DWD Synoptische Übersicht Kurzfrist
08-07-2026 07:01
SXEU31 DWAV 080800
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Mittwoch, den 08.07.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: NWz, Übergang zu NW/Na
Ruhige Hochdruckrandlage mit anfangs noch großen Temperaturkontrast zwischen der
(sehr warmen bis heißen) Südwest- und (teils nur mäßig warmen) Nordosthälfte. Ab
Freitag auch im Nordosten wärmer.
Dabei so gut wie keine markanten Wettererscheinungen.
Synoptische Entwicklung bis Freitag 24 UTC
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Mittwoch... befindet sich Deutschland zwischen einem kleinräumigen, inzwischen
aber hochreichenden Sturmtief über dem Baltikum und einem flachen, aber breiten
Höhenrücken, der inzwischen vom westlichen Mittelmeerraum über Süd- und
Westfrankreich und GB bis ins Nordmeer reicht, unterhalb einer kräftigen, aber
relativ glatten nordwestlichen Höhenströmung. Das Sturmtief hat inzwischen
Litauen erreicht und füllt sich im Tagesverlauf langsam auf, wobei es bei
Landgang heute Früh gegen 03 UTC einen für diese Jahreszeit bemerkenswerten
Kerndruck von ca. 984 hPa aufwies.
Der zugehörige Höhentrog weist mehrere Drehzentren auf, überdeckt quasi ganz
Skandinavien bzw. Osteuropa und weist kaum Verlagerungstendenz auf, wobei der
südliche Part im Laufe der kommenden Nacht über dem Baltikum austropft. Auch der
durch beständige WLA vorderseitig eines Langwellentroges über dem mittleren
Nordatlantik gestützte Rücken kommt lediglich in infinitesimalen Schritten nach
Osten voran und wirkt blockierend. An dieser Geopotenzialverteilung über dem
nordostatlantisch-europäischen Raum wird sich auch in den kommenden Tagen nur
wenig ändern.
Die Kaltfront des Sturmtiefs hat inzwischen den Nordosten Deutschlands
überquert, ist aber zunehmend höhenströmungsparallel exponiert und kommt kaum
mehr nach Süden voran, sondern wird in weiterer Folge als Warmfront über die
Mitte und den Westen des Landes nach Nordwesten zurückgeführt, ehe sie im Laufe
der kommenden Nacht in einem insgesamt frontolytischen Umfeld (Absinken
vorderseitig des Rückens) mehr und mehr Auflösungstendenzen aufweist. Aktuell
ist es in der Peripherie der Front, also in einem breiten Streifen vom
Emsland/NRW bis nach Westsachsen/Bayern und dem nördlichen bzw. östlichen BaWü
überwiegend stark bewölkt bis bedeckt, nennenswerte Niederschläge treten mangels
dynamischen Hebungsinput aber kaum auf. Lediglich an den Alpen und im Vorland
regnet es etwas verbreiteter - dort kommt die Staukomponente zum Tragen (selbst
in 300 hPa ist der Jet fast senkrecht gegen die Alpen gerichtet, vor allem aber
auch der Höhenwind in 700 hPa). Vor allem nach Osten zu regnet es noch bis weit
in die kommende Nacht hinein, die Mengen bleiben aber übersichtlich mit 1 bis 5
l/m², lediglich im Stau der Chiemgauer und Berchtesgadener Alpen können es
gebietsweise mehr als 10 l/m² werden. Während sich über dem Westen und der Mitte
des Landes in etwa 700 bis 800 hPa im Tagesverlauf eine recht markante
Absinkinversion etabliert, ist im Südosten die Luftmasse bis ca. 600 hPa leicht
labil geschichtet und es kann auch etwas Cape generiert werden. Somit bekommen
die Niederschläge dort einen teils konvektiven Charakter, für Gewitter ist die
Labilitätsfläche aber wohl nicht hochreichend genug (selbst in 600 hPa beträgt
die Temperatur noch ca. -4 Grad), dennoch kann man sie nicht hundertprozentig
ausschließen.
Nordöstlich und südwestlich des Wolkenbandes scheint dagegen häufiger die Sonne,
vor allem in Vorpommern und Brandenburg, während von der Nordsee her zeitweise
flaches CU- bzw. SC-Gewölk (Absinkinversion bei 900 hPa) in die Norddeutsche
Tiefebene geführt wird.
Von Warnrelevanz bleibt eigentlich nur der Wind, wenngleich auch deutlich
defensiver aufgestellt als gestern. Vor allem an den Küsten und in
Schleswig-Holstein gibt es mit dem Tagesgang erneut steife, auf dem Brocken und
dem Fichtelberg vereinzelt auch stürmische Böen aus Nordwest. Auch weiter
landeinwärts ist in freien Lagen noch die ein oder andere steife Böe möglich,
was sich warntechnisch aber wohl nicht wirklich abbilden lässt.
Erst zum Abend hin nimmt der Wind weiter ab, eingangs der Nacht reicht es
höchstens noch entlang der vorpommerschen Küste für steife Böen.
