DWD Synoptische Übersicht Mittelfrist

02-05-2026 10:30

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Samstag, den 02.05.2026 um 10.30 UTC



Wechselhaft, kühl bis mäßig warm. Dienstag und Mittwoch über der nördlichen
Mitte regional Stark- oder Dauerregen, im Süden kräftige Schauer und Gewitter.
In den Nächten im Norden regional leichter Frost in Bodennähe.
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Synoptische Entwicklung bis zum Samstag, den 09.05.2026


Bevor wir uns heute mit der aktuellen Mittelfrist beschäftigen (Dienstag, der 5
Mai bis Samstag, der 09. Mai 2026) wagen wir, anknüpfend an den zuletzt
verfassten Winterrückblick 2025/26, einen kurzen Ausblick auf den Sommer 2026
mit Blick auf die treibenden Kräfte. Sollte nur die uns betreffende aktuelle
Mittelfrist von Interesse sein, dann kann der folgende Abschnitt übersprungen
werden.

Nach der Ende März aufgetretenen dynamisch angetriebenen finalen
Stratosphärenerwärmung ist deren Abdruck im Geopotenzialfeld (zonal
gemittelt/normalisierte Geopotenzialanomalie) weiterhin innerhalb der
Troposphäre auszumachen. Allerdings haben die jüngsten Tage gezeigt, dass die
Numerik ihre Probleme hat, wie lange dieser "Nachhall" nun noch wirklich
andauern soll. Nach dem letzten Stand sollte sich bis zur Monatsmitte ein
erneuter "Puls" ausbilden, der die zonal gemittelten Zonalwinde auch innerhalb
der Troposphäre erneut abschwächt. Diese Entwicklung kann im Zeit-Längendiagramm
des IFS-ENS (Geopotenzialanomalien) schön nachvollzogen werden, da sich nun ein
recht stationäres Wellenmuster mit 5 Amplituden bzw. Wellenzahl 5
(Nordhemisphäre) etabliert. Dieses Muster ist im nordatlantischen/europäischen
Sektor nahezu um 180 Grad zum bisherigen Muster verschoben, was nun die
Blockierung von Skandinavien in Richtung Nordatlantik verschiebt. Somit kann
sich ein nach Europa ausweitender Langwellentrog nun erstmal bei uns festsetzen.
Dies zeigt die Problematik mit den Auswirkungen/Nachwirkungen des Polarwirbels
in der Stratosphäre, da häufig unsicher ist, wo genau die Blockierung ansetzt
(abseits statistisch nennenswerter Schwerpunkte des wiederholten Auftretens).
Mit diesem "Nachhall" haben wir noch bis weit in den Mai zu agieren, wenngleich
dessen Auswirkungen nun immer weiter nachlassen und u.a. von
synoptisch-dynamischen bzw. tropischen Vorgängen überlagert werden. Dennoch kann
mit diesem "background" die Entwicklung sommerlicher Blockierungslagen angeregt
werden (und die Häufigkeitsverteilung der unterschiedlichen Wetterregime im
IFS-ENS heben in Richtung Juni wieder eine Dominanz der Blockierung hervor).

Dieser "Stratosphärenweg" der Telekonnektion verliert nun weiter an Einfluss,
während der tropische für diesen Sommer nun zügig und nachhaltig an Bedeutung
gewinnt. Das große Thema ist der sich entwickelnde El Nino im östlichen
Nordpazifik. Zwar befinden wir uns noch in der prognostisch ungünstigen Zeit der
"spring predictability barrier", einer Phase, wo die numerische Vorhersagegüte
mit Blick auf die Vorhersage der El Nino-Southern Oszillation vergleichsweise
unsicher/fehleranfällig ausfällt. Doch die Zeichen (u.a. in den tropischen
Gewässern des Pazifiks) mehren sich, dass sich im Verlauf diesen Jahres ein
kräftiger El Nino entwickeln dürfte. Wenngleich sich die positive Oszillation
nun erst entwickelt, so nehmen die Anzeichen eines zumindest kräftigen
Ereignisses stetig zu.

