DWD Synoptische Übersicht Kurzfrist

02-05-2026 08:01
SXEU31 DWAV 020800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Samstag, den 02.05.2026 um 08 UTC


GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL SWa
Heute im Westen, morgen im Nordwesten und Norden und im Südwesten teils starke
Gewitter mit Sturmböen und Hagel. Am Montag Ausbildung einer zonalen
Luftmassengrenze über der Mitte mit Gefahr von Starkregen ab der Nacht auf
Dienstag.

Synoptische Entwicklung bis Montag 24 UTC
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Samstag... bekommt das Hochdruckbollwerk der letzten Tage erste Risse. Blickt
man auf die aktuelle Situation, erkennt man an der Westflanke des stark
amplifizierten Höhenkeils eine erste Delle. Entlang eines kurzwelligen
Troganteils haben sich in der Nacht einzelne Gewitter über Ostfrankreich
gehalten, die in den Morgenstunden jedoch erst einmal wieder zusammenfallen.

Der Höhenkeil, dessen Achse sich derzeit von den Alpen über Berlin bis zum
Baltikum erstreckt, verlagert im Tagesverlauf seinen Schwerpunkt ganz langsam
etwas nach Osten, wobei dies im nördlichen Teil schneller geschieht. Dadurch
richtet sich die Achse etwas zonaler aus. In der Folge gelangt Deutschland
zunehmend in eine südwestliche Höhenströmung, mit der ein Schwall Sommerluft
herangeführt wird. Damit steigen die 850-hPa-Temperaturen auf über 10 Grad an.
Das Ergebnis sind Höchstwerte im Sommerbereich zwischen 25 und 29 Grad - vom
höheren Bergland und den Küstenregionen einmal abgesehen.

Seit Langem rückt erstmals wieder das Warnkriterium Gewitter in den Fokus. Der
zuvor angesprochene kurzwellige Troganteil schiebt sich an der Ostflanke des
Hochkeils noch etwas nach Nordosten und sorgt mit Hebungsimpulsen auch im Westen
und Nordwesten Deutschlands für Einfluss. An der Tendenz der spezifischen
Feuchte erkennt man eine deutliche Anfeuchtung der Grenzschicht. In der
Überlappung mit erhöhten Lapse Rates können sich CAPE-Werte zwischen 300 und 700
J/kg aufbauen. Zudem lässt sich im Bodenfeld eine flache Tiefdruckrinne
erkennen.

Darin eingebettet können sich ab den Nachmittagsstunden in den westlichen
Landesteilen - auch gestützt durch die Orographie - erste Gewitter bilden. Diese
greifen in der Folge auch auf das Flachland über. Aufgrund des eher moderaten
Forcings bleibt es jedoch bei nur einzelnen Entwicklungen.
Ein Blick auf die Profile zeigt, dass diese in den unteren Schichten relativ
trocken sind. Zudem ist die Scherung in den unteren 2 km zumindest moderat (etwa
20 kn). Auch die UH-Tracks springen im Maximum des ICON-D2-EPS vereinzelt an.
Einzelne besser organisierte Zellen sind also durchaus denkbar.

Neben Sturmböen kann es auch Hagel bis etwa 2 cm geben. Starkregen dürfte keine
große Rolle spielen, Mengen bis 20 l/qm sind jedoch möglich. Beim Wind zeigen
einzelne ICON-D2-Läufe bei stärkeren Entwicklungen auch Böen bis Bft 10, die
somit nicht ausgeschlossen sind.

Auch allgemein frischt der Wind im Tagesverlauf vor allem in der Nordwesthälfte
böig auf. Warnschwellen werden außerhalb der Konvektion aber voraussichtlich
nicht überschritten.

Am Abend fallen die Gewitter rasch in sich zusammen, auch weil der kurzwellige
Anteil nordostwärts abzieht und sich der Rücken wieder etwas verstärkt. Ganz im
Nordwesten kann es in Nähe zur Kaltfront noch schauerartige Niederschläge geben.
Ansonsten ziehen in der Nordwesthälfte einige Wolkenfelder durch, und die Nacht
verläuft vor allem in den Leegebieten (Süd- bis Ostwind) recht mild. Zum Teil
gehen die Werte nicht unter 15 Grad zurück. In der Südosthälfte ist der Wind
deutlich schwächer; bei trockenerer Luft kann die Temperatur dort stärker
absinken. Das gilt vor allem für den Südosten, wo erneut Frost in Bodennähe
auftreten kann.

