DWD Synoptische Übersicht Mittelfrist

03-03-2026 11:30

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Dienstag, den 03.03.2026 um 10.30 UTC



Zunächst frühlingshaft-warmes Wetter. Am Wochenende kleine Störelemente im
Norden, ab Anfang nächster Woche auch im Rest des Landes. Dann lokal markante
Gewitter durch Starkregen möglich.
__________________________________________________________

Synoptische Entwicklung bis zum Dienstag, den 10.03.2026


Mit Blick auf die aktuelle Mittelfristprognose stellt sich aktuell nur eine
Frage: Geht der Frühling Open End immer weiter oder gibt es bald doch wieder
Tiefdruckeinfluss oder sogar einen Kälterückfall? Kurze Antwort: Der
Tiefdruckeinfluss nimmt allmählich zu, es bleibt aber (zunächst?) mild oder
kühlt nur moderat ab.

Lange Antwort: Bevor ein möglicher Wetterwechsel stattfindet, setzt sich in der
ab Freitag beginnenden Mittelfrist zunächst noch die Hochdrucklage weiter fort.
Das Bodenhoch befindet sich, gestützt durch den über Mittel- und Osteuropa
liegenden Rücken, anfangs mit Zentrum über Polen. Es verlagert sich bis zum
Sonntag bis zur Ukraine. An der Ost- bzw. Nordwestflanke des Hochs wird milde
Subtropikluft mit T850 hPa von 5 bis 8 Grad nach Deutschland gelenkt.

Ganz lupenreinen Hochdruck im Sinne von SEa scheint es aber nicht zu geben. So
läuft am Samstag ein Randtrog über den Rücken hinweg nach Skandinavien. Daraus
kapselt sich ein Höhentief ab, das nach Norddeutschland steuert und am Sonntag
in die Nordsee eindreht. Im Zusammenspiel mit Resten eines Ausläufers eines
bereits nach Russland gezogenen Tiefs sorgt es durch etwas PVA im Norden und
Nordwesten für Konvektion. CAPE bleibt jedoch gering, sodass Gewitter höchstens
gering wahrscheinlich sind. Die T850 hPa liegen im Bereich des Höhentiefs bei
immer noch milden 2 bis 5 Grad.

Am Montag schwenkt das Höhentief von der Nord- in die Ostsee, womit es weiterhin
im Norden aktiv ist (PVA/Konvektion). Dahinter folgt ein schmaler Keil als Teil
des großen Rückens. Darin formiert sich ein neues Höhenhoch über Rumänien,
welches das Bodenhoch allmählich Richtung Schwarzes Meer treibt. Währenddessen
zeigt sich vor den Britischen Inseln ein neuer Randtrog, der unter Abtropfen
leicht progressive Tendenzen aufweist. Allmählich kommt es damit über
Deutschland zu einem Druckfall, im Südwesten auch zu einer Feuchteanreicherung.
Dort steigt das Schauerrisiko langsam an.

Am Dienstag setzt sich dieser Prozess fort. Das über der Iberischen Halbinsel
abtropfende Höhentief und das Trogresiduum über den Britischen Inseln drängen
den schmalen Rücken über Deutschland nach Osten ab, was zu einem weiteren
Druckfall führt. Vom Nordwesten bis zum Südwesten breitet sich die feuchte Luft
weiter aus, an einem kleinen Randtrog wird außerdem vor allem im Nordwesten PVA
erzeugt, sodass es dort leicht unbeständig ist. Die T850 hPa ändern sich derweil
kaum.

In der erweiterten Mittelfrist ab kommender Woche Mittwoch wird das Trogresiduum
über den Britischen Inseln durch einen weiteren Randtrog regeneriert und nach
Dänemark geführt. Damit stellt sich deutschlandweit wechselhafteres und bei auf
-2 bis 2 Grad sinkende T850 hPa auch kühleres Wetter ein. Der ganz große
Kälterückfall bleibt aber aus.
__________________________________________________________

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs


Das Höhentief über Deutschland hatten auch die gestrigen Vorläufe im Programm,
allerdings in leicht variierender räumlicher Exposition. Während in den
Vorläufen dabei zum Teil sogar die Mitte leichte Niederschläge abbekommen hätte,
beschränken sie sich nun weitgehend auf den Norden. Darüber hinaus hätte sich
die etwas kühlere Luft im Bereich des Höhentiefs zum Teil bis in die Mitte
ausgewirkt, das Temperaturniveau wäre entsprechend etwa 4 Kelvin niedriger
gewesen. Die anschließende Tiefdruckzunahme ab dem Wochenanfang ist bei allen 3
jüngsten Läufen vorhanden, gleichwohl sich der Übergang beim gestrigen 0
UTC-Lauf schneller gestaltete (Höhentief über Frankreich statt über der
Iberischen Halbinsel). Beim gestrigen 12 UTC-Lauf kam es sogar zu einem
Trogdurchgang, der eine Kaltfront eines Tiefs über Skandinavien über Deutschland
hinwegziehen lassen hätte. Diese ist nun wieder vom Tisch, die beiden 0
UTC-Läufe ähneln sich wie so häufig auch stärker. Das Hochdruckwetter geht
jedenfalls nach allen Läufen zu Ende.
__________________________________________________________

Vergleich mit anderen globalen Modellen


Das Höhentief am Wochenende gibt es auch beim UK10 und den meisten KI-Modellen.
Beim ICON taucht es zwar nur als Randtrog über der Ostsee und Polen auf, bringt
aber ebenso gebietsweise schauerartige Regenfälle vom Norden bis in die Mitte.
Beim GFS ist selbst von einem Randtrog kaum was zu sehen, womit es in
Deutschland trocken bleiben würde. Auch danach weicht GFS signifikant ab. Nach
Durchgang eines Troges über Skandinavien am Montag, der eine schwache Kaltfront
bis in die Mitte des Landes führen würde, kehrt rasch wieder Hochdruckeinfluss
im Bereich eines neuen Rückens ein. Dieses Szenario wird auch von den
KI-Modellen AIFS ENS, Aurora ML, FourCast ML und mit Abstrichen auch von
GraphCast ML simuliert, sodass es im Bereich des Möglichen ist.
__________________________________________________________

Bewertung der Ensemblevorhersagen


RAUCHFAHNEN:
Die Rauchfahnen des EZMW-Ensembles zeigen für Orte im Süden und in der Mitte
Deutschlands bis zum Montag eine gute Konsistenz. Im Norden flattern die
Rauchfahnen vor allem bei T850 hPa bereits ab Samstag, was einen Hinweis auf das
Höhentief liefert. Ab Dienstag öffnen sich dann alle Rauchfahnen, sodass die
Vorhersageunsicherheiten zunehmen. Der Median offenbart bei allen allerdings nur
einen moderaten Rückgang von T850 hPa und Geopot 500 hPa, einzelne Ausreißer
favorisieren aber kältere Lösungen bei niedrigerem Geopotenzial. Der zunehmende
Tiefdruckeinfluss findet sich in den Niederschlagssignale ebenfalls wieder, da
sie sich insbesondere ab Dienstag häufen.

CLUSTER:
Zwischen Sonntag 0 UTC und Dienstag 0 UTC werden 3 Cluster (alle Blockierung)
benötigt. Im Grunde zeigen alle das Gleiche (Höhenrücken + Hochdruckeinfluss),
die für uns relevanten Strukturen des Höhentiefs vermag die Clusteranalyse nicht
aufzulösen.
Zwischen Mittwoch 0 UTC und Freitag 0 UTC (erweiterte Mittelfrist) gibt es nur 2
Cluster (1 x Blockierung, 1 x NAO+). C1 (26 Mitglieder, Haupt- und Kontrolllauf
inkludiert) entspricht dem deterministischen Lauf, bei C2 (25 Mitglieder) ist
der auf Mitteleuropa zulaufende Randtrog schwächer und tropft auch nicht ab.
Demnach wäre etwas weniger wechselhaftes Wetter zu erwarten.

FAZIT:
Das frühlingshaft-warme Hochdruckwetter neigt sich in der Mittelfrist langsam,
aber sicher seinem Ende zu. Für den Norden gilt das bereits am Wochenende, wenn
ein kleines Höhentief dort den Frühling etwas stört. Anfang kommender Woche
nimmt dann der Hochruckeinfluss zuerst im Süden und Westen, im weiteren Verlauf
auch im Osten und Südosten ab. Damit einhergehend kommen Schauer oder Gewitter
auf, die lokal durch Starkregen durchaus markant werden könnten. Gleichwohl hält
sich die Abkühlung aber (noch?) in Grenzen.
_________________________________________________________

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen


GEWITTER:
Am Montag gibt es beim EFI Signale für Gewitter im Südwesten, CAPE ist aber nur
gering vorhanden (maximal um 100 J/kg). Ab Dienstag nimmt CAPE zu und erreicht
bis zu 450 J/kg (EFI liegt dann nicht mehr vor). Die PPWs steigen auf 15 bis 20
mm, womit bei langsam ziehenden Zellen lokal Starkregen denkbar ist. Das gilt am
Dienstag vornehmlich für den Nordwesten, am Mittwoch für den Nordosten und am
Donnerstag für den Osten und Südosten.
________________________________________________________

Basis für Mittelfristvorhersage
MOSMIX, EZMW, EZMW-EPS
________________________________________________________


VBZ Offenbach / Dipl. Met. Simon Trippler