DWD Synoptische Übersicht Mittelfrist
22-07-2026 11:01
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Mittwoch, den 22.07.2026 um 10.30 UTC
Am Wochenende auflebende Gewittertätigkeit bis hin zum lokalen Unwetter.
Außerdem auch wieder zunehmend heiße Tage mit Schwerpunkt im Südwesten. Gegen
Ende der Mittelfrist Andeutungen einer neuen Hitzewelle mit noch unklarer
Entwicklung.
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Synoptische Entwicklung bis zum Mittwoch, den 29.07.2026
Starten wir heute vielleicht mal mit einer guten Nachricht: Es wird demnächst -
genauer gesagt voraussichtlich am Wochenende - mal wieder regnen. Aber wie das
so ist, gehört zu einer guten auch immer eine schlechte Nachricht. In diesem
Falle die, das noch nicht so ganz klar ist, wo genau es regnet und die Mengen
sich insgesamt auch eher in Grenzen halten. Mal wieder... Dazu fallen in
nächster Zeit auch wieder häufiger die 30er-Werte auf dem Thermometer. Dröseln
wir also das Ganze wie gewohnt von vorne auf:
Am Samstag liegen wir in der "Zange" zweier Langwellentröge, die sich beide
ursprünglich aus einem persistenten Langwellentrog über Skandinavien generiert
haben und sich auch immer noch in den entsprechenden Höhenkarten 500 hPa
abbildet. Westlich von uns befindet sich das Zentrum dabei etwa über der
Biskaya. Östlich von uns liegt es etwa auf Höhe des Schwarzen Meeres. Dazwischen
wölbt sich ein kompensatorischer Keil auf, der maßgeblichen Einfluss auf unser
Wettergeschehen hat. Dies vor allem in der Mitte und im Süden, während sich der
Norden schon eher unter zyklonalem Einfluss in Form der Trogvorderseite mit
Achse über dem Kanal. Wettertechnisch resultiert das darin, dass abgesehen von
etwas hoher bis mittelhoher Bewölkung rein gar nichts passiert. Einzige Ausnahme
hiervon sind der äußerste Nordwesten und Süden. Im Norden schleift die
Frontalzone und wird von der Trogvorderseite sanft aktiviert, was zu dichter
Bewölkung und ein paar Regentropfen aus Schauern führt. Im Süden - hier
insbesondere im alpinen Bereich - befindet sich eine zusehends instabile
Luftmasse. Diese ist zwar zunächst noch ordentlich gedeckelt, könnte aber
mindestens in den Bergen mittels orografischer Unterstützung ausgelöst werden.
Bei 1000-1200 J/kg MUCAPE und moderater DLS 10-15 m/s sind einige signifikantere
Einzel- und Multizellen-Entwicklungen nicht ausgeschlossen. Reste dieser
Konvektion überleben schließlich noch die Nacht durch und bringen hier und da
entlang der Alpen wenigstens noch den ein oder anderen Millimeter Niederschlag.
Abseits der Gewitter erwartet uns bei T850 von 15 bis knapp 20°C vor allem im
Süden, aber auch Teilen der Mitte ein heißer Tag mit Höchstwerten von 30°C bis
knapp 34°C. Etwas kühler ist es im Norden bei Werten um 25°C.
Der Sonntag steht ganz im Zeichen eines Frontdurchganges. Diese Front ist Teil
eines komplexen Tiefdrucksystems, das sich mittlerweile über Südskandinavien
etabliert hat. Dabei kommt es unter anderem innerhalb des nach Süden Richtung
Deutschland ausgreifenden Bodentroges zur Randtiefbildung, die die Front
zusehends verwellen lässt. Das macht es wiederum prognostisch schwierig, schon
detaillierte Aussagen zum Wettergeschehen zu treffen. Fakt ist aber, dass uns
diese Front, genauer: Kaltfront, im Laufe des Tages bis in die Nacht zum Montag
überqueren wird. Dabei baut sich vor allem in den östlichen Landesteilen entlang
des Warmsektors im Tagesverlauf hinreichend CAPE auf, sodass bereits präfrontal
einiges an Gewittertätigkeit zu erwarten ist. Die Instabilität ist erneut recht
beachtlich; es stehen 500 bis 1000 J/kg CAPE zur Verfügung in leicht gedeckelter
Umgebung und weiterhin moderater DLS um 10 m/s. Das alles wird mit PPWs von 30
bis 35 mm garniert und lässt darauf schließen, dass es bei mäßigen
Zuggeschwindigkeiten zum ein oder anderen Starkregenereignis mit
Unwetterpotential kommen kann. Mit Frontdurchgang bildet sich schließlich gegen
Abend eine weitere Schauer- und Gewitterlinie voraussichtlich in den westlichen
oder nordwestlichen Landesteilen. Diese zieht im weiteren Verlauf bis
Montagmorgen einmal ostwärts durch und führt ebenfalls zu weiteren, teils
kräftigen Regenfällen, während die Gewittertätigkeit im Laufe der Nacht abnehmen
dürfte. Unsicherheiten bestehen hier vor allem im Timing des Ganzen sowie der
betroffenen Regionen. Das Setup für die Konvektion ist zwar umrissen, kann sich
aber wegen Unsicherheiten der Frontenlage in Abhängigkeit der Randtiefbildung
auch noch ändern. Neben der Konvektion nimmt im Tagesverlauf auch der
Druckgradient mit Tiefpassage vorübergehend zu. Einzelne Böen 7 Bft im Westen
und Südwesten sind wahrscheinlich und betreffen vorrangig die Mitte und den
Süden. Die Temperaturen sind bereits nicht mehr ganz so hoch wie am Vortag und
erreichen keine 30°C mehr.
