DWD Synoptische Übersicht Mittelfrist

22-03-2026 11:30

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Sonntag, den 22.03.2026 um 10.30 UTC



Wechselhaft und zeitweise sehr windig, bei Gewittern und exponiert (schwere)
Sturmböen. Im Bergland, teils bis in mittlere Lagen Schneefall. Häufig leichter
Nachtfrost. Zum Wochenende eventuell leichte Wetterberuhigung.
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Synoptische Entwicklung bis zum Sonntag, den 29.03.2026


Insgesamt dominiert voraussichtlich zyklonal geprägt Witterung mit zeitweiligen
Niederschlägen bei gedämpftem Temperaturniveau, so dass im Bergland zeitweise
Schnee fällt und Nachtfrost weiterhin ein Thema ist. Ab dem kommenden Wochenende
Chancen auf Wetterberuhigung von Westen, wie verbreitet und nachhaltig diese
ist, ist aber noch unsicher.

Zu Beginn der Mittelfrist am Mittwoch greift ein sich weiter amplifizierender
Langwellentrog von Westen auf Deutschland über. Dieser ist mit markanter
Höhenkaltluft gefüllt. Dabei überquert uns das Frontensystem eines
Tiefdruckgebietes mit Kern über Südskandinavien. Niederschläge breiten sich von
Nordwest nach Südost aus. Die zunehmende Labilisierung im Trogbereich sorgt für
den zunehmenden Übergang in Schauer, auch Gewitter treten dabei auf. Die
Strömung dreht zunehmend auf West bis Nordwesten, so dass zunehmend eine
subpolare Luftmasse einsickern kann. Die Temperaturen in 850 hPa fallen recht
rasch auf 0 bis -5 Grad. Damit sinkt die Schneefallgrenze, im Bergland oberhalb
etwa 400 bis 600 m fällt eist Schnee, in Schauern/Gewittern teils auch noch
etwas darunter. Vor allem im Bergland kann sich daher eine dünne Schneedecke
akkumulieren. Im Tagesverlauf erreicht die Front auch den Alpenrand, dort setzen
dann zunächst eher leichte, aber anhaltende Schneefälle ein. Auf der Südflanke
des Skandinavientiefs nimmt der Gradient bereits im Laufe der Nacht zum Mittwoch
zu, am Mittwoch selbst werden recht verbreitet stürmische Böen, gebietsweise
Sturmböen (Bft 8 bis 9) erwartet. Insbesondere bei Frontdurchgang und rückseitig
in der labilen, höhenkalten Luftmasse treten wiederholt Sturmböen, exponiert und
bei Gewittern teils auch schwere Sturmböen (Bft 10) auf. In der Nacht zum
Donnerstag fächert der Gradient wieder auf.

Am Donnerstag liegt der Höhentrog mit seiner Achse von Nord nach Süd über der
Mitte des Landes, streckt sich weiter nach Süden und tropft allmählich Richtung
Adria/Balkan ab. Über Deutschland dominiert weiter die Höhenkaltluft,
kurzwellige Troganteile können für Hebung sorgen. Daher treten im Tagesverlauf
weiter Schauer auf, die in mittleren bi höheren Lagen in Form von Schnee fallen.
Die 850 hPa-Temperaturen liegen meist zwischen -4 und -7 Grad. Vereinzelt
Gewitter. Am Alpenrand halten in der nördlichen Anströmung die Niederschläge,
genauer Schneefälle, staubedingt an. Gebietsweise können daher auch markante
Neuschneemengen erreicht werden. Im Norden/Nordwesten ist der Gradient noch
stärker, dort lebt der Nordwestwind im Tagesverlauf erneut stark bis stürmisch
auf, insbesondere auf der Nordsee und in deren Umfeld sorgt ein recht großer
Fetch für stürmische Böen oder auch Sturmböen (Bft 8 bis 9). Mit dem Abtropfen
des Troges ergibt sich ein Bereich höheren Geopotenzials über der Mitte des
Landes, auch der Bodendruck steigt von Westen/Südwesten etwas an. Insgesamt
lassen die Niederschläge daher nach, vor allem am Alpenrand dauern sie in Form
von Schneefall aber weiterhin an.

