DWD Synoptische Übersicht Kurzfrist

25-06-2026 16:01
SXEU31 DWAV 251800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Donnerstag, den 25.06.2026 um 18 UTC


SCHLAGZEILE:
Der Höhepunkt der Hitzewelle mit möglichen neuen Rekordwerten rückt näher. Ab
Samstag erste Schwergewitter nicht mehr ausgeschlossen.

Synoptische Entwicklung bis Samstag 06 UTC
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Aktuell ... leiden die größten Teile Deutschlands unter der weiter andauernden
Hitzewelle. Nur der äußerste Norden - etwa entlang einer Linie von Meppen bis
nach Greifswald - kommt in den Genuss etwas kühlerer Temperaturen. An der
ostfriesischen Küste hat es aktuell gegen 12 UTC sogar nur 20°C Lufttemperatur.
Ansonsten muss heftig geschwitzt werden bei bereits bis zu knapp 38°C an der
Grenze zu Luxemburg. Generell ist es im Südwesten am Wärmsten bei Temperaturen
verbreitet zwischen 35 und 37°C am frühen Nachmittag. Sonst bewegt sich das
Quecksilber meist zwischen 31 und 36°C, wobei bis zum Abend noch das ein oder
andere Grad Celsius dazukommen dürfte...
Synoptisch betrachtet steuern wir nun allmählich bis zum Wochenende auf den
Höhepunkt der Hitzewelle zu. Das seit bereits längerer Zeit schon
wetterbestimmende Hochdruckgebiet ("Hartmut") verlagert sich sukzessive
ostwärts. Damit kommen auch wieder Advektionsprozesse in Gang, die eine extrem
heiße und feuchte Luftmasse entlang der Rückseite des Höhenkeils aus
Südwesteuropa zu uns nach Deutschland führen. Aktuell erstreckt sich der Kern
dieser Heißluftblase von Westfrankreich über Belgien bis zu den südlichen
Regionen der Britischen Inseln mit sagenhaften T850-Werten um 24°C und
Taupunkten um 20°C. Das führt übrigens auch dazu, dass in der kommenden Nacht in
Teilen Irlands und Schottlands mit schwerer Gewitteraktivität gerechnet werden
muss, u.a. in Verbindung mit Starkregen und größerem Hagel. Nicht unbedingt die
typischen Regionen für solche Unwetterlagen... Dies sei als kleine Randbemerkung
nebenbei gestattet. Zurück nach Deutschland, wo im äußersten Norden eine
schwache Kaltfront aktiv ist, die unter dem Hochdruckeinfluss allerdings nicht
wetterwirksam wird, aber immerhin für die bereits erwähnten etwas kühleren
Temperaturen sorgt und die Wärmebelastung reduziert. Gewitteraktivität ist im
Laufe des Nachmittags und Abends keine zu erwarten. Einerseits ist durch die
Verlagerung des Höhenrückens das synoptischskalige Absinken bereits zu stark
ausgeprägt, andererseits ist vor allem im Süden im Bereich der
Mittelgebirgsregionen die Grenzschicht bereits bis 700 hPa komplett durchmischt,
sodass an Instabilität nicht mehr viel herauszuholen ist (nur geringe bis mäßige
CAPE-Werte).

In der Nacht zum Freitag erwartet uns erneut eine Tropennacht mit Minima
zwischen 23 und 13°C. Die tiefsten Werte treten im Norden im Einflussbereich der
dort stationären Kaltfront auf und verursachen etwas Eifersucht beim Verfasser,
der seit mehreren Nächten die eigene Wohnung nicht mehr vernünftig durchlüftet
bekommt. Westlich des Rheins, aber auch in weiteren Teilen NRWs und Hessens,
sinken die Werte auch weiterhin nicht unter 20°C und sorgen für körperliche
Belastung.

