DWD Synoptische Übersicht Kurzfrist

01-07-2026 16:30
SXEU31 DWAV 011800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Mittwoch, den 01.07.2026 um 18 UTC


SCHLAGZEILE:
Nach ausgeprägter Gewitterlage mit Unwetterpotential Wetterberuhigung, an der
See zunehmend stürmisch.

Synoptische Entwicklung bis Freitag 06 UTC
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Aktuell ... geht die Gewitterlage mit Unwetterpotential in die Verlängerung! Wer
sich für die genauen großskaligen, synoptischen Bedingungen interessiert, dem
wird an dieser Stelle gerne die Frühübersicht nahegelegt. Hier soll nun eher das
Warnmanagement im Fokus stehen, welches mit Prozessen untermauert wird. Also
dann mal los!

Deutschland befand sich am Nachmittag demnach im Bereich eines markanten Troges,
dessen Achse sich etwa von Dänemark über das westliche Schleswig-Holstein bis
zur Schweiz und Nordwestitalien erstreckte. Durch PVA konnten somit vom
östlichen Schleswig-Holstein über Hamburg und Mitteldeutschland hinweg bis nach
Schwaben bei leicht labiler Schichtung recht kräftige Hebungsimpulse induziert
werden. Vor allem im nördlichen Niedersachsen, in Hamburg und Schleswig-Holstein
sowie Teilen Schwabens baute sich zudem Cape bis zu 1250 J/kg auf. Gleichzeitig
waren im Bodenseeumfeld sowie von Fehmarn bis ins westliche Mecklenburg
konvergente Strömungsbedingungen zu verzeichnen. Insgesamt bestanden also vom
Norden über die östliche Mitte bis nach Schwaben recht gute Gewitterbedingungen.
Da in den besagten Regionen zudem PPWs von 25 bis 35 mm vorlagen stand und steht
der Starkregen im Fokus, der lokal auch die Unwetterschwelle überschreiten kann.
Zudem muss auch ein Blick auf die Scherung geworfen werden. Vor allem im Norden
und Süden an der Vorderkante der Trogachse sowie bodennahen Südost- bis
Ostwinden bestand und besteht ein gewisses Tornadorisiko. So hat es über dem
Bodensee sowie in Ostholstein nahe dem Fehmarnbelt schon plausibel gerüsselt.
Entsprechend mussten am Nachmittag und müssen am Abend örtlich weitere
Unwetterwarnungen vor Starkregen und potentiellen Tornados herausgegeben werden.
Über der östlichen Mitte und dem Osten reichen aber markante, teils sogar gelbe
Gewitterwarnungen aus. Dort scheinen die bodennahen antizyklonalen Verhältnisse
deutlich wirksamer zu sein. Ebenfalls lässt die Labilität in besagten Regionen
doch zu wünschen übrig.
In der Nacht verlagert sich der Trog mit seiner Achse ostwärts nach Polen,
sodass in der zweiten Nachthälfte das ganze Land auf dessen Rückseite liegen
dürfte. Bei hochreichend antizyklonalen Strömungsbedingungen setzt verstärkt
Stabilisierung ein. Mit wegfallender dyn. Hebung fällt die Konvektion in sich
zusammen. Ausgangs der Nacht richtet sich dann der Blick wieder Richtung
Nordseeumfeld. Dort schiebt sich von den Britischen Inseln über die Nordsee
hinweg ein teils okkludierter Frontenzug heran. Das Nordseeumfeld wird dabei
schon von der vorgelagerten WLA erfasst, so dass skalige Regenfälle einsetzen.
Abseits der Schauer und Gewitter am heutigen Abend spielt der Wind noch keine
Rolle.

