DWD Synoptische Übersicht Mittelfrist

27-06-2026 09:30

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Samstag, den 27.06.2026 um 10.30 UTC



Anfangs noch gewittrig, später ruhiger, sommerlich warm, im Südwesten heiß
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Synoptische Entwicklung bis zum Samstag, den 04.07.2026


Die Mittelfrist startet am Dienstag mit geringen Druckgegensätzen über
Mitteleuropa, aber der Tendenz zu Tiefdruck bei uns. Und einer langen
Frontalzone, die sich von Nordost nach Südwest über Deutschland schlängelt. Sie
trennt trockene und kühlere Luft (8 bis 11 Grad in 850 hPa) im Nordwesten von
feuchter und warmer Luft (13 bis 15 Grad in 850 hPa) in den übrigen Gebieten. In
der Höhe wölbt sich der alte Höhenkeil von HARTMUT über Osteuropa auf, bei den
Britischen Inseln liegt ein Trog mit eingebettetem Tief, der im Tagesverlauf
langsam näher rückt. Aus der Nacht heraus gibt es im Südosten noch Schauer und
Gewitter, die sich in der feucht-warmen Luft (ppw noch bei 25 bis 40 mm) im
Tagesverlauf rasch auch auf andere Gebiete ausweiten. Die meiste Energie mit
knapp 2000 J/kg ist im Süden und Südosten vorhanden. Nach Norden hin nimmt CAPE
ab. Nass wird es nahezu überall, wobei im Norden und Osten auch ungewittriger
Starkregen fällt. Hält der länger an, wird es unwetterartig. Sonst gibt es
verbreitet Schauer und Gewitter, die aufgrund der Feuchte schnell in den
Unwetterbereich gehen. In Trognähe nimmt die Scherung zu, was Hagel begünstigt.
Der Wind ist eher verhalten und erreicht in Gewitternähe voraussichtlich maximal
Sturmstärke (Bft 9).

In der Nacht zum Mittwoch erreicht die Trogachse samt trockener Luft Benelux.
Auf der Vorderseite fällt bei ppw zwischen 30 und 45 mm von der Ostsee bis an
die Alpen teils kräftiger Regen, der mitunter gewittrig durchsetzt ist. Am
Mittwochvormittag schiebt sich die Achse unter zunehmender Amplifizierung von
Westen her ins Land und erreicht bis zum Abend etwa die Mitte. Vorderseitig
sorgt Hebung weiterhin für teils kräftige Regenfälle. Vor allem am Alpenrand
sind durch Staueffekte höhere Regensummen zu erwarten. Temperaturtechnisch wirkt
sich der Trog nicht allzu sehr auf uns aus, in den Norden strömen noch 7, in den
Süden 13 Grad in 850 hPa.

In der Nacht zum Donnerstag tropft aus dem Höhentrog ein Tief über den Alpen ab.
Der Haupttrog zieht sich nordwärts zurück. Über Westeuropa spannt sich ein
Höhenkeil auf, dessen Ausläufer auch zu uns ragt. Am Boden dehnt sich aus
Südwesten hoher Luftdruck aus. Am Alpenrand wird die feuchte Luft ausgequetscht.
Sonst lassen die Niederschläge in relativ trockener Luft und durch Absinken
rasch nach.

Am Donnerstag herrscht am Boden hoher Luftdruck vor, über den Alpen liegt aber
noch feucht Luft, die sich in einzelnen Schauern ergießt. Sonst startet der Tag
niederschlagsfrei, allerdings schickt ein Tief über dem Nordmeer im Verlauf
Ausläufer zu uns. Die Kaltfront erreicht gegen Mittag den Nordwesten und zieht
in der Nacht in den Osten. Neben etwas Regen bringt sie der Nordhälfte
Deutschlands auch deutlich kühlere Luft (2 bis 5 Grad in 850 hPa). Über dem
Süden liegen noch rund 10 Grad in 850 hPa.

Am Freitag schafft es die Front unter Auflösungserscheinungen in den Süden des
Landes. Kühle Luft ist allerdings nicht mehr dabei, zu groß ist der Einfluss des
sich aus Westen weiter ostwärts ausdehnenden Hochs. Immerhin: Es gibt südlich
des Mains wieder etwas Regen. Der Rest des Land bleibt niederschlagsfrei.

Am Samstag herrscht in weiten Teilen des Landes Hochdruckeinfluss, wobei wir uns
vorderseitig des Zentrums befinden, das von Irland bis zur Bretagne reicht. Im
Norden und Nordosten macht sich die Nähe zu einem Tief über Skandinavien
bemerkbar, das im Verlauf von Südnorwegen über Südschweden und die Ostsee zum
Baltikum zieht. Es bringt viele Wolken und auch ein bisschen Regen. Der
aufflammende Zustrom wärmerer Luft sorgt im Südwesten wieder für Höchstwerte
über 30 Grad.
Auch Sonntag und Montag sind in der Grundsache hochdruckbestimmt, wobei sich das
Zentrum weiterhin westlich von Deutschland befindet. Allerdings sind in flacher
Strömung kurzwellige Anteile skandinavischer Tiefs nicht ausgeschlossen. Erst am
Dienstag scheint die Strömung aufzusteilen und ein Hochkeil von Südwesten die
Herrschaft zu übernehmen.

Fazit: Nach einem feucht-warmen Start mit teils schweren Gewittern und kräftigen
Regenfällen, bietet die Mittelfrist Luft zum Durchatmen und -lüften. Flächige
Niederschläge sind leider nicht in Sicht.
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Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs


Der aktuelle IFS-Lauf weist hohe Übereinstimmung mit seinen Vorläufen auf. Der
Wettertrend ist gesetzt: erst unbeständige Höhentroglage mit deutlicher
Abkühlung, dann Hochaufbau von Westen. Dieser geht nun etwas schneller
vonstatten, sodass wir zum Ende der Woche bereits antizyklonalen Einfluss und
Zustrom milderer Luft haben. Das Hoch soll uns dann bis Wochenbeginn begleiten.
Der gestern noch deutliche Einfluss skandinavischer Tiefdruckgebiete ist heute
nur noch eine Randerscheinung.
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Vergleich mit anderen globalen Modellen


Auch im Vergleich mit anderen Modellen ergeben sich zunächst nur kleinere
zeitliche Verschiebungen. Der Hochaufbau ab Freitag wird jedoch unterschiedlich
schnell gerechnet. ICON berechnet den Höhentrog etwas kräftiger und länger über
Deutschland. Damit bleibt auch der Zustrom kälterer Luft länger erhalten. GFS
simuliert am Wochenende noch einen größeren Einfluss skandinavischer
Tiefdruckgebiete, im Vergleich zu gestern ist dieser aber auch schon geringer.
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Bewertung der Ensemblevorhersagen


Die Clusteranalyse bietet in den ersten beiden Zeitschritten nur ein Regime:
Blocking. Dabei verschiebt sich das erste blockierende Hoch ostwärts, und ein
zweites baut sich direkt dahinter über dem nahen Atlantik auf. Erst in der
erweiterten Mittelfrist schwenken die Cluster teils zu atlantischem Rücken,
wobei sich dann Unterschiede in der Ausdehnung zu uns ergeben.

Die Rauchfahnen sind durchweg recht schmal, haben aber alle denselben Trend in
der Temperatur: nach unten. Auch das Geopotential sinkt etwas, steigt im Süden
Deutschlands nach Wochenmitte aber wieder an. Beim Niederschlag sind die
Ausschläge vor allem zu Beginn der Woche sehr ausladend. Kein Wunder bei den ppw
und den erwarteten Gewittern. Der Rest der Woche verläuft unscheinbar,
wenngleich immer wieder geringe Signale für Niederschlag auftauchen.

Die Ensembles von GFS und ICON sehen ähnlich aus. Die Abkühlung ist sicher, dazu
gibt es vorübergehend kräftige Niederschläge.
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Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen


Am Dienstag und teils auch noch Mittwoch sind Gewitter sehr wahrscheinlich,
schwere Gewitter vor allem am Dienstag auch wahrscheinlich. Lokal lassen sich
selbst extreme Unwetter nicht ausschließen. Das Hauptaugenmerk liegt auf dem
Starkregen, der örtlich in kurzer Zeit bis zu 50 l/qm bringen kann. Am Dienstag
ist auch noch größerer Hagel möglich. Der EFI springt in der Südosthälfte sowohl
beim Niederschlag als auch beim CAPE an.

Nach Wochenmitte geht es ruhiger weiter.
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Basis für Mittelfristvorhersage
MOS-Mix, MOS-IFS
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VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jacqueline Kernn