Thema des Tages
08-07-2026 13:20
Wetter aktuell
Sommersturm an der Ostsee
Ein für die Jahreszeit ungewöhnlich starker Sturm ist in der Nacht
zum Mittwoch und heute über die Ostsee gezogen. Zum Teil gab es
orkanartige Böen. Ausläufer des Sturms erreichten auch die deutsche
Ostseeküste.
Das Sturmtief BERNADETTE ist in der Nacht zum Mittwoch von Schweden
über die Zentrale Ostsee zum Baltikum gezogen. Der Kerndruck von
BERNADETTE fiel dabei auf Werte nahe 985 Hektopascal. An der Süd- und
Südwestflanke des Sturmtiefs, also in Richtung des hohen Luftdrucks
über Südwesteuropa, gab es die stärkste Drängung der Isobaren. Dort
war der Luftdruckunterschied auf kleinem Raum am größten. Das
Sturmfeld zog von Südschweden über den Zentral- und Südteil der
Ostsee nach Polen und zur russischen Exklave Kaliningrad. Besonders
hohe Windgeschwindigkeiten wurden auf Gotland mit Werten bis 110 km/h
(Spitzenreiter: Ostergarnsholm) gemessen. Dies entspricht Windstärke
11. Als Folge des Sturms bildete sich über der südöstlichen Ostsee
ein Seegang von 4 bis 6 Metern aus.
Für den Winter wären diese Werte kaum eine Meldung wert, aber im
Sommer ist solch ein Ereignis sehr ungewöhnlich. Dies zeigen auch
statistische Verfahren, die vom ECWMF (Europäische Zentrum für
mittelfristige Wettervorhersage) angewandt werden, um die
Ungewöhnlichkeit von Wetterlagen und Wettererscheinungen abzubilden.
Das Ereignis über der südöstlichen Ostsee war demnach ein Ereignis,
das zu dieser Jahreszeit außerhalb der üblichen Variabilität lag.
Deutschland war von dem Sturm- bzw. Windfeld von BERNADETTE nur am
Rand betroffen. Die stärksten Böen wurden am Dienstag und in der
Nacht zum Mittwoch an der Ostsee mit 70 bis 85 km/h (Windstärke 8 bis
9) gemessen. Aber auch im Rest des Landes war es am Dienstag windig,
verbreitet wurden Windgeschwindigkeiten zwischen 45 und 60 km/h
(Windstärke 6 bis 7) erreicht.
Am heutigen Mittwoch treten nur noch an der Küste und auf den
höchsten Gipfeln der Mittelgebirge Windböen und stürmische Böen um 60
km/h auf. Stärker als beim Wind macht sich BERNADETTE heute bei der
Temperaturverteilung bemerkbar. Die Höchstwerte liegen zwischen 20
Grad nahe den Küsten und bis zu 31 Grad am südlichen Oberrhein. Eine
unterschiedliche Sonnenscheinausbeute kann dafür nicht verantwortlich
gemacht werden. Diese ist im Norden und im äußersten Südwesten
gleichermaßen gut. Verantwortlich dafür ist das Einfließen mäßig
warmer Meeresluft rückseitig einer Kaltfront in den Norden und
Nordosten. Den Südwesten Deutschlands erreicht die Kaltfront und
damit auch die kühlere Luft nicht. Noch größer waren die Gegensätze
am gestrigen Dienstag. Maximal 17 Grad wurden in Flensburg und
schweißtreibende 35 Grad in Freiburg erreicht.
In den kommenden Tagen ist Wind dann gänzlich kein Thema mehr.
Stattdessen rückt die Hitze wieder in den Vordergrund. Von Südwesten
erreichen die Tagesmaxima allmählich in mehr und mehr Regionen die
30-Grad-Marke. Am Oberrhein werden womöglich ab Freitag, spätestens
ab Samstag wieder 35 Grad erreicht. Mehr dazu sicherlich in einem
Thema des Tages Ende der Woche.*
M.Sc.-Met. Thore Hansen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 08.07.2026
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