DWD Synoptische Übersicht Kurzfrist

04-08-2026 16:30
SXEU31 DWAV 041800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Dienstag, den 04.08.2026 um 18 UTC


SCHLAGZEILE:
Starke bis extreme Wärmebelastung mit teils schweren Gewittern, ab Donnerstag
vorübergehende Abkühlung und Wetterberuhigung.

Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 06 UTC
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Aktuell ... scheint die Wetterlage wie so oft in diesem Sommer festgetackert
bzw. wenig variabel. Über den kurzfristigen Zeitraum bis einschließlich
Donnerstag dominiert die Wetterlage Trog Westeuropa und übergibt dann mit hoher
Wahrscheinlichkeit den Staffelstab an die Wetterlage Brücke Mitteleuropa. Andere
potentielle Wetterlagen sind kaum existent und können ab Freitag nur wenige
Member des IFS-EPS für sich überzeugen. Aber zurück zur nahen Zukunft. Trog
Westeuropa steht für eine Südwestströmung und somit meist Warmluftadvektion.
Gleichzeitig ist die Strömung meist zyklonal geprägt und mit kurzwelligen
Anteilen und Kurzwellentrögen gespickt, sodass meist Hebungsimpulse vorhanden
sind. Potentielle Frontenzüge kommen dabei aufgrund der überwiegenden Strömung
parallelen Lage häufig nur langsam südostwärts voran. Doch wie sieht es in
unserem Fall genau aus.

Am heutigen Abend wird der Rücken ostwärts gedrängt und die zyklonalen
Bedingungen nehmen zu. Dabei greifen von Westen an einem
Kurzwellentrog/kurzwelligen Anteil gekoppelt Hebungsprozesse auf Deutschland
über, die schauerartige, teils gewittrige Regenfälle in den Norden führen. Diese
interagieren dabei auch mit einer Kaltfront, die von Westen bzw. Nordwesten
näherkommt und die Hebungsprozesse teilweise stärken kann. Aufgrund der
schnelleren Verlagerungsgeschwindigkeit sind die PPWs von 30 bis 45 mm weniger
gewichtvoll, wenngleich es örtlich geringe Wahrscheinlichkeiten für heftigen
Starkregen gibt. Gleichzeitig können sich in der potentiell labil geschichteten
Luft im Südwesten und an den Alpen vor allem mit orografischer Unterstützung
einzelne starke Gewitter bilden und bei geringer Verlagerungsgeschwindigkeit mit
Starkregen einhergehen. Durch PPWs über 30 mm besteht vor allem vom
Südschwarzwaldes und westlichen Alpenrand bis zur Hohenloher Ebene lokal auch
das Potential für heftigen Starkregen. Zudem bilden sich Über Tschechien starke
bis schwere Gewitter, die mit der Strömung auch Ostsachsen erreichen und
ebenfalls mit einer gewissen Unwetterwahrscheinlichkeit für heftigen Starkregen
einhergehen.

Bis Mittwochmorgen verbleibt das Land noch weitgehend im Warmsektor. Dabei kann
vor allem in die Südosthälfte weiter heiße Subtropikluft einströmen. Die
Temperaturen in 850 hPa liegen dort in der Nacht zum Mittwoch resultierend bei
18 bis 24 Grad. Aber auch sonst werden 15 bis 19 Grad gezeigt. Die Folge ist bei
Tiefstwerten um oder über 20 Grad, nach einem verbreitet heißen Tag vielerorts
eine tropische Nacht.

