DWD Synoptische Übersicht Mittelfrist

04-08-2026 10:30

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Dienstag, den 04.08.2026 um 10.30 UTC



Im Norden höchstens kurzzeitig, im Süden fast durchgehend sehr warm bis heiß. Am
Sonntag/Montag mit Front- und Trogpassage zwar quasi landesweit, aber nur
vereinzelte kräftige Gewitter möglich.
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Synoptische Entwicklung bis zum Dienstag, den 11.08.2026


Vorweggenommen sei schonmal: Starke bzw. sogar extreme Hitze mit Höchstwerten
jenseits der 35 Grad bzw. gar an die 40 Grad ist erst einmal nicht zu erwarten.
Dennoch bleibt es insbesondere im Südwesten und Süden mehr oder weniger
durchgehend sehr warm bis heiß und auch in den Norden kann die Hitze am Sonntag
wohl kurzeitig noch einmal vordringen.

Doch nun zur Entwicklung im Detail:
Am Freitag hat sich unterhalb einer leicht "flatternden" westlichen
Höhenströmung ein Hochdruckgebiet über West- und Mitteleuropa ausgebreitet,
dessen Schwerpunkt sich anfangs noch knapp westnordwestlich des
Vorhersagegebietes befindet, bis Samstagfrüh sich aber langsam nach
Norddeutschland verlagert. Nördlich der Divergenzachse des Hochs, die in etwa
über die Landesmitte hinweg verläuft, gelangt somit von Nordwesten maritim
erwärmte Polarluft in die Nord- und Osthälfte (T850 hPa abends zwischen 5 und 9
Grad), in der sich mit dem Tagesgang flache Cu-Bewölkung bildet, ohne, dass es
für nennenswerte Schauer reicht. Mit Maxima zwischen 21 und 24 Grad, an den
Küsten bei auflandigem Wind kaum 20 Grad.
Im Südwesten und Süden hält sich noch etwas wärmere Luft bzw. kann sich die
Luftmasse bei guten Einstrahlungsbedingungen wieder erwärmen auf 10 bis 15 Grad
in 850 hPa. Einzelne Gewitter sind vor allem an den Alpen nicht ausgeschlossen,
ansonsten ist die Luftmasse zu trocken und dynamisches Forcing fehlt ebenfalls.
Es wird warm bis sehr warm mit 24 bis 28 Grad, in Südbaden vielleicht knapp 30
Grad.
Angenehm frisch fällt auf jeden Fall die Nacht aus: An den Küsten sowie in
einigen Ballungszentren im Südwesten geht's auf nahe 15 Grad runter, sonst auf
13 bis 8 Grad, in einigen Senken- und Muldenlagen wird es noch etwas frischer.

Am Samstag kommt es zu einem Trogvorstoß über dem Seegebiet zwischen Island und
Schottland. Vorderseitig führt WLA zu einem Geopotenzialgewinn auch über
Mitteleuropa; es wölbt sich westlich von uns ein flacher Rücken auf, der bereits
in der Nacht zum Sonntag über das Vorhersagegebiet hinweg ostwärts schwenkt.
Unser Bodenhoch verlagert seinen Schwerpunkt allmählich Richtung
Ostpolen/Belarus und Baltikum, wobei tagsüber noch ein Keil bis nach
Nordostdeutschland reicht. An dessen Südwestflanke gelangt trockene
Festlandsluft nach Deutschland, wobei vor allem in den Westen und Süden
niedertroposphärisch mit Winddrehung auf Süd bereits wieder Subtropikluft
advehiert wird. In 850 hPa steigt die Temperatur bis zum Abend auf 7 Grad in
Ostvorpommern und bis nahe 20 Grad in Südbaden. Somit kann die Luftmasse im
Südwesten und Süden wieder deutlich labilisieren und alpines Pumpen führt an den
Alpen bzw. im Vorland zu deren Anfeuchtung. Eventuell reicht es an den Alpen und
im Südschwarzwald/Südbaden bereits für einzelne, dann durchaus kräftige Gewitter
(geringes Unwetterpotenzial aufgrund von Hagel und Starkregen). Ansonsten bleibt
es aber trocken und auch recht sonnig, lediglich im Nordosten zeigen sich ein
paar Wolkenfelder. Während sich an den Maxima im äußersten Norden/Nordosten nur
wenig ändert, wird es sonst mit 25 bis 30 Grad sehr warm, im Südwesten sowie
zwischen Main und Donau auch heiß mit bis zu 33 Grad.
Auch die Nacht zum Sonntag wird wieder milder mit Minima zwischen 18 und 11
Grad, lediglich in einigen Mulden und Senken noch etwas darunter. Dabei weitet
sich von Frankreich und Benelux her eine flache Tiefdruckrinne nach
Westdeutschland aus. Eventuell können dorthin auch bereits "Gewitterreste" von
Westen her vordringen.

