DWD Synoptische Übersicht Kurzfrist
29-03-2026 17:30
SXEU31 DWAV 291800
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Sonntag, den 29.03.2026 um 18 UTC
SCHLAGZEILE:
Ab der Nacht von Nordwesten Aufzug von Regen, im höheren Bergland Schnee. An den
Alpen am Montag einsetzender länger anhaltender Schneefall. In der kommenden
Nacht vor allem im Nordwesten und im Bergland, am Montag vor allem in Schauern
und einzelnen Gewittern windig bis stürmisch.
Synoptische Entwicklung bis Dienstag 06 UTC
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Aktuell ... zieht die Achse eines ersten Höhentroges ostwärts Richtung Polen und
Tschechien ab. Im Bereich der Trogachse gab es heute Nachmittag in einem
Streifen vom Nordosten und Osten bis in den Südwesten dichtere Bewölkung und
ganz vereinzelt einen kurzen Schauer. Mit Abzug des Troges und einem von Westen
nachfolgenden flachen Höhenrücken sind die Schauer mittlerweile zum Erliegen
gekommen und die größeren Auflockerungen aus dem Westen und Nordwesten konnten
sich weiter südostwärts fortsetzen. Dem Trog vorgelagert sind noch die Reste der
Okklusion eines Tiefs mit Kern bei Jan Mayen. Sie brachte heute tagsüber dem
Südosten noch leichte Niederschläge, in höheren Lagen auch Schnee. Deren
Einfluss schwächt sich nun weiter ab und die Niederschläge kommen im Laufe der
ersten Nachthälfte zum Erliegen.
Von Großbritannien und der Nordsee nähert sich bereits der nächste Höhentrog. Er
schwenkt im Laufe der Nacht unter weiterer Austrogung Richtung Süden
ost-/südostwärts und erfasst so auch Mitteleuropa und Deutschland. In den
Frühstunden verläuft die Achse etwa von Dänemark über die Mitte Deutschlands
hinweg südwärts. Mit dem Trog verbunden ist im Bodendruckfeld starker Druckfall.
Dabei hat ein Bodentrog mit starkem Druckgradienten bereits die Deutsche Bucht
erreicht. Entsprechend hat der zunächst noch südwestliche Wind dort stark
aufgefrischt und es kommt auf den Nordseeinseln bereits zu ersten starken bis
stürmischen Böen Bft 7 bis 8.
Im Laufe der Nacht wird der Bodentrog allmählich über uns ostwärts ziehen und
dabei etwas an Kontur verlieren. So kommt es zunächst im nordwestdeutschen
Tiefland, später verbreitet im Bergland zu Böen Bft 7. Auf höheren Bergen treten
stürmische Böen Bft 8, auf dem Brocken auch schwere Sturmböen Bft 10 auf. Auch
vom Emsland bis in den Norden Schleswig-Holsteins und entlang der Nordseeküste
sind einzelne stürmische Böen möglich. An exponierten Küstenlagen kann es auch
zu Sturmböen Bft 9 kommen. Dabei dreht der Wind mit Passage des Bodentroges von
Südwest auf West, im Nordwesten später auf Nordwest. An der Ostsee reicht es bei
ablandigem Wind wenn überhaupt nur an exponierten Lagen zu einzelnen Böen Bft 7.
Rückseitig des Troges lässt der Wind von Westen/Nordwesten wieder nach.
In den Bodentrog eingelagert ist das teilokkludierte Frontensystem eines Tiefs
bei Island. Es verläuft derzeit knapp westlich der Deutschen Bucht und greift
schließlich in der Nacht von Nordwesten auf uns über. Bis Montagfrüh kommt es
etwa bis zu einer Linie Ostsee-Schwarzwald voran. Daran gekoppelte Niederschläge
haben bereits im Vorfeld von Borkum bis Sylt erste Tropfen Regen gebracht. Sie
kommen entsprechend in der Nacht über Deutschland südostwärts voran. Bei
850-hPa-Temperaturen um -4°C muss oberhalb von 500 bis 600 m vielfach mit
Schneefall gerechnet werden, der ab 600 m zu Neuschneehöhen von 1 bis 3, lokal
auch bis 5 cm akkumulieren kann. Postfrontal geht der Niederschlag dann in der
zweiten Nachthälfte von Nordwesten her in Schauer über. Denn mit dem Höhentrog
kommt auch ordentlich Höhenkaltluft ins Spiel mit Temperaturen in der Mitte und
im Norden unter -30°C in 500 hPa, im Norden auch teils unter -35°C. Dabei dürfte
die Labilität in der zweiten Nachthälfte für erste einzelne Gewitter ausreichen,
auch in Verbindung mit Graupel. Zudem sind in kräftigeren Schauern auch einzelne
Böen Bft 7 bis 8 nicht ausgeschlossen. Im Südosten Bayerns bleibt es noch
trocken.
Dort wo es im Süden und Südosten noch längere Zeit klar bleibt, muss mit
leichtem Frost zwischen -1 und -4 Grad gerechnet werden. Über frischem Schnee an
den Alpen oder im Erzgebirge örtlich auch noch etwas darunter. Sonst liegen die
Minima zwischen 5 und 1 Grad.
