DWD Synoptische Übersicht Mittelfrist
18-02-2026 11:30
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Mittwoch, den 18.02.2026 um 10.30 UTC
Deutliche Milderung mit viel Regen, Wind und Tauwetter.
__________________________________________________________
Synoptische Entwicklung bis zum Mittwoch, den 25.02.2026
Bis zum Samstag, dem Beginn des Mittelfristzeitraumes, hat sich eine deutliche
Umstellung der Wetterlage für ganz Deutschland eingestellt. Während bisher die
Angriffe der milden Luftmassen immer von Südwesten kamen und im Vorfeld der Wind
auf Nordost drehte und damit Kaltluft in den Nordosten führte, kommt dieses Mal
der Angriff von Westen bis Nordwesten, was eine nachhaltige Milderung auch in
den Nordosten bringt.
So liegt am Samstag nach IFS Deutschland wieder im Bereich einer kräftigen
Höhenströmung, die rückseitig eines rasch abziehenden Troges auf Westnordwest
dreht. Bodennah hat sich ein Zentraltief nach Skandinavien voran gearbeitet,
welchem hoher Luftdruck über Südwesteuropa gegenüber steht. Das resultiert auch
bei uns in recht kräftigem Südwestwind mit steifen Böen im Bergland. Dieser Wind
bringt milde Luft auch in den Nordosten des Landes, wo mehr als 5°C erwartet
werden, im Westen werden es über 10°C. Über dem Norden und der Mitte schleift
ein Frontensystem, das Regenfälle bringt, aber auch im übrigen Land ist Sonne
Mangelware. In Frühstunden müssen aber in Odernähe und im östlichen Bergland
noch die letzten Kaltluftreste ausgeräumt werden, dort kann es anfangs auch noch
Schnee und Glatteis geben.
In der Nacht zum Sonntag schwenkt ein flacher Höhenrücken herein, der aber im
Laufe des Sonntages selbst schon wieder abgehobelt wird. Nachfolgend stellt sich
über Deutschland eine stramme westliche Höhenströmung leicht diffluenter Natur
ein. Ein neues Frontensystem zieht schon in der Nacht auf und bringt weitere
Regenfälle. Bei weiterhin flottem Westsüdwestwind setzt sich die Milderung noch
stärker im Nordosten durch.
Am Montag schwenkt ein weiterer Kurzwellentrog durch, nach welchem die
Höhenströmung nach Westnordwest dreht, nach einem neuen Trog dreht die Strömung
in der Nacht zum Dienstag auf Nordwest. Damit zieht eine Kaltfront langsam von
Nordwest nach Südost durch in bringt weitere Regenfälle. Im Nordosten geht in
850 hPa die Temperatur wieder auf -4°C zurück, bodennah kühlt es aber bei guter
Durchmischung nur wenig ab. Im Erzgebirge kann es aber in höheren Lagen kräftig
schneien. Der Wind schwächt sich im Vergleich zum Vortag etwas ab.
Am Dienstag meridionalisiert sich die Strömung deutlich und ein Höhenrücken
schwenkt von Westen herein. Bodennah schwenkt ein Zwischenhochkeil über den
Süden des Landes hinweg. Dort setzen sich im Tagesverlauf immer mehr
Wolkenlücken durch, während es im Norden noch etwas regnet. In der Nacht setzen
sich die Lücken auch weiter nach Norden hin durch.
Dies ist am Mittwoch aber schon wieder vorbei, denn aber auf dem Atlantik nähert
sich schon wieder ein Zentraltief und wir gelangen auf die Trogvorderseite.
Diese generiert aber noch nicht viel Hebung, so dass eine von Nordwesten
hereinschwenkende Kaltfront nur recht wenig Regen bringt. Im Süden und Osten
gibt sich der Vorfrühling ein Stelldichein mit Sonne verbreitet über 15°C.
In den Folgetagen kommt es wieder zu Geopotentialverlust, ein Langwellentrog
schwenkt nach Deutschland herein. In 850 hPa geht die Temperatur wieder unter
0°C zurück, bei guter Durchmischung bleibt es aber im Tiefland recht mild.
Häufige Regenfälle und Schauer beenden aber den vorfrühlingshaften
Witterungscharakter wieder.
__________________________________________________________
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die Konsistenz des aktuellen Laufes mit seinen beiden Vorgängerläufen ist
zumindest bis zum Dienstag recht gut, im Detail zeigen sich aber doch ein paar
Unterschiede. So ist ein am Sonntag schleifendes Frontensystem von Lauf zu Lauf
etwas nach Süden gerutscht. Auch am Montag präsentieren sich Frontalzone und
regenbringende Fronten von Lauf zu Lauf etwas südlicher. Der dienstägliche
Höhenrücken wird recht übereinstimmend von allen Läufen simuliert. Dessen
Beständigkeit ist aber noch unsicher. So soll nach dem gestrigen 00-UTC-Lauf der
nächste Trog schon im Laufe des Mittwochs übergreifen, nach dem 12-UTC-Lauf
sogar noch etwas eher. Im jüngsten Lauf kommen wir dagegen nur sehr langsam auf
die Trogvorderseite. Den Übergang zu einer Troglage in den Folgetagen zeigen
wieder alle Läufe, es steigen aber die Unsicherheiten. Der gestrige 12-UTC-Lauf
zeigt vorübergehend sogar eine Südlage mit Föhn.
__________________________________________________________
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Die heute vorliegenden deterministischen Modelle zeigen bis Sonntag eine sehr
ähnliche Entwicklung. Am Montag wird der Trog bei GFS etwas stärker als beim IFS
simuliert, GFS zeigt auch ein kräftigeres zur Ostsee ziehendes Tief, das auch
mehr Wind zur Folge hätte. Auch GEM zeigt den Trog etwas stärker, während ICON
und UK10 eine recht glatte westnordwestliche Höhenströmung zeigt, aber trotzdem
nicht weniger Niederschlag.
Am Dienstag und Mittwoch zeigen alle Modelle den Höhenrücken, GFS ist dabei
etwas kräftiger aufgestellt als die Konkurrenz. Mit dem Heranrücken des nächsten
Troges ist GFS allerdings auch schneller als IFS, auch GEM zeigt eine schnellere
Entwicklung.
Den Übergang zu wieder etwas kühlerem Wetter und niedrigerem Geopotential in der
erweiterten Mittelfrist zeigen GFS, GEM und IFS, allerdings sehen die genauen
Entwicklungen doch recht unterschiedlich aus. GEM und GFS haben dabei
vorübergehend auch recht stramme Westlagen mit Sturmgefahr im Angebot.
__________________________________________________________
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Das EPS des IFS verteilt sich im Zeitraum von Montag bis Mittwoch auf sechs
Cluster, wobei die Unterschiede nicht sehr groß sind. Lediglich C6 (mit
spärlichen zwei Mitgliedern) sticht etwas ins Auge mit dem Aufbau eines sehr
kräftigen Höhenrückens über Mitteleuropa am kommenden Mittwoch. Hier findet dann
auch ein Regimewechsel von "positiver NAO" zu "Blocking" statt. Im Zeitraum ab
nächstem Donnerstag werden die EPS-Läufe wieder sechs Clustern zugeordnet, dann
wird es aber kunterbunt. Die Tendenz zu Geopotentialabbau und Troglage ist aber
bei fünf der Cluster deutlich zu sehen, wenngleich die Lagen doch recht
unterschiedlich aussehen. Lediglich Cluster 6 (wieder mit (wohl den gleichen)
zwei Mitgliedern) zeigt einen monumentalen Rücken über unserem Land und eine
Hochdruckbrücke von den Azoren bis nach Sibirien.
Die Rauchfahnen für verschiedene Städte Deutschlands zeigen bei vergleichsweise
wenig Unsicherheit den markanten Anstieg der Temperatur und des Geopotentials
bis zum kommenden Mittwoch, wobei bei allen Größen am Montag eine deutliche
Delle zu finden ist. Am Mittwoch liegt der Ensembleschwerpunkt der
850-hPa-Temperatur zwischen 2°C im Norden und 10°C im Süden. Danach geht es mit
Temperatur und Potential im Mittel deutlich nach unten, wobei allerdings auch
die Streuung sehr groß wird.
Niederschlagssignale sind über den gesamten Zeitraum hinweg vorhanden, lediglich
am Dienstag und Mittwoch gibt es über dem Süden des Landes eine kleine Pause.
Dennoch sieht es so aus, als würde der meteorologische Winter noch daran
arbeiten, sein Niederschlagsdefizit auszugleichen, was er aber nicht mehr
flächendeckend schaffen wird.
Die Rauchfahnen des GFS zeigen keine signifikant anderen Entwicklungen als jene
des IFS.
_________________________________________________________
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
EFI:
Der EFI bringt Signale für starken Regen vor allem im Osten und Norden am
Samstag und Sonntag. Am Sonntag ist ein starkes Wärmesignal in weiten Teilen des
Landes zu sehen. Am Montag gibt es im Süden ein Windsignal. Von Samstag bis
Montag ist ein starker atmosphärischer Fluss vom Atlantik nach Deutschland
gerichtet, der die Dauerregengefahr unterstreicht.
Schnee und Glatteis:
Am Samstagmorgen geht ein Schneefall- und Glatteisereignis im äußersten Osten
und im östlichen Bergland zu Ende.
Sturm:
Am Samstag besteht nach dem IFS-EPS vor allem in höheren Lagen der Mittelgebirge
eine gewisse Gefahr von stürmischen Böen. Am Sonntag dürfte es dann eher die
Nordsee und den Nordwesten betreffen, inklusive westliches Bergland.
Am Montag zeigt dann IFS-EPS recht hohe Wahrscheinlichkeiten in fast allen
Teilen des Landes (ausgenommen Nordosten), mit den höchsten Wahrscheinlichkeiten
in Franken.
Nach vorübergehender Beruhigung steigt am Mittwoch die Gefahr stürmischer Böen
wieder an der Nordsee und im Westen des Landes.
Dauerregen/Tauwetter:
Wiederholte Regenfälle von der Nacht zum Samstag bis etwa Montagmittag könnten
in einigen Mittelgebirgen (prinzipiell in allen möglich, aber es werden wohl
nicht alle betroffen sein) sowie in den Alpen für Niederschlagssummen oberhalb
der Warnschwellen für Dauerregen sorgen, wobei sowohl das 24-stündige (30 l/m²)
als auch das 48-stündige (40 l/m²) Kriterium erreicht werden könnten. Die
Wahrscheinlichkeiten hierfür werden von ICON-EU-EPS meist unter 30 % gesehen,
von IFS noch geringer, von Cosmo-LEPS noch etwas höher. Unwetterschwellen werden
wohl nicht erreicht, allerdings muss auch Tauwetter in Betracht gezogen werden,
weil in den Mittelgebirgen ja auch noch Schneeschmelze hinzukommt. Schnee fällt
nur noch in den Alpen und nur oberhalb von 1500 m. In den Hochlagen könnten aber
signifikante Neuschneemengen zusammenkommen.
________________________________________________________
Basis für Mittelfristvorhersage
MOS-MIX, IFS-EPS
________________________________________________________
VBZ Offenbach / Dipl.-Met. Peter Hartmann