Wenngleich die Auswirkungen dieser Anomalie mehr im asiatischen,
indo-pazifischen und amerikanischen Sektor deutlich zu spüren sein dürften, so
sorgt diese Entwicklung auch global durch Fernwirkung für Einflüsse weit abseits
des Geschehens und daher auch bei uns. Durch den raschen Aufbau der Anomalie mit
großer Amplitude können daher bereits in diesem Sommer trotz einer
jahreszeiten-typischen Schwächephase des Rossby-Wellen-Dynamik auch im
europäischen Sektor Fernwirkungen auftreten.
Die Art der Fernwirkung hängt allerdings sehr stark von der zeitlichen
Entwicklung des El Nino ab, wo dessen Schwerpunkt sein wird, wir kräftig dieser
ausfällt und wie der daraus resultierende Rossby-Wellenzug mit anderen
tropischen und außertropischen Zirkulationen interagiert. Diese Entwicklung
heißt es in den kommenden Monaten im Auge zu behalten und beschreibt den
tropischen Weg (z.B. über die Karibik in das sich nun bald etablierende
Sommer-Ostatlantik (SOA) Muster mündend). Die Frage wird sein, welcher Antrieb
dominieren wird - eher die NAO, oder über tropischem Weg die SOA. Mit den
Anzeichen eines sich rasch und markant entwickelnden El Ninos wäre aus ähnlichen
(zeitlichen) Verläufen eine dominierende negative Geopotenzialanomalie vor
Westeuropa zu erwarten mit positiven Anomaliewerten über Ost/Nordosteuropa.
Einhergehend wäre es über Südeuropa zu nass mit zu trockenen Verhältnissen von
Mittel- bis Osteuropa mit insgesamt häufig positiven Temperaturanomalien dank
der dominant südwestlichen bis südlichen Strömung.

All dies hebt für diesen Sommer die Blockierungstendenz besonders für das
östliche Mitteleuropa/Osteuropa etwas stärker hervor, sei es durch häufig nach
Europa ausgreifende warme Förderbänder peripher der negativen
Geopotenzialanomalie (negative PV Bildung und Advektion in eine Antizyklone),
oder durch einen Art feedback der aktuell bereits teils zu trockenen
Verhältnisse in Skandinavien/Osteuropa (fehlende Verdunstung erhöht sensible
Wärmeflüsse) oder aber ggf. auch durch den Nachhall der dynamischen finalen
Erwärmung aus der Stratosphäre. Diese Konstellation wäre wiederum für uns im
Übergangsbereich der dominanten Geopotenzialzentren liegend ein guter Nährboden
für gewitter- und starkregenträchtige Lagen, letzteres ggf. auch durch in die
Blockierung hineinlaufende Abtropfprozesse forciert, allerdings abhängig davon,
wie weit nach Westen die Blockierung ausgreifen kann.

All dies sind aber nur Tendenzen, die von der nun stattfindenden Entwicklung im
östlichen Nordpazifik abhängen und in den kommenden Wochen weiter angepasst
werden müssen (auch mit Blick auf die Entwicklung der marinen Hitzewelle vor dem
Südwesten der USA, die aktuell den Ostpazifik großflächig aufheizt).


AKTUELLE MITTELFRIST:

Die Mittelfrist beginnt nach langer Zeit mal wieder mit den Warnelementen
"Starkregen". Eine in der Höhe von leicht antizyklonalen Verhältnissen
überlagerte und von Polen nach Deutschland reichende Bodentiefdruckrinne ist
gefüllt mit einer labil geschichteten und feuchten Luftmasse. Der Feuchtegehalt
ist nicht überbordend, liegt aber etwas oberhalb der Hintergrundklimatologie und
wird auch im EFI CAPE mit geringen positiven Abweichungen (indirekt)
hervorgehoben. Die diffuse Front mit einer thermisch beding verstärkten
frontalen Querzirkulation dürften am Dienstag in einem breiten Streifen über der
Mitte für eine Mischung aus regional länger anhaltendem (mehrstündigen)
Starkregen und Schauern/einzelnen Gewittern gut sein, während vom Südrand der
Front in den Warmsektor über Süddeutschland reichend sowohl am Dienstag wie auch
am Mittwoch eher die dem Tagesgang folgende Konvektion in Form teils kräftiger
Schauer und Gewitter dominiert. Die peripher der schleifenden Front teils länger
anhaltenden Regenfälle dauern auch die Nacht zum Mittwoch und Mittwoch tagsüber
weiter an, wenngleich die Intensitäten beim Niederschlag allmählich nachlassen.
Aus heutiger Sicht legt EZ (inklusive dem Gros der Numerik) die
Hauptniederschläge über die nördliche Mitte (Nordhessen, südliches Niedersachsen
bis nach Sachsen-Anhalt und Thüringen), wo 24-36 std. (bei noch zeitlich
variablen Schwerpunkten) Niederschlagsmengen von 30 bis 50 l/qm zu erwarten sind
(bei noch eher schwachen/diffusen Signalen innerhalb der EPS Verfahren). Sonst
fallen die Flächenmittel geringer aus, im äußersten Norden bleibt es gar
trocken. Und ja, einige Member in den Ensembles zeigen im oberen Bergland der
östlichen zentralen Mittelgebirge gar etwas Neuschnee (Mittwoch zum Donnerstag).