Am Montag komplettiert sich die Frontpassage. Auf der Rückseite ist dann bereits
eine maritime und kühler temperierte subpolare Luftmasse eingeflossen (T850 um
+4°C) und nach IFS-Lesart bis zur Donau vorangekommen. Die Regionen südlich
davon verbleiben auf der warmen Seite der Luftmassengrenze. Sowohl dort als auch
im äußersten Osten sowie im zentralen Bergland bilden sich im Tagesverlauf
nochmals Schauer und Gewitter, die lokal kräftiger ausfallen, vor allem in Bezug
auf Starkregen. Gleichzeitig erfolgt von Westen Druckanstieg und bringt die
Konvektionstätigkeit später am Abend zum Erliegen. Es stellt sich vorübergehend
eine antizyklonale Nordwestlage ein. Dementsprechend gestaltet sich der Montag
angenehm temperiert, nur am Rhein werden die 25°C übertroffen, während es einige
Regionen im Norden wahrscheinlich kaum über die 20°C-Marke schaffen.
Zwischenzeitlich stellt sich zudem weiterhin ein recht hoher Druckgradient mit
dem herannahenden Hoch aus Westen ein. Vor allem in der Nordosthälfte zeichnet
sich ein recht windiger Tag mit Böen 7 Bft ab. In der Nacht zum Dienstag
erreicht uns schließlich das Hochzentrum. Dadurch kommt der Wind zum Erliegen.
Es erwartet uns eine windstille, klare und in Teilen für die Jahreszeit recht
frische Nacht (TMin bis 10°C).
Am Dienstag und Mittwoch setzt sich die Hochdrucklage fort. Dabei gestaltet sich
der Dienstag zunächst noch recht durchschnittlich bei meist um 25°C, am Rhein
bis 29°C. In der Nacht zum Mittwoch verlagern sich das Hoch und der zugehörige
Höhenrücken ostwärts. Damit ist ab Mittwoch der Weg frei für die Zufuhr sehr
warmer bis heißer Luftmassen aus Südwesten, während gleichzeitig bodennah
Druckfall einsetzt und die Höhenströmung zunehmend zyklonale Konturen annimmt.
Zumindest am Alpenrand und eventuell auch im Schwarzwald sind dann erneute
Gewitter nicht ausgeschlossen, während die Maxima zumindest entlang des
Oberrheingrabens wieder deutlicher über die 30°C-Marke schießen.
In der erweiterten Mittelfrist deuten die Globalmodelle zunehmende Hitze an,
wobei Stand jetzt vor allem die Südhälfte Deutschlands betroffen wäre. Das
dafür verantwortliche synoptische Muster ist noch unscharf. Es zeigt sich aber
eine recht antizyklonal geprägte Höhenströmung über Südeuropa, die wiederum
durch atlantische Entwicklungen noch modifiziert werden kann. Mehr dazu in der
Modelldiskussion (s.u.).
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Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die IFS-Prognose ist von guter Konsistenz und lässt eine relativ sichere
Vorhersage der Entwicklung zu. Interessant zeigt sich hier die erweiterte
Mittelfrist. In den letzten beiden Läufen (Di 12Z und Mi 00Z) wird dabei eine
tropische Tiefdruckentwicklung vor Florida aufgegriffen (kein Tropensturm!) und
anschließend unter extratropischer Umwandlung als außergewöhnlich intensives
Tiefdruckgebiet nach Westeuropa geführt. Das hat erhebliche Auswirkungen auf
unser Wettergeschehen, vor allem in Bezug auf eine mögliche neue Hitzewelle ab
Ende Juli/Anfang August und macht eine Prognose kaum möglich.
