DWD Synoptische Übersicht Mittelfrist
20-06-2026 10:01
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Samstag, den 20.06.2026 um 10.30 UTC
In der Mitte und im Süden Fortsetzung der Hitze. Abgesehen von vereinzelten
Hitzegewittern vor allem in der Südhälfte, trocken.
__________________________________________________________
Synoptische Entwicklung bis zum Samstag, den 27.06.2026
Zu Beginn der Mittelfrist am Dienstag erstreckt sich ein kräftiger Höhenrücken
vom westlichen Mittelmeer über Frankreich und Deutschland bis nach Skandinavien.
Auf seiner Westseite befindet sich weiterhin ein Höhentief westlich der
Iberischen Halbinsel, während über Osteuropa und dem Schwarzmeerraum tieferes
Geopotenzial vorherrscht. Im weiteren Verlauf verlagert sich die Achse des
Rückens allmählich nach Mitteleuropa und gewinnt dabei noch etwas an Amplitude.
Bis zum Ende der Mittelfrist etabliert sich über Frankreich und Deutschland
zeitweise sogar ein abgeschlossenes Höhenhoch.
Am Boden korrespondiert dazu eine umfangreiche Hochdruckzone, deren Schwerpunkt
zunächst zwischen Deutschland und Schottland liegt. Dadurch kann insbesondere im
Norden und Nordosten Deutschlands vorübergehend etwas weniger heiße Luft
einfließen, während im Süden und Südwesten weiterhin sehr warme bis heiße
Luftmassen vorherrschen. Mit der Verlagerung des Bodenhochschwerpunktes in
Richtung Skandinavien gegen Ende nächster Woche dreht die Strömung über
Mitteleuropa zunehmend auf Ost bis Südost. Dadurch wird die heiße Festlandsluft
erneut nordwärts geführt, sodass sich die Hitze ab Donnerstag wieder auf weite
Teile Norddeutschlands ausdehnen kann.
Die Temperatur in 850 hPa liegt zunächst verbreitet zwischen 13 und 20 Grad, im
Süden zeitweise auch darüber. Damit werden besonders im Süden und Südwesten
verbreitet Höchstwerte zwischen 30 und 35 Grad erreicht; lokal sind auch Werte
nahe 40 Grad nicht ausgeschlossen. Die höchsten Temperaturen werden am Dienstag
und Mittwoch sowie voraussichtlich erneut gegen Ende nächster Woche erreicht.
Erst zum Monatswechsel deuten einzelne Lösungen auf eine leichte Abschwächung
der Hitze hin.
Unter anhaltendem Hochdruckeinfluss bleibt die Atmosphäre über weite Strecken
stabil geschichtet. Die Gewittertätigkeit wird dadurch insgesamt deutlich
gedämpft. Ganz unterdrückt wird die Konvektion jedoch nicht. Vor allem über den
Mittelgebirgen und im Alpenraum können sich im Tagesgang einzelne Wärmegewitter
entwickeln, die lokal auch unwetterartig ausfallen können. Zwischen Mittwoch und
Donnerstag beschränken sich die Gewitter meist auf die Alpen und die südlichen
Mittelgebirge. Gegen Ende nächster Woche steigt das Gewitterrisiko im Südwesten
und Westen wieder an. Aufgrund der geringen Verlagerungsgeschwindigkeit steht
dabei insbesondere heftiger Starkregen im Vordergrund. Flächendeckende
Niederschlagsereignisse sind dagegen nicht vorhanden.
Von Donnerstag bis Sonntag verstärkt sich die Blockierung weiter. Über West- und
Mitteleuropa etabliert sich eine ausgeprägte Hochdruckbrücke, während die
umliegenden Tiefdruckgebiete sowohl über dem Ostatlantik als auch über Osteuropa
kaum Einfluss auf das Wettergeschehen in Deutschland nehmen können. Die
Temperaturgegensätze innerhalb Deutschlands nehmen dabei vorübergehend etwas ab,
da sich die sehr warme bis heiße Luftmasse zunehmend auch nach Norden
ausbreitet.
In der erweiterten Mittelfrist von Montag bis Dienstag bleibt die blockierende
Großwetterlage nach derzeitigem Stand erhalten. Das Höhenhoch verlagert seinen
Schwerpunkt von Deutschland nach Polen. Dadurch gelangt Deutschland an die
Vorderseite eines Troges über den Britischen Inseln. Eine Tiefdruckrinne,
gefolgt von einer schwachen Kaltfront, sorgt vermehrt für Gewitter, die häufig
unwetterartig ausfallen können. Die heiße Witterung setzt sich jedoch fort.
Niederschlagssignale beschränken sich dabei weitgehend auf konvektive
Ereignisse; flächendeckende Niederschläge sind nicht in Sicht.
__________________________________________________________
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die Konsistenz der verschiedenen IFS-Läufe ist bis mindestens Samstag nächster
Woche recht gut. Die aktuelle Hitzewelle geht sehr wahrscheinlich in die
Verlängerung und kann im Süden bis zu sieben Tage andauern, mit Höchstwerten
zwischen 35 und 40 Grad. Verantwortlich dafür ist ein Höhenrücken, der sich vom
westlichen Mittelmeer bis nach Skandinavien erstreckt. Zunächst liegt die
Hochachse noch westlich von uns, im Laufe der nächsten Woche verlagern sich
Achse und Schwerpunkt jedoch nach Mitteleuropa. Dann sollte sich sogar ein
abgeschlossenes Höhenhoch über Frankreich und später über Deutschland bilden.
Der Schwerpunkt des korrespondierenden Bodenhochs liegt zwischen Deutschland und
Schottland. Dadurch kann zumindest im Norden zeitweise etwas kühlere Luft
einfließen. Mit der Verlagerung des Hochschwerpunkts nach Skandinavien ab Mitte
nächster Woche dürfte die Strömung jedoch von Nord auf Ost bis Südost drehen,
sodass sich die Hitze wieder nach Norddeutschland ausweiten kann.
Da der Hochdruckeinfluss überwiegt, bleibt die Gewitteraktivität insgesamt
gedämpft. Ganz zum Erliegen kommt sie jedoch nicht. Die höchste
Wahrscheinlichkeit für Gewitter besteht vor allem in den Mittelgebirgen und
Alpen sowie allgemein in der Mitte und im Süden des Landes. Lokal sind dabei
auch Unwetter möglich. Flächiger Niederschlag ist weiterhin nicht in Sicht.
__________________________________________________________
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Diese großräumige Wetterlage wird auch von den anderen Modellen (ICON, GFS,
UK10) sehr ähnlich simuliert, sodass die beschriebene Entwicklung als recht
wahrscheinlich angesehen werden kann. Es bleibt heiß bis sehr heiß und,
abgesehen von vereinzelten Hitzegewittern, überwiegend trocken.
__________________________________________________________
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Clusteranalyse macht es heute recht einfach. Bis zum Zeitraum t+120 bis
t+168 h gibt es vier beziehungsweise ein Cluster, die alle dasselbe zeigen: ein
Blocking beziehungsweise eine Omegalage über Frankreich, die sich langsam nach
Osten verlagert. Deutschland bleibt im gesamten Mittelfristzeitraum unter deren
Einfluss. Auch in der erweiterten Mittelfrist ist diese Omegalage zu sehen, mit
zwei Clustern, die ein ähnliches Muster aufweisen. Erst in der Langfrist ist
eine Umstellung der verfahrenen Wetterlage erkennbar, aber das ist noch
Zukunftsmusik. Die Hitze ist da und bleibt eine ganze Weile bestehen, vor allem
in der Südhälfte des Landes, ohne nennenswerte Niederschläge, abgesehen von
vereinzelten Gewitterereignissen, die nicht jeden treffen werden.
Die Rauchfahnen verschiedener Städte sind etwas weniger eindeutig und
verdeutlichen die noch bestehenden Unsicherheiten. Insbesondere der Spread der
Temperatur nimmt im Laufe der Mittelfrist zu, vor allem im Norden und Osten des
Landes, wo vorübergehend etwas kühlere Luft einsickert. Im Südwesten (Freiburg)
bleibt die Temperatur in 850 hPa hingegen nahezu konstant bei 20 bis 21 Grad und
steigt zwischen Donnerstag und Freitag nächster Woche sogar auf 22 bis 24 Grad
an. Der Spread bleibt dort durchweg gering. Niederschlagssignale gibt es kaum,
und das Geopotenzial verbleibt auf einem sehr hohen Niveau.
FAZIT:
Die Hitzewelle setzt sich in der Mittelfrist fort, insbesondere in der Mitte und
im Süden des Landes, und kehrt gegen Ende nächster Woche auch in den Norden
zurück. Gewitter treten nur vereinzelt auf und beschränken sich meist auf die
Südhälfte des Landes, später vor allem auf den Südwesten und Westen.
_________________________________________________________
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
GEWITTER (UNWETTER):
Insbesondere am Dienstag muss vor allem in der Mitte und im Süden vereinzelt mit
teils schweren Gewittern gerechnet werden. Als Begleiterscheinung steht vor
allem Starkregen im Fokus, der lokal eng begrenzt sogar bis in den extremen
Unwetterbereich reichen kann. Aufgrund hoher CAPE-Werte kann auch Hagel
unwetterartig ausfallen. Das Böenpotenzial beschränkt sich vermutlich auf sehr
kleinräumige Fallböen, die punktuell jedoch nicht zu unterschätzen sind.
Von Mittwoch bis Freitag scheint die Gewittergefahr mit einfließender
trockenerer Luft deutlich zurückzugehen. Lediglich am Alpenrand und im
Südschwarzwald besteht noch ein erhöhtes Gewitterpotenzial. In der erweiterten
Mittelfrist kann die Gewittergefahr im Südwesten und Westen erneut ansteigen.
HITZE:
Die Hitzewelle setzt sich in der Mittelfrist insbesondere im Westen und Süden
fort. Der EFI liefert hierfür durchweg entsprechende Signale. Sowohl am Dienstag
als auch am Mittwoch sind im Südwesten Temperaturen bis 39 Grad wahrscheinlich.
Allerdings kann aus heutiger Sicht auch die 40-Grad-Marke nicht völlig
ausgeschlossen werden. Tropische Nächte sind insbesondere in den Ballungsräumen
der Südwesthälfte ein Thema. Mit dem Einfließen trockenerer Luft gehen die
Taupunkte im Laufe der Woche jedoch etwas zurück, sodass die nächtlichen
Temperaturen ab der Nacht zum Donnerstag in der Südwesthälfte mit wenigen
Ausnahmen teilweise unter die 20-Grad-Marke sinken können.
Zum Ende nächster Woche kann sich die Hitze nochmals verschärfen und sich weiter
nach Norden ausbreiten. Im Süden hält die Hitze voraussichtlich bis mindestens
Ende nächster Woche an, ohne nennenswerte Abkühlung.
Abseits von Schauern und Gewittern dürften Trockenheit und Waldbrandgefahr im
Laufe der Woche weiter zunehmen.
________________________________________________________
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-ENS, MOSMIX
________________________________________________________
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Marco Manitta