DWD Synoptische Übersicht Mittelfrist

24-05-2026 10:01

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Sonntag, den 24.05.2026 um 10.30 UTC



Zunächst Hochdruckwetter mit vorübergehender deutlicher Abkühlung in der
Nordosthälfte. Nächsten Sonntag mögliche Gewitterlage, nachfolgend unbeständiger
und weniger warm.
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Synoptische Entwicklung bis zum Sonntag, den 31.05.2026


Am Mittwoch, zum Beginn des Mittelfristzeitraumes, liegt nach IFS ein
Höhenrücken über Westeuropa mit seiner Achse über Großbritannien. Gleichzeitig
weitet sich ein Langwellentrog ausgehend von Skandinavien Richtung Ostmittel-
und Osteuropa aus. Diese Entwicklung findet an der Westflanke eines
hochreichenden Tiefs über Nordrussland statt. Dagegen befindet sich ein
kräftiges Bodenhoch mit seinem Schwerpunkt über der westlichen Nordsee.
Deutschland befindet sich zwar unter dem antizyklonalen Einfluss des Hochs,
allerdings liegt der Nordosten unter einer kräftigen nordwestlichen
Höhenströmung und auch bodennah besteht ein nennenswerter Druckgradient. Somit
weht der bodennahe Wind durchaus mäßig aus nördlichen Richtungen und es wird von
Norden eine deutlich kühlere Luftmasse in den Nordosten des Landes geführt. So
sinkt z.B. im Raum Rügen die 850-hPa-Temperatur von 12°C am Vortag auf 4°C am
Mittwochmittag. Im Süden bleibt es noch bei für die Jahreszeit sehr hohen 16°C.
Dort kann sich auch etwas CAPE aufbauen, das am Nachmittag an den Alpen zu
einzelnen Gewittern führt, ausgelöst wohl hauptsächlich durch erzwungene Hebung.
Ansonsten ist meist nur geringe Bewölkung am Himmel und im Süden wird es wieder
hochsommerlich heiß, im Norden mit Höchstwerten um 20°C deutlich kühler.

Am Donnerstag weitet sich der Langwellentrog über Osteuropa südwärts aus, bei
uns nähert sich der Rücken von Westen an. Das Bodenhoch verlagert seinen
Schwerpunkt zur Deutschen Bucht. Damit verstärkt sich der antizyklonale Einfluss
sogar schon wieder. Die etwas kühlere Luftmasse kommt in abgeschwächter Form
auch weiter im Süden an, am Donnerstagmittag liegen die 850-hPa-Werte dann
zwischen 4°C in Vorpommern und 14°C am Kaiserstuhl. Damit werden die Höchstwerte
auch in den südlichen Landesteilen geringfügig gedämpft. Überwiegend scheint den
ganzen Tag die Sonne. Da die kühlere Luft auch trockener ist, baut sich kaum
CAPE auf und es bleibt trocken. Lediglich im inneralpinen Raum können sich
Gewitter bilden, von denen Deutschland wohl nicht betroffen sein wird.

Am Freitag erreicht der Rücken von Westen her unser Land. Er wird im Raum
Dänemark von einem schwachen Trog überlaufen, der aber voraussichtlich bei uns
keine Wetterwirksamkeit entfalten wird. Das Bodenhoch zieht sich unter
Abschwächung nach Ostmitteleuropa zurück, damit weht bei uns nur schwacher Wind,
im Nordwesten mäßiger Südwind. Bei strahlendem Sonnenschein und unter Absinken
steigt das Temperaturniveau schon wieder an.

Am Samstag schwenkt ein weiterer den Rücken überlaufender Trog über den Norden
Deutschlands, westlich davon verstärkt sich schon wieder der Höhenrücken. Ein
neuer Hochschwerpunkt wird wetterbestimmend, dessen Schwerpunkt am Abend den
Westen Deutschlands erreicht. Damit dreht der schwache Wind wieder auf nördliche
Richtungen. Mit dem Trog zieht auch etwas mehr Bewölkung durch und mit der etwas
feuchteren Luftmasse kann sich CAPE aufbauen, dass am Nachmittag und Abend in
der Südosthälfte für einige Gewitter sorgen kann. Ansonsten wird es im Süden
wieder hochsommerlich heiß, während es im Norden auf der Rückseite des Troges
eine erneute Abkühlung geben soll.

Am Sonntag schwenkt der neue Rücken rasch über unser Land nach Osten hinweg und
es rückt von Westen ein Trog nach, dessen Achse am Abend Benelux und
Ostfrankreich erreicht. Vorderseitig gewinnt die sehr warme Luftmasse noch
einmal ordentlich Raum nach Norden und in 850 hPa erreichen die Werte am Mittag
zwischen 20°C an den Alpen und 12°C an der Waterkant. Der Bodendruck fällt im
Vergleich zum Vortag deutlich und eine bodennahe Rinne schwenkt von Westen her
herein. Mit dieser Rinne, der trogvorderseitigen Hebung und CAPE, das punktuell
schon mal über 1000 J/kg steigen soll, ist der Tisch für die erste
Schwergewitterlage gedeckt. In der Nacht sollten dann die Gewitter unter
Abschwächung nach Südosten ziehen.

In den Folgetagen gelangen wir dann in den Bereich eine mäandrierenden Westlage,
wobei sich die Frontalzone südwärts verlagert. Damit kommen wir wiederholt in
den Genuss von Hebungsprozessen und das Temperaturniveau geht etwas zurück.
Wiederholt dürfte es Regenfälle geben, teils in Form kräftiger Gewitter.
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Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs


Die Konsistenz des aktuellen IFS-Laufs mit seinen beiden Vorgängern ist bis
einschließlich Freitag hoch. Am Samstag war bei den beiden Vorgängern der zweite
Trog noch nicht zu sehen, dementsprechend auch nicht die Abkühlung im Norden und
die etwas erhöhte Gewittergefahr.
Den Wetterwechsel am Sonntag haben alle Läufe auf dem Programm: Beim gestrigen
00-UTC-Lauf war dieser aber mit einem allmählichen Abbau des Rückens und dem
Aufbau einer Westlage nicht so markant. Der gestrige 12-UTC-Lauf ließ dann einen
kräftigen Trog zu uns vorstoßen, der abtropfen sollte und ein Bodentief sollte
sich über dem Norden Deutschlands entwickeln. Im Vergleich dazu sieht die
Entwicklung des jüngsten Laufs wieder etwas weniger spektakulär aus.
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Vergleich mit anderen globalen Modellen


Die heute vorliegenden deterministischen Läufe zeigen bis einschließlich
kommenden Freitag eine hohe Übereinstimmung. Der Trog am Samstag wird von GFS in
stark abgeschwächter Form gezeigt, allerdings ohne deutlichen Temperaturrückgang
und auch nicht wetteraktiv. GEM, UK10 und ICON zeigen diesen Trog nicht.
UK10 wartet zum Ende des Vorhersagezeitraums am Sonntag, um 00 UTC mit einem
kräftigen Trog über Irland auf, der ein kräftiges Bodentief über
Nordwestdeutschland ausgelöst hat. Nach dieser Variante würde es schon in der
Nacht zum Sonntag krachen. GEM und ICON zeigen dagegen den Wetterwechsel am
Sonntag mit einem schwächeren Trog (ICON) bzw. der von Westen übergreifenden
recht glatten Frontalzone (GEM). Dies resultiert dann in der ersten Juniwoche in
einer zyklonalen Westlage.
GFS lässt dagegen in der Nacht zum Montag ein hochreichendes Tief in die Biskaya
ziehen. Zwar soll es auch nach GFS etwas unbeständiger werden, weil von
Nordwesten her auch bei uns etwas feuchtere Luft einsickert, allerdings soll
sich zum Dienstag ein kräftiges Höhenhoch von Südengland über den Ärmelkanal bis
Deutschland ausbilden.
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Bewertung der Ensemblevorhersagen


Das Ensemble des IFS verteilt sich im Zeitraum von Freitag, 00 UTC bis Sonntag,
00 UTC auf insgesamt 5 Cluster. Dabei sticht am Samstag vor allem C3 (immerhin
11 Mitglieder) hervor, bei dem zu diesem Zeitpunkt die Umstellung zu einer
Westlage schon erfolgt ist. Alle übrigen Cluster zeigen zu diesem Zeitpunkt noch
einen Rücken bei uns, allerdings mehr oder weniger stark ausgeprägt. Der oben
beschriebene Trog ist bei C2 (11 Mitglieder incl. Kontrolllauf) andeutungsweise
zu sehen. Am Sonntag ist C3 erwartungsgemäß immer noch bei der Westlage. Bei C1
und C5 (insgesamt 20 Mitglieder) gelangen wir am Sonntag auf die
Trogvorderseite, wie oben beschrieben. Bei C2 ist der Trog noch etwas weiter
weg, nach dieser Variante käme die Umstellung wohl erst in der Nacht zum Montag.
C4 (9 Mitglieder) simuliert einen schwächeren Trog, der wohl noch keine
Umstellung brächte.
In der erweiterten Mittelfrist werden nur noch 2 Cluster gebildet. C1 (33
Mitglieder) mit einer zyklonalen Westlage, C2 (18 Mitglieder) mit einer deutlich
antizyklonaleren Variante.

Die Rauchfahnen für verschiedene Städte Deutschlands zeigen bis Freitag sehr
stark gebündelte Kurven der Temperatur und des Geopotentials, wobei letzteres im
Verlauf schon etwas zurückgeht. Die Temperatur erfährt im Norden am Mittwoch
einen Dämpfer, der im Süden kaum zu sehen ist. Bis Freitag gibt es zudem kaum
Niederschlagssignale. Im Norden ist Delle beim Geopotential beim Hauptlauf am
Samstag zu sehen, die die Mehrheit des Ensembles nicht zeigt. Bei der Temperatur
ist die Delle deutlicher. Zum Sonntag und zur neuen Woche hin zeigt sich eine
allmähliche Abnahme von Geopotential und Temperatur (Frontdurchgang am
Sonntagabend ist im Süden und der Mitte deutlich zu sehen) bei gleichzeitig
deutlicher Zunahme der Streuung. Insgesamt soll es aber recht warm bleiben. Die
Niederschlagssignale nehmen ab Sonntag landesweit deutlich zu.

Bei den Rauchfahnen des GFS ist die Geopotentialdelle des IFS am Samstag nicht
zu finden. Zudem verzögert des GFS den Wetterwechsel im Vergleich zu IFS
deutlich. Die Niederschlagssignale nehmen erst ab Montag deutlich zu, zudem gibt
es noch viele Läufe mit hohem Potential und hoher Temperatur zu Beginn der
ersten Juniwoche. Erst danach scheint auch das GFS auf unbeständigeres und etwas
weniger warmes Wetter umzuschwenken.
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Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen


Der EFI zeigt im Mittelfristzeitraum keine Signale.

Am Mittwoch sorgt etwas CAPE im Süden und erzwungene Hebung an den Alpen für
etwas Gewitterpotential am Alpenrand. Dann kann es auch mal Hagel, Starkregen
und Sturmböen geben. Am Donnerstag sollten sich etwaige Gewitter auf den
inneralpinen Raum zurückziehen.

Am Samstag besteht nach IFS in der zweiten Tageshälfte Gewittergefahr in der
Südosthälfte. Auch dann wären einige markante Gewitter möglich, dies ist aber
aktuell eine Außenseiterlösung.

Wirklich interessant wird es erst nächsten Sonntag: Dann könnte zu nennenswertem
CAPE auch eine dynamische Entwicklung hinzukommen, mit Trogvorderseite und
Bodentief- oder Rinnenentwicklung. Dies ist aber noch unsicher. Im Fall einer
solchen Entwicklung darf man aber von einer Schwergewitterlage (Unwetter)
ausgehen.

Weitere Wettergefahren stehen nicht auf der Karte. Ggf. könnte aber zum nächsten
Wochenende die Thematik Hitze/Wärmebelastung aufkommen.
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Basis für Mittelfristvorhersage
MOS-MIX, IFS-EPS - Trogdurchgang am kommenden Samstag erscheint nach Durchsicht
der Modelle allerdings unwahrscheinlich.
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VBZ Offenbach / Dipl.-Met. Peter Hartmann