DWD Synoptische Übersicht Kurzfrist
04-07-2026 17:01
SXEU31 DWAV 041800
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Samstag, den 04.07.2026 um 18 UTC
SCHLAGZEILE:
Fortdauer der Nordwestlage, am Sonntag in der Fläche etwas zyklonaler als
bisher.
Synoptische Entwicklung bis Montag 06 UTC
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Aktuell ... setzt sich der Südwest-Nordost-Gegensatz in Deutschland nahtlos
fort. Typisch für den Großwetterlagentypus NW (Nordwest), der derzeit noch das a
wie antizyklonal trägt, ab morgen aber auf z wie zyklonal wechselt. Im Grunde
ist das aber nur von akademischen Interesse. Wichtig ist, was auf der Platte
passiert. Und da durfte sich die Südwesthälfte heute über einen Sommertag par
excellence freuen: Sonne satt, zur Mitte hin ein paar flache, aber hochbasige
Quellungen und Temperaturen meist über 25, lokal sogar um 30°C bei überwiegend
einstelligen Taupunkten. Die Dankeskarten gehen an JOCHEN, einem großräumigen
Hochdruckgebiet mit großer 1030+X-Isobare westlich von Frankreich, von dem aus
ein breiter und robuster Keil bis fast ans Schwarze Meer reicht. Als
Gegenspieler(in) fungiert - gerade noch muss man sagen - ZOE, ein
Tiefdruckgebiet, welches die besten Zeiten bereits hinter sich hat. Vom Baltikum
kommend hat es inzwischen den Westen Russlands erreicht, wo es sich einer
weiteren Tiefdruckzone unter Verlust der eigenen Identität anschließt.
Nichtsdestotrotz bleibt zwischen dem steten JOCHEN und der scheidenden ZOE auch
in der kommenden Nacht noch immer ein solider Druckgradient bestehen, der sich
an der See im Zuge eines von der Nordsee respektive Südskandinavien südostwärts
steuernden Bodentrogs sogar wieder etwas verstärkt. Kurzum, erst an der Nord-,
später dann auch an der Ostsee präsentiert sich der West-Nordwestwind trotz
nachtschlafender Zeit sportlich mit Böen bis Stärke 7 Bft.
Darüber hinaus wird es Zeit, sich das Geschehen über dem nahen Atlantik etwas
genauer anzuschauen. Dort wurde der Analysator heute Mittag zu fast
unmenschlichen Höchstleistungen gezwungen, um am Ende zu einer diffizilen, aber
synoptisch durchaus nachvollziehbaren Frontenkonstruktion zu gelangen:
Doppelfront mit in die Nordsee gerichteter flacher Warmfrontwelle (AUSYNJA,
südlicher Frontenzug) und teilokkludierter Kaltfront knapp nördlich. Es ist
stark davon auszugehen, dass dieses Konstrukt, das in einem frontogenetisch
geprägten Bereich liegt, nur eine Momentaufnahme darstellt. Am Ende -
wahrscheinlich schon heute Abend - wird es zu einer Verschmelzung der
Frontenzüge kommen mit Anbindung der "Nordseewarmfront" an das nördliche System,
das in ein Tief über der Norwegischen See mündet. Liest sich kompliziert (vor
allem, wenn man die 12-UTC-Analyse nicht neben sich hat), ist es ein Stück weit
auch, aber Meteorologie ist nun mal nicht einfach.
Bliebe also "nur noch" das Nachtwetter und da wurde die NO-Hälfte bisher ja noch
gar nicht erwähnt. Die nämlich hatte heute mit Ausnahme Vorpommerns und der
Uckermark, wo zeitweise oder sogar länger die Sonne schien, nicht nur mit
reichlich Gewölk, sondern gebietsweise (Korridor Deutsche Bucht bis nach
Ostsachsen) auch mit leichten Regenfällen zu kämpfen. Dabei kam die Temperatur
in einem von der Nordsee südostwärts bis etwa Sachsen-Anhalt gerichteten
Streifen nicht oder punktuell nur so gerade auf 20°C. Ja, ja, Nordwestlagen sind
häufig ungerecht, wobei man aber sagen muss, dass so mancher im Norden und Osten
vielleicht gar nicht so unglücklich war und ist über das momentane Wetter. Wir
erinnern uns, genau vor einer Woche wurde der in der Fläche heißeste Tag ever in
Deutschland registriert (Flächenmittel der Höchsttemperatur knapp 37,5°C!!), was
für viele alles andere als ein Vergnügen war.
Nun aber endlich zum Wetter der kommenden Nacht, das der NO-Hälfte weiteren
Regen bringt - zeitweilig, nicht flächendeckend und auch nicht allzu üppig
(meist unter 5 l/m²). Nach Süden und Südwesten hin bleibt es zwar trocken,
insgesamt schiebt sich aber die virtuelle Linie zwischen wolkig bis stark
bewölkt auf der einen und gering bewölkt bis klar auf der anderen Seite peu a
peu südwestwärts. Das macht sich auch bei der Tiefsttemperatur bemerkbar, die
deutschlandweit auf eine Range zwischen 18 und 12°C, im Süden lokal um 10°C
kommt und damit um einiges höher liegt als in der vergangenen Nacht, in der es
vor einstelligen Werte nur so wimmelte.