Thermisch ist die Front noch gut aufgestellt: Postfrontal gelangt ein Schwall
maritimer Polarluft in den Norden und Osten Deutschlands mit T850 hPa zwischen 5
und 9 Grad (ehe sich die Luftmasse durch das Absinken auch in diesem Niveau
beginnt zu erwärmen), während die warme und trockene, ehemals subtropische
Luftmasse im Südwesten mit T850 hPa zwischen 11 und 15, in Südbaden um 16 Grad
kaum verdrängt werden kann. Somit reicht es in der Nordosthälfte auch in den
sonnigen Regionen lediglich für Maxima zwischen 20 und 24 Grad, Richtung Küsten
für 18 bis 21 Grad. Im Südwesten bleibt es sommerlich warm mit 24 bis 29, im
südlichen Oberrheingraben und in Südbaden bis 32 Grad. Lediglich an den Alpen
und im südlichen Vorland werden bei dichterer Bewölkung nur etwa 20 bis 23 Grad
erreicht.
In der Nacht zum Donnerstag erreicht die Achse des Höhenrückens die Nordsee und
die Norwegische See, so dass die nordwestliche Höhenströmung über dem
Vorhersagegebiet von Westen her etwas auffächert. Landesweit dominiert nach wie
vor Absinken und auch im Bodenfeld fächert der Gradient noch etwas auf, wobei
sich ein schwacher Hochkeil von den Britischen Inseln und von der Nordsee bis
ins Vorhersagegebiet schiebt. Die Absinkinversion reicht am Alpenrand bis etwa
700 hPa, dort fällt vor allem in den Staulagen auch noch etwas Regen. Sonst
schwankt sie meist zwischen 900 und 800 hPa, wobei sich von der Nordsee her nach
Lesart der meisten Modelle dichte Stratus- bzw. Stratocumulusbewölkung in weite
Teile der Norddeutschen Tiefebene, ja teilweise sogar bis zu den nördlichen und
östlichen Mittelgebirgen ausbreiten soll.
Der Wind weht vor allem an den Küsten noch spürbar aus Nordwest, erreicht aber
wohl keine Warnschwellen mehr. Lediglich in Kuppen- und Gipfellagen der
nördlichen und östlichen Mittelgebirge sind - gestützt durch lokale Low Level
Jets - einige steife bis stürmische Böen nicht ausgeschlossen.
Im Südwesten verläuft die Nacht wohl überwiegend locker bis gering bewölkt und
auch im Nordosten bleibt es wohl aufgelockert bewölkt. Bodennah kommt die
trockene und nicht mehr ganz so warme Luftmasse noch etwas nach Südwesten voran,
so dass es auch dort etwas angenehmer wird als in der vergangenen Nacht. Meist
liegen die Minima zwischen 18 Grad in einigen Ballungszentren im Südwesten und 9
Grad in der Lausitz.
Donnerstag... stößt ein Höhentrog Richtung Island vor und drückt die Achse des
Höhenrückens in ihrem Nordteil etwas stärker nach Osten, so dass er nun von
Frankreich über die Nordsee bis nach Skandinavien reicht. Das hochreichende
Cut-Off-Tief über dem Baltikum zeigt nur wenig Verlagerungstendenz, so dass sich
über dem Vorhersagegebiet kaum etwas an der nordwestlichen Höhenströmung ändert.
Die ehemalige schleifende Front über dem Vorhersagegebiet hat sich inzwischen
vollends aufgelöst, übrig bleibt aber die Luftmassengrenze, die bei zunehmend
schwachen Luftdruckgegensätzen bodennah von Nordwesten einströmende mäßig warme
bis warme Nordseeluft im Norden und Osten von nach wie vor deutlich wärmerer
Luft über der Südwesthälfte trennt. Vor allem in einem breiten Streifen von der
Deutschen Bucht über Niedersachsen bis zu den zentralen und östlichen
Mittelgebirgen hat es die tiefe Bewölkung unterhalb der Absinkinversion schwer,
sich aufzulösen, da nach wie vor ein beständiger Feuchteinput von der Nordsee
her erhalten bleibt. In Teilen Niedersachsens bekommt die Sonne selbst am
Nachmittag nur wenig Spielanteile, während es sonst wohl für zunehmend größere
Lücken reichen sollte. Hier und da fällt sogar etwas Nieselregen, am ehesten im
Stau einiger Mittelgebirge, für messbaren Niederschlag reicht es aber kaum.
Sowohl im Nordosten (Ostsee bis Lausitz) als auch im Westen und Südwesten
scheint dagegen zunehmend die Sonne, ganz im Südwesten dürfte es ab dem Mittag
sogar vielerorts wolkenlos bleiben. Der Temperaturgegensatz bleibt nach wie vor
aufrecht: Im Norden und Osten erreichen die Höchsttemperaturen bei mit dem
Tagesgang wieder etwas auffrischendem Nordwestwind Werte zwischen 20 und 24, in
der Lausitz maximal 25 Grad, direkt an der Nordsee bei auflandigem Wind dagegen
kaum 20 Grad. Im Westen und Süden wird es bei nur schwachen Winden aus Nord bis
Nordost gegenüber dem Vortag sogar wieder wärmer mit Maxima zwischen 25 und 31
Grad, an Oberrhein, Saar und Mosel sogar bis 33 Grad.
