DWD Synoptische Übersicht Mittelfrist
06-04-2026 09:30
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Montag, den 06.04.2026 um 10.30 UTC
Unsicheres Frühlingswetter ohne große markante Erscheinungen
__________________________________________________________
Synoptische Entwicklung bis zum Montag, den 13.04.2026
Ich stelle das Fazit voran: April, April, der weiß nicht was er will. Und das
spiegelt sich in den Modellen, Clustern und Ensembles wider. Es gibt die Wahl
zwischen trockener Hochrückseite mit milder Luft in südöstlicher Strömung (GFS),
Höhentief mit kalter östlicher Strömung (IFS) und Trogvorderseite mit frischer
Südwestströmung (ICON). Die Engländer (UK10) schwimmen eher auf der
ICON-Schiene.
Dabei ist der aktuelle IFS Lauf überhaupt kein Ausreißer. Die Lage war gestern
schon so ähnlich drin. Der langsam ostwärts propagierende Trog über England wird
von der sich zwischen Nordostskandinavien und dem Atlantik bildenden
Hochdruckbrücke in die Zange genommen. Das Frontensystem wird überlaufen und
okkludiert zusehends. Übrig bleiben am Donnerstag ein bisschen Bewölkung und
etwas Regen im Norden. Am späten Donnerstagabend tropft aus dem in allen
Luftschichten gut sichtbaren Trog über der Nordsee ein Tief ab. Es verlagert
sich in der Nacht zum Freitag südwärts über Deutschland, wird aber schon
Freitagmorgen am Boden vom Hochdruck aufgesaugt. Dennoch strömt feuchte Luft ins
Land, die vor allem der Südwesthälfte Regen bringt. Vereinzelt lassen sich Blitz
und Donner nicht ausschließen, dann sind auch Sturmböen möglich. Bei -3 Grad in
850 hPa fällt in den hohen Lagen der Mittelgebirge sowie in den Alpen Schnee.
Ab Freitagmittag weitet sich der Hochdruckeinfluss aus Nordosten aus. Die Brücke
zum Atlantik zerfällt aber, denn ein Tief bei Island nimmt Verbindung zu tiefem
Luftdruck über dem Mittelmeer auf. Das übrig gebliebene Höhentief verzieht sich
in der zweiten Tageshälfte über die Alpen südwärts. Die Luft trocknet ab, nur
noch im Westen, Südwesten und Süden Deutschlands fällt etwas Regen.
Am Samstag dominiert hoher Luftdruck mit trockener Luft und viel Sonnenschein.
Die Temperatur liegt dabei im Osten unter 0 Grad in 850 hPa, während im Westen
bis zu 5 Grad einströmen. Dieser Zustand ist allerdings nicht lang haltbar.
Sowohl das Tief bei Island mit Trog bis knapp vor die Biskaya als auch ein
Höhentief über Osteuropa liebäugeln mit der Vorherrschaft bei uns. In der Nacht
zum Sonntag setzt sich das Höhentief durch. Es verlagert seinen Schwerpunkt
zunächst nach Österreich-Tschechien-Südpolen und legt sich am Sonntag über die
Südhälfte Deutschlands. Das Tief über Island zieht sich indes nordwärts zurück,
der Trog amplifiziert sich, wird dabei aber deutlich schmaler.
Die Folgetage lassen sich zusammenfassen: Deutschland liegt zwischen tiefem
Luftdruck über dem Mittelmeer und hohem Luftdruck über Skandinavien im Zustrom
relativ feuchter und kalter Luft aus Osten. Unter dem Höhentief fällt zeit- und
gebietsweise etwas Regen, der auch mal in Form von Schauern oder Gewittern
kommen kann. Die Temperatur in 850 hPa liegt zumeist unter 0 Grad. Zu
Wochenmitte scheint sich das Höhentief nach Nordosten zu verschieben.
__________________________________________________________
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
In den ersten Tagen der Mittelfrist ist der aktuelle IFS Lauf seinen Vorgängern
sehr ähnlich. Ab Sonntag wendet sich das Blatt. Das Höhentief südöstlich von
Deutschland wird heute deutlich stärker gerechnet. Das Zentrum verlagert sich im
Tagesverlauf nach Süddeutschland und verbleibt dort bis zum finalen Auffüllen am
Dienstag. Das gestern noch für den Beginn der nächsten Woche berechnete
Bodentief mit Zugbahn von Frankreich nach Polen ist heute nur noch ein
umfangreiches Gebiet mit tieferem Luftdruck und variablen Zentren.
