DWD Synoptische Übersicht Mittelfrist

20-05-2026 10:01

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Mittwoch, den 20.05.2026 um 10.30 UTC



Überwiegend ruhiges Hochdruckwetter. Sehr warm, gebietsweise heiß.
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Synoptische Entwicklung bis zum Mittwoch, den 27.05.2026


Zu Beginn der Mittelfrist am Samstag wird der von Südwest-/Westeuropa in
Richtung westliches Mitteleuropa gerichtete Keil im Norden durch einen
Kurzwellentrog abgeflacht. Am Boden ist leichter Hochdruckeinfluss wirksam, das
gesamte Hochdruckgebiet erstreckt sich aber über weite Teile Europas, der
Schwerpunkt des Hochs liegt dabei zunähst im Bereich Tschechien. Über Nordeuropa
befinden sich eher kurzwellige Tröge und tiefer Luftdruck, das Frontensystem
eines Tiefs schleift im Zusammenhang mit dem genannten Kurzwellentrog dann auch
die nördlichen Landesteile. Mit Durchschwenken des Troges bildet sich ein neuer
Hochschwerpunkt im Bereich der Britischen Inseln/südlichen Nordsee. Die
Wetterwirksamkeit der genannten Front ist eher gering. Zeitweise ziehen
Wolkenfelder durch, mit Ausnahme des Nordens und Nordostens sind das überwiegend
hohe Wolkenfelder, im Bergland vielleicht hier und da ein paar harmlose
Quellwolken. Vereinzelt kann im Norden oder eventuell auch im östlichen Bergland
ein Schauer nicht ausgeschlossen werden, Gewitterrisiko sehr gering. Ein
bisschen CAPE wird simuliert, ganz im Norden im KW-Trog-Umfeld etwas Scherung,
Auslösetemperatur grenzwertig - meist dürfte es aber an Hebungsimpulsen fehlen
und daher meist trocken bleiben. Die eingesickerte subtropische Luftmasse weist
850 hPa-Temperaturen meist zwischen 10 Grad im Norden und knapp 15 Grad im
Südwesten auf. Somit stehen mit viel Sonnenschein vor allem in den
südwestlichen/westlichen Landesteilen Tageshöchstwerten teils etwas über 30 Grad
auf dem Programm.

Am Sonntag dominieren Hochkeil und Bodenhoch das Wettergeschehen im ganzen Land.
Etwas Restfeuchte ist noch ganz im Norden und Nordosten und eventuell von der am
Samstag angesprochenen "Restfront" von der Mitte bis in Südosten zu finden. Ein
paar harmlose Wolkenfelder sind daher nicht ganz ausgeschlossen, aufgrund des
dominierenden Absinkens scheint aber insgesamt überwiegend die Sonne. EZ rechnet
über der Mitte sogar geringe Niederschläge, die unter dem Hochschwerpunkt aber
sehr unwahrscheinlich erscheinen. Das Temperaturniveau mit 850 hPa-Temperaturen
und viel Sonnenschein bleibt hoch und teils sommerlich heiß.

Am Montag deutet alles auf störungsfreies Hochdruckwetter. Der Hochschwerpunkt
befindet sich bei den Britischen Inseln und der südlichen Nordsee. Abgesehen von
ein paar harmlosen Quellwolken über dem südlichen Bergland viel Sonnenschein.
Unter Absinken sich noch etwas weiter erwärmende Luftmasse, im Südwesten teils
über 15 Grad in 850 hPa. Daher vor allem in der Süd-/Südwesthälfte weiterhin
Höchsttemperaturen über 30 Grad.

Am Dienstag und Mittwoch verlagert sich der Hochschwerpunkt leicht nach
West-/Nordwest. Durch die Austrogung über Nordosteuropa wird auch die Keilachse
allmählich westwärts verschoben. Mit dem Trog dreht die Strömung zunehmend auf
nördliche/teils nordöstliche Richtungen, so dass die warmen Luftmassen im
Nordosten und Osten zunehmend durch kühlere Luftmassen ersetzt werden. Die 850
hPa-Temperaturen gehen bis Mittwoch über der Mitte auf 5 bis 10 Grad zurück, im
Osten teils auch auf 2 bis 5 Grad. Die Höchsttemperaturen dürften daher
insbesondere im Osten/Nordosten geringer ausfallen als zuvor, im MOS ist das
allerdings noch nicht wirklich zu beobachten. Die von Nordost einströmende
Luftmasse ist eher kontinental geprägt und daher recht trocken. In wie weit
Hebungsimpulse vorhanden sind, bleibt abzuwarten, theoretisch könnte aber
insbesondere der Osten in den Bereich trogvorderseitiger Hebung gelangen (auch
der Jet wird über dem Osten bzw. dem angrenzenden Polen simuliert). Das
Gewitterrisiko steigt also vor allem im östlichen Bergland und im (östlichen)
Alpenraum tendenziell etwas an, als limitierender Faktor deutet sich aber der
geringe Feuchtegehalt der Luftmasse an.