Mittwoch ... halten sich die Hebungsimpulse zunächst in Grenzen. Deutschland
liegt weiter in der südwestlichen Strömung, die anfangs aber kaum kurzwellige
Anteile aufweist. Entsprechend sind frontogentische Impulse und diabatische
Prozesse gepaart mit orografischer Unterstützung zunächst auf sich alleine
gestellt. Dabei wandern die schauerartigen Regenfälle aus der Nacht auf die
Ostsee ab. Resultierend lässt sich Deutschland in drei Streifen aufteilen. Die
Südosthälfte liegt noch in der potentiell labilen und hoch energetischen
Subtropikluft, die durch eine Kaltfront von der weniger energetischen, zunehmend
stabileren, aber dennoch sehr warmen, teils heißen Luft vom Südwesten und Westen
in den Nordosten trennt. Hinter einer zweiten Kaltfront dringt in den Nordwesten
und Teilen des Nordens zudem schon mäßig warme bis warme Nordseeluft ein.
Entsprechend gibt es in der ersten Tageshälfte von Nordrhein-Westfalen bis nach
Mecklenburg vereinzelt Schauer und Gewitter, die sich im weiteren Verlauf aber
nur langsam ostwärts verschieben. Dabei gibt es bei PPWs von 29 bis 40 mm
gebietsweise das Potential für Starkregen, heftiger starkregen kann nicht
ausgeschlossen werden. Cape-Werte von 250 bis 900 J/kg lassen kleinkörnigem
Hagel zu und die Höhenwinde können stürmische Böen induzieren. Der zweite
Gewitterschwerpunkt, der sich im Laufe des Tages intensiviert ist vorderseitig
der ersten Kaltfront in der Südosthälfte zu finden. Durch PPWs zwischen 30 und
45 mm ist Starkregen sehr wahrscheinlich, südlich der Donau ist örtlich zudem
heftiger Starkregen möglich und extremer Starkregen nicht ausgeschlossen.
Cape-Werte von 500 bis 1800 J/kg können zusätzlich Hagel um 2 cm, örtlich auch
größer produzieren. Aufgrund einer Inverse-V Situation sind vor allem anfangs
Sturmböen möglich, je nach Entwicklung schwere Sturmböen örtlich nicht
ausgeschlossen. Aufgrund der fehlenden Scherung sind organisierte und verstärkt
rotierende Zellen dort aber weniger wahrscheinlich.

Die Temperaturen liegen zwar nicht mehr auf dem Niveau des Vortages, dafür ist
die Luft mit mehr Feuchte angereichert, was keine signifikante Verringerung der
körperlichen Belastung bringt. In 850 hPa liegen die Temperaturen zwischen 10
Grad an der Nordsee und bis 21 Grad im Südosten Bayerns. Die wiederum führt
nachfolgend wahrscheinlich zu Höchstwerten zwischen 21 Grad auf Sylt und 38 Grad
in Ostbayern. Eine potentielle tropische Nacht auf Donnerstag ist wohl nur noch
in Teilen Bayerns, Sachsens und Brandenburgs zu verzeichnen.

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Synoptische Entwicklung bis Freitag 06 UTC

Donnerstag ... schiebt sich der Haupttrog langsam von Westen an Deutschland ran.
Einhergehend wir die potentiell labile und energetische Luft weiter ost- bzw.
südostwärts abgedrängt und ist bevorzugt noch südlich der Donau, im Umfeld des
Bayerischen Waldes sowie von der Neiße bis nach Ostsachsen zu verzeichnen. Da
gleichzeitig die Kaltfront an den Alpen schleift und die Orografie ebenfalls
mitwirkt, sind die Hebungsimpulse vor allem an den Alpen und in Südostbayern
ausreichend gegeben. Nachfolgend sind dort konvektiv geprägte, teils länger
anhaltende Regenfälle zu erwarten. Vor allem im Zittauer Land, im Umfeld des
Bayerischen Waldes sowie am Alpenrand sind bei PPWs von 32 bis 45 mm
mehrstündige Starkregenfälle wahrscheinlich, Unwetter möglich. Bein
eingebetteten Gewittern können Cape-Werte von 500 bis 1000 J/kg auf
kleinkörnigen Hagel, vereinzelt auch Hagel um 2 cm hindeuten. Der Wind spielt
eine untergeordnete Rolle und sollte meist bei steifen und einzelnen stürmischen
Böen verbleiben. Rückseitig der Kaltfront(en) fließt von Westen weniger warme
und vor allem trockenere Luft ein, sodass Wetterberuhigung einsetzt. Allenfalls
im Nordwesten macht sich schon der nahende Trog bemerkbar, der die
Schaueraktivität erhöht. Gleichermaßen lebt der Wind auf der Südseite eines
Tiefs über Skandinavien spürbar auf und bringt an der Nordseeküste sowie
exponierten Abschnitten der Ostseeküste von Schleswig-Holstein steife, lokal
stürmische Böen.
Bei den Temperaturen wird es durch die trockene Luft auch angenehmer, was sich
vor allem nachts zeigt. In der Nacht zum Freitag können die Temperaturen bis auf
16 bis 8 Grad absinken. Auch tagsüber sorgen Temperaturen in 850 hPa von 5 bis
15 Grad nur noch für Höchstwerten von 19 Grad auf Sylt und lokal 31 Grad am
Oberrhein und Teilen Bayerns.


Modellvergleich und -einschätzung
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Die Modelle simulieren die großskalige Geopotential- und Luftdruckverteilung
vergleichbar und zeigen auch die resultierenden Prozesse samt
Begleiterscheinungen ähnlich.


Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Lars Kirchhübel