DWD Synoptische Übersicht Kurzfrist

11-02-2026 18:30
SXEU31 DWAV 111800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Mittwoch, den 11.02.2026 um 18 UTC


SCHLAGZEILE:
Zunächst oft mild und regnerisch, im Süden windig. In Ostseenähe zeitweise
Schnee und Temperaturen um den Gefrierpunkt, bis zum Wochenende südwärts
ausgreifend.

Synoptische Entwicklung bis Freitag 06 UTC
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Aktuell ... haben wir es mit einer südlichen Westlage zu tun. Dabei hat die
atlantische Tiefdruckaktivität vorübergehend mächtig aufgedreht und den Winter
nahezu komplett aus Deutschland vertrieben. Komplett? Nicht ganz. In weiten
Landesteilen hat sich zwar am Südrand einer von Irland und England über die
Norddeutsche Tiefebene hinweg bis in den Raum Warschau reichenden Tiefdruckrinne
mit einer südwestlichen Strömung milde Atlantikluft durchgesetzt (Höchstwerte in
Andernach und Bad Dürkheim/ RPL bei 13.9 bzw. 13.7°C).

Es hieß aber nicht südliche Westlage, wenn die Kaltluft nicht in Reichweite
wäre. Nördlich der Rinne ist die Kaltluft über Skandinavien leicht modifiziert
auch noch an unseren Küsten bemerkbar bei Temperaturen nur um oder wenig über
dem Gefrierpunkt (T850 < 0°C, ab Oslo und Stockholm nordwärts noch < -10°C). In
die Rinne eingelagert ist eine Okklusion, an deren Nordrand die Niederschläge
mit Erreichen des äußersten Nordens und Nordosten des Landes zunehmend in Schnee
übergeht. Nördlich einer Linie Kiel-Greifswald sollten bis morgen Früh 2-3 cm
Neuschnee zusammenkommen. Die ww-Modellinterpretation des ICON-D2 verweist
punktuell auf gefrierenden Regen, der aber beim genaueren Reinzoomen auf
vereiste Gewässeroberflächen begrenzt ist.

Weiter südlich erfolgt nach nur kurzer Regenpause das Übergreifen eines
Randtiefs mit leicht elliptischem Kern, das noch recht intensiv im Westausgang
des Ärmelkanals mit knapp 970 hPa ankommend auf dem Weg nach Osten bei
überlaufender KLA zwischen 500 und 1000 hPa und Trogvorstoßes in 300 hPa
Richtung Löwengolf (Entfernung vom linken Jetausgang, Stichwort: südliche
Westlage) an Schärfe und Intensität verliert. Der Okklusionsvorgang mit
rumgeholtem Anteil auf der Rückseite kommt schleunigst voran und nach den
postfrontalen Schauern der ersten Okklusion kommt nach nur kurzer Beruhigung in
der zweiten Nachthälfte aus Südwesten neuer Regen auf. In der Früh erreicht das
Randtief mit rund 975 hPa den Raum Aachen, dessen Regenfälle auf der Vorderseite
dann auch das Vogtland und Ostbayern. Bis auf ganz vereinzelte Kältelöcher in
den östlichen Mittelgebirgen sollte das Glätte keine Rolle spielen. Von der
Eifel und dem Schwarzwald bis nach Franken kommen dabei 12h weitere 10, in
Staulagen punktuell bis 20 l/qm bis zum Vormittag hinzu, weshalb die
ausgegebenen Dauerregen-/Tauwetterwarnungen weiterhin ihre Berechtigung
behalten. Zahlreiche Pegel in Mittelfranken melden bereits ein mittleres
Hochwasser.

Gleichzeitig frischt der Wind an der Südflanke des Randtiefs erneut auf, so dass
in bei Südwest anfälligen Lagen des Saarlandes nach kurzer Abnahme einzelne
Windböen Bft 7 auftreten. Zumindest aber die Hochlagen des Schwarzwaldes
reagieren mit Sicherheit auf die Annäherung des Tiefs mit Sturmböen, auf dem
Feldberg auch schweren Sturmböen um 100 km/h (Bft 10). Dabei bleibt es vielfach
mild bei 9 bis 3°C, im Ostseeumfeld um 0°C.


Donnerstag ... ändert sich an der Großwetterlage wenig und der Hauptanteil der
Frontalzone biegt noch immer sehr weit südlich vom Westausgang der Biskaya in
den zentralen Mittelraum und teilweise sogar bis nach Nordafrika ab. Unser
Randtief zieht vom Nordrand der Eifel bis nach Abend nach Brandenburg und bildet
mit einem Residuum im Bereich des Ijsselmeeres eine langgestreckte Rinne über
Norddeutschland aus.

