Thema des Tages
17-07-2026 13:50
Wetter aktuell
Warum ziehen die Gewitter immer an mir vorbei?
"Die Gewitter ziehen immer an mir vorbei!". So oder so ähnlich
beklagen sich Gewitter- und Gartenfans, wenn mal wieder ein Gewitter
nicht seine Blitze oder dringend benötigtes Wasser an Ort und Stelle
abgeladen hat. Richtig ist es aber meistens nicht.
In den vergangenen Tagen und bis zum Wochenende haben wir es mal
wieder mit teils kräftigen Gewittern zu tun. Und wie so häufig
verteilen sich die Gewitter nicht gleichmäßig über das Land. Einzelne
Regionen bekommen kräftige Gewitter, in den anderen passiert fast gar
nichts. Manchmal gibt es selbst auf wenigen Kilometern räumlicher
Distanz sehr große Unterschiede. Manch ein Gewitter- oder Gartenfan
bejammert dabei gerne, dass es an seinem Standort nie ?kracht? oder
der Garten wieder einmal nicht gewässert wird. Aber stimmt das auch?
Gewitterverteilung über Deutschland
In Deutschland gibt es durchaus Gebiete, wo bevorzugt Gewitter
vorkommen. Dazu zählen alle Gebirgsregionen. Dort werden die
Luftmassen bei der Anströmung durch das Gebirge zwangsweise gehoben
und die in Gewitterwolken immer vorhandene Aufwärtsbewegung auf diese
Weise verstärkt.
Das lässt sich im Sommer gut beobachten, wenn über den Bergen bereits
Quellwolken zu sehen sind, es ringsum aber noch wolkenfrei ist. Da es
im Süden Deutschlands mehr Berge gibt als im Norden, sind die
Gewitter dort auch zahlreicher. Zusätzlich kommen im Süden
Deutschlands häufiger feuchte und warme Luftmassen von Süden her an,
die den Norden teilweise gar nicht erst erreichen oder nur in
abgeschwächter Form. Damit wird die Entstehung von Gewittern im Süden
zusätzlich begünstigt. Gleichwohl kommen aber überall in Deutschland
Gewitter vor.
Der "Kulisseneffekt"
Der Eindruck, dass Gewitter an einem bestimmten Standort scheinbar
immer vorbeiziehen, lässt sich in den allermeisten Fällen gut
erklären. Verantwortlich dafür ist der sogenannte ?Kulisseneffekt?.
Der ?Kulisseneffekt? entsteht, wenn rings um einen Beobachtungsort
herum mächtige Schauer- und Gewitterwolken zu sehen sind. Diese in
mittleren Breiten bis etwa 12 km hohen Wolken lassen sich bis zu
einer Entfernung von 50 km und mehr beobachten. Die
Wahrscheinlichkeit, an einem Gewittertag um sich herum Gewitterwolken
zu sehen, ist damit sehr hoch. Die Gewitterzellen selber bzw. dessen
Kerne sind jedoch oft nur sehr klein, was gut im Regenradar zu
erkennen ist. Damit ist aber auch die Wahrscheinlichkeit, von dem
Gewitter getroffen zu werden, relativ klein. Es entsteht der
Eindruck, die Gewitter würden vorbeiziehen, wenn man wieder mal nicht
getroffen wurde.
Ausnahme Lee von Gebirgszügen
In einigen Regionen kann der ?Kulisseneffekt? in bestimmten
Wettersituationen aber nicht als Erklärung für vorbeiziehende
Gewitter herhalten. Damit sind Standorte im Lee eines Gebirges
gemeint.
Schon kleinere Gebirgszüge können dabei als sogenannte
?Wetterscheide? fungieren. Bei entsprechender Anströmung teilen sich
die Gewitter gerne an dem Gebirge und ziehen anschließend an dem
Beobachtungsstandort vorbei. Das kann man sich wie bei einem Fluss
vorstellen, wo ein aus dem Wasser ragender Stein die Wassermassen
umlenkt. Hinter dem Stein ist die Strömung nur schwach, während
abseits davon das Wasser mitgerissen wird. Der gleiche Standort kann
bei anderer Anströmung natürlich trotzdem von einem Gewitter
getroffen werden.
Dass die Gewitter also immer vorbeiziehen, ist eher ein subjektives
Empfinden. Beim nächsten Gewitter knallt es dann vielleicht heftig.
Dipl. Met Simon Trippler
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 17.07.2026
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