Am Freitag liegt über der Mitte und dem Norden eher die Geopotenzialbrücke
zwischen dem Cut-off-Tief über Südosteuropa, das seinen Einfluss auf den Süden
und Osten des Landes aber voraussichtlich behält, und dem nordostwärts
abziehenden Trogresiduum im Norden. Am Boden steigt der Luftdruck ebenfalls. Die
Schauertätigkeit geht vor allem in der Mitte und im Norden daher gegenüber den
Vortagen zurück, einzelne Schauer sind aber nicht ausgeschlossen. Anders sieht
es vor allem am Alpenrand aus. Dort kann das Höhentief südlich von uns weiterhin
für Hebungsantriebe sorgen. Zusammen mit der bodennah nördlichen Anströmung
setzen sich die Niederschläge/Schneefälle fort. An den Alpen sind damit weitere
Zentimeter Neuschnee zu erwarten, teils sind auch markante Mengen nicht
ausgeschlossen. In der Nacht zum Samstag verlagert sich das
Südosteuropa-Höhentief etwas nach Osten, damit konzentrieren sich die
Niederschläge am Alpenrand zunehmend auf die östlichen Bereiche und klingen von
Westen allmählich ab. Im Rest des Landes lässt der Zwischenhocheinfluss bereits
wieder nach. Von Westen greift ein kurzwelligerer Trog über. Damit einhergehend
erreicht uns von Westen ab dem Abend auch ein okkludierendes Frontensystem mit
Regen, im Bergland Schnee, und breitet sich etwa bis zur Mitte aus. Die
Temperaturen in 850 hPa steigen nachts leicht an, auf Werte um -3 Grad. Damit
steigt auch die Schneefallgrenze im Westen etwas an.

Am Samstag verlagert sich der Trog knapp westlich von uns kaum noch, sondern
tropft in Richtung Südfrankreich/Pyrenäen ab. Die okkludierende Front liegt über
der Westhälfte, zeitweise fällt etwas Regen, im höheren Bergland Schnee. Am
östlichen Alpenrand reicht wohl der Einfluss des Höhentiefs über Südosteuropa
oder eines umlaufenden Kurzwellenanteils noch aus, um weiterhin noch für leichte
Niederschläge, häufig Schnee (850 hPa-Temperaturen weiter bei Werten um -5 bis
-6 Grad), zu sorgen. In den übrigen Landesteilen, vor allem im Osten/Nordosten,
überwiegt voraussichtlich kompensatorisches Absinken, es bleibt weitgehend
trocken. Im späteren Tagesverlauf und in der Nacht steigt insgesamt der
Luftdruck und das Geopotenzial von Westen etwas an, so dass die Niederschläge
über den westlichen Landesteilen eher nachlassen.

Am Sonntag verlagert sich das Höhentief über Südfrankreich weiter ins westliche
Mittelmeer und nimmt Kontakt zum Höhentief über Südosteuropa auf. Über
Deutschland wird die Geopotenzialbrücke gestärkt, der Bodendruck nimmt von
Südwesten ebenfalls noch etwas zu. Es ist nicht ganz ausgeschlossen, dass vor
allem im Osten/Südosten noch leichte Niederschläge im Zusammenhang mit
Höhentiefkomplex auftreten. Insgesamt sollte aber ruhiges und weitgehend
störungsfreies Wetter vorherrschen. In der Nacht zum Montag deutet sich aber
bereits ein weiteres Frontensystem im Nordwesten an, der korrespondierende
Bodentief lieg allerdings voraussichtlich recht weit nördlich über der Nordsee,
auch der Höhentrog zieht eher über der nördlichen Nordsee ostwärts, so dass
unter dem leicht höheren Druck die Wetterwirksamkeit für Deutschland eher
schwach aussieht. Nach Norden hin sind leichte Niederschläge zu erwarten, sonst
bleibt es voraussichtlich noch trocken. Am östlichen Alpenrand sin nach wie vor
leichte Stauniederschläge (Schnee) möglich. Dort hält die leichte
Gegenstromsituation zwischen einer nördlichen/nordwestlichen Bodenströmung und
einer vom Höhentief über Südosteuropa ausgehenden südöstlichen Höhenströmung an.


In der erweiterten Mittelfrist ab Montag in der Osterwoche sind die
Unsicherheiten recht groß: Der aktuellste IFS-Lauf belässt die Hochdruckzone
deutlich weiter westlichen und ist für unser Vorhersagegebiet zyklonaler und
unbeständiger aufgestellt. Voraussichtlich leicht ansteigendes Temperaturniveau.
Die Vorläufe beließen die Frontalzone deutlich weiter nördlich und zeigten damit
für Deutschland noch auf hochdruckdominiertes und damit niederschlagsfreies
Wetter.
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Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs


Die Konsistenz der vorliegenden IFS-Modellläufe ist zunächst gut und weist nur
geringe Unterschiede in der genauen Ausgestaltung der Trog-Keil-Strukturen auf.
Das Wetter gestaltet sich wechselhaft. Die Unsicherheiten nehmen ab Freitag zu
und damit die Konsistenz ab. Tendenziell deutet sich dann zwar von Westen eher
zunehmender Bodendruck und zunehmendes Geopotenzial an, ob diese aber in allen
Landesteilen für Wetterberuhigung sorgen können, ist noch unsicher: Der
aktuellste IFS-Lauf zeigt hier das Übergreifen eines Frontensystems mit
Niederschlägen wohingegen die Vorläufe die Frontalzone deutlich weiter nördlich
beließen und damit für Deutschland noch auf hochdruckdominiertes und damit
niederschlagsfreies Wetter gesetzt haben.
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Vergleich mit anderen globalen Modellen


Andere Globalmodelle zeigen zu Beginn der Mittelfrist ein recht ähnliches Bild
mit geringen Abweichungen in Timing und Amplitude. Die Unterschiede nehmen im
Verlauf des Freitages zu. Prinzipiell gehen die anderen Globalmodelle wie ICON
und GFS aber ebenfalls eher in die Richtung es aktuellsten IFS-Laufes. Der
Luftdruckanstieg und damit die Wetterberuhigung greift nicht ausreichend auf
unser Vorhersagegebiet über, das Wettergeschehen bleibt eher zyklonal geprägt
mit weiteren Niederschlägen. In einer überwiegend nördlichen bis nordwestlichen
Strömung bleibt das Temperaturniveau eher gedämpft.
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Bewertung der Ensemblevorhersagen


Die Clusteranalyse des IFS-Ensemble zeigt für den ersten Zeitraum von Mittwoch
00 UTC bis Donnerstag 00 UTC (+72 bis +96 h) drei Cluster mit 22, 19 und 10
Membern, Haupt- und Kontrolllauf in Cluster 2. Das Regime wechselt bei allen von
NAO positiv zu Atlantischer Rücken. Für unseren Vorhersageraum ergeben sich bei
der Geopotenzialverteilung kaum prognoserelevante Unterschiede. Der Trog
dominiert das Wettergeschehen. Für den Folgezeitraum von Freitag 00 UTC bis
Sonntag 00 UTC (+120 bis +168 h) werden sechse Cluster angeboten (18, 8,8,6,6
bzw. 5 Member), Haupt- und Kontrolllauf sind im Cluster 1 zu finden. Es
überwiegt der Umbau des Regimes zum Blocking, da aber doch häufig unseren
Vorhersagebereich nur streift. Der Süden bleibt bei eigentlich allen Lösungen
eher im Einflussbereich des Höhentiefkomplexes über Südeuropa. Der Norden liegt
meist im Randbereich höheren Geopotenzials das sich vom Atlantik über
Skandinavien n Richtung Nordwestrussland erstreckt. Cluster 2 (8 Member) zeigt
eine insgesamt zyklonale Variante mit trog über Mitteleuropa und weicht dabei
grundlegend von allen anderen Clustern ab.
Auch die Rauchfahnen zeigen den überwiegend zyklonalen Einfluss und die deutlich
zunehmenden Unsicherheiten ab Freitag. Der Spread des Geopotenzials nimmt
deutlich zu und steigt im Mittelfristverlauf tendenziell leicht an. Die
Temperaturen bleiben über die gesamte Mittelfrist in einem recht ähnlichen
Niveau, der Spread bleibt relativ gering und nimmt erst zur erweiterten
Mittelfrist am Montag stärker zu. Es gibt eigentlich über die gesamte
Mittelfrist Niederschlagssignale mit Peak zu Beginn am Mittwoch/Donnerstag. Auch
in der erweiterten Mittelfrist sind einige Niederschlagssignale vorhanden, die
Spannbreite wird größere, Ausreißer nach oben sind mindestens in einzelnen
Membern weiter vorhanden und nach Süden hin etwas zahlreicher als im Norden.

Fazit:
Insgesamt sehr wahrscheinlich relativ unbeständigen, Niederschlagsschwerpunkt
vor allem zu Beginn der Mittelfrist, nachfolgend aber wahrscheinlich auch
weitere, wenngleich auch nicht ganz so verbreitete Niederschläge. Mittwoch
deutlicher Temperaturrückgang, dann eher gedämpftes Temperaturniveau, erst in
der Mittelfrist leicht ansteigend.
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Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen


WIND/STURM:
Am Mittwoch lebt der auf West bis Nordwest drehende Wind in Böen stark bis
stürmisch (Bft 7 bis 8) auf, vor allem im Bergland und im Nordseeumfeld sowie
bei Schauern und lokalen Gewittern muss mit Sturmböen (Bft 9) gerechnet werden.
In exponierten Lagen können einzelne schwere Sturmböen (Bft 10) nicht ganz
ausgeschlossen werden.
Am Donnerstag im Norden zeit- und gebietsweise Windböen (Bft 7), vor allem an
exponierten Küstenabschnitten und insbesondere auf der Nordsee und in deren
Umfeld stürmische Böen (Bft 8) aus Nordwest.

GEWITTER:
Am Mittwoch Übergang der Niederschläge zunehmend in Schauer, dabei dann auch
örtlich Gewitter. Dabei vor allem auch Gefahr von Sturmböen (Bft 9). Auch am
Donnerstag lokal Gewitter.

REGEN/SCHNEE:
Die Niederschläge fallen gebietsweise stärker aus, insbesondere in
Nordweststaulagen der westlichen und zentralen Mittelgebirge (vor allem am
Mittwoch, nachlassend am Donnerstag) und an den Alpen (geringe EFI-Signale am
Mittwoch, Donnerstag zunehmend, Freitag auf den östlichen Alpenrand
zurückziehend und nachfolgend abklingend). Aktuell deutet sich dabei aber keine
hydrologische Relevanz, also keine Überschreitung von Dauerregenwarnschwellen
an.
Das liegt auch daran, dass ein Teil dieser Niederschläge oberhalb etwa 400 bis
600 m als Schnee fällt, in Schauern teils auch etwas darunter. Dabei werden
überwiegend leichte Schneefälle zu erwarten sein, am Alpenrand sind im Zeitraum
von Mittwochabend bis in den Freitag/Nacht zum Samstag hinein gebietsweise auch
markante Neuschneemengen nicht ausgeschlossen.

FROST:
Nachts muss recht verbreitet weiterhin mit leichtem Frost gerechnet werden,
lediglich im Westen und Nordwesten bleibt es teils frostfrei. Darauf deutet auch
der EFI hin, der bei den Tiefstwerten ab Donnerstag Signale für leicht
unterdurchschnittliche Temperaturen zeigt.
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Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-EPS, MOS-Mix
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VBZ Offenbach / Dipl. Met. Sabine Krüger