DWD Synoptische Übersicht Kurzfrist
28-05-2026 08:01
SXEU31 DWAV 280800
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Donnerstag, den 28.05.2026 um 08 UTC
GWL und markante Wettererscheinungen:
HM
Heute im Südschwarzwald ein Gewitter nicht ganz ausgeschlossen, sonst sonniges
Hochdruckwetter.
Morgen Nachmittag und Abend im Westen und Nordwesten aufkommende Gewitter,
vereinzelt mit Unwetterpotential.
In der Nacht zum Samstag zur Mitte vorankommende Gewitter.
Am Samstag in der Mitte, später auch im Südosten örtliche Gewitter mit
Starkregen. Vereinzelt schwere Gewitter mit heftigem Starkregen möglich.
Synoptische Entwicklung bis Samstag 24 UTC
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Donnerstag... Ein kräftiger, von Südwesteuropa ausgehender Höhenkeil über der
westlichen Nordsee schwenkt nur langsam ostwärts. Das korrespondierende
Bodenhoch verlagert sich von der zentralen Nordsee zur deutschen Nordseeküste
und reicht mit breiten Keilen nach Südskandinavien und zum nordwestlichen Balkan
sowie nach Frankreich, wobei es sich aber etwas abschwächt. Die in weite Teile
Deutschlands eingeflossene kühlere und trockenere Luft kann sich durch kräftige
Einstrahlung wieder erwärmen und im äußersten Südwesten gab es keinen richtigen
Luftmassenwechsel, so dass hier die Temperaturen örtlich über 30 Grad steigen
können. Ansonsten gibt es in der Südwesthälfte 25 bis 29 Grad. In der
Nordosthälfte stehen 20 bis 24 Grad auf der Karte, an der Küste teils unter 20
Grad.
Ganz im Südwesten bauen sich tagsüber 300 bis 900 J/kg ML-CAPE auf, der unter
dem Absinken des Höhenkeils stark gedeckelt ist (CIN > 50 J/kg). Da die Luft
relativ trocken ist, bleibt nach Berücksichtigung des Entrainments nur noch
wenig Cape übrig. Ob sich wirklich mit orographischer Unterstützung im
Südschwarzwald in der Nähe des Hochrheins ein CB entwickelt, wie ICON-D2 und
SuperHd es berechnen, ist somit fraglich. Ansonsten bleibt es überwiegend sonnig
mit einzelnen lockeren Wolkenfeldern im Norden.
In der Nacht zum Freitag greift ein erster markanterer Randtrog auf die
Britischen Inseln über und schwenkt in der Folge weiter nordostwärts. Vom
Bodentief südlich von Island erstreckt sich dabei Bodentrog bis in die Deutsche
Bucht hinein, in den auch eine schwache, weitgehend okkludierte Front
eingelagert ist. Je weiter südlich man dabei schaut, desto mehr büßt sie vom
Höhenkeil überlagert an Wetterwirksamkeit ein. Außer ein paar vereinzelten
Tropfen kommt wohl noch nicht viel an bei uns im äußersten Nordwesten. Das Hoch
verabschiedet sich unterdessen allmählich Richtung Hohe Tatra.
Dadurch bleibt es vielerorts noch klar bei rückdrehendem Wind auf Süd bis
Südost. Die Tiefstwerte liegen in der Osthälfte bei frischen 4 bis 10°C, im
Westen und Südwesten bei 10 bis 16°C
Freitag... schwenkt die sich weiter abflachende Achse des Rückens ostwärts und
reicht am Abend vom Südwesten Deutschlands bis in den Nordosten. Der Westen und
Nordwesten gelangt somit immer mehr auf die Vorderseite des atlantischen
Langwellentroges. Entscheidend ist nun die Ausprägung der Höhenströmung an der
Südflanke eines abgeschlossenen Drehzentrums nördlich der Shetland-Inseln.
Schwache Vergenzen sind in der leicht flatternden West-Südwestlichen
Höhenströmung auszumachen und auch ein schwaches IPV-Maximum erreicht am Abend
den Nordwesten Deutschlands. Von diesen Nuancen hängt maßgeblich die Entwicklung
der Konvektion am Nachmittag in Nordwestdeutschland ab, weshalb die Modelle
auch entsprechend unterschiedlich darauf reagieren.
Von Frankreich und Belgien her sickert eine subtropischen Luftmasse ein mit PPWs
zwischen 30 und 40 mm am Abend, die nun nach Nordwesten hin zunehmend gehoben
wird. So werden am Abend ML-CAPE-Werte zwischen 800 und 1900 J/kg simuliert in
einem zunehmend moderat gescherten Umfeld. Ein leichter Deckel ist vorhanden,
dessen Sprengung aber auch ohne orographische Hebung durch die
Höhenkonfiguration früher oder später wahrscheinlich ist. Neben markanten
Entwicklungen sind somit lokal auch unwetterartige Entwicklungen denkbar.
Das Super HD simuliert dann auch eindrücklich in der Pseudoreflektivität eine
gut definierte Squall line und am Südrand auch einzelne Superzellen vor allem
über Niedersachsen und NRW. Stand jetzt ist für diese Regionen die Ausgabe einer
Vorabinformation durchaus in Betracht zu ziehen, können doch sämtliche
Begleiterscheinungen das Unwetterkriterium (heftiger Starkregen, großer Hagel,
orkanartige Böen) erreichen. Dies kann aber noch Freitagfrüh passieren.
Auf der Keilvorderseite passiert somit noch wenig und so wird es von der Lausitz
bis in den Süden und Südwesten Deutschlands abermals ein durchweg sonniger und
trockener Tag. Dabei werden 27 bis 33°C erreicht, die sich vor allem im Westen
und Nordwesten zunehmend schwül anfühlen. Bei überwiegend südlichem Wind dürfte
es auch direkt an der See vielfach für einen Sommertag reichen.
In der Nacht zum Samstag zieht das kleine Höhentief mit eigenständigem
Drehzentrum ostwärts nach Südnorwegen, womit die Höhenströmung über Deutschland
auf Nordwest kippt. Über UK schließt sich stromauf bereits ein neuer Keil an.
Die Strömung flattert leicht.
Mithin schwenkt am Boden auch eine Kaltfront von Nordwesten zur Landesmitte und
gerät dort ins Schleifen. Der gefährdetste Bereich für noch längere Zeit
gewittrige Regenfälle erstreckt sich somit quer über der Landesmitte von NRW bis
nach Brandenburg und Sachsen - einzelne abgehobene Überraschungen auf der
unmittelbaren warmen Südseite inklusive. Die Unwettergefahr dürfte dabei in der
2. Nachthälfte deutlich nachlassen. Im EPS gibt es aktuell auch keine Signale
für Wahrscheinlichkeiten für mehrstündigen Starkregen, der 25 l/qm binnen 12
Stunden überschreitet. Südlich des Mains dürfte es meist noch trocken bleiben
und auch ganz im Norden beruhigt sich das Wetter rasch wieder.
Die Tiefstwerte liegen zwischen 8 und 14°C mit den tiefsten Werten diesmal im
Süden. Über der Mitte werden unter den Wolken in den Gebieten ohne oder nur mit
wenig Regen knapp 20 Grad simuliert.
Samstag... Der Höhenkeil schwenkt von Großbritannien bis Tagesende nach
Deutschland und entsprechend dehnt sich der Azorenhochkeil nach Deutschland aus
und es bildet sich sogar eine kleine Hochzelle vor der holländischen Küste.
Allerdings ist die Druckverteilung recht flach und letztlich verbleibt eine
Luftmassengrenze über der südlichen Mitte Deutschlands, die feucht-labile Luft
im Süden von trockener und nicht so warmer Luft im Norden trennt. Mittags reicht
die Luftmassengrenze als Warmfront zu einem kleinen Tief bei Paris. Während die
Front nach Osten hin langsam Südkurs hat, bleibt sie im Westen quasistationär
liegen. Daher sind die PPWs in einem Streifen von Rheinland-Pfalz bis Sachsen,
später bis nach Nord- und Mittelbayern (im Bereich der Front) erhöht mit 25 bis
35 mm, wobei sich auch ordentlich Cape-ML bilden soll zwischen 1000 und 2000
J/Kg, wobei die Schichtung aber gedeckelt ist (CIN 50 bis 100 J/Kg). Derzeit
simulieren die Modelle nicht überbordend viel Niederschlag und auch die
Punkterminprognosen zeigen nur lokale Gewitter. Man muss berücksichtigen, dass
abends dann der neue, von Westen heranschwenkende Höhenkeil den Westen
Deutschlands erreicht und somit wahrscheinlich die Aktivität bremsen sollte.
Zudem dürfte der Sonnenschein im Bereich der Luftmassengrenze eingeschränkt
sein, so dass die Auslösetemperatur nur schwer erreicht wird. Auf jeden Fall
muss man aber markante Entwicklungen einkalkulieren, da die Gewitter nur eine
mäßige Zuggeschwindigkeit besitzen und nach hinten anbauen können.
Unwetterartige Entwicklungen können bei solch hohen Feuchtewerten bzw. bei
dieser hohen Labilität nicht ausgeschlossen werden. Während im Norden und Osten,
also nördlich der Front in der gemäßigten Luftmasse Höchstwerte zwischen 22 und
27 Grad erreicht werden (an der Küste bei auflandigem Wind kühler), ist es im
Süden und Westen mit 27 bis 33 Grad deutlich wärmer.
Abgesehen von stürmischen Gewitterböen weht meist nur ein schwacher bis mäßiger
West- bis Nordwestwind.
In der Nacht zum Sonntag schwenkt der Höhenkeil zum mittleren Deutschland und
der Westen kommt damit wieder auf die Vorderseite des nächsten Troges. Damit
verlagert sich ein flaches Tief an der Front von Nordfrankreich nach NRW und die
Regensignale werden über NRW und Rheinland-Pfalz in der 2. Nachthälfte schon
wieder stärker. Die Luftmasseneigenschaften vom Tag bleiben gleich und mit der
Hebung sind dann abgehobene Gewitter möglich, die häufig wieder markant sein
dürften. Hinweise auf Unwetter sind noch nicht erkennbar. Schwere Gewitter
können aber bei der Luftmasse auch nicht ganz ausgeschlossen werden. Es kühlt
auf 10 Grad im Norden und 19 Grad im Südwesten ab.
Modellvergleich und -einschätzung
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Arome lässt morgen bis 18 UTC die Schauer und Gewitter deutlich weiter nach
Südosten vorankommen, bis in den Nordwesten Hessens.
Nach ICON-D2-EPS gibt es morgen bis 18 UTC im Nordwesten nur geringe
Wahrscheinlichkeiten für Starkregen um 20 l/qm innerhalb von 6 Stunden. Zwischen
18 und 24 UTC steigen die Wahrscheinlichkeiten deutlich an und es gibt sogar
Signale für Unwetter bis in den Nordwesten von Hessen. In der 2. Nachthälfte
verlagern sich die Gewitter weiter nach Südosten, werden aber wahrscheinlich
schwächer.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Olaf Pels Leusden