DWD Synoptische Übersicht Kurzfrist

14-03-2026 17:30
SXEU31 DWAV 141800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Samstag, den 14.03.2026 um 18 UTC


SCHLAGZEILE:
Dicke Luft in Leverkusen - Bayern holen zu neunt einen Punkt bei der "Werkself".
Und das Wetter? Weniger spektakulär mit leichtem Zwischenhocheinfluss am Sonntag
und dem nächsten Frontensystem am Montag.

Synoptische Entwicklung bis Montag 06 UTC
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Aktuell ... befindet sich Deutschland auf der unmittelbaren Vorderseite eines
sehr schlanken, vom Nordmeer bis zum westlichen Mittelmeer reichenden
Potenzialtrogs. Dem Trog vorgeschaltet ist die Kaltfront eines Tiefs hoch im
Norden, das via Barentssee Nowaja Semlja ansteuert. Aufgrund ihrer
höhenströmungsparallelen Exposition gibt sich die Front stark schleifend und nur
wenig progressiv. Trotzdem hat sie weite Teile des Vorhersageraums bereits
hinter sich gelassen. Dahinter ist eine Portion maritimer Polarluft (mP; T850 -1
bis -5°C) eingeflossen, in der die Temperatur heute verbreitet einstellig blieb,
in höheren Lagen so gerade mal um oder sogar unter dem Gefrierpunkt. Deutlich
milder dagegen der - präfrontale - äußersten Osten und Südosten, wo in
Subtropikluft (xS) mit Hilfe von Einstrahlung 14 bis 19°C registriert wurden.

In der Nacht zum Sonntag tropft der Trog zwischen Löwengolf und Balearen
erwartungsgemäß ab, wodurch das nur wenig bewegliche Tief JOLINA dicht bei
Korsika gestützt wird. Davon ausgehend greifen Hebungsprozesse (WLA) über den
Alpenhauptkamm nach Norden aus, wo sich zudem noch Gegenstrom (unten Nord, oben
Süd) und direkt an den Alpen Stau einstellt. Kein Wunder also, dass die
resultierenden Niederschläge in und an den Alpen sowie im angrenzenden Vorland
von West nach Ost bis ganz runter als Schnee fallen. Oberhalb von etwa 800 m
akkumulieren sich die Neuschneemengen bis morgen früh zwischen Allgäu und
Werdenfelser Land auf 5 bis 10, in Staulagen lokal um 15 cm. Nach Osten hin
fällt ebenso weniger Schnee wie im südlichen Alpenvorland, wo nur 1 bis 5 cm
zusammenkommen.

Ansonsten gilt es noch zu konstatieren, dass die Front bis zum Morgen nun auch
den östlichen Streifen unseres Landes überquert, wodurch dort die milde Luft
durch Polarluft ersetzt wird. Auf der kalten Seite kommt es zu weiteren, sich
tendenziell aber leicht abschwächenden Niederschlägen, die in höheren Lagen der
östlichen und zentralen Mittelgebirge als Schnee, sonst als Regen fallen. Viel
Neuschnee wird´s nicht geben, aber für Glätte durch Schneematsch oder etwas
Neuschnee könnte es an der ein oder anderen Stelle reichen. Glätte steht
stellenweise auch weiter westlich auf dem Zettel, vornehmlich in den
Mittelgebirgen. Auflockernde Bewölkung respektive teilweises Aufklaren lassen
die Temperaturen auf Werte um oder etwas unter den Gefrierpunkt zurückgehen.
Bedeutet dort, wo die Beläge von den Tagesniederschlägen noch nicht abgetrocknet
sind, besteht die Gefahr gefrierender Nässe. Darüber hinaus kann sich im
Nordwesten örtlich Nebel bilden.

Sonntag ... schwenkt das leicht nach Südwesten zurückhängende Trogresiduum sehr
langsam über Deutschland hinweg ostwärts, ohne dabei die ganz tiefen Spuren zu
hinterlassen. Zu trocken und zu wenig labil präsentiert sich die eingeflossene
Polarluft. Hinzu kommt noch KLA-bedingter Druckanstieg, der sich in einem
schwachen, von Frankreich ostwärts ausweitenden Azorenhochkeil widerspiegelt.
Kurzum, der morgige Sonntag wird von leichtem Zwischenhocheinfluss geprägt, an
dem vor allem die Nordwesthälfte bei maximal 8 bis 12°C (höheres Bergland
darunter) neben wechselnder Bewölkung einige Sonnenfenster begrüßen darf.

