DWD Synoptische Übersicht Kurzfrist

24-06-2026 17:01
SXEU31 DWAV 241800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Mittwoch, den 24.06.2026 um 18 UTC


SCHLAGZEILE:
Heiß bis extrem heiß und niederschlagsfrei.

Synoptische Entwicklung bis Freitag 06 UTC
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Aktuell ... hat sich eine ausgeprägte Omegalage mit einem Höhenhoch über
Nordfrankreich eingestellt. Dieses wird, wie es sich für ein Omega gehört, von
zwei Trögen bzw. Höhentiefs flankiert, die westlich der Iberischen Halbinsel und
östlich von Tunesien zu finden sind. Nur so erhält das System seine Stabilität
und die soll es in den nächsten Tagen unter Beweis stellen.

Deutschland liegt dabei nahe am Höhenhochschwerpunkt in einem gänzlich
antizyklonalen Umfeld. Bodennah liegt der Schwerpunkt des Hochs über Schottland
und der nordwestlichen Nordsee, während südwestlich davon ein flaches Tief zu
finden ist. Der bodennahe Wind weht folglich hierzulande schwach aus Nord.

Nun zur Luftmasse: Diese ist tropisch, nämlich eine xT-Luftmasse, lediglich der
Nordosten des Landes befindet sich noch im Übergangsbereich zu einer etwas
weniger heißen Luftmasse. Dort werden heute Abend in 850 hPa nur um 15°C
erreicht, und dort gab es heute Nachmittag Taupunkte um 10°C. Über dem Südwesten
des Landes werden hingegen 20 bis 22°C in 850 hPa erreicht, immerhin sind auch
dort die Taupunkte im Vergleich zu den Vortagen etwas zurückgegangen und lagen
heute Nachmittag meist bei 14 bis 20°C, punktuell sogar noch deutlich tiefer.

In der insgesamt trockeneren Luftmasse war heute die Quellwolkenbildung im
Vergleich zu den Vortagen deutlich unterdrückt. Im Norden sind noch einige
Wolkenfelder aufgezogen und über dem südlichen Bergland gab es größere
Quellungen, die vor allem über dem Bayerischen Wald, vereinzelt aber auch an
anderen Orten, für einzelne Schauer gesorgt haben. Ansonsten behielt aber die
Sonne die Oberhand.

Das wird sie in der Nacht nicht mehr tun, das ist aber auch schon die
markanteste Änderung für die Nachtstunden. Die letzten Schauer im südlichen
Bergland fallen tagesgangsbedingt zusammen und dann steht eine weitgehend
wolkenfreie Nacht ins Haus. Einige hochbasige Quellwolken ziehen noch über den
Norden hinweg. Auch von der Nordsee her kann in der zweiten Nachthälfte etwas
Stratus oder Stratocumulus hereinziehen, allerdings scheint hier die deutsche
Modellkette auch im Vergleich zum aktuellen Status etwas zu übertreiben, so dass
vielleicht UK10 oder IFS mit etwas weniger Wolken der Realität näher kommen
werden.

Bei dem klaren Himmel kann auch die Temperatur im Nordosten und teils auch im
Süden noch einmal stärker absinken auf meist 18 bis 15°C, örtlich geht es sogar
noch weiter runter. Deutlich milder bleibt es dagegen im Westen mit meist 21 bis
18°C, in Kuppenlagen und in den großen Städten oftmals auch nur 23 oder 22°C.


Am Donnerstag ... verlagert sich der Schwerpunkt des Höhenhochs langsam ostwärts
bis in den Westen unseres Landes. Das Bodenhoch wird im Westen etwas abgebaut
und hat seinen Schwerpunkt dann über der Nordsee. An dem westlich der Biskaya
gelegenen Höhentief wandert ein markanter Kurzwellentrog zur Biskaya nordwärts,
was dort etwas Druckfall zur Folge hat. Damit dreht der Wind bei uns etwas und
kommt dann im Norden des Landes noch aus Nord, Richtung Süden dann vielfach aus
Nordost bis Ost.

Mit den Drucksystemen wandert auch der Schwerpunkt der Hitzeglocke näher zu uns
und bis zum Mittag steigt in 850 hPa die Temperatur auf Werte zwischen 16°C im
Nordosten und 22°C im Südwesten. Bei der Betrachtung der Taupunkte fällt ins
Auge, dass sich etwas Feuchte im Westen und Nordwesten des Landes akkumulieren
soll, wo dann auch wieder Taupunkte um 20°C zu erwarten sind. Das Ganze
resultiert im Tagesverlauf dann auch in hohen CAPE-Werten, zur Auslösung von
Schauern oder Gewittern kommt es aber nicht, da das starke Absinken eine recht
stabile Schichtung im Bereich zwischen 800 und 700 hPa entstehen lässt, die
konvektive Versuche unterbindet. In den übrigen Regionen sind ebenso mehr oder
weniger markante stabile Schichten in den Temps zu finden, zudem liegen die
Taupunkte oftmals um oder unter 15°C, so dass es dort abgesehen von ein paar
wenigen Quellwolken einfach nur wieder viel Sonne gibt. Lediglich unmittelbar an
der Küste kann es auch mal vorübergehend dichter bewölkt sein, wenn der Stratus
auf Land trifft wird er meistens sehr schnell weggebrutzelt.

Kommen wir zu den Temperaturen: Diese steigen im Vergleich zu heute wieder etwas
an. Unter 30°C bleiben es nur ganz im Norden, an den Küsten bei auflandigem Wind
teils auch unter 25°C. In der gesamten Südhälfte muss man - von höheren Lagen
abgesehen - in der Regel mit 34 bis 37°C rechnen. Noch etwas heißer soll es in
den Flussniederungen des Südwestens werden, wo auch 38 oder 39°C realistisch
sind. 40°C scheinen - Gott sei Dank! - (noch) nicht erreicht zu werden, auch die
Rekorde aus 2019 (39,6°C in Bernburg/Saale - dort bleibt es morgen eh noch
weniger heiß - oder 39,3°C in Frankfurt und Bad Kreuznach) werden wahrscheinlich
noch nicht ganz erreicht.

In der Nacht zum Freitag wandert der Schwerpunkt des Höhentiefs Richtung
Süddeutschland. Der Schwerpunkt des Bodenhochs wandert in den Nordosten
Deutschlands, so dass der Wind noch schwächer wird und - wenn er überhaupt zu
spüren ist - aus östlichen Richtungen kommt.

Über Wetter und Bewölkung müssen nicht viele Worte verloren werden: Meist ist
der Himmel wolkenfrei, dem Tiefdrucksystem westlich unseres Landes entkommt aber
der eine oder andere Cirrus, der dann mal in den Südwesten hereinzieht.

In der Nordosthälfte kann man bei Tiefstwerten von 16 bis 12°C noch einmal gut
durchlüften, auch im Alpenvorland wird es teils noch einmal ähnlich kühl. Im
Westen werden die Tiefstwerte ähnlich wie in der Nacht zuvor erwartet, bei meist
23 bis 18°C.

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Synoptische Entwicklung bis Samstag 06 UTC

Bezüglich des Freitags ... verweise ich auf die Übersicht meines Vorgängers, der
das Wichtigste schon zusammengefasst hat. Neue Erkenntnisse liegen nicht vor.


Modellvergleich und -einschätzung
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In der Frühübersicht wurde auch schon hinreichend über die möglichen
Temperaturrekorde diskutiert. Der Saharastaub scheint nach aktueller Durchsicht
der Staubprognosen nicht der "Spielverderber" zu werden, denn davon wird recht
wenig simuliert. Vorstellbar wäre aber, dass die Überadiabaten nicht ganz so
extrem wie bei anderen Hitzewellen ausfallen, da immer noch etwas "grün" zu
sehen ist, ergo noch ein bisschen Energie für die Verdunstung aufgewendet muss
und wird.

Die Modellunterschiede im Kurzfristzeitraum bedürfen keiner großen Erwähnung.


Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl.-Met. Peter Hartmann