Thema des Tages

25-03-2026 13:20


Wissenschaft kompakt

Genormt bis unters Dach: Die Standardatmosphäre



Eine Welt ohne Normen und Standards? Kaum vorstellbar. Da bildet
natürlich auch die Meteorologie keine Ausnahme. Im heutigen Thema des
Tages blicken wir auf die sogenannte Standardatmosphäre


Tief MARLIS über Südskandinavien beschert uns mit seiner Kaltfront am
heutigen Mittwoch einen Wetterumschwung: weg vom (sehr) milden
Frühlingswetter hin zu einer eher spätwinterlich anmutenden
Witterung. Auch in den Folgetagen wird es dem hohen Luftdruck sehr
schwerfallen, sich nachhaltig durchzusetzen. Stattdessen geben sich
die Tiefdruckgebiete regelrecht die Klinke in die Hand und lassen
immer wieder ihre Ausläufer über Deutschland hinwegziehen.


Haben Sie sich schon mal gefragt, wann man eigentlich von hohem und
wann von tiefem Luftdruck spricht? Wurde da vielleicht irgendwann mal
ein bestimmter Druckwert festgelegt? Ja, genauso ist es (wobei es
auch relative Hoch- und Tiefdruckgebiete gibt, die sich nicht an
diesen Wert "halten", aber das nur am Rande)!


Dieser Druckwert ist Teil der sogenannten Standardatmosphäre. Sie
wurde von der International Civil Aviation Organization (ICAO), zu
Deutsch Internationale Organisation für zivile Luftfahrt, ins Leben
gerufen und weltweit verbindlich festgelegt. Sie beschreibt den
mittleren Zustand unserer Erdatmosphäre in den mittleren Breiten.
Genau genommen geht es um die durchschnittliche Druck-, Temperatur-
und Dichteverteilung. Diese betragen 1013,25 hPa, 15 Grad (Celsius),
und 1,2250 kg pro Kubikmeter. Tages- und jahreszeitliche Schwankungen
werden dabei außer Acht gelassen. Dazu wird die Luft als absolut
trockenes Gas betrachtet, die relative Luftfeuchtigkeit beträgt also
0 %.


Vielleicht fragen Sie sich, wofür man denn bitte standardisierte
Werte für atmosphärische Eigenschaften braucht, die in dieser Form
über ein ganzes Jahr betrachtet wohl nur sehr selten gemeinsam
auftreten. Nun, ihren Einsatz findet die Standardatmosphäre zum
Beispiel - wie der Name ihrer Gründungsorganisation schon verrät - in
der Luftfahrt. Dort werden diese Mittelwerte unter anderem zur
Eichung von Messgeräten, wie den Höhenmessern in Flugzeugen,
herangezogen.


Und da es in der Luftfahrt auch immer hoch hinaus geht und die
Atmosphäre natürlich nicht zwei-, sondern dreidimensional ist, gibt
es nicht nur für das Bodenniveau, sondern auch für höhere
Luftschichten Standardwerte. Beim Luftdruck zählen dabei zum Beispiel
850 hPa in 1,5 km Höhe, 500 hPa in 5,6 km Höhe und 300 hPa in 9,2 km
Höhe. Am Oberrand der Troposphäre, der auf 11 km Höhe genormt wurde
und das Ende der untersten Schicht unserer Atmosphäre beschreibt,
liegt der Luftdruck nur noch bei 226,32 hPa. Die Luftdichte nimmt
ebenfalls Stück für Stück ab und wurde in 11 km Höhe auf 0,3692 kg
pro Kubikmeter festgesetzt.


Die standardisierte Temperaturabnahme mit der Höhe beträgt 0,65 K pro
100 m (entspricht 0,65 Grad Celsius pro 100 m). In der "Realität"
entspricht dieser Wert der Temperaturabnahme von gesättigter, also
feuchter Luft. Trockene Luft kühlt dagegen mit der Höhe um 1 K pro
100 m, also stärker ab. Aber zurück zum Standard. Im Druckniveau 850
hPa liegt die Temperatur damit bei 5,5 Grad, in 500 hPa bei -21,3
Grad und in 300 hPa bei -44,5 Grad. Für den Oberrand der Troposphäre
ergeben sich schließlich -56,5 Grad.


Da sich in der Troposphäre unser tägliches Wettergeschehen abspielt,
wollen wir unseren Höhenflug an dieser Stelle beenden. Weitere
Informationen zur Standardatmosphäre finden Sie zum Beispiel im
DWD-Wetterlexikon

Dipl.-Met. Tobias Reinartz

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 25.03.2026

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