Anders dagegen die Südosthälfte, wo sich zwar die Front verabschiedet hat, auf
der anderen Seite aber noch ausreichend postfrontale Feuchterste vorhanden sind.
Von daher bleiben die Bemühungen, der Wolkendecke größere Lücken abzugewinnen,
limitiert. Stattdessen kann es am Vormittag gerade im Osten sowie der östlichen
Mitte hier und da noch etwas regnen/nieseln, in höheren Lagen auch schneien. Am
Nachmittag muss dann mit vereinzelten Schauern gerechnet werden. Wenig
verwunderlich, dass die Tageshöchstwerte hier nur zwischen 5 und 10°C liegen, im
Bergland je nach Höhenlage darunter.

In der Nacht zum Montag ist es mit der Herrlichkeit des Zwischenhochs schon
wieder vorbei. HEDDA heißt das Tief, das sich ungefragt in die hiesigen Belange
einmischt, indem es Druckfall induziert und uns eine Okklusion mit
Kaltfrontcharakter auf den Hals hetzt. Zwar hat das Tief selbst auf dem Weg
südlich an Island vorbei in Richtung Norwegische See seinen Karrierehöhepunkt
bereits überschritten. Mit etwas unter 975 hPa im Kern (00 UTC) und einem
wuchtigen Höhentrog im Schlepptau ist aber genug zyklonale Energie vorhanden, um
den Azorenhochkeil bei uns ohne Probleme ins Land der Träume zu schicken.

So setzt noch vor Mitternacht von BeNe und der Nordsee her stratiformer Regen
ein, der sich über der Norddeutschen Tiefebene und der Mitte zügig ostwärts
ausbreitet. Mit Erreichen der Mittelgebirge findet zumindest in Lagen oberhalb
600 bis 800 m ein Phasenwechsel hin zu Schnee statt. Ob die Schneefallgrenze
sogar noch weiter absinkt, hängt davon ab, wie viel Restwarmluft aus dem
ehemaligen Warmsektor noch vorhanden ist (T850 könnte kurz mal auf 0°C
ansteigen, was bei Durchmischung ein Absinken verhindern würde) und natürlich
von der Intensität des Niederschlags. In höheren Lagen sollte man auf alle Fälle
von 1 bis 3, in Staulagen lokal 5 cm Neuschnee ausgehen.

Nicht außer Acht lassen sollte man zudem das o.e. Trogresiduum, das vor der
Front nur sehr pomadig über den Süden und Osten hinwegschwenkt und dabei rund
ums Erzgebirge sowie zwischen Bayerischem Wald und Alpenrand leichte
Niederschläge mit einer Schneefallgrenze um 800 m generiert. Zwischen dieser
Zone und dem neuen System lockert die Bewölkung vom Südwesten bis in den
Nordosten vorübergehend auf, so dass es bis in Gefrierpunktnähe oder sogar in
den leichten Frostbereich abkühlt. Sollte dabei noch irgendwo Restnässe vom Tag
vorhanden sein, besteht die Gefahr von gefrierender Nässe. Darüber hinaus
frischt der südliche, später auf Südwest bis West drehende Wind vor der Front
spürbar auf. Vor allem auf und an der Nordsee, im äußersten Westen sowie im
zentralen und westlichen Bergland (+ Leelagen) muss mit Böen 7 Bft, auf offener
See sowie in höheren Lagen 8, Brocken 9-10 Bft gerechnet werden.

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Synoptische Entwicklung bis Dienstag 06 UTC

Montag ... Erst Front- dann Trogpassage mit labil geschichteter Höhenkaltluft =>
wechselhaftes "Aprilwetter" mit Regen-, Graupel- und in höheren Lagen
Schneeschauern sowie einzelnen kurzen Graupelgewittern. Dazu böiger westlicher
Wind (Gradient + Vertikalimpuls) und 7 bis 12°C. Mehr Details morgen Vormittag
in der neuen Synoptischen Übersicht oder - wer´s gar nicht abwarten kann - noch
heute Abend in der Übersicht von heute früh.


Modellvergleich und -einschätzung
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Nichts von Belang.


Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann