DWD Synoptische Übersicht Kurzfrist

21-06-2026 08:30
SXEU31 DWAV 210800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Sonntag, den 21.06.2026 um 08 UTC


GWL und markante Wettererscheinungen:
Übergang von Hoch Britische Inseln zu Hoch Mitteleuropa.

Abgesehen von Teilen Nord- und Nordostdeutschlands anhaltende Hitze.
Heute in Teilen Sachsen-Anhalts, Brandenburgs, Sachsens sowie in der Südhälfte
Deutschlands örtlich starke, vereinzelt auch unwetterartige Gewitter
(Vorabinformation Unwetter im Süden Ostdeutschlands).

Morgen nur noch in der Südhälfte Gewittergefahr, vereinzelt Unwetter möglich. Am
Dienstag wahrscheinlich nur noch in Südostbayern und im Südschwarzwald Gewitter.


Synoptische Entwicklung bis Dienstag 24 UTC
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Sonntag... Das Höhenhoch mit Zentrum über dem westlichen Mittelmeer besitzt
einen Keil, der sich über die Alpen und Südpolen bis nach Nordwestrussland
erstreckt und langsam nach Osten und Südosten schwenkt. Ein weiterer Keil
wandert unter Verstärkung vom Seegebiet südwestlich von Irland zu den Britischen
Inseln.
Vorderseitig kann sich das Bodenhochdruckgebiet über Nordengland und der Nordsee
kräftigen. An seiner Ostflanke wird eine Kaltfront vom Küstengebiet landeinwärts
nach Südosten gedrückt und sorgt vom Emsland bis nach Vorpommern für eine
Stabilisierung und leichte Abkühlung.

Weiter südlich ist die Luft recht labil geschichtet, wobei die PPW-Werte von
Brandenburg und Sachsen bis nach NRW recht hoch sind mit 40 bis 45 mm und
Cape-ML-Werten zwischen 1500 und 2500 J/kg am Nachmittag. Im Süden dagegen ist
die Troposphäre trockener mit PPW-Werten zwischen 30 und 37 mm.
Dynamisch ergibt sich nicht allzu viel, etwas Hebung kann aus einem schwachen
Randtrog resultieren, der zwischen den beiden Höhenkeil nach Ost- und
Südostdeutschland schwenkt, wobei vor allem das Gebiet von Brandenburg bis nach
Nordostbayern betroffen ist bei nur geringer Scherung.
Das Bodendruckfeld über der Mitte und dem Süden ist ausgesprochen
schwachgradientig.

Der Gewittercluster, der von Hessen bis nach Sachsen-Anhalt reicht, zieht am
Vormittag weiter ost- bis nordostwärts und weiter im Süden schließen sich nur
einzelne Gewitter an die Linie an, die sich aber zunächst weitgehend auflösen.

Ab den Mittagsstunden bilden sich dann im Süden ausgehend von den Mittelgebirgen
erneut einzelne, teils heftige Gewitter, die wegen der geringen
Zuggeschwindigkeit vor allem Starkregenpotential haben, aber auch Hagel bringen
können. Kleinräumige Unwetter sind möglich. Ein Gewitterschwerpunkt scheint sich
aber in der Region von Brandenburg bis zu den östlichen Mittelgebirgen
abzuzeichnen. Wenn man so will sind das die wieder aktivierten Gewitterreste von
heute Vormittag. Neben Starkregen und Hagel rücken, angesichts ausgeprägter
inverted V-Struktur, auch Sturmböen in den Focus. Postfrontal ist es hinter der
Kaltfront vom Emsland bis nach Vorpommern gewitterfrei.

Die Hitzebelastung dauert an. Nur im Norden liegen die Temperaturen am
Nachmittag nur zwischen 25 und 29 Grad, an der Küste teils noch kühler.
Ansonsten werden 30 bis 35, im Südwesten und vereinzelt auch in den Flusstälern
Bayerns bis 37 Grad erreicht, regional bei Taupunkten um 20°C, was erhöhte
Schwüle bedeutet.
Der Wind frischt lediglich im Norden aus Nord etwas auf. Ansonsten weht er
abgesehen von Gewitterböen meist schwach aus teils unterschiedlichen Richtungen.


In der Nacht zum Montag zeigen einige Modelle eine erneute Aktivierung an der
Kaltfront mit Schauern und Gewittern über dem Süden Brandenburgs und
Sachsenanhalts sowie über Sachsen. (ICON-D2 lässt Schauer und Gewitter in sich
zusammenfallen.) Nördlich der Kaltfront bleibt es gewitterfrei. Im Südwesten
gibt es mit um 20°C eine Tropennacht, im Norden kühlt es gebietsweise auf Werte
um 15°C ab.

Montag... entwickelt sich ein abgeschlossenes Höhenhoch über Westfrankreich.
Hier entsteht auch ein "Heat Dome" mit über 25°C in 850 hPa. Wir liegen am
nordöstlichen Rand dieses Höhenhochs, am Montag dann in wirklich antizyklonalem
Umfeld, so dass Hebung aus der großskaligen Synoptik heraus wohl weitgehend
unterdrückt wird. Der Schwerpunkt des bodennahen Hochs HARTMUT liegt über der
östlichen Nordsee, so dass Deutschland im Bereich eines recht schwachen
Gradienten verbleibt, in dem der Wind überwiegend schwach, tagsüber auch mäßig
aus Richtungen Nord bis Nordost daherkommt. An dem starken Temperaturgradienten
über Deutschland ändert sich nicht viel, doch die Lage einer Kaltfront zu
identifizieren wird schwierig werden. Nach derzeitigem Stand könnte sie die
östlichen und zentralen Mittelgebirge erreicht. In 850 hPa reicht die
Temperaturspanne von 10 Grad über Schleswig-Holstein bis 22°C über Südbaden am
Nachmittag.

Große Teile des Nordens und Nordostens des Landes profitieren von der recht
flach eingeflossenen kühleren Luftmasse. Dort stellt sich im Niveaus zwischen
800 und 750 hPa eine recht stabile Schichtung ein, zudem ist die bodennahe
Luftmasse nur noch mäßig feucht. Dort darf man am Montag zwar mit ein paar
Kumuluswolken und auch hohen Wolkenfeldern rechnen, es bleibt aber trocken.

Eine feuchte und mäßig instabile Luftmasse soll südlich der Kaltfront etwa die
Südhälfte Deutschlands betreffen. Dort erwarten uns PPW-Werte von 30 bis 35 mm,
im Südwesten teils nur 25 mm. In dieser Region wird dann auch im Laufe des Tages
hohes CAPE mit Werten zwischen 1000 und gut 2000 J/kg aufgebaut. Da aber der
Hebungsantrieb im Vergleich zum Vortag ausfällt, wird es in der Südhälfte
Deutschlands wahrscheinlich vor allem vom Bergland ausgehend zunächst einzelne,
später verclusternde, aber nicht allzu gut organisierte Gewitter geben.
Angesichts der erwähnten Werte sollte es kleinräumig bezüglich Starkregens und
Hagels in den Unwetterbereich gehen. Böen sollten insbesondere inmitten der
feuchten Luftmasse in den Hintergrund treten, da die Grenzschicht nicht mehr so
hoch und durchmischt ist. Nach Südwesten hin sehen die Temps bezüglich Böen
etwas besser aus, da könnte man sich eher mal Sturmböen vorstellen.

Allerdings dürften die Gewitter dort kaum die Mittelgebirgsregionen angesichts
der hohen Grenzschicht verlassen, vor allem im Raum Schwarzwald.

Bei den Temperaturen stellt sich im Norden Sommerniveau mit Höchstwerten
zwischen 25 und 30°C ein, wo der Nordwind vom Wasser her weht meist nur 21 bis
25°C. Sonst werden es wieder über 30°C und im trocken-heißen Südwesten sind es
wieder vielfach 35 bis 38°C.

In der Nacht zum Dienstag ändert sich die Lage nur wenig. Die überwiegend
tagesganggesteuerte Konvektion sollte zusammenfallen und die Wolken sich
auflockern. Beim Temperaturniveau der Nacht ändert sich auch nicht viel: Meist
werden es 22 bis 15°C, im Norden 15 bis 10°C.

Dienstag... Das Höhenhoch verlagert sich geringfügig nach Norden und wird am
Abend über Nordwestfrankreich erwartet. Sein Keil schwenkt nach Norddeutschland
und stützt das Bodenhochdruckgebiet über dem deutschen Küstengebiet, das aber
bis zum nahen Osteuropa und über die Britischen Inseln weit nach Südwesten
reicht. Mit dem starken antizyklonalen Einfluss wird die feuchte Luft nach
Südosten abgedrängt, die Labilität bleibt aber in der Mitte und im Westen noch
recht hoch mit niedrigen Lapse-Rates. Dank Absinkens in weiten Teilen
Deutschlands werden nur noch vom Vogtland und Ostbayern bis zu den Alpen,
vereinzelt aber auch noch im Südschwarzwald und auf der Alb Schauer und Gewitter
simuliert. Das Unwetterpotential ist recht gering.
Bei auch im Osten wieder zunehmender Sonnenscheindauer erreichen im Norden und
Osten die Höchstwerte lediglich 25 bis 31 Grad bei nicht besonders großer
Schwüle. In der Südwesthälfte bleibt es aber bei der Hitzebelastung bei
Höchsttemperaturen zwischen 31 und 37 Grad.
Insgesamt weht meist nur ein schwacher, tagsüber allenfalls mäßiger Nord- bis
Nordostwind.

In er Nacht zum Mittwoch fallen die Schauer und Gewitter in Südostbayern
weitgehend in sich zusammen und häufig klart der Himmel auf. Damit kühlt es
meist auf angenehme Werte zwischen 19 und 12 Grad ab mit den niedrigsten Werten
im Nordosten. Im Südwesten liegen die Temperaturen örtlich aber auch bei 20 oder
21 Grad.
Es ist meist schwachwindig.

Modellvergleich und -einschätzung
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Die synoptischen Basisfelder werden ähnlich simuliert. Was die Regenfälle und
Gewitter in der kommenden Nacht angeht so gibt es bei den Modellen größere
Unterschiede: Während ICON-D2 von 03 UTC und 06 UTC ab Montag, 00 UTC, praktisch
keine Aktivität simuliert, produzieren ICON-EU und auch andere Modelle vom
südlichen Niedersachsen bis nach Südbrandenburg und Sachsen örtlich teils
gewittrigen Regen. Die Aktivität sollte nicht überborden sein und auch einige
Läufe von ICON-D2-EPS bringen in der 2. Nachthälfte vom östlichen Bergland bis
zur Oberlausitz einzelne Schauer oder Gewitter.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Olaf Pels Leusden