weiter gen Südosten. In der Südosthälfte kommt es
wiederholt zu Schauern und Gewitter, weiterhin lokal mit Unwettergefahr. In der
Nordwesthälfte ist die Luft weniger feucht, kühler (unter 10 Grad in 850 hPa)
und stabiler. Im Norden erreichen die Maxima kaum noch 25 Grad. In der Südhälfte
ist es noch einmal hochsommerlich.
In der Nacht zum Montag verlagert sich das Bodentief von Großbritannien nach
Frankreich. Ein Randtrog erfasst gegen Montagmorgen den Westen Deutschlands. Mit
Vertiefung des Langwellentroges über Westeuropa steilt die Strömung bei uns
wieder auf und wärmere Luft flutet auch wieder die nördlichen Landesteile.

Am Montag dehnt sich der Tiefdruckeinfluss auch zu uns aus. Das Zentrum lieg
über dem Westen Frankreichs, aus Südwesten fließt feucht-warme Luft zu uns. Die
ppw sind mit 30 bis 40 mm recht hoch, es kann sich im Verlauf verbreitet 1000
bis 1500 J/kg MU-Cape aufbauen. Kurzum: Es gibt verbreitet schauerartigen Regen,
der teils länger andauert und kräftiger ausfallen kann. Außerdem sind
eingelagerte Gewitter wahrscheinlich. Etwas außen vor ist der Norden, wo sich
anfangs noch die Nähe zu höherem Luftdruck und damit stabilerer und relativ
gesehen trockenerer Luft bemerkbar macht.
In der Nacht zum Dienstag wird auch der Norden von tiefem Luftdruck erfasst.
Mehrere Zentren über Mittel- und Westeuropa machen die Vorhersage der
Niederschläge schwierig.

Am Dienstag verlagert sich das Tiefkonglomerat langsam südostwärts, beeinflusst
aber tagsüber noch weite Teile Deutschlands. Gegen Abend reicht das Zentrum am
Boden etwa von Polen über den Alpenraum bis nach Norditalien, rückseitig strömt
kühlere und weniger feuchte Luft zu uns. In der Höhe erreicht uns die Achse des
Langwellentroges gegen Abend von Nordwesten her. In der Nacht spaltet sich aus
dem Trog ein Höhentief ab, das in der Folge über die Alpen nach Norditalien
zieht. Dort füllt es sich im Laufe des Mittwochs auf, während sich das Bodentief
weiter den Weg nach Südosteuropa bahnt. Unter dem Trog kommt es bei uns in der
Südosthälfte weiterhin zu Regen, teils schauerartig verstärkt und im Südosten
auch noch örtlich gewittrig. Die ppw nehmen insgesamt aber ab.

Fazit: Nach hochsommerlichem Start setzt sich im Verlauf kühlere und feuchtere
Luft durch. Zunächst sind es nur gebietsweise Schauer und Gewitter, in der
erweiterten Mittelfrist deutet sich aktuell aber modellübergreifend und
EPS-gestützt flächiger Regen an!
__________________________________________________________

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs


Bis und mit Samstag ist der aktuelle Lauf für Mitteleuropa konsistent zu seinen
Vorgängern. Sonntag zieht nun ein abgeschlossenes Tief vom Atlantik nach
Großbritannien und zu Wochenbeginn nach Frankreich. Es verstärkt den
Langwellentrog über Westeuropa, auf dessen Vorderseite nun länger warme Luft zu
uns strömt. Erst zum Mittwoch soll uns die Trogachse nun erreichen.
__________________________________________________________

Vergleich mit anderen globalen Modellen


Im Vergleich mit anderen Modellen ergibt sich nur mäßige Konsistenz. ICON lässt
eine Tiefdruckrinne am Freitag samt eingelagerter Kaltfront und mit ordentlich
Feuchte über Deutschland ziehen. Die anderen Modelle habe die Rinne auch, mal
schmaler (GFS) mal breiter (IFS/UK10), aber deutlich weniger Feuchte. Auch die
Zufuhr wärmerer Luft hält bei den anderen Modellen länger an. Erst im Laufe des
Samstags wird es von Nordwesten her kühler. Das Tief in der neuen Woche ist bei
ICON auch drin, wenn auch schwächer, leicht zeitlich nach hinten versetzt und
anders positioniert. GFS lässt den Hochdruck wieder gewinnen, UK10 simuliert das
Tief deutlich weiter nördlich.
__________________________________________________________

Bewertung der Ensemblevorhersagen


Die Clusteranalyse ergibt für die ersten beiden Zeitschritte einen Mono-Cluster
mit Blocking. Erst ab Dienstag nehmen die Cluster zu und es mischt sich
atlantischer Rücken dazu.

Die Rauchfahnen sind bis und mit Samstag eng mit eindeutig positivem Trend
sowohl in der Temperatur als auch im Geopotential. Anschließend ist der Trend
ebenfalls eindeutig, aber negativ, wobei der Spread größer wird. Auffällig: Der
Hauptlauf liegt zunächst eher im oberen Drittel, zur Wochenmitte dann häufiger
im unteren Drittel.
Erfreulich: Ab Samstag sind die Ausschläge beim Niederschlag quer durch
Deutschland so groß wie schon lange nicht mehr. In der erweiterten Mittelfrist
ist auch mal überörtlicher Regen zu finden.

Bei GFS und ICON ist der Trend derselbe, wenn auch zeitlich teils leicht
versetzt. Auch die Auffälligkeiten beim Hauptlauf sind ähnlich.
_________________________________________________________

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen


Zu Beginn der Mittelfrist gibt es gebietsweise eine starke Wärmebelastung. Zum
Wochenende steigt die Gefahr von starken Gewittern an, lokal sind Unwetter
aufgrund heftigen Starkregens und größerem Hagel möglich. Auch schwere Sturmböen
oder orkanartige Böen lassen sich nicht ausschließen.
Beim EFI gibt es keine signifikanten Signale für außergewöhnliche Erscheinungen.

________________________________________________________

Basis für Mittelfristvorhersage
MOS-IFS, MOS-Mix
________________________________________________________


VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jacqueline Kernn