DWD Synoptische Übersicht Mittelfrist
27-07-2026 10:30
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Montag, den 27.07.2026 um 10.30 UTC
Starke, teils extreme Wärmebelastung und örtlich unwetterartige Gewitter
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Synoptische Entwicklung bis zum Montag, den 03.08.2026
Am Donnerstag liegen wir in südwestlicher Strömung zwischen einem langsam
ostwärts ziehenden Keil, der sich von Nordafrika bis nach Südskandinavien
aufspannt, und einem Trog, der sich vom Nordmeer bis zum Ärmelkanal erstreckt
und von Nordwesten her langsam näher rückt. In der Nacht zum Freitag erbarmt
sich ein erster flacher Randtrog und zieht von West nach Ost über die Nordhälfte
Deutschlands. Am Boden ist die Druckverteilung eher flach, wobei sich ein Hoch
über den Alpen befindet, während sich ausgehend vom Tief über dem Nordmeer ein
Bodentrog Deutschland von Westen her nähert, am Vormittag auf den Westen
übergreift und in der Nacht zum Freitag über den Nordosten abzieht. Er ist zwar
nicht besonders ausgeprägt und die Höhenunterstützung fehlt auch, die Hebung
(MU-Cape immerhin 1500 bis 2000 j/kg) reicht aber für die örtliche Bildung von
Schauern und Gewittern in der Nordwesthälfte. Bei ppw zwischen 25 und 35 mm ist
Starkregen wahrscheinlich. Lokal ist auch unwetterartiger Starkregen möglich.
Zudem sorgen die trockenen Bodenschichten für eine erhöhte Sturmgefahr, dabei
sind schwere Sturmböen nicht ausgeschlossen. Örtlich ist auch kleinkörniger
Hagel dabei. In der Südosthälfte ist die Luft stabiler und trockener und daher
Schauer und Gewitter unwahrscheinlich.
Die südwestliche Strömung bringt 15 bis 25 Grad in 850 hPa. Am Boden resultieren
daraus trotz einiger Wolken tagsüber 33 bis 38 Grad, lokal auch mehr. Selbst an
den Küsten ist es sehr warm bis heiß. Mit dem Feuchteeintrag wird es in der
Nordwesthälfte auch schwül. Die Nacht zum Freitag ist im Süden und Osten teils
tropisch (Tiefstwerte über 20 Grad). Im Westen und Norden liegt die Temperatur
zwischen 14 und 18 Grad.
Am Freitag liegt die Restfeuchte des Bodentroges über dem Osten und Süden des
Landes. Die Druckverteilung am Boden ist diffus, neigt aber zu hohem Druck, der
sich über dem Atlantik befindet. Damit dreht die Strömung in der Nordhälfte auf
nordwestliche Richtung. In der Südhälfte ist weiterhin Südwest vorherrschend. In
der Höhe schiebt sich von Nordwesten her der flache Haupttrog des Nordmeertiefs
allmählich in den Norden Deutschlands. Er aktiviert die zwischen den Strömungen
gefangene feuchte Luft (MU-Cape 1000 bis 1500 j/kg) und lässt in der
Südosthälfte einzelne Schauer und Gewitter entstehen. Da die ppw noch zwischen
25 und 35 mm liegen, ist erneut Starkregen möglich, bei leidlicher Scherung ist
kleinkörniger Hagel gering wahrscheinlich und auch die Böengefahr geht etwas
zurück. Im Norden geht die Temperatur in allen Höhen zurück (6 bis 10 Grad in
850 hPa, 20 bis 25 Grad am Boden), auch über der Mitte wird es etwas kühler, im
Süden bleibt die heiße Luft jedoch liegen. Entsprechend ist es über der Mitte
und dem Süden erneut heiß mit Maxima über 30, im Südosten auch über 35 Grad.
In der Nacht zum Samstag scheibt sich hoher Luftdruck von den Britischen Inseln
ostwärts über den Norden Deutschlands. Auf der Vorderseite strömt feuchte
Meeresluft ein, die von einem Randtrog des Nordmeertiefs gehoben wird. Im
Ergebnis fällt im Nordosten und Osten teils kräftiger Regen, der mitunter auch
gewittrig sein kann. Zeitgleich stellt sich zwischen dem Hoch über den Alpen und
dem Hoch über dem Norden eine Gegenstromlage ein, die für schauerartigen und
teils gewittrigen Regen südlich der Donau sorgt.
Der Samstag startet also schon gut angefeuchtet im Osten und Süden. In der sehr
warmen bis heißen Luft (Maxima zwischen 28 und 34 Grad) bilden sich bei
einsetzender Strahlung (Sonnenaufgang) rasch wieder Schauer und Gewitter, die
aufgrund heftigen Starkregens örtlich unwetterartig ausfallen können. Auch Hagel
und Sturmböen sind wieder dabei. Weitaus ruhiger geht es im Norden zu, da
allerdings in eher kühler Luft und bei Maxima zwischen 20 und 25 Grad. Auch der
Westen ist in trockener Luft außen vor, mit 25 bis 30 Grad aber sommerlich warm.
In der Nacht zum Sonntag dehnt sich der hohe Luftdruck über Deutschland aus, in
der Höhe wird die Strömung leicht antizyklonal und das Wetter beruhigt sich auch
im Süden wieder.