Sonntag ... bleibt das geopotenzielle Setup weitgehend unverändert: über der
Iberischen Halbinsel + erweiterter Nachbarschaft ein breiter Rücken, von
Grönland bis nach SO-Europa eine fetter Trog. Bedeutet für uns eine leicht
flatternde nordwestliche Höhenströmung, mit der kleine, aber durchaus
impulsgebende Kurzwellen südostwärts durchgeschleust werden. Dem JOCHEN ist das
nicht ganz geheuer, was ihn dazu veranlasst, seinen ostwärts gerichteten Keil
etwas zu stutzen bzw. nach Westen zurückzuziehen. Ein strategisches Manöver, das
insofern in die Hose geht, als dass die Atmosphäre kein Vakuum duldet. Kurzum,
von Norden her dringt die o.e. Kaltfront des Tiefs über der Norwegischen See bis
weit in den Vorhersageraum ein. Den Süden erreicht sie allerdings nicht ganz,
weil sie zusehends ins Schleifen gerät bzw. nach Westen hin in die Warmfront
eines Tiefs mit Kern südlich von Kap Farvel (12 UTC, BERNADETTE) übergeht.
Wie bereits weiter oben erwähnt, wird dadurch die gesamte Strömungskonstellation
zyklonaler, was sich u.a. dadurch äußert, dass sich die Zone mit längerem
Sonnenschein, den höchsten Temperaturen (27 bis 30°C) und weitgehend trockenen
Verhältnissen immer weiter in den Südwesten der Republik Richtung
Südbaden/Oberschwaben zurückzieht. Ansonsten stellt sich in der einfließenden,
nicht überbordend labilen, aber ziemlich feuchten (PPW z.T. um 30 mm)
Nordatlantischen Meeresluft wechselnde bis starke Bewölkung ein, in der sich
zahlreiche Schauer entwickeln. Von den zentralen Mittelgebirgen südwärts werden
sogar wenige hundert Joule pro Kilogramm CAPE generiert, was am Nachmittag
allfällige Gewitter bzw. gewittrige Schauer auf den Plan ruft. Zwar zeigen die
Prognosesoundings im Bereich 600/550 hPa eine kleine Inversion mit
darüberliegenden Trockenschicht. Die neuralgische -10°C-Marke an der
Wolkenobergrenze wird aber zumindest teilweise erreicht, so dass einige
Überentwicklungen im Form ziehender pulsierender Einzelzellen als wahrscheinlich
angesehen werden können. Warnfarbe ist Gelb bis Ocker, Ocker am ehesten wegen
Wind bis 8 Bft, weniger wegen Starkregen. Kleiner Hagel kann freilich auch mit
von der Partie sein.
Ganz in den Norden (SH, MV, HH, nordöstliches NDS) wird eine Portion trockenere,
durch Skandenföhn modifizierte Luftmasse gesteuert, in der das PPW auf unter 20
mm zurückgeht. Dort wird es nicht für Schauer reichen, zumal auch die Inversion
deutlich weiter unten liegt (um 800 hPa). Zeitweise scheint sogar die Sonne, am
meisten an der Ostsee. Begleitet allerdings von einem äußerst flotten, bis weit
ins nordostdeutsche Binnenland ausgreifenden Nordwestwind, der in der Spitze
Böen 7 Bft, in Vorpommern (wegen der besseren Durchmischung eher im küstennahen
Binnenland als direkt an der Küste) auch 8 Bft auf die Geber bringt. An der
Nordsee ist vor allem die schleswig-holsteinische Seite von steifen Böen 7 Bft
betroffen, aber auch die Küstenabschnitte zwischen Weser- und Elbemündung sind
nicht ganz raus.
Höchsttemperatur an der See um 20°C, sonst 21 bis 27°C mit den höchsten Werten
nach Süden bzw. Südwesten hin.
In der Nacht zum Montag bleibt die schleifende Frontenkonstellation über
Deutschland erhalten, wobei sich über der Nordsee eine flache Welle vor die
BERNADETTE setzt (00 UTC). Diese steuert Nordwestdeutschland an, wo die
zugehörige Warmfront bis zum Frühstück etwas stratiformen Regen ablässt.
Gleichzeitig ziehen sich die Tagesschauer und -gewitter von der Mitte mehr und
mehr in den Südosten respektive an die Alpen zurück, wobei die
Gewitterwahrscheinlichkeit kontinuierlich abnimmt. Am Alpenrand stellt sich eine
leichte Staukomponente ein. Weitgehend trocken bleibt es im äußersten Osten und
Nordosten sowie die Regionen zwischen Rheinland und Südbaden. Während der Wind
im Binnenland in den Abendstunden bereits wieder einknickt, muckt er aus
westlichen Richtungen kommend an der See immer mal wieder auf (Böen 7 Bft).
Tiefsttemperatur 17 bis 10°C.
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Synoptische Entwicklung bis Dienstag 06 UTC
Montag ... siehe Frühübersicht.
Modellvergleich und -einschätzung
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Die Modellergebnisse bewegen sich im Rahmen der üblichen Streuung. Signifikant
abweichende Entwicklungen sind nicht zu erwarten.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann