DWD Synoptische Übersicht Kurzfrist
09-03-2026 17:30
SXEU31 DWAV 091800
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Montag, den 09.03.2026 um 18 UTC
SCHLAGZEILE:
Beginnende Umstellung auf eine zyklonale Südwestlage: Weiterhin mild, aber
zunehmend feuchter. Am Dienstag im Westen/Nordwesten einzelne Gewitter (markant
nicht ausgeschlossen), am Mittwoch in exponierten Lagen stürmische Böen möglich.
Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 06 UTC
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Aktuell ... steht einem umfangreichen Höhenrücken, der weite Teile Ost- und auch
noch Mitteleuropa überdeckt, ein Höhentrog über Westeuropa gegenüber, der
aufgrund der Blockadewirkung des Rückens inzwischen über dem Nordwesten der
Iberischen Halbinsel abgetropft ist. Das Cut-Off verlagert sich im Laufe der
Nacht allmählich südwärts, während das Trogresiduum über Irland nur langsam nach
Osten vorankommt und morgens immerhin Wales, Südwestengland bzw. den Nordwesten
Frankreichs erreicht.
Der Rücken weist derweil, getrennt durch eine flache Potenzialrinne (über
Westpolen, der Osthälfte Deutschlands und Tschechien), zwei Schwerpunkte auf -
einen robusten über Südosteuropa und einen weiteren, deutlich flacheren, der
über die Schweiz und Westdeutschland bis nach Südskandinavien reicht. Letzterer
wird mit Annäherung des Trogresiduums mehr und mehr abgebaut, übrig bleibt bis
Dienstagfrüh ein nur noch schmalbrüstiger Höhenkeil über der Westhälfte des
Vorhersagegebietes.
Ähnlich wie in der Höhe stellt sich auch am Boden das Druckfeld als sehr
gradientschwach dar. Das bisher wetterbestimmende Hoch "KONRAD" hat sich
inzwischen weit nach Südosteuropa zurückgezogen und ist einer flachen Rinne
gewichen, die in hoher Isobarenauflösung am ehesten im Norden und in der Mitte
auszumachen Ist und langsam über das Land hinweg ostwärts zieht. Mit der Rinne
konnte derweil eine etwas feuchtere Luftmasse subtropischen Ursprungs aus
Südwesteuropa in den Südwesten und Westen des Landes vordringen (Taupunkte 5 bis
nahe 10 Grad, PPWs im Bereich orographisch getriggerter lokaler
Feuchteflusskonvergenzen bis 15 mm), während sonst noch trockenere, aber recht
warme Festlandsluft wetterbestimmend blieb. Zudem wurde die Labilität der
Luftmasse durch eine leichte Abkühlung der mittleren Troposphäre bei
gleichzeitiger bodennaher Erwärmung etwas erhöht und vor allem im westen und
Süden konnte auch etwas Cape generiert werden. Zwar fehlte bzw. fehlt jeglicher
großräumiger Trigger für Auslöse, dennoch reichte es mit Hilfe der Orographie in
den west- und vor allem südwestlichen Mittelgebirgen für einzelne Schauer, ein
Gewitter hat es sogar von der Ostalb bis ins Donauried geschafft.
Ansonsten hat sich gegenüber den Vortagen nicht wirklich viel geändert. Nach wie
vor scheint bzw. schien in weiten Teilen des Landes die Sonne von einem aufgrund
des nach wie vor noch vorhandenen Saharastaubes oft nur milchigen Himmel, vor
allem in der Osthälfte und im Südosten gibt es auch ein paar dichtere
Cirrusfelder, die kleinräumigen mitteltroposphärischen Hebungsprozessen im
Bereich der Potenzialrinne geschuldet sind. Die Höchsttemperaturen ähnelten
denen des Vortages und erreichten meist Werte zwischen 14 und knapp 20 Grad (die
höchsten Werte im Westen), lediglich an einigen Küstenabschnitten blieb es
kühler. Auffällig sind diesbezüglich die Ostfriesischen Inseln, wo gestern auf
Borkum und Norderney mit nordöstlichen Winden keine 10 Grad erreicht wurden,
heute dagegen mit Süd bis Südwestwind um 15 Grad. Auf Helgoland reichte es
dagegen auch heute nur für 8 Grad.