__________________________________________________________
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Der Verglich mit anderen Modellen ergibt signifikante Unterschiede. Schon die
Front am Donnerstag wird von den Modellen unterschiedlich simuliert. GFS hält am
nachfolgenden Keil länger fest und dadurch den Zustrom milder Luft bis
Wochenbeginn aufrecht. ICON lässt ähnlich IFS am Freitag zunächst kalte Luft
folgen. Es simuliert allerdings ab Samstag ein Tief über dem Atlantik dominant.
Somit geraten wir auf die Vorderseite. Das Höhentief über Osteuropa schmiert ab
und hat keinen Einfluss auf unser Wetter.
__________________________________________________________
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Cluster geben alles, lassen aber nicht den Schluss zu, dass die heutige
IFS-Lösung das Nonplusultra ist.
Zeitschritt eins liefert volle sechs Lösungen (11:11:11:8:7:3), alle mit
Blockierendem Hoch. Dabei sind die Unterschiede das Tief am Freitag betreffend
gar nicht mal so klein. Zwei Lösungen (drei und fünf) haben keines drin, eines
(sechs) deutlich weiter westlich und drei (ein, zwei und vier) schieben das Tief
über den Westen und Südwesten Deutschlands südwärts, wie im Hauptlauf zu sehen.
Zeitschritt zwei (Samstag bis Montag) liefert fünf Lösungen, wobei Cluster fünf
das Höhentief nicht favorisiert, sondern (wie GFS) an höherem Druck und Milde
festhält. Auch die übrigen Cluster sind sich des Vorstoßes bereits am Sonntag
nicht so sicher. Haupt- und Kontrolllauf sollen zwar in Cluster eins liegen, da
ist das Tief aber deutlicher über Südosteuropa.
Die erweiterte Mittelfrist liefert einen Mono-Cluster mit Blockierendem Hoch.
Dabei ist das Höhentief auch nicht über Deutschland, sondern deutlich
südöstlicher angesiedelt - eher dem gestrigen Hauptlauf entsprechend.
Der Blick auf die Rauchfahnen bestätigt die Vermutung bei den Clustern: Sicher
ist hier nichts. Bereits ab Donnerstag geht der Spread gehörig auseinander: 9
bis 12 K in 850 hPa. Das Tief am Freitag wird von den Ensembles mitgetragen, die
Delle ist sowohl in der Temperatur als auch im Geopotential zu sehen. Wobei der
Temperatursturz den Ensembles nach auch noch etwas heftiger ausfallen könnte.
Das relativ kalte und feuchte Wetter ab Sonntag aus dem Hauptlauf wird aber von
der Mehrheit nicht geteilt. Die Niederschlagsensembles geben am Freitag den
größten Ausschlag her, danach ist es eher marginaler Niederschlag.
Die GFS-Ensembles lassen am Freitag größere Unsicherheiten erahnen. Die
Temperaturensembles zeigen einen Sturz, wenn auch die Mehrheit nur 2 bis 4 K
hergibt. Sonst zeigt der Trend bis Sonntag aber aufwärts. Ab Wochenbeginn geht
die Temperatur dann zurück, allerdings im Mittel nicht unter 0 Grad. Auch der
Druck fällt nicht so stark ab wie IFS es simuliert. Auffällig ist zum Ende der
nächsten Woche (16. bis 19.04.) der deutlich unter den Temperaturensembles
laufende Hauptlauf. Ab übernächsten Donnerstag ist GFS mit Vorsicht zu genießen.
Auch ICON hat einen Temperaturrückgang am Freitag drin. Die Erwärmung folgt aber
schon am Samstag. Der Hauptlauf liegt zwar unter der Ensemblemehrheit, ist aber
immer noch über dem des IFS. Beim Niederschlag ergeben sich für Freitag im
Norden im Hauptlauf extreme Lösungen, nur wenige Ensembles liegen noch darüber.
_________________________________________________________
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Die Mittelfrist bietet wenig markantes Wetter. Der teils mäßige Frost in
Bodennähe ist noch am signifikantesten, wird aber nicht polygonal umgesetzt. Die
Gewitter in der Nacht zum Freitag im Südwesten haben nur eine geringe
Wahrscheinlichkeit. Die dabei möglichen Sturmböen können aber markante Warnungen
notwendig machen. Abgesehen davon ist die Mittelfrist nicht Fisch nicht Fleisch
und überdies auch noch nicht sicher.
________________________________________________________
Basis für Mittelfristvorhersage
MOS-Mix, MOS-IFS, Ensembles
________________________________________________________
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jacqueline Kernn