DWD Synoptische Übersicht Mittelfrist

26-04-2026 09:30

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Sonntag, den 26.04.2026 um 10.30 UTC



Unter Hochdruckeinfluss hält die Trockenheit weiter an.
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Synoptische Entwicklung bis zum Sonntag, den 03.05.2026


Zu Beginn der Mittelfrist wird das Mitteleuropäische Wetter von zwei
großsynoptischen Strukturen beeinflusst, die fast bis zum Ende des
Mittelfristzeitraums, in leicht veränderter Form bestehen bleiben. Zum einen
befindet sich über Nordost- und Osteuropa ein umfangreicher und mit kalter und
trockener Luft gefüllter Langwellentrog und zum anderen gibt es über der Nordsee
und Mitteleuropa eine stabile und hochreichende Antizyklone. Abgesehen von
Südeuropa (südlich einer Linie der Alpen) fließen nach fast ganz Europa eher
kühle und trockene Luftmassen aus Nord-, Nordosten ein.

Am Mittwoch befindet sich zusätzlich über der Biskaya ein kleinräumiges
Höhentief mit korrespondierenden Bodentief, dass auf der Ostflanke etwas wärmere
Luft nach Frankreich führt. Dabei verstärkt sich auch der Druckgradient, da das
zugehörige Tief gegen die Hochdruckzelle im Norden drückt. Im Südwesten
Deutschlands nimmt daher der Gradientwind zu. In den südwestlichen
Mittelgebirgen treten Wind-, evtl. auch stürmische Böen aus Nordost bis Ost auf.
Die 850 hPa Temperaturen liegen zwischen -2 Grad im Osten und bis +5 Grad im
Südwesten. Im Nordosten gibt es mehrschichtige Bewölkung durch eine um das Hoch
herumgeführte Warmfront eines Tiefs über den Europäischen Nordmeer. Es bleibt
aber niederschlagsfrei. In der Nacht zu Donnerstag gibt es in der Osthälfte
Bodenfrost.

Am Donnerstag verlagert sich der Schwerpunkt der Hochdruckzelle von der Nordsee
mehr in Richtung Mitteleuropa, gleichzeitig trogt der Langwellentrog in Richtung
Südosteuropa aus, wobei sich die Luftmassengrenze nun fast diagonal zwischen
Kroatien und dem Ärmelkanal befindet. Dabei bleibt der Druckgradient zwischen
dem Hoch über der Nordsee und dem Tief über der Biskaya weiterhin kräftig. Das
Biskaya Höhentief verlagert sich am Tage langsam nach Nordwesten. Es weht
vorallem in der Südwesthälfte weiterhin ein kräftiger und frischer Ostwind, auf
den Bergen teils auch stürmisch. In Deutschland hält der Anstrom der eher kühlen
und trockenen Luftmassen an. Dennoch werden mit teils ungestörter Einstrahlung
am Tage Höchsttemperaturen zwischen 18 Grad im Osten und bis 25 Grad am
Oberrheingraben erreicht. Nachts sorgt dagegen die ungestörte Ausstrahlung dazu,
dass die Minima auf Werte zwischen 1 und 8 Grad fallen, im Osten und Südosten
muss weiterhin mit Bodenfrost gerechnet werden.

Am Freitag verlagert sich der Schwerpunkt der Antizyklone nun auf Deutschland,
dabei gelangen etwas mildere, aber weiterhin trockene Luftmassen zu uns. Bei
meist wolkenlosem Himmel gibt es Maxima zwischen 21 Grad im Osten und bis 27
Grad im Westen. Der lebhafte Ost- bis Südostwind bleibt erhalten. In der Nacht
zu Samstag nimmt das Bodenfrostrisiko deutlich ab.

Am Samstag und Sonntag nähert sich eine atlantische Frontalzone dem Hoch an.
Nach dem aktuellen IFS Lauf soll diese am Sonntag auf Mitteleuropa übergreifen.
Auf dessen Vorderseite sollen demnach warme und feuchte Luftmassen aus Südwesten
nach Deutschland geführt werden. Evtl. könnte es dabei auch zu kräftigen
Gewittern kommen. Dies ist aktuell aber noch sehr unsicher.

In der erweiterten Mittelfrist tropft der osteuropäische Trog über Südosteuropa
ab und die Antizyklone wird von kontinuierlichen Angriffen atlantischer Tröge
nach Süden abgedrängt. Das Wetter sollte sich demnach etwas unbeständiger
zeigen. Es deutet sich gegen Ende aber wieder an, dass sich der Höhenkeil wieder
über Mitteleuropa regeneriert.


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Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs


Die Konsistenz der letzten IFS ich recht gut. Hochdruckwetter soll den gesamten
Mittelfristzeitraum beeinflussen. Erst nächstes Wochenende simuliert der
aktuelle IFS Lauf eine schwache Frontalzone von Westen her auf Mitteleuropa
übergreifend. Diese könnte im Westen etwas für Regen sorgen. Abgesehen davon,
bleibt es bis zum Ende der Mittelfrist weitgehend trocken.

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Vergleich mit anderen globalen Modellen


Bis einschließlich Freitag simulieren die betrachteten Globalmodelle ein
ähnliches Szenario wie IFS. Nachfolgend lassen GFS und ICON die Frontalzone
bereits am Samstag auf Deutschland übergreifen. Der Wechsel wird von allen
Modellen jeweils etwas anders dargestellt.
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Bewertung der Ensemblevorhersagen


In den Plumes vom ECMWF ist der Spread bis Freitag relativ eng. Der aktuelle IFS
Lauf liegt etwa in der Mitte der Verteilung, erst ab Sonntag liegt er am warmen
Rand der Verteilung und der Spread öffnet sich deutlich. Auch im Niederschlag
gibt es erst ab Samstag erste Signale für Regen.

In der Clusteranalyse des ECMWFs gibt es im Zeitbereich bis 168 Stunden 2
Cluster, die aber beide bis Samstag das Blocking aufweisen, erst ab Sonntag
kommt es zu einem Wechsel zu positiver NAO.

Fazit:
Bis einschließlich Freitag sorgt eine ausgeprägte Antizyklone für trockenes
Wetter und einem großen Tagesgang der Lufttemperatur. Im Osten kann es weiterhin
zu nächtlichem Bodenfrost kommen, wobei das Risiko bis Freitag allmählich
nachlässt. Für das kommende Wochenende ist die Entwicklung noch unsicher. Es
gibt jedoch Hinweise darauf, dass der Hochdruckeinfluss durch atlantische Tiefs
oder deren Ausläufer abgeschwächt wird und sich eine wechselhaftere Witterung
einstellen könnte. Wie nachhaltig diese Umstellung ausfällt, bleibt derzeit noch
offen.

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Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen


Unter Hochdruckeinfluss bleibt es weitgehend warnfrei. Bei dem teils lebehaften
und trockenen Ostwind könnten auf den südlichen Mittelgebirgen auch mal eine
stürmische Böe auftreten.

Ansonsten hält die Trockenheit weiter an, womit die Waldbrandgefahr weiter
steigen dürfte.
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Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, EPS, MOSMIX
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VBZ Offenbach / Dipl. Met. Christina Speicher