Montag ... kommt der Trog durch ein blockierendes Hoch über Osteuropa nur noch
wenig weiter nach Osten voran. Bis zum Abend verläuft dessen Achse etwa entlang
der Grenze zu Polen. Stattdessen weitet sich der Trog und damit die
Höhenkaltluft mit Werten bis -35°C über der Osthälfte Deutschlands weiter nach
Süden bis in den Alpenraum aus. Die okkludierte Front erreicht nun auch den
Südosten des Landes. Während die Niederschläge postfrontal im Trogbereich
landesweit Schauercharakter annehmen mit einzelnen Gewittern, setzt an den Alpen
durch den nördlichen Anstau länger anhaltender Niederschlag ein, der
voraussichtlich bis Mittwoch anhält.
Die Schneefallgrenze liegt in den Mittelgebirgen etwa bei 600 bis 800 m, wenn
überhaupt sollten sich bei der guten Durchmischung aber nur wenige Zentimeter
Neuschnee in den höchsten Lagen akkumulieren, die dann unter Umständen rasch
wieder abtauen. Entsprechend sollte eine Glättewarnung ausreichen.
An den Alpen stellt sich die Sache anders dar. Dort sind oberhalb 800 bis 1000 m
20 bis 30 cm Neuschnee in 36 bis 48 Stunden wahrscheinlich, in einzelnen
Staulagen und über 1000 m auch 40 bis 50 cm. Allerdings wird die
Neuschneeakkumulation in Lagen unterhalb von 1000 m wahrscheinlich erst in der
Nacht zum Dienstag einsetzen. Nach wie vor gibt es aber Modellunterschiede
bezüglich der Mengen.
Im Nordwesten stabilisiert die Schichtung im Tagesverlauf durch einen sich
annähernden Höhenrücken etwas, sodass dort die Schauertätigkeit nachlässt.
Der Druckgradient fächert nach Passage des Bodentroges wieder auf, sodass der
Grundwind wieder nachlässt. Vor allem im äußersten Nordwesten sind aber
weiterhin starke bis stürmische Böen Bft 7 bis 8 aus Nordwest zu erwarten. Auch
in Höhenlagen bleibt es weiterhin teils stürmisch. Sonst sind warnwürdige Böen
der Stärke 7 in der instabilen Luftmasse vor allem an Schauer und Gewitter
gebunden. Eine 8er Böe ist in Gewittern oder kräftigen Schauern auch nicht ganz
ausgeschlossen. Von den Schauerböen verschont bleiben voraussichtlich Teile des
Ostens und Nordostens.
Südlich der Donau kommt es bereits am Vormittag durch den Leitplankeneffekt mit
Annäherung bzw. Passage der Front vorübergehend zu einer Windauffrischung mit
Böen Bft 7, exponiert Bft 8 aus West.
Die Höchstwerte liegen meist zwischen 7 und 12°C, im höheren Bergland und
Alpenvorland meist bei 4 bis 7°C.
In der Nacht zum Dienstag kommt die Achse des Troges weiterhin nur langsam
weiter ostwärts voran und der Trog beginnt in Richtung östlichen Alpenraum und
Italien abzutropfen. Über dem Osten und Süden bleibt die Höhenkaltluft erhalten
und es kommt zu weiteren Schauern. Die Schneefallgrenze liegt etwa bei 400 bis
600 m, sodass es teils auch bis in die Niederungen etwas Schnee geben kann.
Nennenswerte Neuschneemengen mit einigen Zentimetern sind aber vor allem in den
Nordweststaulagen der Mittelgebirge zu erwarten, wo sich schauerartige
Schneefälle länger halten. An den Alpen schneit es wie o.e. länger anhaltend.
In den weiteren Landesteilen bleibt es auf Basis des ICON weitgehend trocken.
Der Wind lässt deutlich nach. Am Rande eines weiteren Bodentroges über
Südskandinavien sind aber vor allem im Nordseeumfeld weiterhin Böen Bft 7 bis 8
aus Nordwest wahrscheinlich.
Die Temperatur sinkt auf 5 bis 1°C ab. In Lagen ab etwa 400 m muss mit
Tiefstwerten um den Gefrierpunkt mit entsprechender Glättegefahr gerechnet
werden, oberhalb 600 m tritt meist Frost mit -1 bis -3°C auf.
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Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 06 UTC
Dienstag ... gibt es auf Basis des ICON-Modells keine signifikanten Änderungen
zu der Frühübersicht.
Modellvergleich und -einschätzung
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Die Niederschlagsmengen an den Alpen werden weiterhin unterschiedlich
prognostiziert. Die höchsten Mengen bis weit in den Unwetterbereich hinein zeigt
GFS, ist damit aber auch alleine. ICON und UK10 zeigen recht ähnliche Mengen,
IFS hat insgesamt etwas niedrigere Mengen. Die Frage ist noch, wie viel Schnee
sich tatsächlich unterhalb von 1000 m akkumuliert. Diesbezüglich erfolgt eine
Warnungsausgabe am morgigen Montag.
Ein weiterer Unterschied ergibt sich in der Nacht zum Dienstag und am Dienstag.
GFS und IFS haben den weiteren Bodentrog deutlich schärfer ausgeprägt und auch
weiter landeinwärts reichend mit nochmal reger Schaueraktivität und einer
erneuten Windzunahme.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Johanna Anger