DWD Synoptische Übersicht Mittelfrist
06-06-2026 09:30
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Samstag, den 06.06.2026 um 10.30 UTC
Zunächst sehr kühles Schauerwetter. Zum Ende der Woche im Süden überwiegend
trocken und ansteigende Temperaturen, im Norden weiter unbeständig und kühl.
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Synoptische Entwicklung bis zum Samstag, den 13.06.2026
Zu Beginn der Mittelfrist am Dienstag befindet sich Deutschland zunächst auf der
Vorderseite eines Trogs über Westeuropa. Im Tagesverlauf schwenkt ein
kurzwelliger Troganteil über Deutschland hinweg. Über den Osten und Süden
Deutschlands liegt eine Kaltfront, die sich im Tagesverlauf ostwärts aus
Deutschland verabschiedet. Hinter der Kaltfront wird Deutschland erneut von
Kaltluft geflutet. Die 850hPa-Temperaturen gehen im Nordwesten bis auf 2 Grad
zurück, mildere Luft um 7 Grad liegt noch im Südosten des Landes. Schauerartige,
im Süden teils auch kräftige und mitunter gewittrige Niederschläge ziehen mit
der Front allmählich ostwärts ab, wobei die Front im Süden ins Schleifen gerät
und sich so die Niederschläge dort länger halten können. Mit dem
durchschwenkenden Trog sind im Tagesverlauf auch im Norden Schauer und kurze
Gewitter unterwegs, die aber der Marke "Kaltluftgewitter" zuzuordnen sind. In
der Nordwesthälfte erwartet uns ein sehr kühler Tag, an dem die 20-Grad-Marke
nicht mehr erreicht wird, etwas weniger kühl ist es im Osten und Südosten.
Am Mittwoch liegt Deutschland nun direkt unter dem Höhentrog in labil
geschichteter Kaltluft. Zwar reicht ein Ableger des Azorenhochs zu uns herein,
er ist aber zu schwach, um die Konvektion zu unterbinden. So bilden sich im
Tagesverlauf erneut Schauer und kurze Gewitter. An den Alpen hängt anfangs
weiterhin die schleifende Front mit Niederschlägen. Es ist sehr kühl mit
Höchstwerten von gerade einmal 15 bis 20 Grad, am Alpenrand bei Regen ist es
sogar noch kühler. Allenfalls im Osten kann die 20-Grad-Marke stellenweise noch
überschritten werden.
Am Donnerstag verabschiedet sich der Trog aus Deutschland und von Westen her
steigt das Geopotential deutlich an. Im Bodendruckfeld ist immer noch der
Ableger des Azorenhochs zu finden, sodass sich das Wetter beruhigt. Schauer gibt
es nur noch vereinzelt und mehr Sonnenanteile zusammen mit leicht ansteigenden
Temperaturen in 850 hPa lassen auch die Tageshöchsttemperaturen zumindest im
Südwesten wieder ansteigen. Im Nordwesten nähert sich allerdings schon die
Warmfront eines Atlantiktiefs, wobei noch unklar ist, wie schnell diese auf
Deutschland mit neuen Regenfällen übergreifen kann.
Bis Freitag stellt sich eine zunehmend zonale Strömungskonfiguration ein mit
tiefem Luftdruck respektive niedrigem Geopotential über Nordeuropa und dem
nördlichen Nordatlantik und höherem Geopotential respektive Luftdruck über
Südeuropa und dem Mittelmeerraum. Über Deutschland baut sich ein zunehmender
Temperaturgradient auf mit bis zu 14 Grad am Alpenrand und kühleren 6 Grad in
Schleswig-Holstein. Im Norden schwenken in der Nacht die Warm- und tagsüber die
schleifende Kaltfront durch, sodass sich das Wetter in der Nordhälfte
unbeständig gestaltet bei weiterhin eher kühlen rund 20 Grad. Freundlicher und
mit bis zu 26 Grad am Oberrhein auch wärmer wird es im Süden des Landes.
Am Samstag bleibt uns sowohl die zonale Strömung als auch das
Süd-Nord-Temperaturgefälle erhalten. Zudem schwenkt im Norden ein Randtrog mit
vorderseitigem Randtief am Boden durch, sodass sich dort das unbeständige Wetter
fortsetzt. Im Süden ist es hingegen freundlicher und wärmer.
Auch in der erweiterten Mittelfrist bleibt uns diese Wetterzweiteilung erhalten.
Erst zum Dienstag könnte sich eventuell ein Rücken aufwölben und wieder für
sommerlicheres Wetter sorgen.
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Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Beim Vergleich mit den vorherigen Läufen fällt auf, dass es bereits zum Beginn
der Mittelfrist signifikante Unterschiede gibt. Die nach Osten abziehende
Kaltfront ist seit dem gestrigen 12UTC-Lauf deutlich forscher unterwegs als noch
im gestrigen 00UTC-Lauf und der nachfolgende Trog am Mittwoch greift weiter nach
Süden aus. Das grundlegende Strömungsmuster wird aber von allen Läufen ähnlich
simuliert, so auch der Zwischenhocheinfluss am Donnerstag und das darauffolgende
Übergreifen der Frontensysteme in der Nacht zum und am Freitag. Zum Ende der
Mittelfrist nehmen die Unsicherheiten wieder zu. Der durchschwenkende Trog am
Samstag wird noch unterschiedlich simuliert. Auch herrsche in den beiden
gestrigen Läufen eher ein Südost-Nordwest- statt ein Süd-Nord-Temperaturgefälle
vor.