Donnerstag ... können die Regenfälle im Umfeld des teils okkludierten
Frontenzuges von der Nordsee weiter ins Binnenland vorankommen und schließlich
zunächst etwa bis zur Mosel und dem Main, in der Nacht zum Freitag auch weiter
südlich etwas Regen bringen. Zudem sorgt ein flacher Trog, der ab dem Mittag
langsam von der Nordsee über den Norden ostwärts hinweg schwenkt für Hebung,
sodass in der Nordhälfte Niedersachsen und Mecklenburgs sowie in Hamburg und
Schleswig-Holstein ab dem Nachmittag ein Übergang zu Schauern und lokal auch
einzelnen Gewittern erfolgt. Potentielle Gewitter fallen aufgrund des Windes
überwiegend markant (Bft 8-9) aus. durch die Verlagerungsgeschwindigkeit und
PPWs von 17 bis 21 mm ist Starkregen weniger wahrscheinlich. Dafür schwingt sich
der Gradientwind auf und sorgt für eine ordentliche Auffrischung. Auf der
Rückseite des Frontenzuges dreht der Wind auf Nordwest und kann nachfolgend
auflandig auf die Küste peitschen. Resultierend muss zunächst an der Nordsee mit
stürmischen Böen oder Sturmböen (Bft 8-9) gerechnet werden. Auf Sylt sind auch
einzelne schwere Sturmböen (Bft 10) nicht ausgeschlossen. Ab dem Nachmittag
nimmt der Wind zunächst auch an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste, ab dem
Abend auch an der mecklenburg-vorpommerischen Küste zu und erreicht steife bis
stürmische Böen (Bft 7-8). Im Nordseeumfeld sowie allgemein im nördlichen
Schleswig-Holstein sind steife Böen (Bft 7) zu erwarten.

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Synoptische Entwicklung bis Samstag 06 UTC

Freitag ... übernimmt aus synoptischer Sicht wieder ein Rücken über dem Atlantik
und Südwesteuropa das Zepter. Dieser induziert ein kräftiges Bodenhoch, welches
sich vom Atlantik ostwärts bis nach Deutschland und den Alpenraum ausdehnen
kann. Allenfalls im Nordosten Deutschlands mischt noch ein Tief über der
nördlichen Ostsee mit. Zudem schleift die Kaltfront vom Vortag noch etwas an den
Alpen. Nachfolgend werden an den Alpen noch Regenfälle erwartet, die im
Tagesverlauf aber nachlassen. Im Nordosten sowie im Nordseeumfeld produziert das
Tief bzw. die nordwestliche, auflandige und zyklonal geprägte Strömung noch
etwas Hebung, sodass dort einzelne Schauer auftreten können. Für Gewitter sollte
es nach derzeitigem Stand nicht oder nur lokal begrenzt bevorzugt in Vorpommern
reichen. Dafür kann der Wind noch einen Zahn zulegen. In Schleswig-Holstein und
Mecklenburg-Vorpommern ist demnach mit stürmischen Böen (Bft 8), auflandig an
der See auch mit Sturmböen (Bft 9) zu rechnen. Weiter ins Binnenland bis in den
Norden Sachsen-Anhalts und Brandenburgs sowie der Nordosthälfte Niedersachsen
treten voraussichtlich steife Böen (Bft 7) auf. In der Nacht zum Samstag lässt
der Wind nach, sodass nur noch im Ostseeumfeld steife bis stürmische Böen zu
erwarte sind. Da das Land auf der Vorderseite des Hochs liegt, strömt auch
kühlere Nordseeluft ins Land, sodass die Temperaturen in 850 hPa nur noch
zwischen 4 und 8 Grad, im Süden bis 12 Grad liegen. Entsprechend gedämpft fallen
auch die Höchstwerte mit Werten von 18 bis 28 Grad aus. In der Nacht zum Samstag
sind dann abseits der Küste auch verbreitet Tiefstwerte von 12 bis 6 Grad im
Programm.


Modellvergleich und -einschätzung
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Die Modelle simulieren die großskalige Geopotential- und Luftdruckverteilung
vergleichbar. Auch im Detail ergeben sich nur geringe Abweichungen in der
genauen Verlagerungsgeschwindigkeit des Frontenzuges sowie des flachen Troges.
Etwas deutlicher sind die Unterschiede bei der Intensität des Windes bzw. der
Regenmengen. Während ICON die schleifende Front an den Alpen rasch abziehen bzw.
sich auflösen lässt, produziert diese beim IFS nochmals signifikante, aber nicht
warnwürdige Mengen. Beim Wind ist es das ICON, welches die Windspitzen etwas
stärker als die anderen Modelle im Programm hat.


Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Lars Kirchhübel