Apropos Küste: Mit Durchschwenken der weiter oben erwähnten flachen
Tiefdruckrinne dreht der Wind aktuell im Nordseeumfeld wieder auf Nordwest.
Damit macht sich ein umfangreiches Seenebelfeld auf den Weg Richtung
Nordwestdeutschland und wird im Laufe der Nacht weite Teile erfassen. Vor allem
im Küstenumfeld geht dies mit Sichtweiten von teilweise unter 150 m einher,
gebietsweise aber auch im angrenzenden Binnenland, wo sich im Vorfeld
Strahlungsnebel ausbreiten kann.
Generell verläuft die Nacht aber wettertechnisch ruhig, auch in der Mitte und im
Süden kann sich hier und da in einigen Niederungen warnrelevanter Nebel
ausbreiten. Mit der Anfeuchtung kann die Luftmasse nicht mehr ganz so stark
auskühlen wie bisher, Frost gibt es somit nur noch stellenweise, vor allem in
den dafür typischen Mittelgebirgsregionen. Die letzten Schauer fallen spätestens
im Laufe des Abends in sich zusammen, dann ist es überall trocken, wobei sich im
Südwesten und Westen hier und da noch Restbewölkung als Stratocumulus an der
Inversion ausbreiten kann.
Dienstag ... kommt der aus dem ehemaligen Residuum resultierende Randtrog über
den Britischen Inseln und Westfrankreich nur sehr zögerlich ostwärts voran und
erreicht abends die westliche Nordsee, den Ärmelkanal und Zentralfrankreich. Die
Potenzialrinne knapp östlich von uns wird ebenfalls als Randtrog langsam nach
Osten geführt, so dass die Achse des flachen Höhenkeils bis zum Abend von West-
nach Ost- bzw. Südostdeutschland wandert. Somit gelangt die Westhälfte auf die
diffluent konturierte Vorderseite des Troges und durch PVA kann sogar dynamische
Hebung generiert werden, die durch schwache niedertroposphärische KLA nur wenig
teilkompensiert wird.
Im Bodenfeld verstärkt sich somit der Druckfall von Westen her und zum Abend hin
greift eine thermisch kaum auszumachende Kaltfront auf den äußersten Westen des
Landes über. Im Vorfeld wird nun vor allem in den Westen und Norden eine
feuchtere Luftmasse advehiert mit PPWs über 15 mm. Diese ist bei leicht
zurückgehenden 500 hPa-Temperaturen und einer geringen Erwärmung der unteren
Troposphäre hochreichend labil geschichtet; die Prognosetemps zeigen eine zwar
hochreichende, aber nur sehr schmale Labilitätsfläche ("skinny Cape" mit maximal
etwa 100 bis 250 J/kg ML-Cape bei nur schwacher Scherung. Somit dürfte es im
Tagesverlauf von Westen her recht verbreitet Schauer geben, die sich bis zum
Abend auch auf die mittleren Landesteile und auf die Norddeutsche Tiefebene
ausbreiten, wobei I-D2 im Vergleich zu anderen Modellen recht progressiv
aufgestellt ist und die Schauer bis zum Abend nach Mecklenburg,
Nordwestbrandenburg, Thüringen und Franken vorankommen lässt. Einzelne Gewitter
sind sehr wahrscheinlich mit von der Partie. Aufgrund der Zuggeschwindigkeit
dürfte es aber kaum für Starkregen reichen, kleinkörniger Hagel und Bft 7 bis 8
können nicht ganz ausgeschlossen werden. In der Regel reichen aber "gelbe"
Warnungen (Warnstufe 1) vollkommen aus.
Im Süden und Osten bleibt es dagegen noch trocken und vor allem in der Südhälfte
auch recht sonnig. Vor allem über den Nordosten ziehen dagegen dichtere Wolken,
die noch aus dem Nordseestratus resultieren, der auf seinem Weg nach Osten
landeinwärts nur langsam auflockert.
Am Nachmittag und Abend deutet sich für den Nordwesten auch eine Art frontales
Regenband an, das aber eher der dort relativ organisierten trogvorderseitigen
Hebung geschuldet ist als der schlappen Kaltfront, die dorthin abends
übergreift. Die Regenmengen bleiben in der Fläche ansonsten aber sehr
überschaubar, da einige Regionen schauertechnisch auch leer ausgehen.