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Vergleich mit anderen globalen Modellen
Zu Beginn der Mittelfrist gibt es zwischen den bekannten Globalmodellen nur die
ähnlichen Unschärfen wie zwischen den einzelnen IFS-Läufen. Ab Donnerstag nehmen
die Unsicherheiten zu. ICON und IFS verhalten sich aber recht ähnlich, nur GFS
schlägt einen komplett anderen Weg ein. Demnach fiele der Zwischenhocheinfluss
komplett aus und der Trog bleibt einfach in Umwandlung zu einem umfangreichen
Höhentief bis Samstag über Deutschland hängen. Auch von der Zonalisierung möchte
GFS folglich gar nix wissen und simuliert markante Rossby-Wellen über der
Nordhemisphäre. Da auch weiterhin ICON und IFS deutlich näher beieinander liegen
und zudem die IFS-Konsistenz auf dieser Linie liegt, wird dem GFS keine
Bedeutung geschenkt und als Außenseiterlösung betrachtet.
FAZIT:
Zu Beginn der Mittelfrist am Dienstag und Mittwoch erwartet uns erneut sehr
kühles und teils windiges Schauerwetter. Außer im Osten liegen die Höchstwerte
nur zwischen 15 und 20 Grad. Nach kurzem Zwischenhocheinfluss am Donnerstag
stellt sich ab Freitag eine Wetterzweiteilung ein. In der Nordhälfte bleibt es
weiterhin unbeständig und eher kühl, während im Süden der Einfluss eines
Azorenhochablegers überwiegt. Mehr Sonnenanteile und ansteigende Temperaturen in
850hPa lassen die Temperaturen auch am Boden wieder steigen und Niederschläge
sollten dort die Ausnahme bleiben.
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Bewertung der Ensemblevorhersagen
Bei den Rauchfahnen fällt auf, dass diese beim Geopotential bereits ab
Donnerstag deutlich auffächern. Der Hauptlauf liegt eher im oberen Bereich. Da
es sowohl für Hamburg als auch für Offenbach und München auch am Donnerstag
deutliche Niederschlagspeaks gibt, scheint der Zwischenhocheinfluss am
Donnerstag noch nicht sicher zu sein. Auch die 850hPa-Temperaturen gehen ab
Donnerstag, spätestens aber ab Freitag deutlich auseinander. Folglich ist noch
recht unsicher, wie sich zum Ende der Mittelfrist die Großwetterlage entwickeln
wird.
Bei den Clusteranalysen werden im Zeitraum t_120h-168h zwei Cluster angeboten.
Der Hauptlauf befindet sich in Cluster 1 (31 Member), der im gesamten Zeitraum
einer positiven NAO zugeordnet wird, was auf die oben beschriebene zonale
Strömungskonfiguration zurückzuführen ist. Cluster 2 (20 Member) geht von einer
negativen NAO über einen Atlantic Ridge in eine positive NAO über. Dies liegt
daran, dass sich über dem Atlantik ein flacher Rücken aufwölbt, der von zwei
Trögen über dem westlichen Nordatlantik und über Mitteleuropa flankiert wird.
Im Zeitraum t_192h-240h werden sogar stolze fünf Cluster angeboten. Auch hier
befindet sich der Hauptlauf in Cluster 1 (13 Member), bei dem sich die positive
NAO fortsetzt. Ein Teil der Cluster (2, 3 und teilweise 4) wird dem
Blocking-Regime zugeordnet. Insgesamt sehen die Verteilungen der Tröge und
Rücken in den einzelnen Clustern noch recht unterschiedlich aus, sodass noch
abzuwarten ist, wohin die Reise in der erweiterten Mittelfrist geht.
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Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Vor allem Dienstag und Mittwoch erwartet uns kühles bis sehr kühles
Schauerwetter. Dabei entwickeln sich auch wieder Gewitter, die aber
Kaltluft-Charakter haben. Sie sind also kurzlebig und markant könnten höchstens
einzelne stürmische Böen (im schlimmsten Fall Sturmböen) ausfallen, während
Starkregen kein größeres Thema sein sollte. An der schleifenden Front im Süden
ist jedoch mehrstündiger Starkregen nicht ausgeschlossen, insbesondere am
Dienstag.
Ab Donnerstag sind dann keine markanten Wettererscheinungen mehr zu erwarten,
von ein paar stürmischen Böen an der Nordsee abgesehen (was dort aber niemanden
überraschen sollte).
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Basis für Mittelfristvorhersage
ICON, IFS, MOSMIX
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VBZ Offenbach / Dr. rer. nat. Markus Übel