Thema des Tages

11-02-2026 16:20


Wissenschaft Kompakt

Die Schneefallgrenze



In den vergangenen Tagen war sie zwar nicht mehr ganz so häufig in
den Medien, aber im äußersten Norden wird von ihr weiterhin
gesprochen und im Rest des Landes wird sie in den kommenden Tagen
wieder ein Thema werden. Die Rede ist von der Schneefallgrenze. Wie
man sie bestimmen kann und welchen Einfluss verschiedene
meteorologische Parameter hierauf haben, ist heute Thema des Tages.


Dass es manchmal wirklich schwer fällt, die Schneefallgrenze und
damit die Art des Niederschlages an einem Ort zu bestimmen, wurde
beispielsweise am vergangenen Dienstag, den 03.02.2026 deutlich, als
etwa über Hessen deutlich mehr Schnee fiel, als zunächst erwartet
worden war, da man eher von Regen ausging.
Prinzipiell gibt es zunächst die einfache Faustformel, dass Schnee
bis ca. 200, manchmal auch knapp 300 m unter die sogenannte
Nullgradgrenze fällt, bevor er schmilzt und zu Regen wird. Diese
Methodik wurde empirisch bestimmt und erweist sich daher in der
Praxis nicht immer als hilfreich, da die Schneefallgrenze nicht
selten tiefer liegt, als es die zuvor berechnete Nullgradgrenze
verlauten lässt.
Das Ganze lässt sich aber auch rein physikalisch in der Theorie
ziemlich gut berechnen. Hierbei muss man wissen, dass für den
Schmelzprozess, genauer gesagt den Phasenübergang von Schnee zu
Regen, Energie in Form von Wärme benötigt wird. Diese Schmelzwärme
beträgt beim Wasser ziemlich genau 335 J/g und ist die mindestens
benötigte Energie. Sie besagt, dass 335 J aufgewendet werden müssen,
um 1 g Wasser von der festen (Eis) in die flüssige Phase (Wasser) zu
überführen.
Diese Energie ist jedoch nicht einfach "da", sondern sie wird der
Umgebungsluft entzogen, weshalb ihre Temperatur wiederum absinkt. Das
kann zur Folge haben, dass die Schneefallgrenze mit der Zeit deutlich
weiter abfällt - und mit ihr auch die Nullgradgrenze. Besonders bei
kräftigeren Niederschlägen (oder Schauern) wird ein hohes Maß an
Schmelzwärme benötigt, um die zahlreichen Flocken zum Abtauen zu
bringen. Da so viel Schmelzwärme nicht immer vorhanden ist, sinkt die
Umgebungstemperatur auf Werte um oder unter den Gefrierpunkt und es
schneit bis in tiefere Lagen. Häufig bildet sich dabei eine isotherme
Schichtung, also eine Schichtung mit annähernd gleichbleibender
Temperatur im Höhenverlauf, aus, womit man bei diesem Ereignis vom
Isothermieschneefall spricht. Wichtig dafür ist jedoch, dass kein
oder nur wenig Wind weht, der eine Durchmischung der Luftschichten
verhindert.
Auch die Luftfeuchtigkeit hat einen großen Einfluss auf die
Schneefallgrenze: Hier ist ebenfalls der Wärmeentzug von Bedeutung,
denn ist die Luftschicht, in die der Schnee fällt sehr trocken, so
verdunstet ein Teil davon und entzieht der Umgebungsluft beim
sogenannten Sublimationsprozess ebenfalls Energie in Form von Wärme,
was ein Absinken der Temperatur und nachfolgend auch der
Schneefallgrenze zur Folge hat.
Wie man die Schneefallgrenze in der Praxis nun bestimmen kann, sollen
prognostizierte Radiosondenaufstiege in einfacher Weise
verdeutlichen. Zu sehen ist auf der Grafik 1 der Temperatur- und
Feuchteverlauf mit der Höhe (schwarze Linien) in der Nähe von Bremen,
bei Grafik 2 für die Nähe von Dresden.

Farblich hervorgehoben sind die sogenannten Schmelzflächen. Das
heißt, die Fläche zwischen der 0-Grad-Linie (blaue Linie) und dem
Temperaturverlauf gibt wie bei einem Integral die Summe der Wärme an,
die dem schmelzenden Schnee zur Verfügung steht. Ist diese Fläche
blau eingefärbt, wie in Grafik 1, so reicht die Schmelzwärme (noch)
nicht vollständig aus, um den Schnee komplett abzuschmelzen und
folglich wird "SFC" für surface = Boden für die Schneefallgrenze
ausgegeben. Im zweiten Beispiel dagegen ist die Fläche grün, was
nichts anderes bedeutet, als dass genug Schmelzwärme bereitsteht und
die Schneefallgrenze damit laut Berechnung bei rund 550m liegen wird.


Nichtsdestotrotz stellt die Bestimmung der Schneefallgrenze im
Realfall immer eine der schwierigsten Prognoseleistungen dar, wie die
genannten Einflüsse und auch die Erfahrung der letzten Woche(n)
verdeutlichen. Sie kann auch noch mittels anderer Algorithmen
bestimmt werden, die in einem gesonderten Thema des Tages einmal
vorgestellt werden sollen.

Für die kommenden Tage wird die Schneefallgrenze wieder von Bedeutung
werden, da sie mit einem neuerlichen Kaltlufteinbruch teilweise bis
in tiefe Lagen absinken wird. Damit steht zumindest regional neuer
Schnee auf dem Fahrplan.
M.Sc.-Met. Oliver Reuter
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 11.02.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

M.Sc.-Met. Oliver Reuter

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Offenbach, den 11.02.2026

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