Nördlich davon dauert die östliche Strömung an, allzu kalt ist die Luftmasse
aber nicht und die Temperaturen liegen dort knapp über dem Gefrierpunkt im
Tagesverlauf. Besonders von Schleswig-Holstein bis Vorpommern fällt nasser
Schnee mit ein paar cm Neuschnee, wobei tagsüber kaum noch was akkumuliert.
Gefrierender Regen sollte die absolute Ausnahme bleiben, bodennahe Abkühlung
findet bei der geschlossenen Wolkendecke und fehlender Advektion (Wind
strömungsparallel zur Kaltluft) eigentlich nur durch Niederschlagsabkühlung
statt. Bei lebhaftem Ost- bis Nordostwind kommt es an exponierten
Küstenabschnitten zu Böen (7-8 Bft), vorrangig rund um Rügen, Fehmarn und Sylt.


Im Bereich der Rinne ist die Luftmasse modifiziert, aber ebenfalls alles andere
als kalt mit 5 bis 8°C und im Süden liegen die Maxima ähnlich zum Vortag bei 8
bis 13°C. Recht verbreitet regnet es, da nun auch der rumgeholte
Okklusionsanteil einmal von Ost nach West über die Südhälfte Deutschlands hinweg
geführt wird. Bis zum Abend kommen so weitere 10 bis 20, im Schwarzwald auch um
30 l/qm hinzu, wodurch sich die Hochwasserlage weiter verschärfen dürfte.
Vorhandener Restschnee taut bei 0°C Grenzen jenseits von 1400 m im Süden weiter
ab.

In dessen Randbereichen ist auch bei kurzen Auflockerungen ein Mindestmaß an
Labilität vorhanden, was den Impulstransport von 40 bis 50 Knoten Oberwind in
850 hPa erleichtert. So sind erneut die Bereiche vom Saarland und der Pfalz über
Schwaben und das Alpenvorland hinweg bis zum Bayerischen Wald im Fokus mit Böen
zwischen 60 und 80 km/h. Auf Schwarzwaldgipfeln und in den Alpen treten teils
orkanartige Böen bis 110 km/h aus West auf.


In der Nacht zum Freitag haben sich die Modelle inzwischen deutlich angenähert.
Die Bodentiefstruktur bleibt dabei ziemlich komplex mit Zentren über dem
Oderbruch und der Irischen See, die durch eine langgestreckte Rinne miteinander
in Kontakt stehen. Trogbereich und das westliches Tief verhindern dabei eine
rasche südwärtige Verlagerung der Kaltluft, weshalb die Schneephase bis zum
Morgen allenfalls bis dicht nördlich von Berlin und Hannover ausgreift. Nördlich
davon kommen nochmal wenige Zentimeter Neuschnee zusammen, so dass ausgangs der
Nacht weite Teile Norddeutschlands zumindest wieder angezuckert sein sollten.

Sonst bleibt es bei schauerartigen Regenfällen an der Südflanke der Rinne, wobei
durch die fortwährende Niederschlagsabkühlung die Schneefallgrenze auch im Süden
allmählich wieder auf etwa 1000 m absinkt. An den Küsten und südlich des Troges
bleibt es zunächst ähnlich windig, bzw. stürmisch wie tagsüber. Tendenziell
lässt der Wind im Laufe der Nacht aber doch
nach.

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Synoptische Entwicklung bis Samstag 06 UTC

Freitag ... eine neue Austrogung über der Iberischen Halbinsel induzierte eine
neue Tiefdruckentwicklung. Der Kaltluftvorstoß aus Norden wird dadurch weiter
verzögert. Bei nachlassenden Niederschlägen setzt sich die Schneephase bis zum
Abend aus Norden in etwa bis zu den zentralen Mittelgebirgen fort, dabei aber
kaum nennenswerter Neuschneezuwachs. Im Süden noch mild, zeitweise Regen und
windig, aber nicht mehr in der Stärke der Vortage. In der Nacht zum Samstag
verbreitet Frost und Glätte, im Bereich der Luftmassengrenze vor allem im
Südwesten auch mäßige Schneefälle möglich.


Modellvergleich und -einschätzung
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Die Basisfelder sehen inzwischen sehr ähnlich aus. ICON hat sich mittlerweile
angeglichen und die Tiefentwicklung im Trogbereich über Niedersachsen
entschärft.


Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Robert Hausen