In der Nacht zum Donnerstag wird aus heutiger Sicht eine aktive Wellenpassage
mit kräftigen Niederschlägen hervorgehoben, inwieweit sich das jedoch noch
weiter nach Osten verschiebt bleibt abzuwarten.

Ab Donnerstag setzt sich dann vorübergehend Zwischenhocheinfluss durch, der nach
einem trüben Start in den Tag mit einigen Schauern entlang der Orografie in der
Folge meist freundliches und trockenes Wetter zur Folge hat, bevor zum Freitag
und Samstag von Südwesten das Schauer- und Gewitterrisiko wieder zunimmt.

Die Höchstwerte liegen am Dienstag über der nördlichen Mitte bei viel Nass
zwischen 10 und 13 Grad, sonst im Norden um 15 Grad und im Süden zwischen 16 und
22 Grad. Zum Mittwoch sorgt zunehmende KLA am Nordrand des skaligen
Niederschlaggebietes für teils einstellige Maxima im Regen, während sonst im
Norden bis 15 Grad, im Süden 15 bis 19 Grad zu erwarten sind. In der Folge kommt
es dann deutschlandweit zu einem allmählichen Erwärmungstrend auf mäßig warme 17
bis 22 Grad.

Die Minima liegen im Süden und Westen meist zwischen 10 und 4 Grad und im Norden
zwischen 6 und 1 Grad (örtlich Luftfrost nicht ausgeschlossen). Regional ist
zudem im Norden/Nordosten leichter Frost in Bodennähe möglich.

Der von Südwest über Nord bis Ost drehende Bodenwind spielt warntechnisch keine
Rolle (abseits konvektiver Umlagerungen).

In der erweiterten Mittelfrist verbleiben wir auf der Trogvorderseite, sodass
die mäßig warme und wechselhafte Witterung andauert, während sich derweilen über
dem östlichen Mittelmeer eine kräftige Hitzewelle andeutet.
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Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs


Die Mittelfrist wird innerhalb der jüngsten Modellläufe von EZ durchweg von
einem stationären Langwellentrog beeinflusst, dessen Hauptenergie über die
Biskaya nach Südwesten vorstößt und uns im Verlauf der Mittelfrist mit
zahlreichen Wellen geringer Amplitude beeinflusst. Daher verwundert auch nicht,
dass die anfangs (Dienstag/Mittwoch) noch gute Übereinstimmung der jüngsten
EZ-Läufe im Verlauf rasch aufweicht, mit einer Zunahme der Unsicherheiten (vor
allem mit Blick auf die Entwicklung des Langwellentroges westlich von uns mit
der Frage, ab wann und ob dieser endgültig nach Osten schwenkt). Mit dem
Durchschwenken eines erstes Troganteils gestaltet sich der erste Teil der
Mittelfrist bis Donnerstag im Zusammenspiel mit einer bei uns schleifenden Front
sehr wechselhaft, bevor sich in der Folge vorübergehend hohes Geopotenzial
wetterberuhigend auswirkt. Da wir aber weiterhin stromab des Haupttroges liegen,
wird es nicht lange dauern, bis erneut labile Luftmassen von Südwesten auf
Deutschland übergreifen.
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Vergleich mit anderen globalen Modellen


Auch bei den anderen Globalmodellen ergibt sich im Vergleich zu EZ ein homogenes
Bild (sicher beginnend, dann rasch unsicherer werdend), wobei zum Ende der
Mittelfrist nur EZ und ICON den Langwellentrog recht übereinstimmend mit seiner
Achse über Nordwest-/Westeuropa sehen. Bei allen Modellen verbleiben wir
durchweg auf der Trogvorderseite und werden durch die Passage zahlreicher
kurzwelliger Anteile beeinflusst.
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Bewertung der Ensemblevorhersagen