Freitag ... erreicht die Heißluftblase allmählich auch endgültig Deutschland.
Die Maxima in T850 finden sich im Südwesten des Landes, aber zumindest im
nordwestlichen Teil werden auch schon die ersten Überreste der Kaltfront
ausgeräumt, sodass sich nur noch im äußersten Nordosten etwas trockenere und
leicht kühlere Luftmasse hält. Ansonsten steht erneut ein
hitzerekordverdächtiger Tag ins Haus. Ein Blick auf hochauflösende Modelle
verrät, dass zum Abend hin auch die 25°C in T850 möglich sind. Damit ist schon
recht sicher davon auszugehen, dass wir die ersten 40er-Maxima im Südwesten
Deutschlands zu Gesicht bekommen. Einige Modelle lassen auch schon die 41°C zu.
Zumindest gerundet ist das keinesfalls auszuschließen. Es wird also zunehmend
spannend, was die Ein- und Aufstellung neuer Rekordwerte betrifft. Bezüglich
etwaiger Konvektion stehen die Dinge ein wenig auf Messers Schneide. Potentielle
Labilität ist mehr als genug da, und bei den Temperaturen kann man keinesfalls
ausschließen, dass es irgendwo im Westen mal auslöst. Insbesondere das Bergland
könnte da auch noch mithelfen. Allerdings ist es eben in den höheren Schichten
auch hinreichend trocken, sodass etwaigen Versuchen durch zuviel Entrainment
trockener Luft am Ende der Garaus gemacht wird. Sprich: Mit ganz viel Glück
reicht es vielleicht irgendwo für einen Berglandschauer, aber Gewitter deuten
sich eher nicht an. Ansonsten steht ein weiterer ereignisloser, aber brutal
heißer Sommertag an, bei dem höchstens etwas WLA-induzierte Ci-Bewölkung den
Sonnenschein etwas trübt.
Für die Nacht zum Samstag gilt ähnliches wie am Vortag: Es bleibt teils
unerträglich mild, wobei sich die Schwüle nun zusätzlich auch auf den Nordwesten
bis an die Nordsee erstreckt. Zudem sinken die Werte auch in einigen Teilen
Ostdeutschlands schon nicht mehr unter die 20er-Marke.

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Synoptische Entwicklung bis Sonntag 06 UTC

Samstag ... stellt dann den Rest der Woche voraussichtlich komplett in den
Schatten (etwaige Wortspiele sind unbeabsichtigt). Die Hitzewelle erreicht dann
ihr Maximum. In einem breiten Streifen vom Saarland ausgehend bis in die
Niederlausitz sind Maximumtemperaturen von 40°C, im Südwesten bis 41°C zu
erwarten. Ganz lokal sind im Südwesten auch (gerundete) 42°C nicht
ausgeschlossen. Damit würde der bisherige Allzeitrekord für ganz Deutschland
(+41,2°C) fallen.
Mit einer sich einstellenden Seewindkonvergenz an der Nordsee sind im
Tagesverlauf erste heftige Gewitter nicht ausgeschlossen, auch wenn die Modelle
bisher noch recht verhalten reagieren. Aber die aufgeladene Luftmasse mit CAPE
von 2000 bis lokal 4000 J/kg(!) und PPW-Werten um 45 mm(!) lässt bei ausreichend
Forcing explosionsartige Gewitterentwicklungen zu, die zu extrem heftigen
Starkregen, großem Hagel und schweren Sturmböen führen können. Für den Abend und
die Nacht zum Sonntag wird dann die Entwicklung schwerer Gewitter über
Frankreich angedeutet, die sich zu einem MCS über den Benelux-Staaten formieren
und anschließend bis Sonntagfrüh über den Nordwesten Deutschlands hinweg ziehen.
Auch hier besteht deutlich erhöhte Unwettergefahr, vor allem auch durch schwere
Sturmböen, evtl. sogar Orkanböen. Diese Szenarien lassen sich allerdings bis
jetzt nur recht grob skizzieren, für genauere Details muss noch etwas abgewartet
werden. Darüber hinausgehende Informationen sind zudem auch noch der heutigen
Frühübersicht zu entnehmen.


Modellvergleich und -einschätzung
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Bezüglich der großen Hitze sind die Modelle sich alle einig. Ob es am Ende
wirklich für einen neuen Allzeitrekord reicht, wird sich zeigen müssen. Es sei
auch darauf verwiesen, dass neue Rekordwerte erst nochmal einer genaueren
Plausibilitätsprüfung unterzogen werden müssen, bevor sie offiziell verkündet
werden. Dieser Vorgang kann mehrere Tage in Anspruch nehmen.
Bezüglich möglicher Schwergewitter halten sich manche Modelle noch sehr bedeckt,
hier bestehen noch Unsicherheiten, und bei t+48h bis t+60h ist der
Vorhersagezeitraum auch noch hinreichend groß. Genaueres dann frühestens morgen.



Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
M.Sc. Felix Dietzsch