Lange währt die Ruhe nicht, denn im Tagesverlauf zieht das Hoch ostwärts und aus
Südwesten zieht tieferer Luftdruck mit feuchter Mittelmeerluft auf. Die
Temperatur steigt wieder überall an. Nur an den Küsten bleibt das Thermometer
bei unter 25 Grad. Allerdings sorgt ein Kurzwellentrog auch für Hebung und
entsprechend Schauer und Gewitter, die sich vom Westen und Südwesten in den
Abend und Nachtstunden in den Nordosten verlagern. Bei ppw bis an die 40 mm und
MU-Cape bis 2500 J/kg sind Unwetter wahrscheinlich.
Der Montag startet im Osten noch zyklonal, später wird bei tiefen Druck a Boden
die Höhenströmung aber antizyklonal. Die Luft trocknet ab, es wird verbreitet
heiß (t850 von Nord nach Süd 15 bis 25 Grad). Dass das so nicht lange bleiben
kann, versteht sich von selbst. Bereits am Dienstag streckt ein Tief über den
Britischen Inseln die Fühler zu uns aus. Ein Bodentrog erreicht den Nordwesten
am Vormittag und schwenkt bis zum Abend in den Nordosten. Unterstützt wird er
von einem flachen Trog in der Höhe. Es gibt also im Norden Regen, teils kräftig
ausfallend und gewittrig verstärkt. An der Feuchteschliere des Bodentroges, die
bis zu den Vogesen reicht, bilden sich ebenfalls Schauer und Gewitter, die
nachts in den Osten ziehen und dabei deutlich an Intensität verlieren. Am
Mittwoch liegt der Norden noch unter Trogeinfluss, während im Rest des Landes
hoher Luftdruck aus Westen für zunehmende Beruhigung sorgt.
Fazit: In der Mittelfrist verbleibt die Südhälfte Deutschlands durchgehend unter
heißer bis sehr heißer Luft. In der Nordhälfte strömt zeitweise deutlich kühlere
Luft ein. Bei flacher Druckverteilung kommt es immer wieder zu Schauern und
Gewittern, die örtlich heftig ausfallen können. In der Fläche ist der
Niederschlagsgewinn aber gering.
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Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Der aktuelle IFS-Lauf ist zu seinen Vorgängern in der Grundsache konsistent.
Unterschiede ergeben sich ab Sonntag im nordwärtigen Vorankommen der Feuchte.
Dies geschieht aktuell 6 bis 12 Stunden schneller, was am Tief liegt, das vom
Atlantik gen Westeuropa zieht und bereits am Montag über den Britischen Inseln
liegt. Mit dem zugehörigen kräftigen Trog steilt die Strömung bei uns auf und
die Hitzezufuhr wird reaktiviert.
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Vergleich mit anderen globalen Modellen
Im Vergleich mit anderen Modellen sind die Muster anfangs sehr ähnlich. Ab
Sonntag sind Lage und Stärke der Boden- und Höhenmuster unsicher. GFS lässt ein
Bodenhoch zwischen Island und der Nordsee samt vorderseitigem Trog gewinnen,
während ICON und IFS bei flacher Druckverteilung auf tiefen Luftdruck und teils
antizyklonale Strömung über Mitteleuropa setzen.
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Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die IFS-Clusteranalyse zeigt für die ersten Zeitschritte durchweg NAO+. Auch im
zweiten Zeitschritt (Samstag bis Montag) ist die Mehrheit zunächst für eine
positive NAO. Zum Ende gibt es aber Signale für Blocking oder atlantischen
Rücken, jedoch ohne Langlebigkeit, denn ab Mittwoch schwenkt der Monocluster
wieder zurück.
Die Temperaturensembles sehen von Nord nach Süd über Deutschland alle ähnlich
aus: Anstieg bis Freitag, dann Abschwung am Wochenende und wieder Anstieg zum
Montag. Beim Geopotenzial ist es ähnlich, wobei der Aufschwung nach dem
Wochenende nicht so deutlich ausfällt. Klar festzustellen ist auch, dass der
Hauptlauf aktuell ab Samstag eher im oberen Drittel der weit geöffneten
Ensembles (dt850 bei 15K) schwimmt. Es geht also kühler und unbeständiger. Dass
die Lage ab dem Wochenende nicht sicher ist, ergab sich aber schon beim
Modellvergleich.
Entsprechend sind auch die anderen Modelle in ihren Ensembles nicht klarer. Der
Spread ist ab dem Wochenende sehr groß. Der Abschwung in Temperatur und
Geopotenzial ab Freitag aber in allen sichtbar.
GFS hat mit einem neuerlichen Anstieg der Temperatur in der neuen Woche große
Probleme. Die Ensembles laufen bis Monatsmitte um das langjährige Mittel ohne
große Varianz, nur Haupt- und Kontrolllauf brechen ab und zu aus.
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Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Die Mittelfrist bieten neben starker bis extremer Wärmebelastung nur zeit- und
gebietsweise Gewitter, die lokal aber unwetterartig ausfallen und neben heftigem
Starkregen auch schwere Sturmböen und meist kleinkörnigen Hagel bringen können.
Signale dafür gibt es beim heute nur sehr schwer ladenden EFI nicht. Dafür ist
die Auflösung zu gering.
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Basis für Mittelfristvorhersage
MOS-IFS, MOS-Mix
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VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jacqueline Kernn