Die Clusteranalyse beginnt am Dienstag mit einem Cluster und mit dem
klimatologischen Regime eines "Atlantikrückens". Deutschland befindet sich dabei
in einer eher gradientarmen südwestlichen Höhenströmung. Das für uns an dem Tag
warnrelevante Element (eine schleifende Bodenfront) wird hier natürlich nicht
erfasst. Ein Abgleich der probabilistischen Frontenprognose im IFS-ENS konnte
wegen technischer Probleme nicht durchgeführt werden.

Auch in weiterer Folge (Mittwoch bis Freitag) wird nur ein Cluster angeboten
(positive NAO), wobei das einzig Progressive die den Langwellentrog ost-,
nordostwärts ablaufenden kurzwelligen Anteile sind. Ansonsten verbleiben wir
durchweg stromab der Trogachse in einer gradientarmen südwestlichen
Höhenströmung.

Innerhalb der erweiterten Mittelfrist werden zwei Cluster angeboten, der erste
mit dem klimat. Regime der positiven NAO, der zweite mit wechselnden
Regime-Prognosen (dominant blockierend). Die größte Diskrepanz ergibt sich aber
bei der Geometrie des Keils über dem Nordostatlantik und der stromab noch etwas
unsicheren Lage des Langwellentroges bzw. wie kompakt dieser dort verbleibt. Im
zweiten Cluster erfolgt ein Aufspalten in einen kurzwelligen/progressiveren
Anteil, der in Richtung Ostsee driftet und einen Abtropfprozess über
Südwesteuropa, während der erste Cluster den Trog kompakt über
Nordwest-/Westeuropa belässt. Wir würden bei beiden Optionen entweder in einer
südwestlichen oder eher westlichen und leicht wechselhaften Höhenströmung
verbleiben. In der Folge nehmen die Unsicherheiten weiter rasch zu.

Auch die Meteogramme zeigen diesen kühlen, teils auch sehr kühlen Abschnitt zur
Wochenmitte mit einer zögernden Milderung in der Folge und das bei einer
insgesamt wechselhaften Witterung (mit einer vorübergehend antizyklonal
geprägten Phase zum Donnerstag/Freitag).

Die Rauchfahnen beim 500 hPa Geopotenzial zeigen eng gebündelt den Abfall zur
Wochenmitte mit einem zögernden Anstieg in der Folge, dann allerdings mit einer
deutlichen Aufspreizung der Einzelmember. Dies hebt die Unsicherheit hervor, wie
genau/ob der Trog zeitweise in kurzwellige Komponenten fragmentiert, bevor er
sich wieder regeneriert. Der Kontrolllauf ist dabei recht gut in die Memberschar
eingebettet. Bei der Rauchfahne in 850 hPa wird die Abkühlung zur Wochenmitte
besonders im Norden bis zur Mitte im Kontrolllauf teils am unteren Rand der
Memberschar gezeigt, bevor in der Folge die meisten Modelle eine Milderung
unterstützen. Die Streuung der Einzelmember nimmt zwar zu, der Großteil stützt
aber eine erneute Trogvorderseite.

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Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen


Markante Wettergefahren fallen überschaubar aus und beschränken sich beim
Niederschlag am Dienstag und Mittwoch entweder auf mehrere regional begrenzte
mehrstündige Starkregen-, oder ein die nördliche Mitte betreffendes markantes
Dauerregenereignis. Überschaubare Dynamik und Feuchteanomalien sollten dieses
Ereignis allerdings überwiegend im markanten Bereich belassen. Zeitweise
konvektiv verstärkte Phasen bzw. die Front ostwärts ablaufende Kurzwellen (mit
lokaler Unwettergefahr "Starkregen") lassen sich hier noch nicht herausarbeiten.


Markant fällt ebenfalls der Starkregen bei den teils kräftigen Schauern und
Gewittern aus, die südlich der Luftmassengrenze entstehen. Lokal sind hier
unwetterartige Mengen um 25 l/qm/h nicht ausgeschlossen (neben Hagel und
markanten Böen).
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Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-ENS, GEFS, MOSMIX mit Modifikationen
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VBZ Offenbach / Dipl. Met. Helge Tuschy