In der Nacht zum Freitag ändert sich an der großräumigen Konstellation nur
wenig. Somit bleibt es im Westen und Süden oft gering bewölkt oder wolkenlos.
Auch im Nordosten zeigen sich nur wenige Wolken. Im Korridor dazwischen, also
vor allem von der Deutschen Bucht bis zum Erzgebirge, halten sich dagegen nach
wie vor die gebietsweise stärkere Stratusbewölkung, die sich nachts sogar eher
wieder verdichtet, insbesondere über Teilen der Norddeutschen Tiefebene. Die
Temperaturen sinken im Norden und Osten auf angenehme 16 bis 10 Grad (bei
Aufklaren in einigen Tälern der östlichen Mittelgebirge auch darunter), während
es im Westen und Süden mit 18 bis 12 Grad milder bleibt, in einigen
Ballungszentren bzw. mittleren Höhenlagen werden die 20 Grad kaum
unterschritten.
Freitag... bewegt sich unser Cut-Off-Tief über dem Baltikum kaum von der Stelle
und kommt nur geringfügig nach Süden voran. Es blockiert nach wie vor den
breiten, aber flachen Rückenüber Südwest- und Westeuropa, von dem aus weiterhin
ein schmaler Höhenkeil über Skandinavien hinweg nordostwärts reicht. Somit
bleibt der Zugriff für atlantische Frontensysteme auf Kontinentaleuropa nach wie
vor verschlossen, der Höhentrog über Island wird nach Nordosten, Richtung
Nordpolarmeer abgedrängt.
An dessen Südflanke kann sich die von den Azoren über das Seegebiet nordwestlich
von Schottland bis zur Norwegische See reichende Hochdruckzone weiter
verstärken, ebenso wie ein von dort aus über die Nordsee bis in den Nordwesten
des Landes gerichteter Keil. Die bodennahe Strömung über Nord- und
Ostdeutschland dreht mehr und mehr auf nördliche Richtungen, die Advektion
feuchter Nordseeluft wird somit langsam gekappt. Somit löst sich auch über der
Norddeutschen Tiefebene die Stratus- bzw. Stratocumulusbewölkung mehr und mehr
auf bzw. geht in flache Quellbewölkung über. Mit Passage von ein/zwei in die
nordwestliche Höhenströmung eingebetteten flachen kurzwelligen Troganteilen (die
hauptsächlich im IPV-Feld auszumachen sind) wird die Absinkinversion dort zwar
etwas angehoben, dennoch reicht die vertikale Mächtigkeit der Quellwolken wohl
kaum für einen Schauer.
Insgesamt gewinnt die Sonne also gegenüber dem Vortag in vielen Regionen
Norddeutschlands größere Spielanteile und kann die Luftmasse weiter erwärmen. In
850 hPa steigt die Temperatur über dem Norden und Osten des Landes auf 10 bis 13
Grad, entsprechend wird es auch dort meist sommerlich warm mit 23 bis 28 Grad.
Lediglich an Küstenabschnitten mit auflandigem Wind bleibt es mit 20 bis 23 Grad
etwas kühler.
In der Südwesthälfte scheint dagegen wohl den ganzen Tag über die Sonne. Vor
allem im äußersten Südwesten/Süden wird eine potenziell instabile Luftmasse
eingesteuert und es kann auch Cape generiert werden. Starkes Absinken
vorderseitig des Rückens dürfte Konvektion aber noch unterdrücken, so dass es
auch im Schwarzwald und an den Alpen voraussichtlich nicht für Gewitter reicht,
wenngleich man das nicht kategorisch ausschließen sollte. Eben dieses Absinken
führt auch zu einer weiteren niedertroposphärischen Erwärmung, in 850 hPa steigt
die Temperatur auf 14 Grad in den mittleren Landesteilen und 20, vielleicht 21
Grad über Südbaden. Somit wird es in der gesamten Südwesthälfte bis zur
Landesmitte sehr warm bis heiß mit Maxima zwischen 28 und 33, am Oberrhein
vielleicht bis nahe 35 Grad.
In der Nacht zum Samstag weitet sich der von der Hochdruckzone weiter nördlich
ausgehende Keil über dem Vorhersagegebiet weiter nach Süden aus, so dass eine
ruhige, im Norden und Osten gebietsweise locker, sonst meist gering bewölkte
oder wolkenlose Nacht ins Haus steht mit Minima zwischen 20 Grad in einigen
Ballungszentren im Südwesten und 11 Grad in einigen Mittelgebirgstälern.
Modellvergleich und -einschätzung
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Anhand der synoptischen Basisfelder lassen sich keine warn- und
prognoserelevanten Modellunterschiede ausmachen. Lediglich bzgl. der
Wolkenprognose insbesondere in der kommenden Nacht und morgen gibt es noch
kleinere Differenzen, die wohl hauptsächlich der Modellphysik geschuldet sind.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Winninghoff