Der Sonntag und Montag werden dann wettertechnisch etwas spannender: An der
Südflanke eines sich über dem Nordmeer etablierenden Zentraltiefs verlagert sich
ein erster Randtrog am Sonntag über Schottland hinweg Richtung Norwegische See,
ein weiterer folgt in der Nacht zum Montag, greift deutlich weiter nach Süden
aus und zieht bis Montag über die Nordsee hinweg Richtung westliche Ostsee und
Südskandinavien. Somit stellt sich auch hierzulande vorübergehend eine zyklonal
konturierte Südwestlage ein. Das Hochdruckgebiet zieht sich weit nach Ost- bzw.
Nordosteuropa zurück und weicht einer flachen Druckverteilung über ganz
Mitteleuropa, wobei schwülheiße Subtropikluft am Sonntag vorübergehend bis nach
Norddeutschland vordringen kann. In 850 hPa steigt die Temperatur auf Werte
zwischen 14 Grad ganz im Norden und bis 22 Grad in Südbaden bzw. an den Alpen.
Die Luftmasse ist instabil geschichtet und mit etwas dynamischem Forcing ist vor
allem am Sonntagabend und in der Nacht zum bzw. am Montag (dann noch am ehesten
im Osten und Süden) auch organisierte Gewittertätigkeit nicht ausgeschlossen.
Unklar ist noch die "Qualität" der Luftmasse: Die Modelle sind bzgl. Cape und
Cape/Shear-Überlappung noch sehr defensiv aufgestellt.
Mit Trogpassage geht dann auch im Bodenfeld eine Kaltfrontpassage einher, wobei
das Timing noch unsicher ist. Nach Lesart des aktuellen Laufes greift sie in der
Nacht zum Montag auf Nordwestdeutschland über, erreicht in der Nacht zum
Dienstag Süddeutschland, wird dort aber von Druckanstieg überlaufen und zeigt
Auflösungstendenzen. Wie auch immer: Am Montag gelangt bereits in den
Nordwesten, am Dienstag dann zumindest bis in die mittleren Landesteile erneut
erwärmte maritime Polarluft mit unter 10 Grad in 850 hPa, im Süden bleibt es
dagegen bei 850 hPa-Temperaturen um 15 Grad sehr warm. Aber auch dort trocknet
die Luftmasse ab, so dass es am Dienstag wohl lediglich ganz im Süden
(Südschwarzwald bis Alpenvorland) für einzelne Gewitter reicht, wenn überhaupt.

In der erweiterten Mittelfrist schwenkt dann nach Lesart des IFS das sich am
Dienstag über dem Vorhersagegebiet etablierende Hochdruckgebiet samt flachen
Höhenrückens rasch nach Osteuropa. Es stellt sich eine recht flaue
westsüdwestliche Höhenströmung ein, in die eingebettet ein Frontensystem am
Donnerstag erneut Norddeutschland passiert, während im Süden der Einfluss einer
Hochdruckbrücke dominant wird. Vorderseitig der Front kommt die sehr warme bis
heiße Luft am Mittwoch erneut kurzzeitig bis nach Norddeutschland voran, während
sie am Donnerstag mit der Front wieder etwas nach Süden abgedrängt wird. Im
Süden bleibt es durchgehend heiß mit T850 hPa um 20 Grad oder gar darüber.
Vereinzelte Gewitter kann es vor allem präfrontal geben, aber auch in erster
Linie über den Bergen Süddeutschlands. Von einer verbreiteten Gewittertätigkeit
ist aber nicht auszugehen.
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Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs


Bis einschließlich der Nacht zum Sonntag kann den IFS-Läufen eine sehr gute
Konsistenz bescheinigt werden.
Dann aber werden die Differenzen größer, in erster Linie die
Verlagerungsgeschwindigkeit, die Geometrie und somit die Wetterwirksamkeit der
Trog- bzw. der daran gekoppelten Frontpassage betreffend. Nach Lesart aller
Läufe dringt die sehr warme bis heiße Luft am Sonntag kurzeitig auch bis nach
Norddeutschland vor, wird dann aber unterschiedlich schnell, spätestens aber bis
zur Nacht zum Dienstag, nach Süddeutschland abgedrängt. Allen Läufen gemein ist
auch, dass über Süddeutschland kein wirklicher Luftmassenwechsel stattfindet.
Die Unterschiede manifestieren sich somit am ehesten in den Prognosen der
konvektiven Niederschläge.
In der erweiterten Mittelfrist bleibt dann nach Lesart des gestrigen 00
UTC-Laufes der Hochschwerpunkt über Norddeutschland und er Rücken knapp westlich
von uns, so dass die sehr warme bis heiße Luftmasse in der Südwesthälfte
verbleibt. Der gestrige Lauf tendierte bereits ein wenig Richtung des aktuellen
00 UTC-Laufes, jedoch ohne Frontpassage am Donnerstag. Die schwüle und sehr
warme bis heiße Luftmasse kommt nach dessen Lesart zumindest bis Landesmitte
voran, lediglich im Norden und Nordosten bleibt es angenehmer temperiert.
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Vergleich mit anderen globalen Modellen


Auch die vorliegenden Globalmodelle unterscheiden sich bis einschließlich
Sonntagfrüh kaum. Ähnlich wie bei den IFS-Läufen wird dann die Trog- und
Frontpassage bis Dienstagfrüh unterschiedlich simuliert. ICON und UK10 fahren
eine aggressive und progressive Variante, nach deren Lesart erreicht die 10
Grad-Isotherme in 850 hPa in der Nacht zum Dienstag sogar in etwa die Donau. GFS
ist dagegen etwas defensiver aufgestellt, GEM ähnelt der IFS-Variante noch am
ehesten.
In der erweiterten Mittelfrist simulieren GFS und GEM den Hochschwerpunkt eher
nördlich des Vorhersagegebietes und den Höhenrücken knapp westlich. Somit bleibt
die sehr warme bis heiße Luftmasse über Südwest- und Süddeutschland.
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Bewertung der Ensemblevorhersagen


Im Zeitraum 72 bis 96 Stunden verteilen sich die ENS-Member auf vier Cluster,
die allesamt den Trogvorstoß Richtung Island/Nordmeer auf der Agenda haben und
entsprechend dem Großwetterlagenregime "NAO positiv" zugeordnet sind. Gleichwohl
zeigen alle Cluster den Richtung Mitteleuropa schwenkenden flachen Rücken, so
dass sie sich bzgl. der Wetterentwicklung hierzulande kaum unterscheiden.

Das ändert sich dann ein wenig im nächstfolgenden Zeitraum (120 bis 168 Stunden)
mit insgesamt 5 Clustern.
CL1 (18 Member) und CL4 (7 Member) lassen den Höhentrog langsam vom Nordmeer
Richtung Skandinavien schwenken, wobei Richtung Dienstag kommender Woche der
Rücken an dessen Südwestflanke über dem westlichen Mitteleuropa nach CL4
deutlich robuster aufgestellt ist als nach CL1, der somit auch im Bodenfeld den
Frontdurchgang zu Beginn kommender Woche ein wenig offensiver auf der Agenda
hat.
Nach Lesart der anderen Cluster zerfällt regelrecht der Haupttrog in mehrere
Randtröge bzw. Höhentiefs. Vor allem CL2 (12 Member) und CL3 (11 Member) haben
für Mitteleuropa ein noch antizyklonaleres Muster auf der Agenda als CL1 und
CL4.
CL5 (3 Member) ist dagegen um einiges zyklonaler aufgestellt. Ein markanter
Randtrog verlagert sich von GB zur westlichen Ostsee und verleiht der Kaltfront
eine deutliche Schubkomponente, die somit bereits am Montag rasch bis zu den
Alpen vordringen kann. Diese Variante ist somit noch etwas offensiver
aufgestellt als der Hauptlauf des ICON.

Die beiden Cluster in der erweiterten Mittelfrist (192 bis 240 Stunden)
schwenken dann wieder um Richtung "Blocking". Das Troggeschehen findet weit nach
Norden verschoben statt und bei uns dominiert Hochdruckeinfluss, lediglich der
Norden könnte zeitweise von Frontensystemen gestreift werden.

Bis Sonntag zeigen die Rauchfahnen der verschiedenen Gitterpunkten einen relativ
einheitlichen Verlauf, die Streubreite ist ziemlich gering, wobei auffällt, dass
der Rückgang der 850 hPa-Temperatur für die nord- und ostdeutschen Gitterpunkte
an Sonntag/Nacht zu Montag einige Stunden später erfolgt als nach Lesart fast
aller Member.
Danach, eigentlich schon ab der Nacht zum Montag, wird die Schwankungsbreitet
aber deutlich größer, am Dienstag und Mittwoch ergibt sich für viele
Gitterpunkte sogar eine Spanne der 850 hPa von ca. 15 K, wobei diese für die
norddeutschen Gitterpunkte tendenziell etwas höher ausfällt als für die
süddeutschen, wo die 850 hPa-Temperatur generell auf einem höheren Niveau
verläuft und einige Member (inklusive Hauptlauf) ab Mittwoch auch wieder die 20
Grad überschreiten.
Auffällig sind die nach wie vor spärlichen Niederschlagssignale. Lediglich am
Sonntag/Montag simulieren einige Member zumindest für die ost- und süddeutschen
Gitterpunkte nennenswerte Mengen. Somit dürfte die Dürresituation in weiten
Landesteilen anhalten.

FAZIT:
Bis Sonntagfrüh steht der Fahrplan: Störungsfrei und trocken, lediglich in den
süddeutschen Bergen vereinzelte Gewitter, im Süden wieder sehr warm, im Norden
mäßig warm bis warm.
Danach wird's unsicherer. Zunächst, was die Frontpassage bis Dienstagfrüh
angeht. Da gibt's noch Unterschiede bzgl. Timing und vor allem bzgl.
Wetterwirksamkeit. Für eine großräumige Unwetterlage bzw. flächendeckend
nennenswerte Niederschläge reicht es aber definitiv nicht.
Auch in der erweiterten Mittelfrist dominiert das antizyklonale Muster. Ob die
Hitze aber in der Südhälfte verbleibt oder immer wieder auch nach
Norddeutschland vordringen kann, hängt von der genauen Lage des Hochs ab, die
noch unsicher ist.
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Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen


Am Freitag und Samstag ist unter Hochdruckeinfluss kaum mit signifikanten
Wetterereignissen zu rechnen. Lediglich vom Südschwarzwald bis ins Alpenvorland
bzw. zum Alpenrand können sich eventuell einzelne kräftige Gewitter entwickeln,
Hauptaugenmerk liegt dann auf dem Hagel und dem Starkregen.
Am Sonntag und Montag kann es im Zuge einer Trog- und Frontpassage zu
verbreiteterer Gewitteraktivität kommen. Zünglein an der Waage ist allerdings
die "Qualität" der Luftmasse. Wie bereits weiter oben erwähnt, gibt EFI
keinerlei Hinweise auf außergewöhnlich hohe Cape bzw. günstige
Cape/Shear-Überlappung. Mit einzelnen Gewittern ist jedoch zu rechnen, am
Sonntag fast landesweit, am Montag dann am ehesten im Osten und Süden. Unwetter
sind nicht ausgeschlossen.
Eine großräumige Unwetterlage ist aber aus aktueller Modellsicht weit und breit
nicht in Sicht.
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Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-EPS, MOSMIX
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VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jens Winninghoff