Sonntag... verläuft die Höhenströmung noch weitgehend antizyklonal und die
Kaltfront wird vorübergehend wieder etwas nach Norden gedrückt. In der
Südosthälfte liegen die 850-hPa-Temperaturen weiterhin über 10 Grad, im
äußersten Südosten sogar über 15 Grad. Damit kann - abgesehen vom bereits
stärker bewölkten Westen und Nordwesten - erneut verbreitet ein Sommertag mit
Maxima über 25 Grad erwartet werden. Für Brandenburg deutet MOS sogar den ersten
Hitzetag des Jahres 2026 an; dafür wäre allerdings eine ausgeprägte Überadiabate
erforderlich.
Der Wind lebt im Tagesverlauf vor allem in der Nordwesthälfte wieder deutlich
auf und kommt aus Süd bis Südwest. In exponierten Lagen, insbesondere in
Rheinland-Pfalz, sind einzelne Windböen bis Bft 7 möglich, wie ICON-D2 und MOS
andeuten.
Im Laufe des Nachmittags wird die Höhenströmung zunehmend neutral, der Höhenkeil
wird nach Südosten gedrückt und die Kaltfront nähert sich erneut an. Vor allem
im Nordwesten kommt es zu einer deutlichen Anfeuchtung (Tendenz der spezifischen
Feuchte). Bei weiterhin labiler Schichtung werden erneut 300 bis 700 J/kg
simuliert, die sich im weiteren Verlauf ostwärts bis nach Mecklenburg-Vorpommern
ausweiten.
Die daraus entstehenden Gewitter richten sich relativ parallel zu ihrer
Organisationsform aus, sodass bei PPW-Werten um 30 mm der Starkregen etwas mehr
in den Vordergrund rückt. Mengen bis etwa 25 l/qm sind durchaus möglich.
Gleichzeitig ist die Grundschicht nicht mehr ganz so trocken, sodass der Wind
etwas weniger relevant wird - stürmische Böen sind aber weiterhin möglich. Das
gilt insbesondere weiter östlich, wo in Mecklenburg-Vorpommern die DCAPE-Werte
wieder deutlich ansteigen. Dort kann es erneut zu Sturmböen kommen.
Zudem ist die Scherung leicht erhöht, was im ICON-D2 wieder einzelne besser
organisierte Zellen (siehe UH-Tracks) begünstigt. Damit ist auch wieder Hagel
bis etwa 2 cm möglich.
Im Tagesverlauf nähert sich von Südwesten ein kurzwelliger Troganteil, der
nordostwärts zieht. Dadurch werden auch im Südwesten - vor allem rund um den
Schwarzwald - Gewittersignale simuliert. Dort ist die Grundschicht
vergleichsweise deutlich trockener, zudem ist auch hier etwas Scherung
vorhanden. Während Starkregen eher kein größeres Problem darstellt, sollte auf
Hagel (um 2 cm) und (schwere) Sturmböen geachtet werden.
In der Nacht zum Montag lassen Schauer und Gewitter im Südwesten nach. Mit
zunehmender Zyklonalität und etwas MUCAPE kann es vor allem an den Alpen noch
einzelne Entwicklungen geben. Im Norden bleibt es im Bereich der näherkommenden
Kaltfront bei schauerartigen Niederschlägen; Gewitter werden seltener, und auch
das Starkregenpotenzial nimmt ab.


Montag... rückt die Kaltfront schleichend südwärts voran, ist aber bereits
antizyklonal überlaufen (Bodenhochkeil über der Nordsee. Präfrontal liegt
weiterhin feuchtlabile Luft, sodass über der nördlichen Mitte etwas CAPE
aufgebaut wird. Im Bereich einer präfrontalen, zonal ausgerichteten flachen
Tiefdruckrinne können sich im Tagesverlauf schauerartige Niederschläge und
einzelne Gewitter entwickeln.

Die Höhenwinde im Bereich der Rinne sind bis etwa 5 km Höhe eher schwach, sodass
vor allem Starkregen als Begleiterscheinung in Frage kommt. Bei PPW-Werten bis
25 mm sind jedoch eher nur markante Mengen zu erwarten.

Im Südwesten zeigt sich ein Feuchtemaximum, sodass die meisten Modelle dort
etwas flächigeren Regen simulieren - lediglich das ECMWF deutet deutlich weniger
an. Antizyklonal geprägt und mit längerem Sonnenschein ist es dagegen im
Südosten und in Richtung Lausitz; dort wird nochmals ein Sommertag erwartet. Im
Norden bleiben die Temperaturen postfrontal unter 20 Grad. Böig zeigt sich der
Wind vor allem im Nordosten aus Nordwest. Auflandig sind auf Rügen einzelne
Windböen nicht ausgeschlossen.

In der Nacht zum Dienstag kommt die Kaltfront kaum noch südwärts voran.
Präfrontal kann sich über der Mitte Deutschlands die Tiefdruckrinne weiter
ausbilden, sodass von NRW bis nach Brandenburg und Berlin wiederholt
Niederschläge auftreten. Mit etwas MUCAPE können diese schauerartig verstärkt
sein (Gewitter eher unwahrscheinlich), sodass lokal auch Starkregen möglich ist
- wie es die deutsche Modellkette punktuell andeutet. Die markante Warnschwelle
dürfte jedoch meist nicht erreicht werden.

Im Norden strömt postfrontal in Bodennähe deutlich trockenere Luft ein, und es
kommt zu größeren Auflockerungen. In diesen Bereichen geht die Temperatur rasch
zurück, sodass bei schwachem Wind vereinzelt auch Frost in Bodennähe auftreten
kann. Weiter südlich bleibt es deutlich milder mit teils zweistelligen
Tiefstwerten.

Modellvergleich und -einschätzung
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Die Modelle zeigen im kurzfristigen Vorhersagebereich eine gute Konsistenz.
Unterschiede bestehen vor allem in der Regionalisierung sowie in der Frage nach
der Ausbildung besser organisierter Gewitterzellen.


Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Marcus Beyer