DWD Synoptische Übersicht Mittelfrist
20-02-2026 11:30
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Freitag, den 20.02.2026 um 10.30 UTC
Nach Frühlingsintermezzo ab Donnerstag wieder unbeständiger und kühler, teils
auch windig. Winterlich dann aber voraussichtlich nur im Bergland.
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Synoptische Entwicklung bis zum Freitag, den 27.02.2026
Quo Vadis Winter 2025/2026 oder "Totgesagte leben länger"? Beim ersten schnellen
Blick auf die Mittelfristvorhersage sticht ein "Berg" in den T850
hPa-Rauchfahnen des EZMW heraus, der die Temperaturen Mitte kommender Woche in
fast schon schwindelerregende Höhen treiben könnte. Ebenso gibt es danach bis
zum Beginn des meteorologischen Frühlings (1. März) wieder einen Abfall, der
sich im neuesten Lauf des EZMW aber moderater gestaltet als in den gestrigen
Läufen. Eine Rückkehr zu nasskaltem Wetter ist allerdings weiterhin denkbar.
Der oben erwähnte "Berg" hingegen wird zum Beginn des Mittelfristzeitraums am
kommenden Montag auch in den Höhenkarten ersichtlich. Vielmehr handelt es sich
dabei um einen Rücken, der sich von der Iberischen Halbinsel bis ins Seegebiet
knapp westlich der Britischen Inseln aufwölbt und durch einen Trogvorstoß über
dem Nordostatlantik einen progressiven Impuls erhält. Mit dem Trog ist ein
hochreichendes Tief gekoppelt, dessen Warmfront wiederum mit den Ausläufern
eines weiteren Tiefs über Skandinavien verbunden sind. Dieses Frontensystem
liegt tagsüber über dem Süden Deutschlands, in den Abendstunden erreicht uns
dann von Westen her die Warmfront. In der kräftigen west-nordwestlichen und
feuchten Strömung sind gebietsweise Niederschläge bei recht flottem Wind zu
erwarten. Die T850 hPa liegen bei -2 bis 2 Grad, die feste Phase bleibt folglich
bereits auf Lagen oberhalb von 1000 bis 1500 m beschränkt.
Am Dienstag bewegt sich das an ein Omega erinnerndes Muster langsam ostwärts
voran, womit Deutschland mehr und mehr in den Einflussbereich des Rückens gerät.
Zuvor überquert allerdings eingebettet in die Frontalzone erst noch die
Warmfront des Tiefs bei Island den Osten Deutschlands mit. Postfrontal strömt
dann maritime Warmluft subtropischen Ursprungs ein, sodass die T850 hPa im
Südwesten bereits auf über 10 Grad steigen.
Am Mittwoch liegt der Rücken über uns, der Potenzialgewinn bildet auch den
Nährboden für zunehmenden Hochdruckeinfluss. Dieser vertreibt die letzten
Regenwolken und sorgt meist für längeren Sonnenschein. Die Warmluft breitet sich
deutschlandweit aus, die T850 hPa liegen bei 3 Grad im Osten bis 11 Grad im
Süden. Mit dem Sonnenschein sind im Süden lokal 20 Grad im Bereich des
Möglichen.
Die Höhenströmung bleibt auch am Donnerstag in Bewegung, vielmehr erhält sie
durch einen in den Nordostatlantik ausgreifenden Kaltluftausbruch von Grönland
in Form eines neuen Trogs sogar einen neuen Schub. Der Rücken schwenkt dadurch
bis Freitag bis nach Russland weiter, von Westen drängt ein Randtrog nach
Mitteleuropa. Am Donnerstag bringt dieses ein Tief über dem Nordmeer in
Stellung, dessen Ausläufer mit neuen Niederschlägen und allmählich zunehmenden
Wind von Westen auf Deutschland übergreifen. Postfrontal sickert kühlere
Meeresluft ein, die die T850 hPa in einem ersten Schub auf 5 bis 2 Grad sinken
lässt.
In der erweiterten Mittelfrist ab Samstag gelangen wir auf die Vorderseite eines
neuen Trogs bei den Britischen Inseln, der sich aus dem Kaltluftvorstoß bei
Grönland entwickelt. Damit werden weitere Tiefausläufer nach Deutschland
geführt, womit es wechselhaft und recht windig bleibt. Der Trog erreicht
Deutschland unter Verkürzung seiner Wellenlänge und unter Abtropfen zur
Iberischen Halbinsel am Sonntag. Dabei sinken die T850 hPa auf 2 bis -4 Grad,
was zumindest im Bergland wieder winterliche Komponenten zum Zuge kommen lassen
würde.
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Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die Konsistenz ist bis zum Mittwoch sehr hoch, sodass dem ersten Hauch vom
Frühling nicht mehr viel im Wege steht. Danach nimmt die Konsistenz sukzessive
ab, wobei Trog- und Tiefdruckeinfluss aber in allen 3 jüngsten Läufen
beibehalten werden. Am Donnerstag selber greift die Warmfront etwas
zeitverzögert auf Deutschland über. Darüber hinaus ist der ausbleibende massive
Kaltlufteinbruch in der erweiterten Mittelfrist neu, der sogar für das Tiefland
einen neuen Wintereinbruch bedeutet hätte. Nun ist das Temperaturniveau etwa 3
bis 6 Grad höher anzusiedeln.
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Vergleich mit anderen globalen Modellen
Die grundlegenden Muster finden sich auch in den anderen Modellen wieder. Am
Donnerstag ist ICON mit der Warmfront ein wenig schneller, was den älteren
Lösungen des EZMW entspricht. In der erweiterten Mittelfrist zeigen sich zwar
Unterschiede beim Trog, die Auswirkungen auf Deutschland aber bleiben gleich:
wechselhaft, wieder kühler und teils windig.
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Bewertung der Ensemblevorhersagen
RAUCHFAHNEN:
Die Rauchfahnen des EZMW-Ensembles stützen den Hauptlauf durch einen zumeist
engen Verlauf, wobei der Hauptlauf sich gut im Median einbettet. Der T850
hPa-Berg mit dem Sattelpunkt am Mittwoch wird gut ersichtlich, auch der nunmehr
etwas abgeschwächte Temperaturabfall danach. Gleichwohl gibt es eine Reihe von
Ensemblemitgliedern, die es "hinten raus" kühler haben wollen, selbst der Median
ist kühler als der Hauptlauf. Das lässt doch noch Optionen für einen markanteren
Kälteeinbruch offen. Niederschlagssignale gibt es häufig, allerdings mit einer
mehr oder weniger langen Pause zwischen Dienstag und Donnerstag.
CLUSTER:
Im zweiten Zeitschritt zwischen Mittwoch 0 UTC und Freitag 0 UTC gibt es zwar
satte 5 Cluster, inhaltlich unterscheiden sie sich für Deutschland aber nicht
wesentlich.
Im dritten Zeitschritt zwischen Samstag 0 UTC und Montag 0 UTC (erweiterte
Mittelfrist) sind erneut 5 Cluster mit allerdings größeren Differenzen
vorhanden. Vor allem das Verhalten des Trogs bei den Britischen Inseln wirft
Fragen auf. C2 mit Haupt- und Kontrolllauf sowie 12 Mitgliedern beantwortet es
mit oben erwähntem Hergang, C1 mit 13 und C3 mit 11 Mitgliedern sind zumindest
ähnlich. In C4 (10 Mitglieder) ist die Strömung zonaler, in C5 (5 Mitglieder
verbleiben wir auf der Trogvorderseite. Im Prinzip wird damit der Hauptlauf
gestützt, wenn auch der genaue Ablauf noch nicht geklärt ist.
FAZIT:
Nach dem noch wechselhaften Montag steht ein sonniges Frühlingsintermezzo mit
lokal bis zu 20 Grad am Mittwoch bevor. Dieses wird am Donnerstag mit von Westen
aufziehenden Tiefausläufer bereits wieder beendet. In der Folge ist es bei
allmählicher Abkühlung erneut wechselhaft und teils windig, der in den gestrigen
Läufen angedeutete Wintereinbruch bis ins Tiefland bleibt aber vermutlich auf
das Bergland beschränkt.
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Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
WIND:
EFI hat am Montag ein schwaches Signal für überdurchschnittlich starken Wind auf
dem Zettel. In den Ensembles sind die Wahrscheinlichkeiten für stürmische Böen
Bft 8 vor allem für das Bergland und an der Nordsee erhöht, für Teile des
Westens noch leicht erhöht. Auf exponierten Gipfeln treten Sturmböen Bft 9 auf.
Am Donnerstag weist EFI erneut schwache Signale auf, stürmische Böen bleiben
nach aktuellem Stand jedoch dem Bergland und der Nordsee vorbehalten.
DAUERREGEN:
EFI zeigt am Montag mit Werten bis 0.6 auch geringe Signale für Dauerregen im
Osten und Südosten Deutschlands. In den Ensembles wird das aber nur durch etwas
höhere Wahrscheinlichkeiten für mehr als 30 l/qm in 24 Stunden am Bayerischen
Wald und im Berchtesgadener Land quittiert.
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Basis für Mittelfristvorhersage
MOSMIX, EZMW, EZMW-EPS
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VBZ Offenbach / Dipl. Met. Simon Trippler