Die präfrontal advehierte Luftmasse ist überwiegend subtropischen Ursprungs mit
T850 hPa zwischen 4 und 7 Grad. Entsprechend bleibt es weiterhin sehr mild mit
Höchstwerten zwischen 13 und 19, Richtung Neckar und Untermain stellenweise 20
Grad. Nur ganz im Nordwesten und Norden reicht es lediglich für Maxima zwischen
8 und 13 Grad, die niedrigsten Werte im Nordseeumfeld.
In der Nacht zum Mittwoch schwenkt der nun immer flachere Kurzwellentrog ins
Vorhersagegebiet und erreicht in den Frühstunden bereits die Osthälfte. Der
trogvorderseitige Hebungsantrieb geht zunehmend in die Knie und tagesgangbedingt
stabilisiert auch die Grundschicht. Somit kommen die Schauer zwar noch weiter
nach Osten voran, klingen aber mehr und mehr ab, in Südostbayern und in der
Lausitz sollte es sogar weitestgehend trocken bleiben. Den Schauern folgt das
frontale Band mit schauerartigen Regenfällen der sich allerdings vor allem nach
Süden zu alsbald auflösenden schwachen Kaltfront. Vor allem in der ersten
Nachthälfte kann es dabei insbesondere von Schleswig-Holstein bis nach Hessen
und Unterfranken noch recht flächig wenige l/m² regnen, kleinräumig auch mehr
als 5 l/m², weiter südlich kommt kaum mehr was an. In der zweiten Nachthälfte
schwächt es sich auf seinem langsamen Weg nach Osten bereits deutlich ab.
Postfrontal lockern die Wolken im Westen und Nordwesten auf, Schauer gibt es
dort dann kaum mehr.
Im aufgelockert bewölkten Südosten sowie in der Lausitz können sich nochmals
flache Nebelfelder geben und vor allem von den ostbayerischen Mittelgebirgen bis
zum Alpenrand ist in ungünstigen Lagen leichter Frost möglich. Sonst bleibt es
allgemein frostfrei mit Minima zwischen 9 und 1 Grad, die höchsten am
Niederrhein.
Dann gilt es den Blick gen Westen zu richten. Einem kräftigen, auf die
Britischen Inseln übergreifenden Höhentrog ist das okkludierende Frontensystem
eines Tiefs südlich von Island ("FRITAUN") vorgeschaltet, das morgens auf die
westliche Nordsee übergreift Vorderseitig setzt vor allem im Nordwesten
Deutschlands Druckfall ein, wodurch sich der Gradient verschärft und der Wind
auffrischt. Angesichts der recht stabilen Grundschicht macht sich das zunächst
aber nur in höheren Lagen sowie im Eifellee mit Böen Bft 6 bis 7, auf dem
Brocken Bft 8 aus Süd bis Südwest bemerkbar. Die Wolken werden ausgangs der
Nacht im Westen aber bereits wieder dichter und es kann dort morgens vielleicht
schon erste Tropfen geben.
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Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 06 UTC
Mittwoch ... ist den Ausführungen in der Frühübersicht nichts Substanzielles
mehr hinzuzufügen.
Auch die aktuellen Modellläufe lassen das frontale Regenband der
teilokkludierten Kaltfront des ins Nordmeer ziehenden Tiefs am Mittwoch und in
der Nacht zum Donnerstag das gesamte Vorhersagegebiet ostsüdostwärts überqueren,
und zum ersten Mal seit längerer Zeit gibt es mal wieder nahezu flächendeckend
Regen, wenngleich auch nicht mit allzu ergiebigen Mengen.
Ob es präfrontal tagsüber von der Mitte an ost- und südwärts auch für einzelne
Gewitter reicht ist noch unklar. Auf alle Fälle frischt der Wind warnrelevant
auf, in den Gipfellagen gibt es vorübergehend Sturmböen.
Postfrontal setzt sich dann aber eine rasche Wetterberuhigung durch und es folgt
maritime Polarluft mit 850 hPa-Temperaturen bis -3 Grad, so dass es in der Nacht
zum Donnerstag in höheren Lagen vor Abklingen der Niederschläge auch noch etwas
schneien kann, insbesondere an den Alpen, wo es in Staulagen oberhalb von 1000
bis 1300 m durchaus über 10 cm Neuschnee geben kann.
Modellvergleich und -einschätzung
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Anhand er Modelle lassen sich keine warn- und prognoserelevanten Differenzen
ableiten,
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Winninghoff