In der erweiterten Mittelfrist spricht einiges für ein weiterhin recht hohes
Temperaturniveau. Neben weiterhin dominierendem Hochdruckeinfluss (aktuellster
IFS-Lauf) gibt es auch Lösungen mit Druckfall und leicht zyklonalem Gepräge
(z.B. flache Tiefdruckrinne Osten/Südosten und/oder einem potenziellen Höhentief
über Frankreich, gestriger 12 UTC-Lauf). Warten wir es ab...
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Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs


Die Konsistenz ist zu Beginn der Mittelfrist nicht ganz so gut. Der gestrige 00
UTC-Hauptlauf des EZMW zeigte ein doch recht markantes Höhentief im Laufe des
Pfingstwochenendes. Diese Entwicklung war bereits gestern aber alles andere als
sicher, auch andere Globalmodelle hatten das nicht im Programm. Die neueren
Modellläufe des EZMW rudern diesbezüglich nun wieder zurück. Nachfolgend ist die
Konsistenz recht gut. Zum Ende der Mittelfrist und in der erweiterten
Mittelfrist werden die Unsicherheiten wieder größer und zeigen ein recht breites
Spektrum möglicher Entwicklungen mi tendenziell eher leichtem Druckfall und
damit eher leicht ansteigendem Gewitterpotenzial.
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Vergleich mit anderen globalen Modellen


Auch andere Globalmodelle folgen dem aktuellen IFS-Lauf. Das gestern anvisierte
Höhentief am Pfingstwochenende ist nicht zu finden, teilweise aber auch der
angesprochene, streifende Kurzwellentrog im Norden/Nordosten. Nachfolgend wird
allgemein auf Hochdruckeinfluss und sommerliches Temperaturniveau gesetzt. Ab
Dienstag/Mittwoch nehmen die Differenzen der aktuellen Läufe zu, UK10 geht eher
mit IFS mit und zeigt die Verschiebung der Keilachse nach Westen und damit
tendenziell zyklonalen Einfluss sowie zurückgehende Temperaturen im Nordosten
und Osten. ICON und GFS hingegen setzen noch weitgehend auf den Fortbestand des
hochdruckdominierten Wetters.
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Bewertung der Ensemblevorhersagen


Zu Beginn der Mittelfrist am Samstag (von Samstag 00 UTC bis Sonntag 00 UTC, +72
bis + 96 h) zeigt die Clusteranalyse des EZMW einen einzigen Cluster. Daher kann
die Entwicklung mit dem durchschwenkenden Kurzwellentrog im Norden und sonst im
Wesentlichen störungsfreiem Hochdruckwetter als recht sicher angesehen werden.
Die Idee mit dem Höhentief am Sonntag scheint völlig verworfen. Im Folgezeitraum
von Montag 00 UTC bis Mittwoch 00 UTC (+120 bis + 168 h) werden drei Cluster
gezeigt. Der Kontrolllauf befindet sich in Cluster 3 und zeigt die markanteste
bzw. westlichste Variante des Nordosteuropa-Höhentroges. Insgesamt werden nahezu
alle Cluster und Zeitschritte dem "Blocking" zugeordnet, Cluster 3 mit insgesamt
16 Membern zum Ende hin dem Regime "Atlantic Ridge", da eben die Keilachse
westlicher liegt. Eine Fortsetzung des antizyklonal dominierten Wetters ist
somit wahrscheinlich. Die erweiterte Mittelfrist ab Donnerstag 00 UTC (+192 h)
wartet mit zwei Clustern (27 bzw. 24 Member, Kontrolllauf in Cluster 2) auf.
Cluster 1 zeigt das Regime "Atlantic Ridge", Cluster 2 "Blocking". Für die
Wetterentwicklung würde Cluster 1 auf zunehmend zyklonalen Einfluss von
Nord/Nordost her hindeuten, die Keilachse liegt westlich unseres
Vorhersagegebietes. Auch bei Cluster 2 liegt die Achse westlich von uns,
allerdings ist die Strömung bei uns weiterhin eher antizyklonal konturiert.

Die Rauchfahnen sind bis einschließlich Sonntag ziemlich gut gebündelt, auf
hohem Niveau in puncto Geopotenzial in 500 hPa und Temperatur in 850 hPa.
Nachfolgend weitet sich der Spread, die Mehrzahl der Member bleibt aber auf
einem eher hohen Geopotenzialniveau, bei der Temperatur ist da Bild diffuser.
Niederschlagssignale sind im gesamten Mittelfristzeitraum recht spärlich.
Geringe Signale mit dem Kurzwellentrog vor allem am Samstag im Norden, dann ab
Dienstag/Mittwoch Signale von Einzelmembern.

Fazit:
Weitgehend hochdruckdominiertes, überwiegend störungsfreies Wetter im gesamten
Mittelfristzeitraum. Sommerliches Temperaturniveau. Fortsetzung in der
erweiterten Mittelfrist möglich, aber etwas unsicher.
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Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen


Von den sommerlichen, teils heißen Temperaturen abgesehen, deuten sich zunächst
keine markanten Wetterereignisse an. Auch der EFI zeigt hier Signale für eine
positive Abweichung der Höchsttemperaturen gegenüber dem langjährigen Mittel.

Zum Ende der Mittelfrist steigt voraussichtlich vor allem im östlichen Bergland
bzw. im Alpenraum allmählich das Gewitterrisiko. Aktuell deuten sich aber eher
vom Bergland ausgehende, eher lokale Ereignisse an. Wenn überhaupt - siehe oben
angesprochener, wahrscheinlich recht geringer Feuchtegehalt der Luftmasse.
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Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-EPS, MOS-Mix
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VBZ Offenbach / Dipl. Met. Sabine Krüger