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Vergleich mit anderen globalen Modellen
Die Entwicklung bis Mitte nächster Woche wird auch von den anderen
Globalmodellen (ICON, GFS) im Wesentlichen gestützt. GFS simuliert dabei den
Geopotentialanstieg (bis knapp 600 gpdm über Marokko) im Laufe der nächsten
Woche am intensivsten, dementsprechend zeigt sich hier auch die Ausprägung der
heißen Luftmasse (T850 bis 25°C). Aus Erfahrung weiß man als Synoptiker, was man
davon zu halten hat: Nämlich zuerst einmal nicht allzu viel. Nichtsdestotrotz
präsentiert sich in den anderen Modellen ein ähnlicher Trend, der zumindest in
dieselbe Richtung zeigt.
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Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die ECMWF-Rauchfahnen stützen die beschriebene Entwicklung umfänglich.
Insbesondere zeigt sich kaum Streuung bis zum Beginn der erweiterten
Mittelfrist, was die grundsätzliche Prognose bis Mitte nächster Woche erst
einmal recht sicher macht (natürlich noch nicht in Detailfragen). Danach
präsentiert sich der Hauptlauf als sehr warmer Ausreißer, während das ENS als
solches eher gegen klimatologisches Mittel von T850 tendiert. Gleichzeitig wird
aber auch der Geopotentialanstieg in der nächsten Woche als recht streuungsarm
gezeigt. Es ist fraglich, wieviel Konfidenz dem ENS hier wirklich zuzutrauen
ist. Der Frühsommer hatte gezeigt, dass HRES-Ausreißer im Gegensatz zum ENS auch
schonmal den richtigen Riecher hatten...
Die GFS-ENS zeigen zumindest den Erwärmungstrend ebenfalls, rauschen aber
bereits zu Beginn kommender Woche zunehmend. Ein klarer Trend zeichnet sich
nicht ab, einzige Auffälligkeit ist der CNTRL-Lauf, der die 25°C-Isotherme in
850 hPa aus Süden bis in die Mitte vorankommen lässt.
Die Cluster weisen einhellig auf das gestörte Zirkulationsmuster hin (Block
durch Hoch Grönland), zeigen aber nach hinten heraus ebenfalls noch große
Schwankungsbreite bezüglich der daraus folgenden Entwicklung für uns. Zu Beginn
werden drei verschiedene Cluster gerechnet, dann vier Cluster in der Mittelfrist
bis hin zu fünf Clustern in der erweiterten Mittelfrist. Keines davon zeigt
Westwindzirkulation im Zusammenhang mit NAO+, sondern durchweg blockierende
Großwetterlagen.
Fazit:
Einem zunächst noch recht sonnigen und wieder zunehmend heißen Mittelfristbeginn
am Samstag steht ein signifikanter Luftmassenwechsel am Sonntag gegenüber. Dabei
erwacht auch wieder die Gewittertätigkeit bis hin zu lokal auftretenden
Unwettern durch Starkregen. In der kommenden Woche beruhigt sich das
Wettergeschehen rasch. Nach ein bis zwei gemäßigten Tagen zu Wochenbeginn deutet
sich dann allerdings langsam eine mögliche neue Hitzeperiode an. Wie heftig
diese ausfällt und wie lange diese andauert lässt sich aber noch nicht
abschätzen.
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Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Gewitter:
... sind um diese Jahreszeit zwar üblich. Am Samstag sind aber südlich der Donau
sowie am Sonntag relativ verbreitet einzelne kräftige Entwicklungen bis hin zum
Unwetter möglich. Dabei ist vor allem Starkregen die maßgebliche
Begleiterscheinung. Im Umfeld der Berge, vor allem der Alpen, sind im Rahmen
organisierter Zellen auch Hagel und Sturmböen nicht ausgeschlossen. Am Montag
gibt es noch im äußersten Osten einige markante Gewitterentwicklungen, die aber
später am Tag auch dort nachlassen.
Wind:
Nicht wirklich signifikant, aber am Sonntag und Montag treten zeitweise
zumindest Böen Bft 7 auf, von der Südwesthälfte in die Nordosthälfte verlagernd.
Ganz vereinzelt kann auch eine einzelne stürmische Böe 8 Bft nicht
ausgeschlossen werden.
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Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, GFS, ECMWF-ENS, GFS-ENS, MOSMIX, ICON
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VBZ Offenbach / M.Sc. Felix Dietzsch